Benesch zum 100. | Die Egoisten
Thomas Reinsperger: Hundertjahrfeier für Friedrich Benesch


Vom 5. Bis 8. Juli fand in der Christengemeinschaft in Stuttgart, „Bewegung für religiöse Erneuerung“, eine Tagung statt zum hundertsten Geburtstag von Dr. Friedrich Benesch, geboren am 6. Juli 1907 in Sächsisch-Regen / Nord-Siebenbürgen und gestorben am 16. Juni 1991 in Stuttgart. Friedrich Benesch wurde im Dezember 1947 in der Christengemeinschaft (CG) zum Priester geweiht und arbeitete als Gemeindepfarrer in Coburg und Kiel und von 1957 bis 1985, also 28 Jahre, im Priesterseminar Stuttgart als Leiter. Im Jahre 2004, 13 Jahre nach Beneschs Tod, fand Johann Böhm zufällig den Nachruf auf Benesch von Hans Bergel in den Südostdeutschen Vierteljahresblättern (40.Jahrg., Heft 3, 1991, S.240-241) und diese Eloge veranlasste ihn seinerseits im Heft 1 vom Mai 2004 dieser Zeitung einen Artikel über die bisher unbekannte NS-Vergangenheit Beneschs zu schreiben, indem auch die Fundstellen der Dokumente aus dem Bundesarchiv Berlin genannt wurden. Dieser Artikel war nun der Anlass, dass Hans-Werner Schroeder seine Benesch Biographie schrieb, die im Juli 2007 erschien. Hans-Werner Schroeder, Jahrgang 1931, ist ebenfalls Priester in der Christengemeinschaft und hat von 1968 bis 1985 mit Friedrich Benesch im Priesterseminar zusammengearbeitet und war von 1979 bis 2000 in der Gesamtleitung der CG tätig.( Die Christengemeinschaft wurde 1922 unter Mithilfe des Anthroposophen Rudolf Steiner gegründet.) Obwohl die Nationalsozialistischen Aktivitäten Beneschs nun bekannt geworden sind, würdigte man in der CG den 100 jährigen Geburtstag Beneschs mit einer Tagung; kritische Artikel finden sich bisher außer dem oben genannten von Johann Böhm nur auf der privaten Internetseite von Michael Eggert.


Nochmal zur Erinnerung ein kurz gefasster Lebenslauf von Friedrich Benesch:

Geboren am 6. Juli 1907 in Sächsisch-Regen bestand er 1924 am Deutschen Gymnasium in Bistritz das Abitur und studierte ab 1925 in Marburg/Lahn Biologie, Physik und Chemie für das Lehramt an Gymnasien und als Nebenfach Theologie, was in Siebenbürgen Vorschrift war. Er wurde Mitglied bei den Artamanen, der in Deutschland als einziger Jugendbund nach 1933 bestehen bleiben durfte. 1926/27 studierte er in Halle/Saale Bei Professor Hans Hahne Vorgeschichte und Volkskunde und anschließend von 1928 bis 1931 Biologie an der Universität Klausenburg und beendete sein Studium mit einem Biologie-Diplom und dem 1. Staatsexamen für das Lehramt. Während der Studienzeit in Klausenburg war Benesch als Kreisjugendführer „der nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung“ in Sächsisch-Regen tätig.

1933/34 studierte er nochmal Theologie in Marburg und erhielt im April 1934 in Hermannstadt sein Pfarrerdiplom. Von 1934 – 1937 war Benesch Pfarrer in dem Dorf Birk (ca. 6 km von Sächsisch-Regen entfernt). Er unterstützte dort aktiv die radikal-nazistische „Deutsche Volkspartei in Rumänien“ (DVR) und unternahm den Versuch innerhalb der evangelischen Kirche einen Neuaufbau im Sinne der „Deutschen Christen“ vorzunehmen. Wegen seiner nationalsozialistischen Aufwieglertätigkeiten wurde er 1936 vom kirchlichen Oberdisziplinargericht unter Bischof Glondys für 3 Jahre amtsenthoben. Ab Januar 1938 studierte Benesch in Halle/Saale wieder Vorgeschichte, Volks- und Rassenkunde, ein damals beliebter nationalsozialistischer Fächerkanon, bewarb sich im Juli 1939 um die Aufnahme in die SS, und promovierte 1940 in Vorgeschichte. Nach dem Anschluss Nord-Siebenbürgens an Ungarn im August 1940 erreichten die Birker bei der neuen Kirchenleitung eine Wiedereinsetzung Friedrich Beneschs als Dorfpfarrer. Gleichzeitig arbeitete Benesch jetzt im Volksbund der Deutschen in Ungarn (VDU) und wurde 1940/41 zunächst als Kreisleiter für den Kreis Sächsisch-Regen ernannt und anschließend als stellvertretender Gebietsleiter unter Robert Gaßner berufen. Benesch unterrichtete u.a. im Rahmen des Biologie-Unterrichtes am Deutschen Gymnasium in Sächsisch-Regen die nationalsozialistische Rassenkunde. Im September 1944 führte er die Birker im Gesamttreck nach Österreich und Thüringen.


Hier nun eine kurze Zusammenfassung der Tagung zum 100. Geburtstag von Friedrich Benesch:

Hans-Werner Schroeder begann seinen Vortrag damit, dass er berichtete, wie sehr ihn die Veröffentlichung über die nationalsozialistische Vergangenheit von Dr. Benesch erschüttert hätte. Er habe Benesch anders gekannt, er kannte Benesch in seiner zweiten Lebenshälfte als einen „Boten des Lichten Zeitalters“. Friedrich Benesch habe die Tatsache, dass er in seiner ersten Lebenshälfte Nationalsozialist gewesen sei, wohl als Schuld erlebt, die zu einer Wesensumwandlung bei ihm führte, ähnlich dem Apostel Paulus, der ja zuerst auch als Saulus die Christen verfolgt hätte.

Dann führte Schroeder aus, dass nach dem 1. Weltkrieg neben der wirtschaftlichen Not von den damaligen Menschen auch eine große seelische Not empfunden wurde. Er zitierte Sebastian Haffner, der die Gefahr des Auslöschens der geistigen Bedeutung des Deutschtums sah. Er zitierte Hannah Arendt, die als Jüdin doch auch Deutschland in Gefahr sah und anfänglich auch ihre Hoffnung auf Hitler gesetzt hatte. Schroeder erwähnte die speziellen Nöte der Auslandsdeutschen und stellte dabei heraus, wie es für Benesch quasi unausweichlich war, mit dem Nationalsozialismus in Berührung zu kommen. Friedrich Benesch „brannte“ für das Deutschtum und aus Idealismus ging er zu den Nationalsozialisten. In Marburg lernte er über Professor Mannhardt den Vorgeschichtler und Volkskundler Professor Hans Hahne aus Halle/Saale kennen. Benesch, der 1934 eine Tochter Hahnes heiratete, verehrte „Papa Hahne“ als „Hüter des Deutschen Volkstums“, der mit dafür Sorge trug, dass das Volkstum nicht in der Zivilisation des aufkommenden „technischen Zeitalters“ untergehe. Schroeder spricht gegenüber Hahne nun seine eigene Wertung aus: Hahne war ein charismatischer edler Mensch, nicht alle Menschen waren schlecht, die zu den Nationalsozialisten gingen.

Über diese Wertung war ich sprachlos, denn Hahne wurde schon in den 20er Jahren NSDAP-Mitglied und nicht etwa bei den Deutschnationalen, die es ja auch „als Vertreter des Deutschtums“ gab. Professor Hahne war erster NS-Rektor der Universität Halle/Saale, stellvertretender Gaukulturwart und Mitglied im Stab der Gauleitung Halle-Merseburg. Er war Mitarbeiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes (Anfang der 30er Jahre wurden da noch die „wissenschaftlichen“ Rassekriterien hinsichtlich der praktischen Durchführung erarbeitet) und ab 1934 im Reichsbauernthing Darres, und er kannte Heinrich Himmler persönlich. Der „edle Mensch Hahne“ hielt im Januar 1934 anlässlich des Jahrestages der Reichsgründung eine äußerst bösartige Rede mit dem nationalsozialistischem Dreisatz: Kampf, Glaube und Vernichtung als Inhalt. (zitiert nach der Dissertation von Henrik Eberle „Die Martin Luther Universität in der Zeit des Nationalsozialismus, Halle/Saale 2002)

Schroeder berichtete dann über Beneschs weiteren Lebensgang, sein Studium in Klausenburg für das Lehramt (s.o.). Er schilderte, dass Benesch in diesen frühen Jugendjahren an Tuberkulose erkrankte und deshalb im Herbst und Winter 1931 sich zur Genesung in einer einsamen Sennhütte in den Karpaten aufhielt. Dort begegnete Benesch auf einer seiner Wanderungen einem großen Hirsch, dem er „Auge in Auge“ gegenüberstand und Schroeder stilisiert dieses eindrucksvolle Erlebnis dann zur „Wesensbegegnung“ und schildert dass Benesch in der Bergeinsamkeit sich mit dem Neuen Testament beschäftigte und er ein „mystisches Christuserlebnis“ hatte. (Anmerkung: wer denkt da nicht an die Hubertus-Legende?) Dieses alles zitiert Schroeder aus einer unveröffentlichten Autobiografie Beneschs, an der dieser bis kurz vor seinem Tod schrieb, und in der schon wesentliche Unkorrektheiten entdeckt wurden. Zum Beispiel schildert Benesch dort, dass er den Nationalsozialismus erst 1932 durch einen Freund kennengelernt habe. Aber bereits 1926 hatte er ja den PG Professor Hahne kennengelernt und in seinem Lebenslauf für die Dissertation schrieb er, dass er von 1928 – 1931 als Kreisjugendführer der Erneuerungsbewegung in Siebenbürgen gearbeitet habe. Wie wahr sind also „das mystische Christuserlebnis“ oder die „Tierwesensbegegnung“, zumal wenn Benesch, wie Schroeder im Stuttgarter Seminarbrief von Weihnachten 2006 schildert, „manchmal auch in der Frühe am Sonntag vor dem Gottesdienst zur Jagd ritt und dann mit einem Hasen o.ä. zurückkam.“ Hat der Herr Pfarrer Freude am Töten der Geschöpfe Gottes vor dem Gottesdienst?

Schroeder schilderte dann weiter das Theologie-Studium in Marburg (Anmerkung: gab es 1931, wie im Deutschen Reich auch, nicht genügend Lehrerstellen an den wenigen Deutschen Gymnasien in Siebenbürgen, so dass Benesch deshalb den Beruf wechselte?). Er schilderte Beneschs Leistungen als Pfarrer in Birk: er habe die Gemeinde in kurzer Zeit aus einem korrumpierten Zustand wieder herausgebracht , indem er die Erneuerungskräfte des Volkstums mobilisierte, und das eben mit Hilfe der Ideale, die aus Deutschland aus dem Nationalsozialismus kamen ( Anm.: was auch immer die „Erneuerungskräfte des Volkstums“ seien). Dadurch sei es dann zur Diskrepanz mit der Kirche gekommen, die sich ja mit vollem Recht – wie wir heute wissen – ( so betonte Schroeder! ) von der nationalsozialistischen Gefahr absetzen musste. - Ob Hans-Werner Schroeder die Biographie von Pfarrer Dietrich Bonhoeffer kennt, der erkannte schließlich schon damals die nationalsozialistische Gefahr und bezahlte dies mit seinem Leben.

Nach der Amtsenthebung studierte Benesch in Halle erneut Vorgeschichte, Volks- und Rassenkunde, stellt einen Aufnahmeantrag in die SS, promoviert und kehrt auf Betreiben seiner alten Pfarrgemeinde Ende 1940 als Pfarrer nach Birk zurück und wird im Volksbund der Deutschen in Ungarn (VDU) zunächst Kreisleiter und nach einem Jahr stellvertretender Gebietsleiter. Hier führte Schroeder nun aus, dass diese Ämter nur Ehrenämter waren, nicht vergleichbar mit der Machtfülle eines Kreis- oder Gauleiters der NSDAP im Deutschen Reich. Benesch habe sich sozusagen nur als „Sonntagsredner“ betätigt, denn die staatliche Hoheit hatten ja die Ungarn inne. Den Holocaust hätten allein die radikalen, ungarischen Pfeilkreuzler zu verantworten. Benesch hätte nie etwas gegen die Juden geschrieben und auch nichts mit der Verfolgung zu tun. Die einzige mögliche Schuld Beneschs sei eventuell der Schulverweis von Nichtariern auf Anweisung der die Schulen verwaltenden Kirchenleitung. Gerade durch das Miterleben, wie mit den Juden umgegangen worden sei, habe Benesch sich innerlich vom Nationalsozialismus gelöst und aus dem daraus erwachsenen Leid, die Vernichtung erlebt zu haben und sich moralisch vorwerfen zu müssen, ein Nazi gewesen zu sein, hätte er sich zutiefst gewandelt, wie Saulus zum Paulus. (Anm.: der Apostel Paulus hat von seiner Schuld gesprochen, Benesch nie.) Aus diesem Leid und der Wandlung nahm er die geistige Kraft zu seiner „gigantischen“ Arbeit in der 2. Lebenshälfte innerhalb der Christengemeinschaft und die Menschen erlebten später die geistige Kraft und das Charisma, das von ihm und seinen Vorträgen ausging.

Schroeder sprach dann noch kurz über die Vertreibung aus der Heimat, den Rettungszug, wie er die Vertreibung der Siebenbürger durch die Nazis des VDU nannte. Dann ging er ausführlich auf Beneschs segensreiches Wirken in der Christengemeinschaft ein: er stellte Beneschs viele Bildungsreisen vor und kam immer wieder auf dessen „Hellsichtigkeit“ zu sprechen, Benesch sah z.B. „Elementarwesen“( die Christengemeinschaft gehört zu den Anthroposophischen Zusammenhängen, für die geistige Welten und das Umgehen damit Realität ist.) Benesch pflege Lichtbeobachtungen und Beobachtungen von Sonnenaufgängen und sprach zum Beispiel vom „Auferstehungslicht im Sonnenaufgang Japans“. Benesch wird als „demütiger Jünger der Anthroposophie“ geschildert, als eben derjenige, der die Wissenschaften goetheanistisch durchdringen konnte und wie Goethe die Urphänomene herausarbeiten konnte und so weiter.
Hier möchte ich noch zwei Hörer - Reaktionen auf Schroeders Vortrag schildern: nach dem Vortrag eilte eine ältere Dame auf Schroeder zu und bedankte sich mit den Worten: „Ja, Herr Schroeder, Sie haben ja recht, man kann das mit Hitler so oder so sehen“. Der etwa 50 Jahre alte Mann neben mir sagte dagegen zu seiner Frau: „Dass Herr Schroeder Benesch als alten Kollegen hochhält kann man ja verstehen, aber man musste auch in dieser Umgebung kein Nazi werden, Bonhoeffer ist das Gegenbeispiel.“

Am Samstag – Nachmittag folgten dann Berichte von Menschen, die Friedrich Benesch aus der Christengemeinschaft oder anthroposophischen Kreisen gekannt hatten. Die Lehrerin Ingeborg Lang berichtete von der jungen Gemeinde, einem Gesprächskreis, den Benesch für jüngere Menschen in der Christengemeinschaft Stuttgart eingerichtet hatte, den er jahrelang betreute und in dem Lebensfragen besprochen wurden. Sie schilderte die Begeisterung der jungen Menschen für Benesch, die oft weite Wege zurücklegten um teilnehmen zu können und endete mit einem damals entstandenem, langen Geburtstagsgedicht für Benesch, dessen Refrain lautete:“…da musst du Benesch fragen!“ ( Anm.: Benesch hatte ja schon 1928 – 1931 als Kreisjugendleiter gearbeitet, 1937 beim „Tag der Deutschen Jugend“ in Heldorf/Siebenbürgen vor 4000 Jugendlichen gesprochen und unterrichtete am Gymnasium in Sächsisch-Regen Biologie und leitete Jugendkreise, er verstand also sein Handwerk, Jugendliche zu beeinflussen und zu begeistern.)
Der Demeter – Landwirt Klaus Wais sprach darüber, wie er als junger Bauer Benesch vorgestellt wurde. Benesch hat einige Demeter – Höfe mit gegründet und über die Jahre Kontakt gehalten. ( Anm.: von den Artamanen zum Demeter – Bund! ) Klaus Wais schilderte, dass ihm nicht klar war, dass Benesch Landwirtschaftserfahrung hatte (Anm.: vom Hof des Großvaters und dem Birker Pfarrhof). Wais hat später Benesch auf Tagungen des Demeter – Bundes sprechen hören: beeindruckend, langsam in klaren Bildern, mit praktischem Rat – und immer auch über die Elementarwesen.
Der Pfarrer Christian Thomas schilderte Beneschs Beobachtungsgabe auf Spaziergängen, wie er aus den kleinsten Dingen am Wegesrand oder in der Erde einen Bezug zum Kosmos herstellen konnte.


Dann sprach der Verleger der Benesch-Biographie Johannes Mayer. Benesch habe ein beachtliches Werk naturwissenschaftlichen Inhaltes, eine Monographie über den Turmalin, das Buch „Turmalin“ herausgegeben. Dafür bedurfte es 20 lange Jahre, in denen das Werk entstand. Herr Mayer berichtete darüber im Einzelnen, die damaligen Unmöglichkeiten der Photographie, des Scannens, des Druckens dieser Steinschnitte und wie Benesch dies alles immer wieder angeregt habe bis zum guten Schluss des Projektes. Auch Mayer berichtete wieder von Beneschs hellsichtigem Sehen von Elementarwesen, so sah er sie in Idar-Oberstein, wo sie beim Zertrümmern der Steine frei werden, wie Benesch angab.

Am Samstag Abend hielt der Pfarrer Michael Debus einen Vortrag, in dem er Benesch aufgrund seiner Arbeit über die Turmaline als „Goetheanist“ darstellte. Die heutige Wissenschaft habe ja nur Denkmodelle, die bewiesen werden müssen oder sich dann berichtigen. Die „Goetheanistische Betrachtungsweise“ führe zum „Urphänomen“ und dringe so zur Wahrheit durch. Das Ergebnis sei dann Wahrheit und kein Modell.

Am Sonntag Vormittag folgte noch ein Vortrag der Pfarrerin Mechthild Oltmann-Wendenburg aus Berlin. Sie berichtete, dass sie zum Freundeskreis Beneschs gehört habe und stellte seine Fähigkeiten als Priester heraus, er habe sehr vielen Menschen, die sich ihm anvertrauten, wegweisend helfen können. (Anm.: die vielen Menschen, die er mit seiner selbstherrlichen und cholerischen Art verletzt hatte, erwähnte sie nicht.) Und dann meinte Frau Oltmann-Wendenburg in tiefem Ernst, Friedrich Benesch sei ein moderner Heiliger. Alle Heiligen seien ja „tief in ihre Zeit eingedrungen“, Benesch eben auch, in die Zeit und in die Schuld. Aus dieser Schuld habe er durch die Gnade Christi die Kraft für seine Wesensverwandlung geholt. Er hätte ein sehr zartes Verhältnis zu Christus als dem Sohnesgott gehabt. So ein „zartes Verhältnis“ bekomme man gerade eben auch durch eigene Schuld. Friedrich Benesch hätte Gemeinschaft bilden können, ja er konnte seine Umgebung in seine Aura aufnehmen, das heißt seine Freunde konnten mit ihm Elementarwesen oder anderes aus der „geistigen Welt“ wahrnehmen, wenn er es sah…….

Fazit: Was soll man also zu solchen geschönten und phantastischen Darstellungen noch sagen? Dabei gestehe ich Friedrich Benesch durchaus zu, auch positiv gewirkt zu haben. Wie die Gruppe der Benesch – Anhänger auf der Tagung, beschönigt, entschuldigt oder verschweigt auch Hans-Werner Schroeder in seiner Benesch-Biographie einfach alles Negative, dass sich finden lässt, seien es Zeitzeugen oder objektive Dokumente. Friedrich Benesch, der über seine nationalsozialistischen Aktivitäten in der ersten Lebenshälfte eisern schwieg, glaubte im Laufe des Lebens an seine eigenen Verdrängungen, wie man unschwer aus seiner Autobiographie ablesen kann. Ein „mea culpa, mea maxima culpa“ konnte er im Gegensatz zum Apostel Paulus vor den Menschen nicht aussprechen. Dass er im Jahr 2007 zum Heiligen stilisiert wird, ist der eigentliche Skandal.

Thomas Reinsperger




Im Artikel erwähnt:
Seminarbrief der Freien Hochschule der Christengemeinschaft Stuttgart, Weihnachten 2006, Hans-Werner Schroeder „Eine Reise nach Rumänien“ Seite 54-56
Henrik Eberle „Die Martin Luther Universität in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945“ mdv Mitteldeutscher Verlag Halle/Saale 2002, Seite 55/56