Beneschs Tabakregie | Die Egoisten
Regina Reinsperger: Nicht jeder Benesch ist ein Benesch
-zur Qualität von H.-W. Schroeders Benesch- Biografie-


„150 Jahre Österreichische Tabakregie“

Auf Seite 91 seiner Benesch-Biographie berichtet Hans-Werner Schroeder, dass Friedrich Benesch „die weitere Teilnahme an Vorlesungen „wegen Nichtzahlung der restlichen Unterrichtsgelder gestrichen“ wurde. Schroeder fährt fort:
„Um dieser Notlage zu entkommen, nahm er ein Angebot der Österreichischen Tabakwirtschaft an, das Abhilfe versprach. Im kommenden Jahr sollte im amtlichen Auftrag eine Festschrift erscheinen, die von der Generaldirektion herausgegeben und von Benesch verfasst wurde: „150 Jahre Österreichische Tabakregie 1784 bis 1934“. Benesch schreibt, gegliedert in elf Kapiteln, versehen mit 58 Abbildungen, die Geschichte des Tabaks gemäß seinem Auftrag für den Zeitraum 1784 bis 1934. Was er dabei an amtlichen Akten und Literatur gesichtet und verarbeitet hat, ist beeindruckend.“

Schroeder nennt auch die elf Kapitelüberschriften und urteilt abschließend: „Gemessen am zeitlichen und wissenschaftlichen Aufwand kann die Honorierung nicht schlecht gewesen sein.“ Er führt diese Schrift auch im Werkverzeichnis Beneschs auf (Seite 414).

Nur, von diesem Honorar hat Friedrich Benesch aus Sächsisch-Regen nie etwas gesehen, denn er hat diese Schrift gar nicht verfasst. Es gab damals in Wien einen Namensvetter: Hofrat Dr. Friedrich Benesch, der sich 1914/1915 von dem bekannten Wiener Architekten Otto Prutscher eine Villa in Wien 12, Kaulbachstr.8, erbauen ließ. Hofrat Dr. Friedrich Benesch hat auch einen historischen Aufsatz in einer Festschrift des BBI - Bundesblindenerziehungsinstitutes Wien veröffentlicht: „Historische Betrachtungen- Einhundert Jahre Wittelsbach“, den man im Internet nachlesen kann. Die Schrift „Tabakregie“ wurde im März 1934 veröffentlicht, versehen mit einem Vorwort des österreichischen Finanzministers Buresch und des Präsidenten der österreichischen Nationalbank Dr. Viktor Kienboeck; also kurz bevor Friedrich Benesch aus Sächsisch-Regen in Hermannstadt/Siebenbürgen sein „Pfarrerdiplom“ ( 20.4.1934) erhielt. Seinen Doktortitel durfte dieser offiziell erst ab 8. Juli 1941, nach Veröffentlichung seiner Dissertation führen. Man kann also auf den ersten Blick sehen, dass diese „beeindruckende Arbeit“ nicht von dem unbekannten Studenten, der 1934 seine Dissertation noch gar nicht begonnen hatte, sondern dem Hofrat Benesch geschrieben wurde. Auch Dr. Friedrich Benesch, Stuttgart, führte in seiner Bibliographie in seinem Buch “Das Religiöse der Anthroposophie“ die „Tabakregie“ nicht auf, wohl aber seine anderen frühen Schriften. Dr. Friedrich Benesch, Stuttgart, war als Kettenraucher zwar tabaksüchtig, aber über den Tabak hat er nicht geschrieben.

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Quellen:
Otto Prutscher: http://www.azw.at/www.architektenlexikon.at/de/480.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Prutscher
Hofrat Dr. Friedrich Benesch: http://www.bbi.at/menu/festschrift_rtf/geschichte.txt