Persönlichkeitsstörung | Die Egoisten


Rudolf Steiner: Persönlichkeitsstörungen und Volkstum
Gesammelt und kommentiert von Regina Reinsperger

Friedrich Benesch beendet seine Schrift. „Machtkampf und Kirche“ in der er sagt: „Als Glied meines Volkes bekenne ich mich zu dem deutschen Volk schlechthin“ mit dem Ruf an das Volk: „Im ehrlichen Kampf um die Macht alles - mein Volk – für dich!“
Von Rudolf Steiner wird meist der sogenannte „Volksseelenzyklus“ GA 121 „Die Mission der einzelnen Volksseelen zitiert. Weniger bekannt sind seine Aussagen zum Volkstum aus dem Zyklus „Kosmische und Menschliche Geschichte – Zeitgeschichtliche Betrachtungen zweiter Teil“ GA 174. Hier stellt er im 19. Vortrag vom 14. Januar 1917 in Dornach drei Formen der Seelenerkrankungen dar, die er in Verbindung bringt zum „Volkstum“ und „Nationalempfinden“. Einige Gedankengänge Steiners sollen wörtlich aus diesem Vortrag im folgenden mitgeteilt werden und zum selbst nachlesen auffordern.




Die menschliche Natur ist kompliziert, und gar vieles geht in dem Menschen vor, das in seinem eigentlichen Geschehen mehr oder weniger unter der Schwelle des Bewusstseins bleibt, und von dem einzig Wirkungen heraufkommen in das Bewusstsein. Wirkliche Selbsterkenntnis kann man nicht gewinnen, ohne sich einen Einblick zu verschaffen in dieses Wirken der unterbewussten, unter der Oberfläche des Bewusstseins wirkenden Seelenimpulse....

Nehmen wir also zunächst an, wir hätten es zu tun mit der Ich-Natur des Menschen,, mit jenem Gliede der menschlichen Wesenheit, das wir als das Ich bezeichnen. Diese Ich – Natur ist selbstverständlich ganz übersinnlich; sie ist ja das Übersinnlichste, was wir zunächst haben, aber sie wirkt durch das Sinnliche. Dasjenige, wodurch das Ich sich hauptsächlich im intellektualistischen Sinne in der menschlichen physischen Natur auswirkt, ist das als Gangliensystem bezeichnete Nervensystem, das Nervensystem, das vom Sonnengeflecht ausgeht......

Dass der Mensch, wenn er beginnt, okkult sich selbst zu schauen, das Zentrum des Ich im Haupte zu empfinden hat, das widerspricht dem nicht, da wir es ja bei dem Ich – Gliede des Menschen zu tun haben mit etwas Übersinnlichem, und der Punkt, in dem der Mensch das Ich erlebt, ein anderer ist als der Angriffspunkt, durch den das Ich im Menschen vorzugsweise wirkt.
Die Bedeutung des Wortes: Das Ich wirkt durch den Angriffspunkt des Sonnengeflechtes - muss man sich völlig klarmachen. Diese Bedeutung liegt in folgendem: Das Ich des Menschen selbst ist eigentlich mit einem dumpfen Bewusstsein ausgestattet. Der Ich – Gedanke ist etwas anderes als das Ich. Der Ich – Gedanke ist gewissermaßen dasjenige, was als eine Welle heraufschlägt ins Bewusstsein, aber der Ich – Gedanke ist nicht das wirkliche Ich. Das wirkliche Ich greift als bildsame Kraft durch das Sonnengeflecht in die ganze Organisation des Menschen ein.

Gewiss kann man sagen, das Ich verteilt sich über den ganzen Leib. Aber sein Hauptangriffspunkt, wo es besonders in die menschliche Bildsamkeit, in die menschliche Organisation eingreift, ist das Sonnengeflecht, oder besser gesagt, weil alle Zweigungen dazugehören, das Gangliensystem, dieser im Unterbewusstsein lebende Nervenprozess, der sich im Gangliensystem abspielt. Da das Gangliensystem die ganze Zirkulation des Blutes mitbedingt, so widerspricht das auch nicht der Tatsache, dass das Ich im Blute seinen Ausdruck hat. In diesen Dingen muss man das Gesagte eben ganz genau nehmen. Es ist etwas anderes, wenn gesagt wird: Das Ich greift durch das Gangliensystem in die Bildungskräfte und die ganzen Lebensverhältnisse des Organismus ein, als wenn davon gesprochen wird, dass das Blut mit seiner Zirkulation der Ausdruck für das Ich im Menschen ist. Die menschliche Natur ist eben kompliziert.....

Wie ist denn dieses Ich gewissermaßen in den Unterleibsorganen des Menschen verankert? Es ist so, dass, wenn der Mensch im normal – gesunden Zustande lebt, dieses Ich wie gefesselt ist im Sonnengeflecht und allem, was damit zusammenhängt. Es ist gebunden durch dieses Sonnengeflecht. Was heißt das? Dieses menschliche Ich, das dem Menschen im Verlaufe der Erdenevolution als Gabe der Geister der Form zugekommen ist, war ja wie wir wissen, der luziferischen Versuchung ausgesetzt. So wie der Mensch dieses Ich hat, würde es eigentlich, da es infiziert ist von luziferischen Kräften, der Träger böser Kräfte sein. Das muss unbedingt wahrheitsgemäß erkannt werden. Nicht durch seine Natur ist das Ich Träger böser Kräfte; aber dadurch, dass das Ich durch die luziferische Verführung mit luziferischen Kräften infiziert ist, ist es an sich der Träger von wirklich bösen Kräften, von Kräften, welche durch die luziferische Infektion geneigt sind, dasjenige, was das Gedankenleben des Ich bedeutet, ins Böse zu verzerren...........
Und so liegt folgende Tatsache vor: Das Ich hat durch seine luziferische Infektion fortwährend die Tendenz, sich tückisch, lügenhaft zu gebärden, sich selbst ins Licht, das andere in den Schatten zu stellen; aber es wird gefesselt durch das Nervensystem des Unterleibes. Da muss es parieren. Durch das Nervensystem des Unterleibes zwingen die regelrecht fortschreitenden Mächte das Ich, nicht ein Dämon im bösen Sinne des Wortes zu sein. Sodass wir also unser Ich so in uns tragen, dass es gefesselt ist an die Unterleibsorgane.

Nun denken Sie einmal, dass die Unterleibsorgane in irgendeiner Weise ungesund wären, dass sie nicht im normalen Zustande wären. Nicht im normalen Zustande sein, heißt, nicht voll in sich aufnehmen wollen dasjenige, was geistig in sie hineinpasst, was geistig zu ihnen gehört. Das Ich kann in einer gewissen Weise frei werden in seiner Tätigkeit, wenn die Unterleibsorgane nicht ganz gesund sind. Dann kann, wenn dieses Freiwerden durch eine besondere physische Übertätigkeit herbeigeführt wird, die menschliche Natur sich so äußern, dass das Ich gewissermaßen losgelassen wird auf die äußere Welt, während es sonst gefesselt ist.....
Dann kommt das Ich dazu, in freierer Weise mit der Umgebung zu korrespondieren. Es ist dann nicht eingelagert in das Gangliensystem und kann daher jene Verbindungskanäle mit der Welt benützen, die es ihm möglich machen, im Raum und Zeit allerlei von ferne zu sehen, was normalerweise in das Ich, in das Gangliensystem eingebettet ist, wodurch diese Prozesse nicht wahrgenommen werden können.....
Geradeso wie das Ich seinen Angriffspunkt hat im Gangliensystem, so hat der astralische Leib seinen Angriffspunkt in all den Prozessen, die mit dem Rückenmarksnervensystem zusammenhängen. Natürlich gehen die Nerven durch die gesamte Körperlichkeit; aber wir haben hier einen zweiten Angriffspunkt. Dazu gehören natürlich wieder alle Prozesse, welche mit diesem Nervensystem zusammenhängen. Das ist noch nicht das Gehirnnervensystem, sondern das Rückenmarkssystem, das zum Beispiel mit unseren Reflexbewegungen zusammenhängt, und das ein Regulator ist für sehr vieles im menschlichen Leib.... Nun kann die Sache wiederum nur so aufgefasst werden, dass der astralische Leib entweder gefesselt ist an alles, was mit dem Rückenmarkssystem zusammenhängt, oder dass er durch Erkrankung oder durch teilweise Einschläferung der Prozesse frei werden kann. Da haben Sie einen anderen Gefesselten, der seine luziferischen Eigenschaften, die ein wenig gemischt sind mit ahrimanischen Eigenschaften, schon während der alten Mondenzeit erhalten hat (Anmerkung: zur „alten Mondenzeit“ siehe Steiners „Geheimwissenschaft“).....

Wenn das Ich entfesselt wird, so entwickelt es Eigenschaften wie Heimtücke, Verschmitztheit, Listigkeit, Übervorteilung, Sich - ins- Licht – stellen, Alles – andere – in – den – Schatten – stellen und so weiter. Wenn der astralische Leib entfesselt wird, so entwickelt er Ideenflüchtigkeit, diskontinuierliche Logik, manieartige Zustände oder aber Weltflüchtigkeit, Melancholie, Hypochondrie....
Nun, ebenso wie der astralische Leib auf diese Weise durch das Rückenmarksystem und alle Prozesse im organischen Leben, die damit zusammenhängen, gefesselt ist, so ist der ätherische Leib durch das Gehirnsystem mit allem, was dazu gehört, gefesselt. Der ätherische Leib hat seinen Angriffspunkt also durch das Gehirnsystem.... Der ätherische Leib hat nun vorzugsweise die Neigung, wenn er sich selbst überlassen, also nicht in den Kerker des Hauptes eingeschlossen ist, sich zu vervielfältigen, dadurch sich selbst fremd zu werden, gewissermaßen überzugehen in die Welt, in anderes sich hineinzuleben...Bei Defekten des Gehirns aber kann der Kerker den Gefesselten, das heißt den Ätherleib nicht mehr halten, dann geht dieser auf eigene Abenteuer aus und versucht im Aufgehen in der Welt sein ungeordnetes, wirres Leben auszuleben und auszugestalten...

Der Ätherleib hat, wenn er befreit wird, vorzugsweise ahrimanische Eigenschaften. Es werden sich in diesem Falle Neid, Missgunst, Geiz und dergleichen mehr in krankhafter Weise gesteigert ausleben; aber das alles im Zusammenhange mit einer Art Sich – Auslebens in der Umgebung, mit einem Aufgehen in der Umgebung. Dieses ist nun aber durchaus so zu verstehen, dass zwar das Ich mehr oder weniger seinen alleinigen Anziehungspunkt hat im Gangliensystem und dem, was damit zusammenhängt, der astralische Leib im Rückenmarkssystem, aber mit dem Gangliensystem zusammen, der Ätherleib im Gehirnsystem, aber mit dem Rückenmarkssystem und dem Gangliensystem zusammen. Insofern hat das Gangliensystem, weil es ja alles Unterbewusst – Organische versorgt, auch mit dem Gehirn zu tun. Wenn das Gangliensystem einen Krankheitsprozeß bewirkt, der sich im Gehirn auslebt, kann allerdings auch gerade der Ätherleib frei werden. Aber die Ursache liegt trotzdem im Gangliensystem. Die Dinge sind eben durchaus kompliziert.....
Es ist immer ein Freiwerden verbunden mit einem Aufgehen im Geistigen. Das aber ist verbunden mit einer gewissen Wollüstigkeit, denn das Freiwerden, sei es ätherischer, astralischer Leib oder Ich, ergießt sich gewissermaßen in die geistige Welt hinein. Und dieses Ergießen ist durchaus mit inneren Beseligungsgefühlen verbunden......

Es gibt im Bereich des physisch Wahrnehmbaren nichts, was so kompliziert ist, wie die menschliche Natur; sie ist das Allerkomplizierteste, was sich überhaupt in der Welt findet....
Alles, das, was wir nur für das Leben zwischen Geburt und Tod haben, haben wir dadurch, dass wir in unserem Organismus erdiges Element, Festes haben...Der Träger der gewöhnlichen Gedanken für das physische Leben kann nur dieses Feste sein, und nur insofern wir von dem Flüssigen und seiner Pulsation durchsetzt sind, wissen wir von unserem Überpersönlichen. Und dieses Flüssige und seine Pulsation steht wiederum im Zusammenhang mit dem Rückenmarkssystem, welches das Flüssige und die Pulsation vorzugsweise regelt. Der Mensch wird dadurch, dass er das Flüssigkeitselement in sich hat, nicht nur in Zusammenhang gebracht mit seinem Überpersönlichen, sondern er wird dadurch auch gewissermaßen in seiner Persönlichkeit spezifiziert. Wenn wir nur Kopfmenschen wären, würden wir alle dasselbe denken, dasselbe empfinden. Dadurch, dass wir Herzensmenschen sind, dass wir das flüssige Element, das Blut und andere Säfte in und haben, sind wir in gewisser Weise schon spezifiziert; denn dadurch hat die Hierarchie der Angeloi an unserem Wesen Anteil. Die Hierarchie der Angeloi kann in uns eingreifen auf dem Umwege durch das flüssige Element.

Eine weitere Möglichkeit in unser Wesen einzugreifen, ist dadurch herbeigeführt, dass bei normalen Zusammenwirken der höheren Glieder mit dem Gangliensystem die Möglichkeit vorhanden ist, dass das Luftförmige und alles damit zusammenhängende auf uns wirkt. Dies geschieht durch den Atmungsprozeß. Aber dieser ist sehr kompliziert. Es ist nicht einerlei, ob wir da oder dort atmen, ob die Atmungsluft viel oder wenig Sauerstoff, ob sie viel oder wenig Feuchtigkeit, viel oder wenig Sonnenwärme enthält oder dergleichen. Dadurch, dass wir diese Möglichkeit in uns tragen, dass auf dem Umwege des luftförmigen Elementes auf uns gewirkt wird, dadurch hat die Hierarchie der Archangeloi, der Erzengel, die Möglichkeit, auf uns zu wirken. Alles was in unser Wesen hereinwirkt von der Hierarchie der Erzengel, seien es normal fortgeschrittene oder zurückgebliebene, wirkt auf dem Umwege durch unser Gangliensystem. Und auf diesem Umwege wirkt auch, was von den sogenannten Volksgeistern ausgeht, die ja auch zu der Hierarchie der Archangeloi gehören. Was von den Volksgeistern ausgehend auf den Menschen wirkt, das wirkt auf die Organe, die mit dem Gangliensystem in Zusammenhang stehen. Daher ist das Volkstum etwas dem Bewusstsein so Entzogenes, etwas so dämonisch Wirkendes. Und es hängt aus den Gründen, die ich angedeutet habe, deshalb so stark zusammen mit all dem, was die Örtlichkeit ist; denn viel mehr als man glaubt, ist die Örtlichkeit, das Klima verknüpft mit dem Wirken der Hierarchie der Archangeloi. Klima ist ja nichts anderes als dasjenige, was auf dem Umwege durch die Luft auf den Menschen wirkt.

Sie sehen, wenn man, indem man auf das Gangliensystem verweist, zeigt, wie im Unbewussten die Impulse der Volksseelenhaftigkeit walten. Jetzt werden Sie auch begreifen, dass mehr, als man gewöhnlich denkt, gerade die Zugehörigkeit zum Volkstum mit gewissen Eigenschaften des Menschen zusammenhängt, die an sein Gangliensystem gebunden sind. Mehr als man glaubt, ist das Problem des Volkstums in Beziehung zu setzen mit dem sexuellen Problem. Denn die Zugehörigkeit zum Volkstum beruht auf der gleichen Organgrundlage – dem Gangliensystem -, dem auch das Sexuelle zugrunde liegt. Das ist ja auch äußerlich schon dadurch zu verstehen, dass man seinem Volkstum durch Geburt angehört, insoferne als man in der Mutter eines bestimmten Volkes gereift wird; insoferne ist ja schon die Vermittlung da. Da sehen Sie, durch welche, ich möchte sagen, seelenunterirdischen Untergründe gerade das Nationalproblem schon mit dem Sexualproblem zusammenhängt. Und daher ist in der Erscheinung so viel Verwandtes zwischen diesen beiden Impulsen im Leben. Wer nur offene Augen für das Leben hat, der wird ungeheuer viel Verwandtes finden zwischen der Art und Weise, wie sich der Mensch betätigt aus dem Erotischen heraus, und wie er sich betätigt in seiner Zugehörigkeit zum Volkstume. Es ist natürlich damit weder Pro noch Kontra in bezug auf das eine oder andere etwas gesagt; aber die Tatsachen liegen so, wie ich das charakterisiert habe. Die Erregungen nationaler Art, die insbesondere stark unbewusst wirken, wenn sie nicht ins Ich – Bewusstsein heraufgeholt werden, indem man die Frage zu einer Karmafrage macht, so wie ich das neulich charakterisiert habe, sind sehr verwandt den sexuellen Erregungen. Man darf über solche Dinge nicht dadurch hinweggehen, dass man aus gewissen Täuschungen und Sehnsuchten heraus eine emotionelle Art des Nationalempfindens zu einer recht vornehmen Empfindung machen möchte, und die Sexualempfindung zu einer recht wenig vornehmen; die Tatsachen liegen schon so, wie ich es Ihnen entwickelt habe.“