Satire | Die Egoisten


Zur religiösen Lage in der Christengemeinschaft-
Eine satirische Ent- stellung von Worten Friedrich Beneschs

„Es ist also zunächst zu fragen, was Anthroposophie (1) sei. Dr. Benesch (2) hat neulich auf der kleinen Synode in Söcking (3) die Frage beantwortet: „Nichts anderes, als dass zur Erhaltung unserer Gemeinschaft auf jedem Platz unseres Lebens die höchsten Fähigkeiten ausschließlich und autoritär zum Einsatz gebracht werden.“ Mit diesem Satze ist das Wesentliche restlos gesagt. Erstens die Aufgabe – der Wille: die Erhaltung unserer Gemeinschaft.

Wer die tiefste Triebfeder Friedrich Beneschs (2) kennen will, der wisse, er ist Seminarleiter (4) in dem Sinne der Erhaltung der Christengemeinschaft (5); und alles, aber auch rein alles was er tut, nach innen und nach außen (6), tut er zur Erhaltung der Christengemeinschaft(5).

Ebenso bewertet er alle Dinge danach, wie sie der Erhaltung der Christengemeinschaft (5) dienen, und da er weiß, dass die Erhaltung der Christengemeinschaft (5) allein durch die Gemeinschaft gewährleistet ist, so tut er alles zur Erhaltung der Gemeinschaft. Und nur von hier aus ist Friedrich Benesch (2) zu verstehen. Diesem Grundwillen, diesem „unbändigen Willen“ zur Schaffung und Erhaltung der Gemeinschaft ordnet er alles unter, und nur von hier aus ist seine Stellung zu begreifen.

Zweitens: die Methode, der Weg: zum Einsatz-Bringen aller Fähigkeiten, die dem Ziel dienen, ausschließlich, das heißt total, und autoritär, das heißt eben von jenem zentralen Willen der Schaffung und Erhaltung der Gemeinschaft her, also auf Grund des Führungsprinzips (7). Und die Weltanschauung der Anthroposophie (1) ist eben die, dass das so sein muss und nicht anders sein kann. Und drittens: die Grundhaltung: dass alle, auch die höchsten und glänzendsten Fähigkeiten diesem Ziel dienen müssen, ja ihren höchsten Wert von dort erst erhalten, indem sie zur Erhaltung – je auf ihren Platz – eingesetzt, das heißt geopfert werden.“


Der Text ist mit nachstehenden kleinen Veränderungen erschienen in: „Die Burse“ – Rundbrief der deutschen Burse zu Marburg, geleitet von Johann Wilhelm Mannhardt (1883 – 1969) 5. Jahrgang, Heft 1, Juni 1934 unter dem Titel:“ Die „religiöse Lage“ in Deutschland“ – Autor: Friedrich Benesch.

Auch wenn man die Originalworte in den Text einsetzt, wird er nicht besser:

(1) Nationalsozialismus,
(2) Adolf Hitler,
(3) auf dem Arbeitskongress der Arbeitsfront,
(4) Politiker,
(5) des deutschen Volkes,
(6) innen- und außenpolitisch,
(7) Führerprinzip