Norbert Glas | Die Egoisten
Michael Eggert: Nägelbeißer und Negerlippen

Eine rassistische Physiognomik von Norbert Glas

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1897-1986

Das vorliegende Buch von Norbert Glas [1] habe ich 1985 im Studienhaus Rüspe gekauft. Ich war damals häufig auf Tagungen dort. Ich fand das Buch damals anregend und wünschte mir, ich hätte Geld übrig für andere aus der physiognomischen Reihe von Glas. Schließlich könnte mir, dachte ich damals, eine solche phänomenologische Physiognomie auch beruflich weiterhelfen- gewissermaßen als diagnostisches Mittel. Und schließlich war Glas damals wer. Das erste Buch war bei der Arbeitsgemeinschaft Anthroposophischer Ärzte erschienen. Aber auch heute sind die Bücher weiterhin lieferbar- so etwa bei Amazon. Sie sind auch in den 90ern neu aufgelegt worden. Das Layout ist sichtbar verändert. Ob eine gnädige Lektorenseele auch über die Inhalte gegangen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber eigentlich möchte ich es bezweifeln. Eigentlich kann ein noch so begabter lektor eigentlich auch nichts retten - außer zu veranlassen, es einzustampfen. Aber führen wir erst einmal in Ruhe aus, was für Forschungsergebnisse uns Herr Glas darin auftischt.

In dem vorliegenden Buch versucht Glas, aus körperlichen Eigenheiten des Menschen auf andere Eigenschaften zu schließen und dementsprechend zu generalisieren. Nichts anderes besagt der Begriff Physiognomik.


Physiognomische Karmabetrachtungen

Offensichtlich gibt es für Glas bestimmte Idealmaße, denen Menschen mehr oder weniger entsprechen. So liegt etwa "das Ohr in Höhe der Nase, von oberhalb der Nasenwurzel bis ungefähr zu der Stelle, wo die Nasenscheidewandhaut in die Oberlippe übergeht [2] . Wichtig ist: "Nur wenn die Änderungen wirklich deutlich in Erscheinung treten, sind sie von Bedeutung; kleinere Schwankungen trifft man bei vielen Menschen an" [3] . Besonders bedeutungsvoll sei das Ohr auch deshalb, weil es sich im Laufe des menschlichen Lebens zwar noch in der Größe, aber "nicht mehr in seiner Form wesentlich verändert" [4] . Insofern ist das Ohr für Glas "als ein Bild des vergangenen Erdenlebens zu betrachten. Was jemand aus seiner Vergangenheit an Fähigkeiten in das neue Leben mitbringt, das vermittelt uns die Gestalt des Ohres" [5] . Für Glas sind die Ohren also "Denkmäler des vorhergegangenen Daseins [6] ". Für jemanden wie Glas deutet sich damit Unentrinnbares an: Die physiognomischen "Erkenntnisse" lassen für ihn eindeutige Schlüsse zu nicht auf den den angeblichen Charakter des Betrachteten, sondern auf sein Karma.

In einer ersten Betrachtung ordnet er in der obligatorischen anthroposophischen Betrachtungsweise

- den oberen Teil des äußeren Ohres dem Kopfteil,
- die mittige Höhlung dem mittleren Menschen mit dem Fühlen
- und das untere Drittel dem Stoffwechselmenschen zu. Die untere Ohrmuschel und das Läppchen geben dem geneigten Physiognomiker also Hinweise auf "Kraft und Stärke des Wollens [7] " des Menschen.



Ich-lose Faune



Von daher sagt ein zu tief sitzendes Ohr also schon einiges über eine "zu starke Verbindung mit den Kräften der Erde" aus; bei zu hoch sitzenden Ohren kann jemand z.B. "ziemlich theoretische Gedanken"entwickeln, die "rein intellektuell und ausgesponnen [8] " sind und sogar zu "fanatischen Schrullen"werden können. Schrecklich: Ein solcher "Menschengeist hat den Weg nicht genügend in das Irdische gefunden" [9] .

Herr Glas nimmt sich die Freiheit, dies mit der Vorstellung des Fauns zu assoziieren. Er legt auch ein Bild eines solchen Fauns daneben. Der Faun, bemerkt er tiefgründig,"ist charakteristischerweise völlig ich-los" [10] . Ob das über die beschriebenen intellektuellen Menschentypen auch zutreffen soll, verrät er uns nicht, jedenfalls nicht expressis verbis.



Kleptomanen und arrogante Intellektuelle

Dagegen hat das schräg nach hinten geneigte Ohr für Glas eindeutige charakterliche Konsequenzen: Solche Menschen haben eine "Sucht, Distanz zur Umwelt zu bewahren [11]". Sie sind voller "Überheblichkeit". So etwas sitzt "sehr tief im Wesen eines Menschen". Manchmal ist eine gewisse Neigung des Ohres auch so ausgeprägt, dass sie Ausdruck übersprudelnder Phantasie ist. Dann allerdings ist es möglich, dass Kinder den Hang zur "Kleptomanie" entwickeln. Sie sind "Wesen mit schwachem Willen, die sich nur von dem leiten lassen, was sie gerade mit den Sinnen wahrnehmen" [12] .

Es wäre also heute -möchte ein Angehöriger des digitalen Zeitalters anmerken - leicht möglich, mit einem am Eingang angebrachten Gesichtsscanner Ladendiebe schon vor der Tat zu erkennen. Schräg stehende Ohren müssten leicht zu orten sein. Da solche Eigenschaften - wie anfangs festgestellt -in der Argumentation von Glas karmisch begründet sind, sollte man von vornherein lebenslanges Lokalverbot verhängen! Dies nur als praktische Anwendungsmöglichkeit für technisch begabte Physiognomiker, die sich vielleicht ein Zubrot verdienen möchten.

Bei abstehenden Ohren dagegen hat man es mit mangelnden Formkräften zu tun, die oft auch mit Nasenwucherungen und Plattfüssen einhergehen. Das sind richtig schlaffe Zeitgenossen, die müde und schwach "Kopf und Schultern" hängen lassen. Nicht gerade eine Gefahr für die Umwelt, aber auch kein netter Anblick. Insgesamt sind solche Typen eher "eine mehr einfache Natur" [13] , auch wenn man es fertig bringen kann, im Laufe seines "Daseins seine Seele"umzugestalten. Bei deutlich unterschiedlich gestalteten Ohren hat man es meist mit wirklich "zurückgebliebenen"Kindern zu tun.



Tief eingeborene Lügenbolde und Blödmänner

Im folgenden geht Glas immer detaillierter auf mehr oder weniger geformte Ohrmuscheln ein. Wenn jemand etwa die obere Ohrkuppe weniger als schöne Rundung ausbildet, dann ist für Glas schon die gesunde Denkweise notwendigerweise gestört. Solche Menschen lassen ihre Vorstellungen ins Phantastische, ja ins "Lügenhafte" [14] abgleiten. Eine solche Eigenschaft ist dann schon "tief eingeboren"in einen Menschen. Menschen mit abgeflachter oberer Ohrkuppe dagegen sind einfach nur blöd. Richtig cholerische Menschen dagegen zeichnen sich durch fette, fast viereckige Ohrläppchen aus. Bei angewachsenen Ohrläppchen dagegen deutet sich ein schwächlich veranlagtes Willenssystem an. Pech gehabt !



Planetarischer Ohrenstempel



Für Esoteriker und Astrologen schiebt Glas eine kurze Einheit zur Beziehung der Planeten auf die Ohrform ein. Es drückt sich, wird dabei klar, "eine gewisse Sternkonstellation in unserem Ohr ab". Auch das noch. Zur Stunde der Geburt wird uns diese interstellare Konstellation gewissermaßen eingestempelt- und als Abdruck muss das Ohr herhalten. Niemand sollte sich beklagen, schließlich hat man sich das selbst eingebrockt: Das ist nun einmal "unserer Vergangenheit entsprechend". Da bleibt nun mal "mit der Geburt nichts übrig, was eine Verwandlung der Ohrengestalt noch zuliesse".

Große Köpfe, kleine Köpfe, Stiernacken und Kinderschädel- Herr Glas wandert in seinem Werk weiter durch das physiognomische Nähkästchen. Er kommt an griechischen Heroen und Madonnen vorbei, aber natürlich auch an Finsterlingen wie Ahriman und Judas. Stirnrunzler, Grübler und Runzelübersäte säumen seinen Weg- aber auch kurznasige und Nasenhänger. All das wird von Fotos Betroffener reichlich bebildert. Vor allem die Runzler kommen ganz gut bei ihm weg.



Menstruierende Nasen und primitive Inder und Australier



Menschen mit riesigen Nasenflügeln beispielsweise sind arg verfressen. Eine besondere Bedeutung hat natürlich die untere Mitte der Nase, die "mit dem Sexuellen zu tun hat [15] ". Bei "primitiven Völkern"zum Beispiel, die ja die "Betonung der Geschlechtsfunktionen noch gerne offen zur Schau" tragen, betont man diese heikle Stelle auch noch besonders -etwa durch einen Nasenring.

Typisch für solche primitiven Völker scheint für Glas etwa das indische zu sein, wie die "abgebildete Inderin" in seinem Buch verdeutlicht. Aber auch Australier - jedenfalls nicht- weiße - stoßen sich, ohne zu wissen, was sie tun, ganze Holzpflöcke durch den unteren Teil der Nase. Den Beweis dafür, wie stark Sexualität und Nasenmitte miteinander zusammenhängen, tritt Glas auch gleich an: schließlich hätten viele Frauen bei der Menstruation auch Nasenbluten! Und laufen auch mit geschwollenen Blutgefäßen in der Nase umher! All das Tatsachen des Lebens, die mir bisher verborgen geblieben waren.



Nägelbeißer, Knochenfresser und dauergeile Wulstlippler



Schrecklich dagegen diese Typen, die mit wulstigen Lippen umhergehen. Man sollte sich vor ihnen vorsehen, vor allem wenn sie dazu noch einen zu kleinen Mund haben. Oft haben solche Typen auch noch eine zu schwache Blase und müssen dauernd pinkeln. Solche Pissnelken haben leider eine "allgemeine Schwäche der Gestaltbildung überhaupt" [16] . Deshalb lassen sie auch die Wärme "ihres ganzen Trieblebens zu heftig und unkontrolliert nach oben schlagen, - und die Instinkte wulsten dann die Lippen vor" [17] . Typen mit wulstigen Lippen und schwacher Blase sind -um es mit einem Wort zu sagen- dauergeil.

Nicht besser ist es mit den Nägelbeißern. Die wollen ja auch "feste Formen auflösen und sogar vernichten [18] ". Diese Beißertypen wollen die "Härte und Form" aus dem Organismus ablösen. Viel lieber wäre es denen, auch noch die Knochen aufzufressen ("Knochen ist ihm ja unzugänglich" [19] ), und so nehmen sie das Nahe liegendste, die Hornsubstanz. Gerade wenn solche Wesen schlafen gehen, überkommt sie die mit Macht die Sehnsucht, "Triebe und Instinkte" frei werden zu lassen.Pfui! Auf schreckliche Weise steigen diese "Übel aus der geöffneten Büchse der Pandora herauf" [20] . Was mögen sie treiben, diese unglückseligen Wesen, wenn sie der Trieb überkommt ? Man mag es nicht ausdenken.

Es gibt aber sehr wohl noch eine Steigerung. Das sind die Bettnässer. Die gute Sitte verbietet es, hier weiter fortzufahren. Nur noch ein kleiner Hinweis: manchmal sind bei solchen Nägelkauern, Wulstlipplern und Bettnässern auch noch die Lippen kirschrot gefärbt. Das ist dann Gefahr im Verzuge. Dann ist das Bild des menschlichen Wesens direkt vor unseren physiognomischen Augen, das seine Triebe nicht beherrschen kann. Ein Bild der vollständigen Enthemmung.



Die triebhaften Neger



Aber ach, immerhin haben wir Weißen immerhin doch noch hemmende Kräfte. Das mag anderswo auf dieser großen Welt noch anders sein. Indianer zum Beispiel haben stets eine "zu lange Oberlippe", woran man sofort erkennt, dass sie die "Neigung zur Schwere und Verhärtung" haben. Das zeigt sich auch darin, dass sie "schwer lastende Knochen [21] " besitzen. Vielleicht konnten sie deshalb vor den weißen Amis nicht schnell genug davon laufen.

"Die Neger" dagegen haben in Bezug auf ihre Oberlippe "die Neigung zur Verkürzung [22] ". Daher wirken sie "im großen und ganzen sehr kindlich". Man muss allerdings, phänomenologisch sauber - allerdings streng rassistisch - die verkürzte Oberlippe von "der Wulstigkeit der Lippen [23] " getrennt betrachten. Man muss sich von dem Kindlichen nicht in Bockshorn jagen lassen. Denn die wulstigen Lippen deuten doch eindeutig, wie gerade schon dargelegt worden ist, "auf starke Triebelemente in der schwarzen Rasse" hin. Glas schreibt tatsächlich ohne Wenn und Aber von der "schwarzen Rasse". Erstaunlicherweise weist er in diesem Zusammenhang darauf hin, wie "fein die physiognomischen Unterscheidungen getroffen werden müssen, wenn man das Menschenwesen nicht dogmatisch betrachtet" [24] . Ich war gerade der Ansicht, dass er mit solchen Anschauungen eine geradezu umwerfend dogmatische Betrachtungsweise an den Tag gelegt hat.

Lassen wir vielleicht die Oberlippe jetzt auf sich beruhen -selbst wenn manchen brennend interessieren wird, wie sich darin "Trunksucht", "Herrschsucht oder sexuelle Triebhaftigkeit" ausdrücken mögen.

Schlaft gut, liebe Physiognomiker, Phänomenologen und Rassisten und hütet eure schmalen Lippen.

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[1] Das Antlitz offenbart den Menschen. Eine geistgemäße Physiognomik 4. Auflage 1979

[2] S. 31

[3] S. 31

[4] S. 28

[5] S. 28

[6] S. 28

[7] S. 30

[8] S. 32

[9] S. 32

[10] S. 33

[11] S. 33

[12] S. 34

[13] S. 35

[14] S. 45

[15] S. 112

[16] S. 127

[17] S. 127

[18] S. 127

[19] S. 127

[20] S. 127

[21] S. 134

[22] S. 135

[23] S. 135

[24] S. 135