Beneschs Lebenslauf | Die Egoisten
Lebenslauf von Friedrich Benesch
von Dr. Regina Reinsperger


Geboren am 6. Juli 1907 im Elternhaus in Sächsisch-Regen (Siebenbürgen/Rumänien). Gestorben am 16. Juni 1991 in Stuttgart.
Vater: Georg Benesch, geboren 1881, jüngster Sohn einer einfachen, armen, bäuerlichen Familie mit kleinem Anwesen bei Bistritz. Er wurde Gymnasiallehrer am Deutschen Gymnasium und stellvertretender Bürgermeister in Sächsisch-Regen.
Mutter: älteste Tochter von Friedrich Wagner, einem angesehenen, wohlhabenden Guts- , Wald- und Hausbesitzer in Sächsisch Regen, 13 Geschwister
Heirat der Eltern: 1906, - Kinder: Johann Friedrich, geb. 6. Juli 1907, Gerhard-Georg 1910, Marie-Luise 1911 (später verheiratet mit dem Pfarrer Wilhelm Roth, Obereidisch) Gertrud Hermine 1916, Erich Arthur Benesch
1919 geboren.

1913 1.Klasse der Volksschule, F.B. konnte bereits lesen und schreiben (in Siebenbürgen begann das Schuljahr im Herbst)

28. Juli 1914: Österreich-Ungarn, zu dem Siebenbürgen gehörte, erklärt Serbien den Krieg: Beginn des 1. Weltkrieges

1916/17 1. Klasse Gymnasium in Sächsisch-Regen. Das Gymnasium hatte nur die ersten vier Klassen und bot 1920 einen anschließenden 2-jährigen Sonderkurs an. Damit F.B. noch zwei Jahre zu Hause bleiben konnte, lernte er in den Sommerferien den Stoff der 4. Klasse und bestand im Herbst die Prüfung.

1918 im November : Ende des 1. Weltkrieges -- 10. September 1919 : durch den Vertrag von Saint-Germain wurde Österreich auf das heute bestehende deutschsprachige Kernland reduziert. Siebenbürgen kam zu Ungarn. –- 4. Juni 1920: die Alliierten schlossen in Versailles den Friedensvertrag mit Ungarn: Ungarn musste Siebenbürgen an Rumänien abtreten. In Siebenbürgen wird Rumänisch offizielle Staatssprache, statt bisher Deutsch.

1922 -1924 die letzten beiden Gymnasialklassen am Gymnasium in Bistritz, F.B. wohnt bei einer Schwester seines Vaters

1924 Abitur – Rumänisch war seit 1920 neben Deutsch Unterrichtssprache

1924 – 1925 „Tätigkeit als Landwirt“ auf dem großelterlichen Hof.

1925 – 1926 Drei Semester Studium in Marburg/ Lahn. F.B. wohnt im Wohnheim für Auslandsdeutsche, der von Prof. Johann Wilhelm Mannhardt geleiteten Deutschen Burse, dem „Haus am Rotenberg“. F.B. wird Mitglied der schlagenden Studentenverbindung „Germania“, diese war politisch „völkisch, antisemitisch , antislawisch und frauenfeindlich (gegen Frauenstudium etc.) ausgerichtet. - Studienfächer Beneschs: Biologie (Zoologie und Botanik) für das Lehramt an Gymnasien und evangelische Theologie als Nebenfach (war in Siebenbürgen durch den Schulträger, die Evangelische Kirche, vorgeschrieben.) Erste Begegnung mit der Anthroposophie durch den evangelischen Pfarrvikar Gottfried Schmidt? (Siehe den Artikel „Marburg“ bei den egoisten) Friedrich Benesch lernt Professor Hans Hahne, Prähistoriker aus Halle, kennen, der mit Professor Mannhardt befreundet ist und für eine Vorlesung im Rahmen der „Marburger Sommerkurse“ mit Familie nach Marburg kommt. Hahne kannte ebenfalls die Anthroposophie und hat vermutlich 1919 mindestens einen von Rudolf Steiner selbst gehaltenen Vortrag gehört, er kannte die grundlegenden anthroposophischen Schriften: „Geheimwissenschaft“, „Theosophie“, „Christentum als mystische Tatsache“, „Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geistesleben“ und die Oberuferer Weihnachtsspiele, aufgeführt durch die Truppe von Gottfried Haas-Berkow, die auf Anregung von Rudolf Steiner durch die Lande zog (nach Ziehe).

1926 – 1927 Wintersemester und Sommersemester Studium in Halle an der Saale. Fächer wie oben und zusätzlich: Vorgeschichte, Volkskunde und Rassenkunde bei Professor Hans Hahne (1875 – 1935). Mitglied im Jugendkreis Prof. Hahnes , der die von Hahne selbst verfassten „Jahreslaufspiele“ etc. meist im Hof des Prähistorischen Museums aufführt (Museumsspiele). Professor Hahne ist seit den 20er Jahren Mitglied der NSDAP und der SA und wurde 1933 der erste NS-Rektor der Universität Halle. Er war Mitarbeiter des Rasse- und Siedlungs-Hauptamtes und ab 1934 im Reichsbauernthing von Reichsbauernführer Darre´( Darre´: „Neuadel aus Blut und Boden“, 1929). Professor Hahne kannte auch Heinrich Himmler persönlich. Hahne verstirbt am 2. Februar 1935 an den Folgen eines Schlaganfalles. - Benesch wird Mitglied im „Bund der Artamanen“, der als einziger Jugendbund bis 1934 korporativ in die Hitlerjugend übernommen wurde ( er bildete später den Kern des Landdienstes der HJ.) Benesch lernt seine spätere Frau, eine Tochter von Professor Hahne, kennen: Sunhilt Sandraudiga Hahne (geb. 1909).

1927 – 1931 Studium in Klausenburg (Siebenbürgen/Rumänien) mit dem Ziel: Gymnasiallehrer der Naturwissenschaften. Studiums-Schwerpunkt im ersten Jahr: Grundlagen der Physik, Chemie, Geologie und Mineralogie, im zweiten Jahr : Grundlagen der Botanik und Zoologie und im dritten Jahr: Botanik und Zoologie für Fortgeschrittene. Im vierten Jahr folgten die Grundlagen der Physiologie, Anthropologie und der allgemeinen Biologie. Ab dem 3. Jahr arbeitete F.B. als vertretender Präparator des Zoologischen Institutes, er durfte etwa 140-200 Studenten in Seminaren in Biologie, Mikroskopie, Präparation und Theorie unterrichten und übersetzte wissenschaftliche Arbeiten seines Direktors vom Rumänischen ins Deutsche. Studienabschluss 1931 mit der „Referendarprüfung“ (entspricht dem 1. Staatsexamen) für das Lehramt an Gymnasien und einer Biologie-Diplomarbeit über die „Speicherfunktion der Blutegel“ . Am 1.3.1931 Kündigung der Stelle wegen einer Infektionskrankheit: Lungen-Tuberkulose (dadurch war er eventuell für den Schuldienst nicht mehr geeignet, zu dieser Zeit gab es noch keine wirksamen TB-Antibiotika, man wartete den natürlichen Verlauf der Erkrankung ab.) Aufenthalt und Rekonvaleszenz in den Karpaten (laut Selbstauskunft dort ein „Christuserlebnis“).

1928 Mitglied der von Fritz Fabritius inaugurierten nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung ( 1932-33 „Nationalsozialistischen Selbsthilfebewegung der Deutschen in Rumänien NSDR, nach dem Verbot vom
29.11.1933 neugegründet am 21.4.1934 als „Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien“ NEDR , und wieder verboten am 4.7.1934. (Siehe den Beitrag „Der Nationalsozialismus in Siebenbürgen“ bei den „egoisten“)

1929/1930 Weltwirtschaftskrise: Oktober 1929 Börsenkrach in New York

1931 – 1932 F.B. ist politisch tätig als Kreisjugendführer der Erneuerungsbewegung in Sächsisch-Regen (lt. Selbstauskunft: „1931-1932 Landwirtschaftliche Leitung eines Bauerngutes“—„Arbeitslager“?)

1933, 30. Januar: Hindenburg beruft Adolf Hitler zum Reichskanzler, Machtergreifung nach den Reichstagswahlen am 5. März durch das Ermächtigungsgesetz am 24. März 1933: Ende der parlamentarischen Demokratie in Deutschland


1932 -1934 erneut Studium in Marburg/Lahn: evangelische Theologie als Hauptfach.

1933/34 Zwei längere grundsätzliche Aufsätze aus nationalsozialistischer Überzeugung im „Rundbrief der „Deutschen Burse“: „Der Nationalsozialismus in Siebenbürgen“ (Schroeder, Seite 447ff. , „egoisten“ Artikel s.o.) und „Die religiöse Lage in Deutschland“ (Schroeder, Seite 453ff. und „egoisten“ – Artikel: „Das nationalsozialistische „Deutsche Christentum“)
Professor Mannhardt, der Leiter der Marburger Burse, ließ sich während seiner Auslandsreisen in der Burse von jungen Dozenten vertreten, die wöchentliche Vorlesungen in der Burse hielten. Die organisatorische Geschäftsführung gab er zur Vertretung an ältere Studenten ab: während seiner ersten Weltreise 1927/28 wurde er durch den Philologen Karl Kurt Klein vertreten, während seinen zweiten Weltreise 1933/34 durch Friedrich Benesch

20. 4. 1934 Theologische Prüfung (2. Staatsexamen) vor dem Konsistorium in Hermannstadt (Siebenbürgen/Rumänien) mit allgemeiner Auszeichnung bestanden: Kandidat für das evangelische Pfarramt (1. Staatsexamen ( Licenciat ) am 10.7.1931).

2. August 1934 in Halle an der Saale Heirat mit Sunhilt Hahne, Tochter von Professor Hans Hahne

5. 9. 1934 in Hermannstadt ordiniert, trotz großer Bedenken von Bischof Glondys aufgrund der nationalsozialistischen Überzeugung Beneschs

11. September 1934: Einzug als Dorfpfarrer ins Pfarrhaus in Birk (rumänisch: Petelea) bei Sächsisch Regen. Zum Pfarrhof gehört eine Landwirtschaft: 16 Joch Kirchengrund (entspricht ca. 7 Hektar Land, also ein kleiner Hof für den Eigenbedarf gedacht), 3 Pferde, 4 Kühe, 2-3 Schweine, 80 Stück Geflügel und der nötige Maschinen- und Fuhrpark. Benesch bewirtschaftet den Hof selbst mit Hilfe von zwei Knechten und einer Magd. (Er kann jetzt die Ideen der Artamanen praktisch umsetzen, auch durch Arbeitseinsatz der Dorfjugend zu Arbeiten, u.a. auf Gemeindegrund.)

1935, Juni: Professor Mannhardt fällt beim Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, in Ungnade, verliert seine leitende Funktion im Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) und seine Professur an der Universität Marburg und muss auch die Leitung der Burse abgeben. Er schlägt eine Professur an der Universität in Breslau aus und arbeitet in der Folge für die Wehrmacht als Sachverständiger für Volkstumsfragen im Reichskriegsministerium in Berlin.

1935, Juli : Geburt des 1. Kindes: Tochter –- 14.7.1935 Gründung als Nachfolgeorganisation der verbotenen NEDR – der „radikalnazistischen“ DVR unter der Führung von Alfred Bonfert; Benesch wird Mitglied.

1936, Januar: Disziplinaruntersuchung durch Bischof Glondys eingeleitet wegen Beneschs nationalsozialistischen Engagements. Das Verfahren zur Amtsenthebung zieht sich über eine vorläufige Suspendierung bis zum 3-jährigen Amtsverlust bis Ende 1937 hin. Benesch wird Leiter der Pfarrer-Arbeitsgemeinschaft innerhalb der „Kampfgemeinschaft der enthobenen Angestellten der evangelischen Kirche“ und organisiert eine „Ordenswoche“ in Groß-Schenk, an der außer ihm noch weitere 15 Pfarrer oder Pfarramtskandidaten teilnahmen (die sog. 16 Apostel). Die Teilnehmer bekennen sich zur „neuen Kirche“ im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung (siehe Artikel: „Das nationalsozialistische Christentum“ von E. Reck-Kühn und „Nationalsozialismus und Gewissenlosigkeit“ bei den „egoisten“)

1936, September: Geburt des 2. Kindes: 1. Sohn

1937 Friedrich Benesch hält vor ca. 4000 Jugendlichen beim „Tag der Deutschen Jugend“ in Heldsdorf/Siebenbürgen die Eröffnungs-Ansprache.

1937 erscheint Beneschs nationalsozialistische Kampfschrift: „Machtkampf und Kirche. Eine Antwort an Dr. Konrad Möckel“ (siehe Veröffentlichung bei den „egoisten“)

1938 : ab Januar wohnt F.B. bei seiner Schwiegermutter in Halle /Saale. Die Familie hat er in Sächsisch-Regen zurückgelassen. Professor Walter Schulz, ein Schüler und enger Mitarbeiter von Professor Hans Hahne, wurde als dessen Nachfolger zum Direktor der Landesanstalt für Vorgeschichte ernannt. Er verschafft Benesch eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in der Landesanstalt und damit ein bescheidenes Einkommen für sich und seine Familie. Benesch studiert Vorgeschichte, Volkskunde und Rassenkunde (damals eine beliebte Kombination für 150% überzeugte Karrieristen)

1938, April: Geburt des 3. Kindes: 2. Sohn

1938, 11. Juli : Brief Beneschs an das „Ahnenerbe“ in Berlin (mit handschriftlichem Lebenslauf) mit der Bitte um ein Stipendium, am 1.11.1938 Bittbrief der Schwiegermutter Magdalena Hahne an Heinrich Himmler. Trotzdem abschlägiger Bescheid im März 1939.

1938, 11. März : Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich; 29. September: Münchner Konferenz mit Hitler, Mussolini, Chamberlain, Daladier: Hitler erhält das Sudetenland. Oktober: 1.Wiener Schiedsspruch, Ungarn erhält slowakisches Gebiet. 9 . November 1938: die sogenannte „Reichskristallnacht“, ein durch SA und SS organisiertes Pogrom. Die Synagogen wurden im gesamten Deutschen Reich angezündet und jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört, es starben etwa 400 Menschen, und ab dem 10. November wurden ca. 30 000 jüdische Bürger verhaftet und in die KZ eingeliefert. (Benesch ist zu dieser Zeit in Halle/Saale.)

1939 , Juli: Benesch erklärt im Protokoll vom 6.9.1940 (Az.: SS Abschnitt XVIII (=Halle/Saale) VI/Az.18a/6.9.40) dass er im Juli 1939 der SS beigetreten ist. Bei der SS wird er zunächst als „Bewerber“ geführt, da das Aufnahmeverfahren in die „Allgemeine SS“ etwa ein Jahr dauerte, den Nachweis arischer Abstammung des Antragstellers und seiner Frau erforderte, eine körperliche Untersuchung zwecks „rassischer Begutachtung“ und eine theoretische und praktische Schulung beinhaltete.

1939, 1. September: Beginn des 2. Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen.

1940, Juli : „Doktorexamen“ (Rigorosum) bis zur Veröffentlichung durch Drucklegung der Arbeit dauerte es noch 1 Jahr bis zum 8. Juli 1941 : Friedrich Benesch wird Dr. phil. - Dissertation: „Die Festung Hutberg – eine jungnordische Mischsiedlung bei Wallendorf, Kreis Merseburg“ erschienen in den „Veröffentlichungen des Landesanstalt für Volkheitskunde zu Halle, 1941 .

30. August 1940: 2. Wiener Schiedsspruch: Nord-Siebenbürgen kommt zu Ungarn, dadurch wird Friedrich Benesch Ungarischer Staatsbürger.
September 1940: Geburt des 4. Kindes: 3. Sohn

6. September 1940: Benesch spricht bei der SS vor (siehe o.a. Protokoll, bei den „egoisten“ unter Material Benesch, „Benesch und die SS“ besprochen). Aus dem Protokoll geht hervor, dass Benesch ursprünglich vor hatte, sich beruflich im Reich zu etablieren und deutscher Staatsbürger zu werden (Voraussetzung für den Eintritt in die „Allgemeine-SS“) Der Kriegsausbruch und die damit verbundene Wehrpflicht, er war damals in bestem wehrfähigem Alter, haben ihn, eventuell im Hinblick auf seine Familie mit bereits 4 Kindern, hiervon abgebracht. Die bessere Option schien somit, wieder als nationalsozialistischer Pfarrer in Birk und im Volksbund der Deutschen in Ungarn zu arbeiten. 7.9.1940: Vorsprache bei der Volksdeutschen Mittelstelle (VOMI) in Berlin

2. Oktober 1940: Brief des Reichsführers- SS, Persönlicher Stab, Tgb.Nr. A/2/123/40 Wa./C an das „Ahnenerbe“: „Der Reichsführer der SS lässt auf Dr. Benesch, der nach seiner Rückkehr aus Siebenbürgen bestimmt auf Grund seines anständigen Verhaltens wieder in die SS aufgenommen werden kann, aufmerksam machen…..“

1941, Februar: erneute Amtseinführung Friedrich Beneschs als Dorfpfarrer in Birk.

14. März 1941, Bistritzer Zeitung Nr. 12, Seite 3, meldet: „Änderung in der Leitung des Volksbundes der Deutschen in Ungarn (VDU) – Dr. Michael Prall trat vom Amt des stellvertretenden Gebietsführers zurück und an seine Stelle wurde Pfarrer Dr. Fritz Benesch, Birk, ernannt. – Zum neuen Kreisleiter von Sächsisch-Regen wurde ebenfalls Dr. Fritz Benesch ernannt.“ Gebietsführer zu dieser Zeit ist Robert Clemens. Am 15. August 1941 teilt die Zeitung mit, dass Robert Gassner am 10.8.1941 zum Gebietsführer von Nord-Siebenbürgen ernannt worden ist und sein Amt am 1.9.41 antreten wird. Gassner ernennt zum 10.10.41 Andreas Schell zum Kreisleiter von Sächsisch-Regen.

1941 – 1944 Friedrich Benesch arbeitet als Dorfpfarrer in Birk, bewirtschaftet seinen Pfarrhof mit Personal. Er unterrichtet in der 1941 gegründeten deutschen Lehrerbildungsanstalt in Sächsisch-Regen (ca. 110 Studierende) die Philosophischen Fächer und unterrichtet in der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt „Stefan Ludwig Roth“ Biologie und Rassenkunde. Als stellvertretender Gebietsführer ist er „als graue Eminenz“ für die eigentliche Geschäftsführung im Hintergrund zuständig, Robert Gassner als Gebietsleiter für die Arbeit in der Öffentlichkeit. Die „Deutsche Zeitung“ aus Klausenburg bringt am 9.10.1942 einen Bericht von Robert Gassner über die Arbeit der Gebietsführung: es wurden 2.663 Geschäftsnummern bearbeitet, ca. 10.000 Briefe geschrieben und 14 Stellen vermittelt. Die „harmlosen“ Arbeitsgebiete führt Schroeder auf Seite 436/437 seines Buches auf.

1941, Juni: Das Deutsche Reich greift die Sowjetunion an, 8. Dezember USA und England erklären Japan nach dem Überfall auf Pearl Harbor den Krieg. 11. Dezember 1941: das Deutsche Reich und Italien erklären den USA den Krieg, beide sind Verbündete Japans.

1942, Februar: Geburt des 5. Kindes, 4. Sohn

1943, Januar: die Rote Armee erobert Stalingrad

1943 die „Deutsche Zeitung“ aus Klausenburg meldet am 16.4.1943, dass Bruder Erich Benesch (geb. 1919) das EK II mit der Beförderung zum SS-Unterscharführer (Unteroffizier) erhielt, am 9.7.1943 wird seine Beförderung zum Oberscharführer (Feldwebel) berichtet. – Erich Benesch ist also Mitglied der Waffen-SS, das war ab 1942 für einen Auslandsdeutschen aus Ungarn möglich.

1943, Mai: das deutsche Afrika- Korps kapituliert – 10. Juli 1943: die Alliierten landen in Sizilien – 6. Juni 1944 Invasion in der Normandie, 20.Juli 1944 gescheitertes Attentat auf Hitler durch von Stauffenberg als Vertreter des militärischen Widerstandes.

1944, Januar: Geburt des 6. Kindes, 2. Tochter

1944, April – Juli 1944 Errichtung von Ghettos und Deportation der ungarischen Juden nach Auschwitz – Birkenau
An der Verhaftung, Einweisung und der Lagerbewachung der Juden in Bistritz und Sächsisch-Regen haben neben dem ungarischen Militär, Gendarmerie und Pfeilkreuzlern auch Angehörige der „Deutschen Mannschaft“ (DM = eine paramilitärische Organisation innerhalb des Volksbundes der Deutschen in Ungarn analog der SS aufgebaut) und die „Deutsche Jugend“ teilgenommen. (Die DJ unterstand als selbstständige Jugendorganisation der ungarischen Staatsjugend Levente.) Es ist gesichert, dass die Deutsche Mannschaft und Deutsche Jugend aus Sächsisch-Regen, Deutsch-Zepling, Ober- und Niedereidisch und Bistritz beteiligt war. Von ca. 6000 Menschen jüdischen Glaubens aus Sächsisch-Regen überlebten nur ca. 200 Menschen. - Für eine direkte Verstrickung Friedrich Beneschs als stellvertretender Gebietsführer des VDU fanden sich bisher keine Aktenbeweise.

August 1944: die Rote Armee erreicht Rumänien und Ungarn –Siebenbürgen

12. September 1944 der deutsche Evakuierungstreck des Dorfes Birk verlässt unter Führung von Pfarrer Benesch die Heimat. Pfarrer Benesch trägt seine DVU-Uniform (die der deutschen SS-Uniform ähnelte) und ist bewaffnet. Er konnte treffend schießen – aus Birk berichtete eine Zeitzeugin, dass Benesch „in der Frühe am Sonntag vor dem Gottesdienst in den Wald zur Jagd ritt und dann mit einem Hasen o.ä. zurückkam“. Benesch ist für den gesamten Treck aus dem Nord-Siebenbürger Gebiet verantwortlich und führt ihn nach Österreich zum Neusiedler See (16. November). Dort wird der Treck aufgelöst und die Menschen auf verschiedene Reichsgebiete verteilt. Benesch meldet sich bei seiner vorgesetzten reichsdeutschen Stelle: der VOMI und erhält die Weisung einen Teil der Leute nach Thüringen zu bringen. Am 18. Dezember ist die Familie in Halle wieder vereint.

1945 Mai: Kriegsende, deutsche Kapitulation

Pfingsten 1945: Pfarrer Benesch tritt eine Pfarrstelle in Neukirchen bei Halle an. Das geräumige Pfarrhaus hat einen großen Obst- und Gemüsegarten, sodass Benesch seine Schwester Gertrud Birthler, Kriegswitwe, und ihre drei Töchter bei sich aufnehmen kann. Neukirchen liegt in Sachsen–Anhalt, das Gebiet wurde zunächst von den Amerikanern erobert und dann im Juli 1945 der russischen Besatzungszone eingegliedert.

1946, 27. April: Franz Basch, oberster Volksgruppenführer des Volksbundes der Deutschen in Ungarn, wird nach einem Volksgerichtsprozess in Budapest stellvertretend für den Volksbund und die Volksgruppenführung hingerichtet.

Im August 1946 bittet Benesch das ev. Konsistorium krankheitshalber um Urlaub und teilt dabei auch mit: „Schließlich kommt noch hinzu, dass ich zu der meiner früheren Gemeindemitglieder in Siebenbürgen so entgegengesetzten Art der Menschen, unter denen ich zur Zeit als Pfarrer wirken muss, sehr schwer oder fast gar nicht in die so nötige Fühlung kommen kann.“

Im Februar 1947 wird Friedrich Benesch durch die evangelische Kirche auf seinen Antrag hin von seinen Amtspflichten endgültig entbunden.
Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung:

1947, Februar: Benesch ist als Student im Priesterseminar der Christengemeinschaft in Stuttgart , für die Familie wird im Dorf Eschenstrud bei Murrhardt (Remstal) ein leeres Dorfschulhaus gefunden.
Benesch lehrt am Priesterseminar bereits in seiner eigenen Ausbildungszeit. Er wird am 30. November 1947 von Erzoberlenker Emil Bock zum Priester geweiht.
(Anmerkung: Auch der ehemalige SA- und SS-Mann Werner Georg Haverbeck ( seit August 1931 in der NSDAP-Reichsleitung) wird nach 1945 Priester der Christengemeinschaft. Laut einem Bericht des CG-Pfarrers Georg Blattmann offenbart Haverbeck dem Erzoberlenker der CG seine Biographie in ausführlicher Weise und verschweigt auch nicht seine Tätigkeiten im „Dritten Reich“. Emil Bock daraufhin laut Blattmann: „Es mag für Sie persönlich, lieber Freund, ja ganz wichtig sein, das alles einmal ausgesprochen zu haben. Für uns ist es weiterhin nicht von Interesse. Jetzt gilt nur, welche Impulse uns gemeinsam in die Zukunft führen.“
Quelle: http://www.lohengrin-verlag.de/RezFerch.htm )

1948 Januar: 1. Pfarrstelle Friedrich Beneschs in der Christengemeinschaft in Coburg

1948, Mai: Geburt des 7. Kindes, 3. Tochter

9. Oktober 1948: Gemeindepfarrer in Kiel, erst im Sommer 1950 kann die Familie ins neu erbaute Gemeindehaus nachziehen.

2. Mai 1957 : Seminarleiter des Priesterseminars der Christengemeinschaft in Stuttgart, zunächst mit Gottfried Husemann und Arnold Goebel, ab 28. 4. 1958 verantwortlicher Leiter bis 1985.
Die weltweiten umfangreichen 28 Vortragsreisen (siehe Hans-Werner Schroeder, Seite 416/417) wurden überwiegend von der Gesamtbewegung der CG und den einladenden Gemeinden finanziert.
Das von Schroeder auf Seite 414/415 angegebene Werkverzeichnis ist nicht vollständig.
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Quellen:

Archiv der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen Az.: B7/5131-3, darin Lebenslauf Beneschs
Bundesarchiv Berlin, Bestand DIV, Fritz Benesch , geb.6.7.1907,
Lebenslauf Benesch in seiner Dissertation: „Die Festung Hutberg, eine jungnordische Mischsiedlung bei Wallendorf, Kreis Merseburg“, Halle Saale 1941
Lebenslauf Beneschs in seinem Buch: „Das Religiöse der Anthroposophie“ Verlag Die Pforte Basel, 1985, Seite 122/12
Hans-Werner Schroeder, „Friedrich Benesch – Leben und Werk – 1907 – 1991“ Verlag Johannes Mayer, Stuttgart 2007
Johann Böhm, „Hitlers Vasallen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945“ Peter Lang Verlag, Frankfurt/M etc., 2006, Seite 128-141 „Friedrich Benesch“
„Erinnerungen an Sächsisch Regen“ von Helmut Czoppelt unter Mitarbeit von Georg Benesch, Ingolstadt 1981
Susanne Dienesch, „Das Birker Heimatbuch“, Stadl-Paura 1996, Eigenverlag
D.Dr. Viktor Glondys, „Tagebuch – Aufzeichnungen von 1933 bis 1949“ Hrsg.: Johann Böhm und Dieter Braeg, AGK–Verlag Dinklage, 1997
Hans Holzträger, „Kain, wo ist dein Bruder Abel?“ aus: „Zugänge-Forum des Evangelischen Freundeskreises Siebenbürgen, 3. Jahrgang, Nr.1 – Sept.1988, Seite 53-63
Tammo Luther, „Volkstumspolitik des Deutschen Reiches 1933 – 1988“, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden-Stuttgart, 2004
Klaus Popa: „ Akten um die Deutsche Volksgruppe in Rumänien 1937 – 1945“ Verlag Peter Lang, Frankfurt/M etc., 2005, Seite 52/53
Seminarbrief der freien Hochschule der Christengemeinschaft Stuttgart, Weihnachten 2006, Hans-Werner Schroeder: „ Eine Reise nach Rumänien“, Seite 54
Norbert Spannenberger, „Der Volksbund der Deutschen in Ungarn 1938 – 1944“, Oldenbourg Verlag München 2002
„Weltweite Wissenschaft vom Volk – Johann Wilhelm Mannhardt zum 75. Geburtstag“ herausgegeben von Karl Kurt Klein, Franz Hieronymus Riedl und Karl Ursinn im Auftrag der Deutschen Burse zu Marburg, Rudolf M. Rohrer Verlag , Wien – Wiesbaden 1958
Irene Ziehe, „Hans Hahne (1875-1935), sein Leben und Wirken – Biographie eines völkischen Wissenschaftlers“ erschienen in der Reihe: Veröffentlichungen des Landesamtes für archäologische Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Landesmuseum für Vorgeschichte, Band 49, Hrsg.: Siegfried Fröhlich, Halle (Saale) 1996