Bauernschulung | Die Egoisten
Regina Reinsperger: Bauernschulung im Kreis Sächsisch Regen


„Die Kreisbauernführung von Sächsisch-Regen hielt unter Leitung des Kreisbauernführers Prof. Gustav Weltzer sowie der Kreisschulungsleiterin Prof. Evamarie Fromm eine Bauernschulung in Sächsisch-Regen ab, an der 130 Bauern und Bäuerinnen teilnahmen. Die Wichtigkeit dieser Schulung wurde durch die Anwesenheit des Gebietsführeres Robert Gassner und des Gebietsbauernführers Landeslaiter Erich Szegedi unterstrichen. Es wurden weltanschauliche und praktische Fragen der Landwirtschaft behandelt. Besonders eindringlich wurde am Vormittag des ersten Schulungstages unseren Bauern und Bäuerinnen die Geschichte des Bauerntum von seiner Entstehung bis zur Gegenwart durch die Vortragenden Prof. Dr. Fritz Benesch und Prof. Dr. Martin Massier vor Augen geführt. Den ersten Schulungstag beschloss ein Kameradschaftsabend der Schulungsteilnehmer mit der Bevölkerung von Regen, in dessen Mittelpunkt die Ansprache des Gebietsbauernführers Erich Szegedi über das Thema "Die Bäurin als Mutter des Volkes" stand. Der Nachmittag des ersten Tages sowie der zweite Schulungstag war den praktischen Fragen der Landwirtschaft gewidmet. Die Schulung wurde mit einem kurzen Schlussappell geschlossen, in dessen Verlauf Kreisleiter Andreas Scheel die Teilnehmer nochmals mahnte, durch ihr Vorbild die übrigen Bauernkameraden in den Gemeinden mitzureissen und Pioniere des Fortschrittes in der Landwirtschaft zu sein.“
Quelle: Deutsche Zeitung, Organ des Verbandes der Deutschen in Ungarn (VDU), 21. Februar 1943, S.3

Diesen Zeitungsausschnitt hat Klaus Popa bei seinen Recherchen entdeckt und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Auffallend ist, dass die Vortragenden meist einen Professoren-Titel führen: das darf aber nicht verwundern, da in dieser Zeit auch die Gymnasiallehrer "Professor" genannt werden. (Auch der "Lausbube" Ludwig Thoma hatte einen "Klass´professor"). Die o.a. Professoren waren alle Gymnasiallehrer am Gymnasium in Sächsisch-Regen und unterrichteten teilweise auch am dortigen Lehrerbildungsseminar. Frau Professor Evamarie Fromm war die Leiterin des Sächsisch-Regener Mädchenheimes und hatte zugleich die Aufsicht über alle deutschen Mädchenheime in Ungarn.

Der obige Bericht unterscheidet zwischen praktischen und propagandistischen Teil der "Schulung". Den propagandistischen Teil über die "Geschichte des Bauerntums" bestritt Dr. Friedrich Benesch mit seinem Kollegen Dr. Massier. Benesch war für diese Vorträge durchaus geeignet, war er doch in seiner Jugend Mitglied bei den "Artamanen" gewesen, hatte nach dem Abitur auf dem Hof des Großvaters gearbeitet, 1931/32 "ein Bauerngut geleitet" und bewirtschaftete in Birk den Pfarrhof (siehe "Beneschs Lebenslauf" hier bei den egoisten). Es fällt auch auf, dass Benesch nicht als "Gebietsführerstellvertreter" genannt ist, und auch, dass er Pfarrer ist wird nicht erwähnt. Für diese Schulung ist er der kundige "Professor".

Auch in seinem "zweiten" Leben als Pfarrer der Christengemeinschaft beschäftigt sich Benesch wieder mit der Landwirtschaft. 1975 ist er gemeinsam mit Ärzten und Landwirten Initiator und Gründungsmitglied des Vereins "Internationale Forschungsgesellschaft für Umweltschutz und Umwelteinflüsse auf Mensch, Tier, Pflanze und Erde e.V. Benesch steht mit dieser Gründung in bester "rechter" Tradition: 1958 wurde in Salzburg der "Weltbund zum Schutze des Lebens" gegründet, dessen Präsident von 1974 - 1982 Werner Georg Haverbeck war. Die Deutsche Sektion dieses äußerst rechtslastigen Vereins nannte sich auch: "Aktionsgemeinschaft zur Erhaltung gesunder Lebensgrundlagen für Natur, Landschaft, Tier und Mensch", die Namensähnlichkeit der Vereine ist nicht zu übersehen. Die anthroposophischen Bauern waren und sind zudem im "Demeter Bund" organisiert, warum also noch ein neuer Verein, noch dazu mit derart hochtrabenden Namen?

Auch Vorträge vor Landwirten hält Friedrich Benesch wieder, er bewegt sich also auf "alten" Pfaden. Jetzt redet er von Elementarwesen und sagt z.B. (Schroeder Seite 299) "Die alte Menschheit in Europa, sowohl die Kelten wie die Germanen haben ja mit den Elementarwesen den inigsten Kontakt gehabt, das heisst, mit der Erde." Die Kelten und Germanen, als "kriegerisches Bauernvolk" sind ihm aus seiner Nazi-Zeit vertraut als "Väter und Mütter" ( s.o.) der heutigen Deutschen - über die Menschen des Mittelalters und der Neuzeit sagt er nichts, obwohl es bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder Zeugnisse gerade von Bauern gibt, die Elementarwesen sehen ( div. Literatur). Wer von den Bauern, vor denen Benesch in den 70er und 80er Jahren seine Vorträge hielt, kannte damals noch die nationalsozialistischen "Blut und Boden" Theorien, wie z.B. das Buch: "Das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse" , geschrieben von Walter Darree´, der wie Benesch auch, Mitglied bei den Artamanen war und später Reichsbauernführer wurde und mit Beneschs Schwiegervater Prof. Hans Hahne sehr gut bekannt war. Was floss da aus Beneschs "ersten Leben" in die Vorträge seines "zweiten Leben" ein, vielleicht sogar ihm selbst unbewusst, was die Zuhörer nicht erkennen konnten, weil ihnen die Voraussetzungen dazu fehlten?


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Quellen:
Hans Werner Schroeder: " Friedrich Benesch - Leben und Werk 1907 - 1991" Mayer-Verlag, Stuttgart 2007, Seiten 293 ff
Wigant Welzer: "Wege, Irrwege, Heimwege" , Schneider Druck, Rothenburg o.T., 2005
Wikipedia: Werner Georg Haverbeck und Walter Darree´( D. ist auch auf den lemo-Seiten zu finden)
Internet-Seiten von Klaus Popa