König Benesch | Die Egoisten
"Einer muß König sein!"
Friedrich Benesch und die Macht
von Dr. Regina Reinsperger


Bei seiner Vorsprache beim SS - Abschnitt XVIII in Halle am 6.9.1940 gibt Benesch zu Protokoll: "Nach ernster Gewissensprüfung habe ich mich entschieden, die mir von meinen Bauern erwiesene Treue durch meine Treue zu erwiedern und wieder ihre Führung zu übernehmen." (siehe Beitrag "Benesch und die SS")

Diese Aussage kommentiert Hans-Werner Schroeder in seinem Buch auf Seite 107 mit den Worten von Andres Dienesch: "Wenn Benesch in einem seiner Texte von "meinen Bauern" geschrieben habe, dann sei damit kein Besitzanspruch, sondern das so gewachsene Gemeinschaftsgefühl im Sinne des "wir gehören zusammen, wir packen gemeinsam an",ausgedrückt; jeder in Birk habe damals mit Stolz von "meinem Birk" gesprochen, ohne damit zu meinen, dass die Gemeinde ihm gehöre."

Dieses Gemeinschaftsgefühl, das die Birker entwickelten, ist ein Gefühl der Gleichberechtigten unter Gleichberechtigten, getragen von ihrer alten geschlossenen Dorf- und Volksgemeinschaft. Benesch fühlte sich aber aufgrund seiner Position und Bildung den Bauern deutlich überlegen und beanspruchte als Pfarrer "ihre Führung", wie er in obigem Protokoll sagt. "Es war eigentümlich zu beobachten, wie diese einfachen Bauern zwar gern die Früchte dieser ("geisteswissenschaftlichen") Arbeit aufnahmen, aber ihrer ganzen Seelenhaltung nach nicht imstande waren selber mitarbeitend daran teilzunehmen." urteilt er in seiner Biographie 1947 (siehe unser Beitrag "
Tanzende Dörfler").  "The Saxon people in Birk were very hard working and god-fearing Lutherans" schreibt S.B. aus Australien.

In seiner Schrift "
Machtkampf und Kirche" schreibt Benesch: "Darum schenke ich alle Macht, die sich aus meiner Arbeit entfaltet, der politischen Partei, der sie zukommt." Benesch gewinnt durch seine Arbeit als Pfarrer und Seelsorger im Dorf Macht und Einfluss, die er für seine politische Partei ausnutzt. Es entspringt schon einem korrumpierten Denken, das Vertrauen, das die Gemeindemitglieder ihm entgegenbringen, indem sie ihn in ihre intimen Lebens- und Seelenverhältnisse als Seelsorger hineinblicken lassen, als einen "Zuwachs an Macht" zu interpretieren und politisch auszuleben. Sind das die Qualitäten, die einen Pfarrer auszeichnen? Im o.a. Brief aus Australien berichtet S.B.: "The "Herr Pfarrer" had enormus influence because he was "ein Gelehrter" and a minister. Either direktly or indirectly, he encouraged many young men (and few women) to voluntarily join the "German" military." und weiter: "I understood that Benesch was a very forceful character, who could be very angry and was not to be approached." Dies alles liest sich für mich nicht nach den Worten eines Menschen mit Gemeinschafts- oder Zugehörigkeitsgefühl, Benesch fühlte sich vielmehr als Dorfpotentat.

Nach der Flucht hatte für ihn "das Schicksal gesprochen, die Gemeinschaft zerstört." Und so bricht er, sicher auch in den ersten Nachkriegsjahren aus Furcht vor Strafverfolgung, im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten Robert Gassner, jeglichen Kontakt zu seinen Landsleuten ab.
S.B. schreibt: "As a child, I often heard people say things like: "Benesch hat uns im Stich gelassen." or "Er will nichts von uns wissen." or "Er sagt, jeder für sich selbst." I ask myself, how could a "caring minister" so completely disregard his erstwhile parishioners and forbid all contact?"
 
Wandlung?

Am Priesterseminar der Christengemeinschaft kann Friedrich Benesch sich dann eine neue, unangefochtene Machtposition aufbauen.  Hans-Werner Schroeder schildert auf den Seiten 266 - 269, dass Benesch auf einer Jugendtagung 1964 in Finnland mit ganz normalen Einwänden von Teilnehmern nicht korrekt umgehen kann, er droht aus nichtigem Anlaß die Tagung abzubrechen. Das ist ein Verhalten, dass man für einen langjährigen Redner und Lehrenden nur als Armutszeugnis bezeichnen kann. Am Ende der Tagung hatte der "Schuldige" noch ein abschließendes Gespräch mit Benesch und dabei spricht Benesch sein Lebensgefühl aus: "Aber wir sind uns doch einig: Einer muss König sein!"

Ob all diese Pfarrer, die sich in ihren Gemeinden als "Könige" fühlen sich jemals mit Bewußtsein mit der Fußwaschung (Joh.13) beschäftigt haben?