Macht Kirche | Die Egoisten

Friedrich Benesch: Machtkampf und Kirche (1937)



Vorbemerkung zu Machtkampf und Kirche  
Regina Reinsperger, Februar 2007
                                                                                                                                      
Wir haben uns nun doch entschlossen, diese an sich unbedeutende Schrift von 1937 von  Pfarrer Friedrich Benesch wieder zu veröffentlichen. Zeigt sie doch, wie sehr der Autor den Gedankengängen des 3. Reiches verhaftet war und wie flüssig die demagogischen Sprachformen dieser Zeit von ihm benutzt werden und in welch unverschämter und verletzender Tonart er als 30jähriger junger Mann eine polemische Diskussion führt.  Interessant ist auch seine Machtanspruch: er beansprucht Macht für seine Partei, damit diese die notwendige „Volkserneuerung“ durchsetzen kann. Er spricht  vom „Volk“ mit „ewigen Lebensbedürfnissen“, in einer Art und Weise, als ob das Volk nicht aus einzelnen Menschen bestünde.  Andere Ansichten werden als „reaktionär“ einfach abgetan. Der „Naturwissenschaftler“ und  evangelische Theologe Benesch beansprucht für sich „Wahrheit“ und „klare Erkenntnis“, nicht nur in der Politik.  Für Zweifler:  Fritz Benesch ist eindeutig mit Dr. Friedrich Benesch identisch, im Text spricht er von seiner Gemeinde Birk  und wer Benesch in späteren Jahren sprechen gehört hat, findet auch in Methodik, Wortwahl und Satzbau bekanntes.
Der Text wird originalgetreu abgeschrieben, die Sperrungen sind durch Benesch selbst gesetzt worden.  Aus schreibtechnischen Gründen werden die Randbemerkungen an die entsprechende Stelle als Textüberschriften gesetzt.
 
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MACHTKAMPF  UND  KIRCHE
Eine Antwort an Dr. Konrad Möckel
von Fritz Benesch
 
Druck und Verlag:
Deutsche Volksdruckerei- und Verlags A.G.
Brasov – Kronstadt, I. G. Duca = Straße 45
               1937
 
 
Geleitwort
 
Im Verlauf der innervölkischen Auseinandersetzungen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien haben verantwortungslose reaktionäre Kräfte leider auch kirchliche Stellen beider Konfessionen in den Kampf gegen den politischen Gegner eingesetzt. Dadurch haben sich naturgemäß schwere Spannungen auch innerhalb der kirchlichen Organisationen selbst ergeben, die nicht nur die Beziehungen zwischen Volkstum und Kirche sondern darüber hinaus auch innerkirchliche Fragen berühren. Die dadurch aufgeworfenen Probleme werden bereits in der breiten Öffentlichkeit erörtert und sind von verschiedenen Vertretern der Kirchen auch in einzelnen Schriften und in der Presse behandelt worden. Die Fragen sind ernst genug, eine gründliche Behandlung zu rechtfertigen. Aus diesem Grunde hat sich der Verlag entschlossen, eine Schriftenreihe „Volkstum und Kirche“ herauszugeben, in der die verschiedenen gegebenen Probleme erörtert werde. Die vorliegende Schrift soll die Reihe eröffnen.
 
                                                                       Der Verlag
 
 
 
Der Gegensatz

1. Nach mehreren unklaren und einander widersprechenden Zeitungsaufsätzen ist Stadtpfarrer Dr. Konrad  M ö c k e l  mit einer längeren Schrift herausgerückt, und ich sehe, wie sich all’ die klerikalen Politiker und objektiven Pfarrer mit ihrem gutgläubigen Anhang voller Andacht in diese „gediegene“ Schrift vertiefen. Denn sie ist ja vom erhabenen Standpunkt der  „wahrheitssuchenden Kirche“  her geschrieben. Sie ist infolgedessen „überhaupt nicht parteiisch“, denn sie erkennt Fehler nicht nur bei den einzelnen politischen Parteien, sondern auch in der eigenen Kirche. Sie sagt allen, auch der Kirche selber, vor allem aber der zerstörerischen DVR gründlich die Wahrheit! Sie leuchtet „in die Tiefen des dämonischen Machtkampfes“ unserer Zeit hinein u.s.w. u.s.w.
Aber Spaß beiseite. Erst wenn man diese Schrift mit Aufmerksamkeit durchliest, erkennt man, wie radikal entgegengesetzt die Gedanken- und Lebenswelt dieses „politischen“ Pfarrers der Volksbewegung des Deutschen Sozialismus ist, und erst dann findet man die Erklärung dafür, warum  M ö  c k e l, der doch einmal in seinem Herzen bei uns gestanden hat, heute unser entschiedener Gegner ist und wohl auch immer bleiben wird. Der Standpunkt und die Anschauung dieses Mannes sind kennzeichnend für die halb „politischen“,  halb „kirchlichen“ Pfarrer unserer sogenannten  „Volkskirche“ , sie sind kennzeichnend für die Haltung der in den kirchlichen Körperschaften Macht ausübenden Reaktionäre, sie sind mit einem Wort eben gerade das, was wir , seit es eine völkische Bewegung gibt, mit aller Schärfe bekämpft haben und bekämpfen werden, bis es aus unserem Volk mit Stumpf und Stiel ausgerottet ist.
 
Möckels Bekenntnis

2. Zunächst sein Standpunkt: Möckel geht von einem doppelten Bekenntnis aus. Erstens  zu Christus, -  ( darüber ist hier weiter nichts zu sagen, weil er selbst in seiner Schrift auf dieses Bekenntnis bewusst kein Gewicht legt; Seite 12, Absatz 3) und  zweitens  zur  Volkskirche . Schon hier ist mir aufgefallen: wo bleibt das Bekenntnis zum Volk? Wo bleibt das uneingeschränkte, einfache  Bekenntnis  zum  deutschen Volk ?  Es ist unter den Tisch gefallen. An seiner Stelle ist neben das religiöse Bekenntnis zu Christus, das jeder von uns ablegen kann, seiner eigenen Überzeugung gemäß, das Bekenntnis zur  Volkskirche getreten. Und, man höre und staune, in diesem Bekenntnis ist Volkskirche gleich Volk gesetzt. Denn es heißt da : “ Die Volkskirche ist das Herz wahren, echten Volkslebens. Wer diesen Standpunkt nicht versteht, der lese hier nicht weiter.“ (Seite 3)
Ich muss schon sagen, ich verstehe diesen Standpunkt sehr wohl, aber ich lehne ihn  restlos ab. Denn was ist, näher besehen, dieser Standpunkt Möckels?
Der Standpunkt der Möckelischen Volkskirche ist der einer  „Volkspolitik  im wahren Sinn des Wortes.“ Das heißt, diese Volkskirche will grundsätzlich ( aber – wie sich später zeigen wird, nur scheinbar) überhaupt nicht nach Macht streben oder um Macht für das Volk oder in dem Volk kämpfen, sondern sie muss vorbehaltlos Wahrheit suchen, sie muss die Gottesfrage stellen. Das vorbehaltlose Wahrheitsuchen ist der politische Standpunkt, die Politik Möckels. Er sagt: „Darum muss zunächst ganz klar ausgesprochen werden, dass hier allerdings in sehr ernstem Sinne von politischen Dingen die Rede ist und dass hier allerdings ein „politischer“ Standpunkt vertreten wird, nämlich der Standpunkt des  vorbehaltlosen Wahrheitsuchens und nicht der  der Machtansprüche  irgendeiner Gruppe....“ (S. 3)    Wer hat je in seinem Leben einen lächerlicheren und phantastischeren politischen Standpunkt gesehen? Wohlgemerkt:  politischen Standpunkt! Tatsächlich ist nämlich Politik etwas ganz anderes, als „ vorbehaltloses Wahrheitsuchen“. Der Standpunkt vorbehaltlosen Wahrheitsuchens ist nicht Politik -  sondern eine einfache  Selbstverständlichkeit!!   Er gilt für das öffentliche Leben ebenso, wie für die Familie, für das eigene Innenleben ebenso, wie für die Beziehungen der Menschen untereinander, und darum auch für die Politik!  Politik aber ist für uns  ebenso einfach die Aufgabe der Erhaltung und Mehrung unseres Volkes.
Diesem  höchsten Ziel unserer Politik entspringt alles, was wir irgendwie  in unserem politischen Leben tun. Politik ist also nicht im luftleeren Raume sich abspielendes Wahrheitsuchen, sondern Handeln, d. h. Hilfe und Einsatz für das Volk.
 
Wir machen nicht Politik ins Blaue hinein, wie uns das Herr Konrad  M ö c k e l  gerne vorschreiben möchte, sondern wir kämpfen und arbeiten mit allen Mitteln für die Erhaltung und Mehrung unseres Volkes. Infolgedessen ist sonnenklar, dass zum Wesen des Politischen  und zur Erreichung der Ziele unserer Politik der Kampf um die Führung eine unumgängliche Notwendigkeit ist. Und man findet auch auf der ganzen Welt, außer in dem Gehirn von Stadtpfarrer Dr. Konrad Möckel, keine einzige politische Gruppe oder Bewegung, die nicht um die Machtführung kämpfen würde. Der Kampf um die Macht ist vom Politischen her gesehen nicht eine Krankheit, oder wie ihn Möckel sonst nennt, sondern er ist der klare Ausdruck eines gesunden und vernünftigen, von aller Welt selbstverständlich anerkannten politischen Strebens. Diesen mit gesunder Politik unmittelbar gegebenen Kampf um die Macht versucht Möckel auf doppelte Weise schlecht zu machen. Zuerst führt er eine Reihe von Beispielen an, durch die er nachzuweisen versucht, dass der Kampf um die Macht der Wahrheit schadet. Dass zum Zwecke der Machteroberung der Gegner schlecht gemacht, der Anhänger aber entschuldigt, ja selbst gegen die Wahrheit  verteidigt wird. Er erklärt: Mag eine Gruppe auch noch so kirchentreu, noch so volksverbunden sein, die Wahrheit ist nicht eine menschliche Größe, und darum ist es „eitel Lüge und Selbsttäuschung, wenn man es wagt, im tagespolitischen Kampf um die Macht von Wahrheit zu reden.“ ( S.4) Also: Wahrheit ist keine menschliche Größe. Sie gibt es im tagespolitischen Kampf überhaupt nicht. Bei einigem Nachdenken sieht aber jedermann bald ein, dass der Kampf um die Macht selbst daran unschuldig ist, wenn dabei gelogen wird, denn der schärfste Kampf um die Macht kann mit den reinsten Mitteln der Wahrheit durchgeführt werden, ( z. B.  A. Hitler ).  Es hängt allein an der persönlichen Sauberkeit der einzelnen kämpfenden Menschen, wie sie diesen Machtkampf führen. Unwahrhaftigkeit um die Macht kämpfender verlogener Menschen schadet dem reinen politischen Kampfe. Weiter versucht Möckel, den Kampf um die Macht dadurch schlecht zu machen, dass er behauptet, es  ginge dabei um die Macht als solche. Das ist einfach eine Verdrehung der Wahrheit. Denn für einen Politiker in jenem gesunden und vernünftigen Sinne des Wortes ist Macht lediglich ein Mittel zum Zwecke der Durchsetzung  seiner  am  Volke zu vollziehenden Aufgabe. Je größer die Aufgabe vor ihm steht und mit je größerer Kraft sie in Angriff genommen wird, desto unbedingter wird auch das Streben nach der Macht sein, die die Lösung dieser Aufgabe garantiert. Das beste Beispiel für die Richtigkeit des eben Gesagten ist die augenblickliche Lage unseres Volkes. Weil und solange Fabritius mit irgendwelchen Gruppen paktiert, d. h. die Macht nicht unerbittlich für sich in Anspruch nimmt, ist er nicht nur zu teilweiser, sondern zu völliger Ohnmacht verdammt. Die Bewegung im Reich hatte das von jeher klar erkannt und ihr ist nie eingefallen, von ihrem Totalitätsanspruch auch nur um Haaresbreite nachzugeben. Wenn also Möckel von seinem „volkskirchlichen Standpunkt unbedingten Wahrheitsuchens“ der politischen Partei den Kampf um die Macht abschlagen will, so beweist er damit nur, dass er von echter Volkspolitik überhaupt keine Ahnung hat. Nicht der Kampf um die Macht als solcher ist das Ziel unserer Volkspolitik, sondern das, was wir mit der Macht erreichen und durchsetzen wollen, ist das allein Entscheidende. Und gerade weil dieses unser Ziel der restlosen Erneuerung unseres Volkes so gewaltig ist, gerade darum kämpfen wir auch mit aller Kraft um die Macht in unserem Volke, die uns die Sicherheit garantiert, dass wir diese Erneuerung auch durchführen werden. Nicht der Kampf um die Macht lässt die Leute zu Lügnern werden, sondern verschiedene lügnerische Menschen beschmutzen den reinen politischen Kampf mit ihrem eigenen Schmutz. Wenn darum z. B. der „Süd – Ost“ in den politischen Kampf primitive Lügenmethoden hineinträgt, wie er es immer wieder tut, so fällt der Schmutz weder auf uns noch auf den politischen Kampf, sondern nur auf die geistigen Schmutz- und Lügenfinken, die ihn in die Auseinandersetzungen hineinzutragen versuchen.        
Der Standpunkt der „Volkskirche“ Möckels, der Standpunkt absoluten Wahrheitssuchens als „machtloser“ „politischer“ Standpunkt gegenüber dem verderblichen, Wahrheit verleugnenden Kampf um die Macht der politischen Gruppen und Parteien ist wirklickeitsfern und unwahr .
 
Was ist Volkskirche?

Was ist aber nun nach Möckel diese seine „politische Volkskirche“ selber?  Sie ist: „Irdische Volksordnung“, die man erkennt, wenn man „etwa in Kronstadt sorgfältig allen seelischen Inhalt verarbeitet, der sich um die Begriffe „Honterusgemeinde“ oder „Schwarze Kirche“ sammelt.“ ( S.11) Sie ist „Autorität der Führung im weitesten Sinne“, „gewachsene, gottgewollte Ordnung“, gewachsen, weil in ihren „natürlich gewachsenen Knotenpunkten des Volkslebens vom Familienvater bis zum höchsten Führer des Ganzen hinauf“ ( dem Bischof? Dem Landesobmann?) „die natürlichen Bahnen der „Macht“ zu verlaufen haben.“ (S.13)
Hier muss man einmal Atem holen und überlegen: W a s  heißen diese schönen Worte alle? Wir halten fest :
1. Volkskirche ist die irdische Volksordnung natürlich gewachsener Knotenpunkte des Volkslebens und Gottes heilige Ordnung.
Hier erscheint die erste Frage: Was ist diese Volkskirche nun  eigentlich?  Ist sie natürlich gewachsen, also Volksordnung, oder gottgewollt, also Gottesordnung?
2. Volkskirche ist natürlich gewachsene „Macht“ oder „Autorität“. Und damit erscheint die zweite Frage: Wenn der politische Standpunkt dieser Kirche der der unbedingten Bereitschaft zur Wahrheit ist – (und es heißt ja: „Die eigentlichen Gegner sind noch nicht Volksorganisation und DVR oder die Landeskirche und der Radikalismus, sondern die Gier nach der Macht und die Bereitschaft zur Wahrheit“) – also: wenn die Volkskirche politisch auf der Seite zur Bereitschaft zur Wahrheit steht – was hat sie dann überhaupt mit der „Macht“ zu tun? Oder ist Macht nur dann schlecht, wenn die Partei sie will? Und gut, wenn die Kirche sie will?
Es ist offenbar, dass hier gewaltige Wiedersprüche stecken! Und es genügt nicht, wenn man die Tatsache, dass natürlich gewachsene Ordnung und gottgewollte Ordnung zwei Dinge sind, dadurch aus der Welt zu  schaffen versucht, dass man sie in einen Topf wirft. Es genügt auch nicht, dass man den Anspruch auf Macht, den man seiner Volkskirche als einer „gottgewollten Ordnung“ innerhalb des Volkes gerne zuschreiben möchte, in einen Anspruch auf Autorität verdreht, um ihn so zu heiligen. Das Wort Autorität klingt allerdings viel schöner als das Wort Macht, insbesondere, wenn man diese Autorität als eine gottgewollte, oder als aus natürlichen Knotenpunkten des Volkslebens hervorgegangene bezeichnet. Aber es ist das alles nichts als eine absichtliche Verdrehung der Wahrheit. Es gibt im Volk keine vom Himmel gefallene, gottgewollte heilige Autorität gegenüber einer unheiligen anderen, sondern es gibt nur eine vom Volke gewollte, von ihm eingesetzte und  von ihm anerkannte Autorität .  Jede andere Autorität ist eine ebenso dumme wie dreiste Anmaßung. Für Geistliche: dies ist keine gottlose Bemerkung, denn auch Gott gibt seinen Willen in dieser Welt  durch den Willen der  Völker kund, und man kann bei einem Volke nur insoweit von einer gottgewollten Autorität reden, als diese Autorität von dem aus Gottes Schöpfung stammenden Volke selbst gewollt ist. Ich weise diesbezüglich die Geistlichen auf das „weltliche Schwert“ des Artikels 28 des Augsburgischen Glaubensbekenntnisses hin. Ich stelle also noch einmal fest: Es gibt in dieser Welt keine abstrakte, gottgewollte Autorität, auch nicht eine gottgewollte Autorität der Geistlichen oder Konsistorien, sondern es gibt nur die Autoritäten, die sich das Volk setzt und die das Volk auch ebenso wieder absetzen kann. Also auch die sogenannte „gottgewollte“ oder „aus natürlich gewachsenen Knotenpunkten“ hervorgegangene Autorität der Möckelischen Volkskirche stammt, bei Lichte besehen, von dem Volke ab. Herr Möckel hätte das schon wissen können, wenn er eben den Artikel 28 des Augsburgischen Glaubensbekenntnisses gründlich durchgelesen hätte. Dort steht nämlich: „Von der kirchlichen Gewalt ist vorzeiten viel und mancherlei geschrieben und haben etliche unschicklich die Gewalt der Kirche und das weltliche  Schwert untereinander gemengt. Nun lehren die Unseren also, dass die Gewalt der Kirche sei, laut des Evangeliums, eine Gewalt und Befehl Gottes das Evangelium zu predigen...... dieselbe Gewalt übet und treibet man allein mit der Lehre und Predigt Gottes Worts und mit Handreichung der Sakramente. Wo aber die Kirchen weltlich Regiment geführt haben, so haben sie dieselben nicht als Kirche aus göttlichen Rechten, sondern aus menschlichen, kaiserlichen Rechten, geschenkt von Kaisern und Königen zu weltlicher Verwaltung ihrer Güter und geht das Evangelium gar nichts an.”                        

An Stelle der Kaiser und Könige des Mittelalters und der Reformationszeit ist in der Gegenwart in der ganzen Welt  d a s  Volk  als weltliches Schwert getreten.  Es hat also jede Kirche, die sich  evangelisch – augsburgischen Bekenntnisses nennt, ihre gesamte Autorität  oder  Macht oder was sie sonst irgend hat, von  dem Volke bekommen und ist auch  dem Volke dafür  verantwortlich, und das Volk kann ihr  diese Macht jederzeit  wieder nehmen, wenn sie sie mißbraucht. Die Kirche hat nicht das geringste Recht, sich über Kirchenfeindlichkeit zu beklagen, es sei denn, dass die Verkündigung des Evangeliums und  die  Handreichung der Sakramente eingeschränkt würden!   Diese beiden stehen nicht unter der Autorität und Macht des Volkes, sondern sie gehören dem ewigen göttlichen Auftrage an, den die Kirche von ihrem Begründer übernommen hat.  S i e  sind gottgewollte heilige Ordnungen in dem kirchlichen Sinne! Es existiert also  keine Volkskirche mit gottgewollten Ordnungen, sondern es existieren höchstens Kirchen mit Volkgewordenen Ordnungen und eine solche Kirche ist tatsächlich zwar nicht das Gedankengebäude der Möckelischen Volkskirche, aber unsere evangelische Kirche  A. B. in Rumänien. Somit rückt diese kirchliche Autorität Möckels aus dem Nimbus gottgewollter Unantastbarkeit in die Ebene normaler, gesunder, menschlicher, volkspolitischer Macht- und Gesetzesordnung.

 
Verdrehung der Wahrheit

4. Nun höre ich schon die gesamte kirchliche und politische Reaktion in unserem Volke Hilfe schreien. Die Kirche ist bedroht, wenn man so über sie denkt, so sagt man,  unsere Kirche ist unsere Volksorganisation, sie sichert den Bestand unseres Volkes, sie muss die letzte und höchste Autorität in unserem Volke bleiben. Und  M ö c k e l  sagt: „ Es darf nur eine Art von Gewissen und Weltanschauung unter uns anerkannt werden, nämlich ein Gewissen, das sich zunächst einmal restlos und bedingungslos gewachsener, gottgewollter Ordnung zu unterwerfen bereit ist. Höchster, ja im Grunde einziger Herr des Gewissens hat nur Gott zu sein. Seine Ordnung  b l e i b t  heilige Ordnung, auch wenn sie von Menschen gehandhabt wird.“ (S.12) Gerade diese Anschauung Möckels ist das Verderblichste , weil sie das Unwahrhaftigste von allen ist. Es ist einfach eine Erfindung von Pfaffen und kirchlichen Machthabern, wenn man behauptet,  dass die Kirche Gottesordnung  sei. Dieses ist die große Lüge kirchlicher  klerikaler Machtpolitik, die aber, weil sie getarnt mit dem heiligen Gewand Gottes auftritt, den größten Teil aller Menschen verblendet. Die Kirche, und das sagt klipp und klar das Augsburgische Glaubenbekenntnis ist menschliche Ordnung , gehört zum menschlichen Schwert, überall dort,  wo sie organisierte Kirche, wo sie irdische Volksordnung  ist. Dieser ewig verfluchten Grundlüge aller politischen Klerisei ist auch Möckel gründlich aus den Leim gegangen. Man kann es gar nicht scharf und hart genug sagen. Gerade weil ihr schreit: Unsere Kirche ist unsere Volksorganisation – gerade darum sagen wir: sie ist nicht Gottes- sondern Volksordnung. Wenn ihr aber schreit: ja, es ist doch von der Kirche die Rede, und die ist doch von Gott her bestimmt, - dann sagen wir: ja wohl! Dann redet aber von der Kirche als Gottesordnung, die ist allerdings heilig. Möckel sagt in seiner Schrift beinahe auf jeder Seite, dass er hier nicht  von der Kirche  im eigentlichen Sinne des Wortes, wie sie “mit dem Evangelium Jesu Christi gegeben” ist, spricht, sondern von der Kirche als “irdischer Volksordnung”. Um so verderblicher ist, wenn er die beiden dann trotzdem miteinander vermischt, statt sie sauber getrennt  zu lassen, wie es das Augsburgische Glaubensbekenntnis tut. Darum: der schwere Vorwurf, den ich Möckel nicht als Politiker, sondern als evangelischer Pfarrer machen muss, ist: dass er es nicht beherzigt, was ihm die Augustana in Artikel 28 scharf und klar ans Herz legt: „Und haben etliche unschicklich die Gewalt der Kirche und das Schwert untereinander gemengt.“ Also fort endlich mit dieser gottlosen Behauptung, dass die Kirche als irdische Volksordnung Gottes heilige Ordnung sei. Das ist die ganz große Verdrehung der Wahrheit. Wenn Sie , Herr Möckel, behaupten, dass Ihr Standpunkt der Standpunkt des absoluten Wahrheitsuchens sei,  dann suchen Sie zunächst einmal bei Sich selber diese Wahrheit und erkennen Sie, dass die Kirche – wie Sie selbst immer sagen – als irdische Volksordnung nie und nimmer Gottes heilige Ordnung ist, sondern dass das Volk sich diese Ordnung geschaffen, diese Ordnung mit einer bestimmten, durch Gesetzesparagraphen fest umrissenen Macht und Autorität ausgestattet  hat und von sich aus jederzeit dazu im Stande ist, diese irdische Volksordnung Kirche so abzuändern, wie es den ewigen Lebensbedürfnissen des Volkes entspricht. Nun bleibt  Ihnen noch der Einwand übrig, zu behaupten, dass bei uns in Siebenbürgen besondere Verhältnisse seien und wir infolgedessen in einem anderen Sinne von Volkskirche reden müssten, als es vielleicht in der Augustana niedergelegt ist. Dann aber, Herr Möckel, streichen Sie aus dem Namen unserer Kirche das : „Evangelisch – Augsburgischen Bekenntnisses“ und schreiben Sie darüber “Deutsche Volkskirche Rumäniens Möckelischen Bekenntnisses“. Dann aber dürfen Sie auch nicht mehr mit dem Anspruch auftreten,      d i e  Kirche,  d i e  Volkskirche zu verteidigen, gegen die die Partei kirchenfeindlich vorgehe, sondern dann haben Sie Ihre Kirche Möckelischen Bekenntnisses, und daneben steht die Kirche Evangelisch – Augsburgischen Bekenntnisses.
 
Wie innerlich unwahr Möckels Standpunkt ist, zeigt sich auch dort, wo offenbar wird, dass  Möckel für seine Volkskirche trotz allem das restlos gelten lässt,  ja sogar fordert,  was er für die politische Partei auf das schärfste bekämpft. Er sagt nämlich: „Nicht in der Politik, sondern auch bei den natürlich gewachsenen Knotenpunkten des Lebens, vom Familienvater bis zum höchsten Führer des Ganzen hinauf hat sich die Verantwortung zu sammeln. Um solche Macht muss man..... auch zu kämpfen wagen. Hier darf man sich nicht mit halben Maßnahmen und Befehlen begnügen.“ (S.13) Und weiter: „Es ist wahr, dass auch in der Kirche, wie überall in der Welt, pflichtvergessene Beamte, zerrüttete Familien, mangelhafte Behörden u. a. mehr zu finden ist, aber es verrät Geistlosigkeit, niedrige Gesinnung und damit eine sehr fragwürdige eigene Stellung, wenn man sich im grundsätzlichen Meinungskampf, der uns derzeit in Atem hält, solcher Argumente bedienen muss.“ (S.11.) Was sagt  M ö c k e l  in diesen Aussprüchen? Einige Zeilen vorher hat er ausgeführt: „Die Gier nach Macht ist es, die uns innerlich so krank und elend werden lässt, es ist grauenhaft, wie die selbstverständlichsten sittlichen Begriffe durch den Kampf um die Macht gelitten haben. Was der Parteigenosse tut, ist immer gut und richtig. Was der Gegner tut, entweder Schwäche oder höllische Teufelei.“ (S.7) Man sehe sich einmal die Gegenüberstellung an: Bei der politischen Partei ist der Kampf um die Macht und die Verteidigung des eigenen fehlerhaften Parteigenossen ein Verbrechen. Bei der Volkskirche als irdischer Ordnung  ist das etwas ganz anderes !  Bei ihr ist „wahre Macht“ gute Macht, weil gottgewollte, heilige Macht ! Weil die Volkskirche Gottes heilige Ordnung ist, deswegen darf sie frank und frei mit den schärfsten Maßnahmen um die Macht kämpfen und hat das Recht, all’ das, was in ihren Reihen schlecht faul und krank ist, zu verteidigen und zu entschuldigen, mit dem Hinweise darauf, dass diese menschlichen Schwächen das Göttliche in nichts berühren. Und wer es wagt, darauf hinzuweisen, der verrät Geistlosigkeit und niedrige Gesinnung. Die politische Partei hingegen darf unter keinen Umständen um die Macht kämpfen, weil sie durch diesen politischen Kampf dazu geführt wird, das Fehlerhafte in ihren eigenen Reihen zu entschuldigen, und das ist Sünde! Möckel ist, kurz gesagt, in dieser Polemik gerade dem Teufel zum Opfer gefallen, den er in seiner Schrift zu bekämpfen vorgibt. Denn in dem Kampf um die Macht seiner Volkskirche ist er – wir bemerken es mit höchster Verwunderung – nun selbst dazu gekommen, alles das, was in seiner eigenen Partei, nämlich in der heiligen „Volkskirche“, krank und faul ist, nicht etwa wegzuleugnen – nein, dazu ist sein Streben nach Wahrheit zu groß – aber – was in diesem Zusammenhang auch nicht besser ist – zu entschuldigen, mit dem Hinweis darauf, dass das Göttliche dieser seiner Idee von den menschlichen Schwächen nicht angerührt würde. Ich habe selten eine so kunstvolle und gründliche Verdrehung des wahren Tatbestandes gefunden, als diesen Möckelischen Volkskirchenbegriff. Es steht einfach alles auf dem Kopf!! Und das ist um so verwunderlicher, als Möckel behauptet, er allein stünde auf dem Standpunkt des Wahrheitsuchers, das sei ja sein „politischer Standpunkt“. Aber der Kampf um die Macht seiner Volkskirche hat Herrn Möckel so sehr vergiftet, dass er nun von seinem Wahrheitsthrone heruntergefallen ist. Die politische Partei, die offen und ehrlich den ihr in dem Ringen um die Erneuerung unseres Volkes aufgetragenen Kampf um die Macht selbstverständlich führt, steht viel ehrlicher da, als die von der ewigen pfäffischen Larve göttlicher Objektivität und Autorität verdeckte, im Grunde aber um die Macht  im Volke kämpfende „gottgewollte“ Volkskirche! Da ist mir die politische Partei, die ehrlich sagt, was sie will, tausendmal lieber. Der Fehler, in den M ö c k e l  verfallen ist, liegt einfach in einer Verdrehung der Wahrheit, d. h. in einer Vertauschung der Begriffe. Es ist tatsächlich an einer Kirche  e t w a s   göttlicher Ordnung  und göttlicher Macht, nämlich die Predigt und die Sakramente. Alles andere, ob das Landeskonsistorium oder kirchliche Bruder- und Schwesterschaft, ob das Bischof oder Dorfpfarrer heißt, ist und bleibt irdische Volksordnung im ganz gewöhnlichen Sinn des Wortes, und wenn diese irdische Volksordnung Kirche um die Macht kämpfen will, dann steht sie auf einer Ebene mit der letzten politischen Partei, und es ist eben Verdrehung der Wahrheit zu behaupten, diese „ Macht“  sei etwas ganz anderes, sei „Autorität“,  weil sie ja einer Kirche zukomme, weil der Kampf um sie von einer Kirche geführt würde. Und es ist weiter eine Verdrehung der Wahrheit, das, was an der Kirche ganz gewöhnliche irdische Volksordnung ist, zu verbergen, zu verschanzen hinter dem, was an der Kirche göttlicher Ordnung ist. Dieser Betrug ist Jahrtausende alt und wurde und wird teils unbewusst, teils aber auch bewusst geübt – was ihn nicht kleiner macht. Es ist natürlich zu verstehen, dass die kirchlichen Politiker und die Pfarrer die göttliche Macht und Ordnung der Kirche dazu missbrauchen, sie auch auf die irdische zu übertragen und von sich behaupten, sie als Kirche dürften um die Macht kämpfen, denn das sei eine heilige Macht, das sei Gottes heilige Ordnung! So kann die irdische Macht der Kirche – wenn sie angegriffen wird, weil sie irgendwo nicht mehr dem Willen des Volkes entspricht – sich jederzeit auf das unantastbare Gebiet der Heiligkeit Gottes zurückziehen, und das ist für ihre Machthaber natürlich ein politischer Vorteil, den sonst keine irdische Macht besitzt.
 
Besonders schlimm finde ich nun aber diesen Missbrauch der Heiligkeit der Kirche zu irdischen Zwecken bei Möckel darum, weil er eigentlich genau weiß, wie die Dinge in Wahrheit liegen und trotzdem diesen Missbrauch ausübt! In einem Aufsatz des Sieb.-D. Tageblattes sagt er selber klipp und klar: „Die äußere Ordnung vom geregelten Gottesdienst, Erziehung und christlichem Gemeindeleben ist bei uns in ganz eindeutiger Weise Volksordnung. Das alles gehört für uns in den ersten und nicht in den dritten Glaubensartikel, gehört zur Schöpfung und nicht zur Gemeinde der Heiligen.“  Das ist absolut richtig. Das ist es ja eben! Und  d a s  weiß Möckel so gut!   Um so ungeheuerlicher ist es dann aber, diese irdische Volksordnung, die der Schöpfung zugehört,  als “Gottes heilige Ordnung” und die Macht und Autorität dieser Volkskirche als etwas Unantastbares und Besonderes  zu bezeichnen, im Gegensatz  zur Partei! Hier sagt Möckel  im Brustton: „Es muss klar festgestellt werden, dass eine Landeskirche oder Volkskirche niemals mit der Kirche, wie sie der gläubige Christ bekennt und in seinem Glauben erfährt, gleichgesetzt werden kann.“ Und dort sagt er, die Kirche sei „Gottes heilige Ordnung“, unter die sich das Gewissen „bedingungslos“ zu beugen hat. Ist das nicht – beinahe möchte man sagen – bewusste – Lüge? Einmal ist die Kirche unheilig, damit  s i e  Macht ausüben kann. Sie ist dann Volksordnung, die das Recht hat, Macht auszuüben. Dann wieder ist diese selbe Volksordnung, nicht etwa die Kirche im eigentlichen Sinn, nein die Volksordnung Kirche  heilig, damit die Partei der „Heiligen“ gegenüber keine  Macht ausüben kann. Also: die Kirche ist einmal Gottes heilige Ordnung, einmal des Volkes unheilige Ordnung, je nachdem, ob man die Partei mit Machtwillen oder mit dem Geruch der Heiligkeit in die Knie zwingen will. Ich kann da nicht mitmachen. Für mich sind die Dinge ganz klar: die Kirche ist heilig  nur als Kirche im eigentlichen Sinne, als Predigt und Sakrament, als Gemeinde der Heiligen. Als Volkskirche ist sie genau so wie die Partei und die „Volksorganisation“ irdische, um die Macht kämpfende Größe. Bezeichnet man sie so gesehen als Gottes heilige Ordnung im Sinne des I. Art., dann ist die Partei ebenso „Gottes heilige Ordnung, vor der sich das Gewissen zu beugen hat“ und dann besteht die Lüge eben darin, dass man hier einen Unterschied, ja einen Gegensatz zwischen Partei und Volkskirche macht. So oder so -  Möckels Standpunkt ist und bleibt eine Verdrehung der Wahrheit.
 
Rundschreiben 924

5. Nachdem diese Dinge grundsätzlich geklärt sind, wird es nun leichter, auch alles andere, was Möckel sonst noch in seiner Schrift praktisch zu unserer gegenwärtigen Lage sagt, als Verdrehung der Wahrheit zu erkennen. Da ist zuerst einmall die Frage der Verweigerung der Unterschriften der kirchl. Angestellten unter das Rundschreiben    924 / 1936 . Er behauptet, dass die Verweigerung der Unterschriften zum Teil aus sittlichen Motiven geschehen sei, die man zur Not noch anerkennen könne, entscheidend stünde aber auch hier der Kampf der Partei um die Macht dahinter. Das Landeskonsistorium habe das Recht und die Pflicht, mit seinem Rundschreiben 924/1936 die göttlich – heilige Macht, die es als Kirche hat, gegen diesen Machtkampf der Partei einzusetzen. Die kirchlichen Angestellten hingegen hätten, um die Volkspartei in ihrem Kampf zu unterstützen, der gottgewollten, natürlich gewachsenen kirchlichen Autorität den Gehorsam verweigert. Es stehe also hinter der Unterschriftsverweigerung nicht eine Überzeugung der Angestellten, sondern eben der Kampf um die Macht der Partei. Die Angestellten haben nicht aus Überzeugung die Unterschriften verweigert, sondern aus Gier nach Macht. Diese Ansicht Möckels klärt zunächst einmal die entscheidende Frage:  was steht eigentlich hinter dem Rundschreiben 924 / 1936 ?  Eine Überzeugung oder der Kampf um die Macht der Volkskirche? Möckel selbst gibt klar Antwort auf diese Frage: „um solche Macht muss man auch zu kämpfen wagen. Hier darf man sich nicht mit halben Maßnahmen und Befehlen begnügen.“ Er gibt also zu, dass die Maßnahmen und Befehle, also auch das Rundschreiben  924 / 1936 ,  dem Kampf um die Macht der Kirche dienen. Noch klarer in einem Zeitungsaufsatz: „ Es geht hier nicht um Glaubensfragen im engeren Sinne. Auch nicht einmal mehr um Rechtsfragen.  Es  geht  um politische Machtfragen. Jawohl auch für die Kirche.” Damit wir unsere politische Macht verlieren, die wir uns durch unsere Aufbauarbeit in unseren Gemeinden gesammelt haben, damit die Kirche ihre Macht gewinnt, deswegen sollten wir unterschreiben. Nun ist es klar gesagt, in der kirchlichen Druckerei gedruckt und von Stadtpfarrer Dr. Möckel ausgesprochen. Die Kirche ist irdische Ordnung, und sie kann Angestellte, die ihre Macht hindern wollen, zwingen. Also die Kirche hat, weil sie die Macht hat, das Recht Unterschriften zu verlangen. Und das galt es auch zu beweisen.
Um hier klar zu sehen, muss zunächst einmal genau untersucht werden,  welches  eigentlich die politische Macht  der Kirche ist,  bis wohin sie reicht und ob sie irgendwie festgelegt ist. Die politische Macht der Kirche als einer irdischen Volksordnung ist nämlich ganz genau festgelegt in den Aufgabengebieten, die unsere evangelische Kirche von unserm Volk auf dem Weg über die staatliche Gesetzgebung übertragen bekommen hat. Die erste Aufgabe hat die Kirche von sich aus als Kirche. Sie ist nicht vom Volk und durch kein Gesetz gegeben und kann ihr auch durch keine Macht genommen werden. Es ist ihre Aufgabe, das Evangelium zu verkünden und die Sakramente darzureichen. Von hier aus ist sie Kirche. Es gehört das aber nicht unmittelbar her. Ich erwähne diese Seite der Kirche nur, um zu zeigen, dass ich sie sehe.
Das Volk hat nun aber dieser Kirche auch von sich aus  völkische bezw. volkspolitische Aufgaben  übertragen. Und  diese sind in den Staatsgesetzen und kirchlichen Vorschriften eindeutig festgelegt, und zwar erstens: die Organisierung und Amtsführung der zur Verkündigung des Evangeliums und zur Verwaltung der Sakramente gehörenden äußeren Formen des kirchlichen Lebens durch die kirchlichen Körperschaften und Ämter (geistliches Amt, Vertretungen usw.) Zweitens: die Verwaltung des Besitzes und der Taxen, also die gesamte Wirtschaftsgebarung der Kirche. Drittens: Die Einrichtung der kirchlichen Nachbarschaften und anderer sozialer Organisationen. Viertens: Die Einrichtung von Jugendverbänden, Bruder- und Schwesterschaften. Fünftens: die Erhaltung und Durchführung des Unterrichtes der heranwachsenden Generation. Diese fünf Aufgaben sind faktisch und praktisch der Kirche von dem Volk übertragen worden, und die Kirche ist damit aus einer reinen Kirche, die nur mit der Verkündigung des Evangeliums und der Verwaltung der Sakramente zu tun hat,  zu einer Volkskirche geworden , die darüber hinaus noch andere (die oben erwähnten) politische Aufgaben von dem Volke übertragen bekommen hat. Außer den hier niedergelegten fünf Aufgabengebieten  gibt es überhaupt kein einziges mehr,  das das Volk der Kirche übertragen hätte,  denn  sonst  wäre das in den kirchlichen  Gesetzen und Ordnungen niedergelegt worden. Vor allem ist der Kirche nicht übertragen worden die Sorge  für die Volksorganisation. Das Volk hat sich ausdrücklich diese Sorge um seine Volksorganisation selbst vorbehalten. Es will diese Volksorganisation der Kirche in keiner Weise in die Hand geben. Es will sie nach seinen eigenen Notwendigkeiten und nach seinem eigenen Willen gestalten und bauen.   Dieses ist der ganz entscheidende Punkt in der gesamten kirchenpolitischen Auseinandersetzung in unserem Volk (Der kirchliche Friede war vor dem Rundschreiben 924 nie und nirgends gestört. Nur der politische! Was geht aber die Kirche der politische Unfriede, der Kampf um die Volksorganisation an?  Gar nichts!)  Wer hier nicht klar sieht, infolge einer falschen Einstellung zu Fehlschlüssen kommt, wird unweigerlich über kurz oder lang zwischen den beiden Rädern der Volksorganisation und der Volkskirche zu Brei zermalmt werden. Dabei ist noch ganz besonders festzuhalten, dass in Bezug auf das gesamte politische Leben unseres Volkes  die Volksorganisation gegenüber d er Volkskirche das unbedingte Primat hat. (Ich rede hier nicht von der sogenannten „Volksorganisation“ des Herrn Fabritius, sondern von der noch von uns allen zu bauenden Volksorganisation und Volksgemeinschaft der Deutschen in Rumänien, der gegenüber alle Kirchen in dem Sondergebiet der ihnen übertragenen Volksarbeit untergeordnet sind.) Es ist also ganz klar: Die Kirche als  K i r c h e kann      v o n   sich  a u s  niemals Volkskirche oder Volksordnung oder Volksorganisation sein. Sie erhält von der wahren Volksorganisation, d. h .  v o m   V o l k e  bestimmte Aufgaben und hat sich ganz streng an diese zu halten!! Was geschieht nun gegenwärtig? In der Volksorganisation, d. h. in dem Gebiete des Volkslebens, das das Volk sich zur eigenen Regelung vorbehalten hat, spielen sich erbitterte Kämpfe um eine Neuregelung ab. Es sei hier ganz scharf betont:  d i e s e  g e h e n   d i e  K i r c h e  a u c h  a l s        V o l k s k i r c h e   n i c h t s  a n.  Denn sie betreffen ein Gebiet der Volkspolitik, welches nicht in dem Machtbereich der Volkskirche liegt. Nun ist eine von den um eine neue Volksorganisation kämpfenden Gruppen an die Kirche herangetreten, hat mit der Kirche einen Vertrag geschlossen, der bis heute nicht veröffentlicht wurde, und von ihr die Gewähr bekommen, dass sie sich in den Dienst dieser Gruppe stellen will. Und die Kirche hat das auch getan. Denn sie hat mit Rundschreiben  924 / 1936  erklärt, dass sie von sich aus ihren Angestellten zu gebieten oder zu verbieten hat, im Rahmen welcher der kämpfenden Gruppen sie sich betätigen dürfen und in welchem nicht. D a m i t  h a t  d i e  K i r c h e d a s  i h r  v o n  d e m  V o l  k e  ü b e r t r a g e n e  A u f g a b e n g e b i e t  der fünf oben beschriebenen Arbeitskreise  ü b e r s c h r i t t e n, sie hat in ein Gebiet eingegriffen, das das Volk sich selbst vorbehalten hat, d. h. also,  s i e  h a t   i h r e  M a c h t b e f u g n i s s e  i m  K a m p f um die Macht für eine bestimmte politische Gruppe  („Deutsche Partei“)  ü b e r s c h r i t t e n in der Absicht, dadurch die eigene Macht zu vergrößern. Es steht also hinter dem Rundschreiben  924 / 1936 , wie Möckel selbst (siehe oben) wörtlich zugibt,  der Kampf um die Macht der Kirche, d. h. der Kampf um die Macht der mit der Kirche in Vertrag getretenen „Volksgemeinschaftspartei“ oder wie man sie in diesem Zusammenhang auch nennen kann: Volkskirchengemeinschaftspartei oder Kirchenvolksgemeinschaftspartei. Und alles Beschönigen, alle Neutralitätserklärungen und alles Heiligkeitsgesäusel der Pfarrer, mit Möckel an der Spitze, sind nicht mehr im Stande, diese offene und nackte Tatsache zu verdecken. Ich will hier noch besonders betonen, dass das Verderbliche an der Handlungsweise der Kirche nicht darin besteht, dass sie im Rahmen der ihr vom Volke übertragenen Machtbefugnisse ihre Macht ausgeübt hat,  d e n n  d a z u  h a t  s i e  j e d e r z e i t   d a s  g u t e  R e c h t. Das Abscheuliche und gerade vom Möckelischen Standpunkt des Wahrheitsuchens her ist, dass die Kirche im Kampf um die Macht den Versuch unternommen hat, eine Macht an sich zu reißen, d i e  i h r  g a r  n i c h t  g e b ü h r t. Und diesem unerhörtem, dem Gesetz und dem Willen des Volkes ins Gesicht schlagenden    M a c h t r a u b  d e r     K i r c h e  haben wir allerdings „den Gehorsam verweigert“. Wir kirchlichen Angestellten hatten und haben durch unsere Arbeit der Deutschen Volkspartei auf ihrem Gebiete des Politischen eine bestimmte Fülle von Macht zugeführt. Diese Machtfülle griff in keiner Weise in die Grenzen des kirchlichen Lebens hinein, denn weder haben wir dadurch den kirchlichen Körperschaften, Nachbarschaften oder Jugendverbänden, noch den Kirchensteuern bezw. Der Schule und ihrer Arbeit  i r g e n d  w e l c h e n     A b b r u c h  g e t a n. Im Gegenteil!  D i e s e  A u f b a u a r b e i t  i s t  a l s  s o l c h e  u n m i t e l b a r  g e r a d e  a u c h  d i e s e n  k i r c h l i c h e n  E i n r i c h t u n g e n   z u g u t e   g e k o m m e n. Der beste Beweis dafür ist der Aufbau, den ich in der Gemeinde geleistet habe, und der dem Wohle  d e r  K i r c h e  u n d  i h r e r   E i n r i c h t u n g e n  g e d i e n t  h a t. Dass dieser Aufbau machtmäßig – politisch die Partei gefördert hat, geht die Kirche gar nichts an. Statt dass die Kirche die ihr von hier zufließenden Kräfte im Dienste des Volkes gebraucht hätte, hat sie den Versuch unternommen, über ihre Macht hinausgehend  d i e  P a r t e i   d i e s e s    M a c h t z u f l u s s e s  z u  b e r a u b e n und sich selber seiner zu bemächtigen. Wir haben die Unterschrift verweigert, weil wir es nicht zulassen wollten und konnten, dass die Kirche  e i n f a c h  i n  d e m  K a m p f  u m  d i e  M a c h t  a u f  p o l i t i s c hem      G e b i e t   e i n e n  R a u b  a n  g e w i s s e n  K r ä f t e n  d e s  V o l k e s  b e g e h t,  indem sie ihren Machtbereich überschreitet. Es ist also nicht eine willkürliche, von uns erfundene Forderung, die wir an die Kirche stellen, s o n d e r n  e s  i s t  d i e  d e r      K i r c h e  f a k t i s c h   a u f e r l e g t e  Be g r e n z u n g   d e r  M a c h t , der wir durch die Verweigerung Ausdruck geben wollten. Es ist ja auch bezeichnend genug, dass die Kirche  d i e s e n   M a c h t z u w a c h s,  d i e s e n  M a c h t r a u b, d e n      s i e  s i c h  d u r c h  d a s  R u n d s c h r e i b e n  924 / 1936  z u z u e i g n e n  g e d a c h t e, d u r c h  u n s e r e U n t e r s c h r i f t   v e r t r a g s m ä ß i g    l e g a l i s i e r e n  w o l l t e. Erst unsere Unterschrift hätte dann der Kirche jene Macht  und jenes Recht von uns aus vertragsmäßig verbürgt, die sie vorher weder gehabt hat, noch laut Gesetz haben konnte. Diese Legalisierung eines Machtraubes haben wir verweigert und werden sie verweigern, weil wir der Kirche diese Macht nicht geben wollen. Denn erstens kommt sie ihr nicht zu, das beweist uns das bestehende kirchliche und bürgerliche Recht. Und zweitens ist dieser gewaltsame Machtzuwachs der Kirche schädlich, weil er ihr eigentliches Wesen nur noch mehr verschleiert. Das ist unsere Überzeugung und unser Recht. Es steht also faktisch unsere Überzeugung hinter unserer Unterschriftenverweigerung. Der Kampf um die Macht und die Gier nach der Macht steht nicht hinter unserer Unterschriftenverweigerung, sondern hinter dem Rundschreiben  924 / 1936 Unsere Macht haben wir durch unsre Aufbauarbeit automatisch der Partei zukommen lassen.                                                                                                                                  
Der  Kampf der Kirche geht um ein Stück Macht, das ihr nicht zusteht, das sie nie besaß, das ihr auch durch kein Gesetz und durch keine Ordnung gegeben war, das sie aber durch unsere Unterschrift unter Androhung unseres Existenzverlustes schmählich und schändlich von uns erpressen wollte. Wir geben der Kirche diese Macht nicht. Denn sie gehört ihr nicht. Sie gehört einzig und allein dem Volk. Nach unserer Überzeugung und nach den staatlichen und kirchlichen Gesetzen gehört sie dem Volk, d. h. uns allen. Und wir – als Volk – geben sie, wem wir wollen, nämlich der Partei, die uns Gewähr für den Aufbau unseres Volkes ist. Man kann hier erfinden, was man will, man kann auch die lächerliche Erfindung Pomarius:   „das Gemeinschaftsgewissen“  gegen uns einsetzen, aber man kann uns trotzdem nicht hindern, politisch auf dem Gebiet, das außerhalb des gesetzlichen Aufgabenkreises der Kirche liegt, zu tun, was wir für richtig halten. Die Kirche als Kirche hat ihre Macht in den Arbeits- und Tätigkeitsgebieten, die ihr das Volk vertrauensvoll übertragen hat. Eine andere Macht darüber hinaus hat sie nicht, soll sie auch nicht haben und  wird sie sich  durch unsere Unterschriften nie erkaufen können.   Nun behauptet aber die Kirche, die Abfassung des Rundschreibens sei darin begründet, dass durch den Kampf der Partei die Kirche innerhalb der ihr vom Volk übertragenen Arbeitsgebiete nicht nur gestört, sondern durch die Kirchenfeindlichkeit der Partei sogar gefährdet, ja ernstlich bedroht sei. Aus diesem Grunde habe sich dann die Kirche zu dieser Maßnahme gezwungen gesehen. Es sei also keinesfalls eine Überschreitung der kirchlichen Grenzen. Diese Begründung ist, wie sich bei der Behandlung der Frage der Kirchen- und Christentumsfeindlichkeit der Partei zeigen wird, lediglich eine Erfindung der Kirche, um den Schritt, den sie aus dem Rahmen der ihr aufgetragenen Machtbefugnisse herausgetan hat, zu rechtfertigen und vor allem zu verdecken. Denn die gesamte Tätigkeit der Partei und alle durch diese Tätigkeit erfassten Lebensgebiete stehen außerhalb der der Kirche vom Volke übertragenen fünf Arbeitsgebiete. Die Partei hat weder Presbyterien aufgelöst, noch hat sie kirchliche Nachbarschaften an ihrer Arbeit gehindert, sie hat weder Bruderschaften und Schwesterschaften verboten, noch hat sie sich in die Tätigkeit der Lehrer in der Schule eingemischt. Sie hat einen rein politischen, von der Kirche klar geschiedenen Kampf geführt im Rahmen der politischen Organisationen und Körperschaften, und diese ganze Auseinandersetzung geht die Kirche überhaupt nichts an. Dass an diesem Kampf der Partei auch wir kirchlichen Angestellten uns beteiligt haben, ist für die Kirche gleichfalls belanglos, denn auch wir haben in unserer kirchlichen Arbeit , in Presbyterium und Schule, in Bruder- und Schwesterschaft und in kirchlicher Wirtschaftsarbeit rein nach den Gesichtspunkten der Kirche gehandelt und haben den politischen Parteikampf auch nur im Rahmen der politischen Organisation geführt, abseits von Raum und Rahmen der Kirche. Ich führe als Zeugen hierfür die Gesamtheit meiner Birker Gemeinde an. Dass wir in dem politischen Leben unseres Volkes, und zwar in eben dem, das der Machtsphäre der Kirche entzogen ist, gearbeitet und gekämpft haben, geht die Kirche überhaupt nichts an.
 
Kirche und Partei                        

6. Ein kurzes Wort muss ich hier noch einschalten über die auf  Seite 16 und 17 gegen uns erhobene Beschuldigung Möckels, dass wir „zu unserer eigenen Partei“   „unklare Beziehungen“ unterhielten, indem wir doch einerseits sogar unter dem Einsatz unserer Existenz für die Partei kämpfen, andererseits aber von der Partei nicht voll genommen werden, da wir nicht Parteimitglieder sind. „Warum nimmt die Partei das Opfer ihrer Freunde hier mit moralischem Pathos an, wo man sie doch gar nicht als Parteimitglieder zu zählen bereit ist. Das ist eine trübe, verworrene Sache. Menschen sind bereit, ihren Beruf aufs Spiel zu setzen, für eine Sache, bei der sie nicht für voll genommen werden“...“Es ist nicht zu erklären, wie Menschen, die doch immer von vollem Einsatz und von der Gesamtheit reden, nicht wahrnehmen – mit gepeinigtem Gewissen wahrnehmen, in welch unhaltbarer Stellung sie sich hier befinden.“ Diese Bemerkung lässt sehr tief blicken. Möckel ist genauso viel oder wenig kirchlicher Angestellter, also Kirche wie wir. Er kann aber zu keiner politischen Machtgruppe Vertrauen haben, die er nicht beherrschen kann! „Schöpferische Geister... werden sich aber niemals in zweideutige Abhängigkeit einer rein politischen Partei begeben,  deren Kurs sie letztlich nicht zu bestimmen imstande sind.“ Dieses ist der geheimste Punkt seiner Kirchenpolitk. Kirche ist für Möckel erst dann Kirche, wenn sie Macht genug hat, sämtliche politischen Gruppen zu beherrschen und ihren Kurs zu bestimmen. Auch hier wieder offenbart sich die klerikale Grundhaltung.  Bei uns ist das ganz anders. Unsere Beziehung  a l s  K i r c h e –die wir doch auch sind - zu der Partei ist die des gegenseitigen Vertrauens. Alles, was wir an Machtfülle durch unsere Arbeit erwerben, missbrauchen wir nicht fälschlich zur Vermehrung unserer „kirchlichen Macht“, sondern wir leiten es über in die Machtfülle der Partei. Der äußere Ausdruck dessen ist unser Verzicht auf Parteimitgliedschaft. Denn die Zugehörigkeit zur Partei und die dadurch bedingte machtmässige Einflussnahme auf diese greift über die  politisch der Kirche gebührenden fünf Aufgabengebiete hinaus. Und wir wollen die Arbeit der Partei von der Kirche sauber trennen. Dass unsere Tätigkeit und Arbeit sich politisch zu einer Stärkung der Partei auswirkt, der wir anhängen, ist ja gerade die Ursache, weswegen uns die Kirche verfolgt. Ich, Herr Möckel, bin kein Kirchenpolitiker in Ihrem Sinne! Ich hasse von ganzen Herzen jegliches klerikales Machtstreben. Darum schenke ich alle Macht, die sich aus meiner Arbeit entfaltet, der politischen Partei, der sie zukommt, und lehne von mir aus für mich als Kirche jede machtmäßige Einflussnahme auf diese Partei restlos ab. Wenn die Partei von sich aus zu mir als Mensch der Kirche außerdem noch so viel Vertrauen hat, dass sie mein von der Kirche her gesprochenes Wort hört und in ihrer politischen Arbeit die Volksgüter, die ich als Kirche nur verwalte (Schule, Taxen), stützt, so ist das ihrer freien Entscheidung überlassen und ich bin diesbezüglich nicht auf irgend eine Garantie angewiesen .              
                                                                     
Noch klarer wird die ganze Sache  im Zusammenhang mit folgenden Worten Möckels: „Es soll also (von Stellen der Partei) verhütet werden, dass die Kirche in irgend einer Form, auch in der verständnisvollsten Freude, irgendwelchen Einfluss auf die politische Willensbildung innerhalb der Partei gewinnt.“ Und weiter: „Schöpferische Geister können Parteien gründen, sie werden sich aber niemals in eine zweideutige Abhängigkeit einer rein politischen Partei begeben, deren Kurs sie nicht zu bestimmen im Stande sind.“ Ich muss Herrn  M ö c k e l  hier sagen, dass ein Mensch, der dieses schreibt, keine Ahnung davon hat, was schöpferische Geister in Wahrheit sind. Denn ein schöpferischer Geist wird gerade jede Einflussnahme im Sinne einer politischen Machtausübung radikal ablehnen und er wird seine Schöpfung zum freien Gebrauch in Ablehnung oder Anerkennung vor die Menschheit hinstellen. Diese Haltung allein ist des schöpferischen Menschen würdig. Es ist ja unglaublich, in einem Atemzug zu schreiben, „der Kampf um die Macht verdirbt auch den Ansatzpunkt,“ und gleichzeitig zu behaupten,  d a s s   e r s t   d i e Einflussnahme auf dem Wege über eine Machtausübung gegenüber einer politischen Partei die schöpferische Kraft eines Menschen beweise . Also auch hier, in der Verständnislosigkeit, die Möckel unsern Beziehungen zur Partei einerseits und zur Kirchenführung andererseits entgegenbringt, offenbart sich wiederum nur seine eigene kirchenpolitisch  k l e r i k a l e  G r u n d e i n s t e l l u n g. Möckel will für die Kirche Macht und bekämpft alle um die Macht kämpfenden Parteien. Wir wollen Macht für die Partei und für die Kirche nur insoweit, als sie ihr zukommt. Und wir erachten es als das größte Verderben für die Kirche, wenn sie um Macht kämpft. All das, was Möckel den politischen Parteien vorwirft, werfen wir der Kirche vor: dass durch den Kampf um die Macht  i h r  W e s e n  verdorben wird; während gerade im Gegenteil der Kampf um die Macht jeder  vernünftigen politischen Partei gehört.  Unsere Stellung zu Kirche und Partei ist absolut sauber. Wir wollen: die Partei soll Partei sein. Sie soll kämpfen um das Volk und in diesem Kampf um die Macht im Volke.  Die Kirche soll Kirche sein. Sie soll möglichst wenig Macht im politischen Sinne haben. Denn je weniger sie mit politischer Macht belastet ist, umso reiner und klarer wird jene andere Stelle ihrer ewigen Sendung in Erscheinung treten können, die ihr als eine heilige Ordnung in Wahrheit aufgetragen ist. Darum ist der p o l i t i s c h e  S t a n d p u n k t  Möckels der eines wirklichkeitsfernen, lächerlichen Phantasten, der durch Wahrheitsuchen Politik machen will; sein  kirchlicher Standpunkt ist der eines machthungrigen Klerikalen, d e r durch Macht  Religion  zu pflegen versucht. Beides ist absurd und lächerlich zugleich und es ist leicht zu verstehen, warum Möckel Seite 19 schreibt: Dass es für ihn eine große Belehrung ist, wenn er einsehen muss, dass wohlerwogene Einsichten die Welt noch nicht retten können  und dass einem geschlossenem Willen gegenüber die überlegenste Geistigkeit zu kläglicher Hilflosigkeit verdammt ist. Jawohl, d a s gilt, im politischen Leben nicht ein abstraktes Wahrheitsuchen, sondern der Wille zur praktischen Durchsetzung des politischen Zieles. Und in der Kirche gilt genau das Umgekehrte. Die Macht ist ihr fremd, sie ist übertragen aus der Welt des Politischen, oder, wie die Augustana sagt, von dem  w e l t l i c h e n   S c h w e r t. Zur Kirche gehört die  s c h ö p f e r i s c h e  F r e i h e i t  d e s  G l a u b e n s, die sich nicht darum kümmert, ob sie Einfluss hat oder nicht, ob der Andere will oder nicht, sondern die einfach verkündet und schenkt , lebt und dient. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, auch wenn es in dieser Welt wirksam ist.

7. Von hier aus ist auch klar, dass die beiden großen Beschuldigungen, die Möckel gegen die „Deutsche Volkspartei Rumäniens“ erhebt, haltlos sind. Er beschuldigt die Partei, dass sie sowohl der ewig göttlichen Seite der Kirche, also dem Christentum, dem Evangelium und den Sakramenten, feindlich gesinnt sei, indem er sie des Neuheidentums bezichtigt, als auch zweitens, dass sie der Volksordnung der organisierten Kirche gegenüber feindlich gesinnt sei und diese zerschlagen wolle. Und er  beweist diese seine beiden Beschuldigungen mit einer „Fülle“ von Material. Als ihm aber einer unserer Kameraden in einer persönlichen Besprechung sagte, das seien doch keine Beweise, antwortete er, es seien auch tatsächlich keine zwingenden Beweise für seine Behauptungen und Beschuldigungen, aber es seien „Illustrationen“ (A. Klein in Sovala). Also auf Grund von „Illustrationen“ erhebt Möckel gegen die Partei diese Beschuldigungen. Zu der ersten Beschuldigung der Christentumsfeindlichkeit sei folgendes gesagt: Die Partei als solche hat sich klar und eindeutig auf den Standpunkt eines positiven Christentums gestellt. Das heißt, von dem Standpunkt der Partei her gesehen, dass die Partei jederzeit bereit ist, die Verkündigung des Christentums anzuerkennen. Diese Haltung gewährleistet der Kirche die Möglichkeit: ihrer ureigensten Aufgabe, der Verkündigung des Evangeliums und der Verwaltung der Sakramente nach zu kommen.  Dass es innerhalb ihrer Anhängerschaft Menschen gibt, die dieser Verkündigung ablehnend gegenüberstehen, hat mit der oben erwähnten Beziehung der Partei zur Kirche  n i c h t s  z u  t u n. Denn diese ablehnende Haltung der einzelnen Parteigenossen hindert die durch die Partei gewährleistete Verkündigung der Kirche nicht im geringsten. Es ist also lächerlich, die von der Partei gegebene Erklärung, dass sie der Kirche die Freiheit der Verkündigung garantiert, dahin abzubiegen und zu verfälschen, als ob die Partei im Geheimen den Teilen ihrer Mitgliedschaft, die diese Verkündigung der Kirche für sich ablehnen, Vorschub leiste, weil sie ihrerseits diesen ihren Parteigenossen nicht verbietet, ihre Meinungen in religiösen Dingen ebenso frei zu äußern, wie sie das der Kirche sicherstellt; denn die Partei hat erklärt, dass sie  j e d e s  ehrliche Glaubensbekenntnis achtet. Es geht also schon grundsätzlich nicht an, aus einigen Äußerungen in der Presse, die Anhänger der Partei getan haben, zu behaupten, dass  d i e  P a r t e i  a l s  s o l c h e  christentumsfeindlich sei. Die Partei als solche steht auf dem Standpunkt des positiven Christentums und garantiert damit der Kirche ihre Freiheit und Arbeit in ihrem eigentlichen Gebiet. Aber auch das Beweismaterial selbst, das Möckel in seiner Schrift anführt, die „Fülle“ des Materials, ist recht kümmerlich. Er hat im ganzen acht Beispiele angeführt, darunter sieben, die überhaupt vor dem Zeitpunkt der Trennung  der „Deutschen Volkspartei Rumäniens“ von Fabritius und damit auch von Konrad Möckel liegen und von diesen sieben wiederum fallen fünf Beispiele  v o r  die Gründung der Partei überhaupt. Das einzige achte Beispiel, für das die „Deutsche Volkspartei Rumäniens“ nach ihrer Trennung von der Kirchenvolksgemeinschaft oder Volksgemeinschaft Fabritius’scher oder Möckelscher Prägung verantwortlich gemacht werden kann, entpuppt sich bei näherem Zusehen als eine Stellungnahme gegen die Bekenntniskirche des Reiches, hat also m i t Christentum an und für sich nichts zu tun.  Und was die Gemeinschaft gegen die Bekenntniskirche anbelangt, steht ja die „Deutsche Volkspartei“ hier durchaus in einer Front mit der Bewegung des Reiches. Es ist also zu sagen, dass die Christentumsfeindlichkeit der „Deutschen Volkspartei Rumäniens“  Möckel mindestens ebenso stark belastet, wie die Partei selbst, denn er hat zur Zeit  ihrer Äußerung politisch mitsamt der Partei zur Bewegung des Fritz Fabritius gehört und ist infolgedessen im Sinne seiner Auffassung auch selber dafür mitverantwortlich für all das, was damals in der Presse erschienen ist. Wenn er aber auch  damals schon derselben Meinung war wie heute, warum hat er nicht damals schon seine Stimme warnend in der Öffentlichkeit erhoben? Er schreibt: „es ist doch an der Zeit, dass wir Christen über solche Dinge einmal deutlich und eindeutig reden.“ Nun, warum ist es erst jetzt so hoch an der Zeit, wo doch fast alle Beispiele, die er anführt zwei oder drei Jahre alt sind? War Möckel damals, als sie veröffentlicht wurden, nicht auch Christ? Er hat geschwiegen, nicht etwa, weil er von der Christentumsfreundlichkeit des Bewegung restlos überzeugt war, sondern weil er dieser Bewegung politisch angehörte. Und er redet heute laut und öffentlich und sagt auch noch, es wäre hoch an der Zeit, warum?, weil er heute politisch nicht mehr dazu gehört. Also ist nicht mehr die „Christentumsfeindlichkeit“ der Partei, sondern der politische Standpunkt Möckels die Ursache dessen, dass er damals schwieg und heute schreibt. Es war hohe Zeit, Herr Möckel, und zwar öffentlich zu reden, damals, als diese Dinge erschienen sind. Es nützt nichts, dass Sie damals an diesen oder jenen Führer geschrieben und sich beklagt haben, Sie hätten es öffentlich tun sollen. Sie haben es nicht getan aus politisch – taktischen Erwägungen heraus, weil Sie politisch interessiert waren, und wie wunderbar, Ihre erste ö f f e n t l i c h e  E n t g e g n u n g  kommt haargenau bei dem einen, einzigen Beispiel, das in die Zeit n a c h  I h r e r  p o l i t i s c h e n  T r e n n u n g   fällt. Es ist also klar, dass Möckel den Vorwurf der Christentumsfeindlichkeit gegenüber der Partei   a  u s  p o l i t i s c h e n  G r ü n d e n  erhebt. Er will die Macht für die Autorität seiner gottgewollten Volkskirche reservieren. D i e s e s  t u t  e r  d a d u r c h,  d a s s  e r  d i e  V o l k s p a r t e i  c h r i s t e n t u m s f e i n d l i c h  nennt, und ihr so die Ansicht unterschiebt, die Religion zerstören zu wollen und damit auch seine von der Religion her geheiligte Kirche. Besonders klar wird das durch die geradezu kindisch wirkende Gegenüberstellung der Presse auf Seite 31. „Aber man vergleiche doch die Presseäußerungen der verschiedenen Gruppen, es ist nicht zu verkennen, wie die antichristliche Strömung der alten Erneuerungsbewegung ganz stark in das Schrifttum der DVR einmündet. Vergleichsweise (!) wird hier am unzweideutigsten Front gegen das Christentum und Propaganda für das Neuheidentum gemacht. Es gibt hier eine ganze Reihe von Nachrichten und Aufsätzen, die in anderen Zeitungen unserer Volksgruppe als in denen der DVR nicht denkbar(!) wären, und wenn nun gerade auch einmal auch eine solche Presseäußerung sich anderswohin v e r i r r t (!!) , so wird sie dort als Entgleisung und nicht als typisch empfunden wie hier.“  (Sperrung von Benesch). Diesen letzten Satz kann man nicht lesen ohne zu lachen. Wie kann ein vernünftiger Mensch so naiv sein und diese plumpe Behauptung einfach so hinstellen! Von wem wird denn diese „verirrte“ Presseäußerung nicht als typisch empfunden? Von dem parteiisch verblendeten M ö c k e l. Auch hier wieder: wenn eine solche Äußerung in der Möckel nahestehenden Presse steht, so hat sie sich verirrt und ist nicht typisch (so sieht Möckels objektives Wahrheitsuchen aus), wenn sie aber in der gegnerischen Presse steht, selbst wenn das in einer Zeit der Fall war, für die der heutige Gegner nicht einmal verantwortlich ist, ist sie ein unzweideutiger Beweis für dessen heutige „Christentumsfeindlichkeit“. Ebenso bedeutsam ist weiterhin, dass Möckel hier selbst zugibt, dass es in der alten Bewegung eine christentumsfeindliche Strömung gegeben hat. Warum hüllte sich Möckel damals in Schweigen und warum redet er erst heute?  Wir haben es schon oben erkannt. Er tat und tut beides aus Politik, der Herr Stadtpfarrer. Aber auch dieses ist nicht das Entscheidende an der Frage der Christentumsfeindlichkeit Das Entscheidende ist nämlich, das sich hier offenbar das Bekenntnis der Partei zu einem positiven Christentum darstellt als  das Bekenntnis zu etwas andrem, als dem, was ein Möckel unter Christentum versteht. Denn das Bekenntnis der Partei zum positiven Christentum gebietet ihr gerade aus diesem Christentum heraus die absolute Toleranz gegenüber jedem ehrlichen, selbst auch vom Christentum abgewandt gerichteten Bekenntnis. Deshalb wird sich die Partei niemals, und gerade aus ihrem positven Christentum heraus gegen irgendwelche Glaubensäußerungen wenden. Dieses ist schon oben ausgeführt worden. Zweitens aber bedeutet das Bekenntnis der Partei zum positiven Christentum über die Konfessionen hinweg einen deutlichen Hinweis darauf, dass auch das Christentum selbst, wie es sich heute in den einzelnen konfessionellen Kirchen darbietet für die Partei nicht massgebend sein kann. Ja, die Partei gewisse sich hieraus ergebende Tendenzen unbedingt bekämpfen muss. Wenn man ihr daraus den Vorwurf absoluter „Christentums feindlichkeit“ macht, dann ist das einen Unterschiebung, die sich durch nichts rechtfertigen lässt. Und ich habe selbst persönlich tausendfach Gelegenheit gehabt, im Gespräch und mit den Kameraden festzustellen, dass dieses so ist. Wo bleibt denn Möckels von ihm selbst gepredigte Duldsamkeit? Er sagt: „Wir verwehren unsererseits niemandem seine freien Meinungen in Glaubensfragen. Wir nehmen uns bloß ebenfalls das Recht der freien Verkündigung und Verteidigung des Christenglaubens in Anspruch.“ Warum verbietet er gewissen Mitgliedern der Partei, auch ihre Meinung in Glaubensfragen frei zu äußern? Was heißt das, wenn er behauptet, dass die bei uns „altbewährte Volksordnung bedeutende“ christliche Erziehung bedroht sei? Geschieht das dadurch, dass einige Parteianhänger ihre Meinung in der Presse äußern? Unsere Heimat soll doch wohl jedes Glaubens sicherer Hort bleiben. Möckel schreibt es ja selbst!   Also auch des Glaubens der neuen Heiden. Der christliche Glaube der Kirche ist nicht durch den Machtkampf der Partei bedroht.   D e r, Herr Möckel, ist bedroht durch d ie Ungläubigkeit der Kirchenkinder und Pfarrer. Bedroht ist der unbotmäßige Machthunger der politisierenden Kirche. Und es ist eine der typischen Fälschungen, wenn man diese Bedrohtheit verbirgt hinter die laut hervorgerufenen Angsttöne eines scheinbar bedrohten Glaubens.  

Jugendfrage    
                                                                                                                         
8. Ein kurzes Wort noch zur  J u g e n d f r a g e. Möckel tut die ganze Jugendfrage damit ab, dass er einfach erklärt, die Jugend sei unreif, sie habe das Recht auf Irrtum und ihre Reden seien „gesegnet mit dem Segen der Widerruflichkeit.“ Ich muss sagen, dieses ist  eine bedauerliche Ansicht über die Jugend. Jugend irrt nicht nur, sondern es tauchen gerade in ihr und durch sie neue Ideen, neue Impulse, neue Ahnungen im Volke auf. Wenn also die Jugend heute im Sinne Möckels „christentumsfeindlich“ ist, so hat das seinen Grund einfach darin, dass sie das Christentum anders verstehen und anders leben will, als die verkalkte Theologie vergangener Jahrzehnte. Das Suchen der Jugend ist nicht so einfach als Irrtum, der mit zunehmendem Alter schon eingesehen wird, abzutun, sondern das Suchen der Jugend ist der Aufbruch einer neuen Zeit. M ö c k e l ist traurig, ja tief bestürzt, dass die Jugend bei dem Bruch im Juni 1935 sich zuerst und am schärfsten von Fritz Fabritius abwandte. Wenn er die Jugend verstünde und nicht nur als einen „Irrtum“, den man später widerrufen muss, betrachtete, würde er wissen, dass gerade der sichere Instinkt der Jugend sie am ersten hat einsehen und erkennen lassen, dass Fabritius schmählich versagt hatte. Und sie hat mit dieser ihrer Überzeugung restlos Recht behalten.
 
Kirchenfeindlichkeit

9. Aber auch der zweite Vorwurf, den Möckel der Partei gegenüber erhebt, der  Vorwurf der Kirchenfeindlichkeit, entpuppt sich näher besehen, als unbegründet. Auch hier stammen die meisten Beispiele aus einer Zeit, da Möckel in den Reihen der Verfasser der von ihm angegriffenen Dinge gestanden hat, und wenn er sich heute darüber entrüstet, dass die Bewegung im Jahre 1934 gegen den Bischof der Kirche Stellung genommen hat, so frage ich einfach: w o  w a r  H e r r  M ö c k e l  d a m a l s ? Diese ganze Frage der Kirchenfeindlichkeit der Partei lässt sich sehr einfach beantworten. Die Partei ist tatsächlich feindlich eingestellt gegenüber  jenen Machtansprüchen der Kirche, die diese sich aus der Substanz des Volkes über die durch Recht und Gesetz zu treuen Händen übergebenen Güter hinaus anmaßt. Die Partei steht tatsächlich feindlich und kämpferisch allen jenen Bestrebungen gegenüber, die einen Machtanspruch der Kirche unter dem Deckmantel göttlicher oder irgendwelcher andern Autoritäten durchzusetzen versuchen. Dieses passt weder der Kirche noch Herrn Möckel, denn  e r  hat ja die Grundforderung aufgestellt, dass allein die Kirche um Macht kämpfen dürfe, und es ist ganz klar, dass von einem solchen Standpunkt her jede politische Gruppe, die sich nicht unter diesen Machtanspruch der Kirche beugt, als kirchenfeindlich bezeichnet wird. Aber eine Verdrehung der Wahrheit ist es trotzdem. Ebenso auch, zu behaupten: „dass man es auch gar nicht für nötig ansieht, nach der eigentlichen Bedeutung der Kirche zu fragen“, und „Aufbau von der Kirche her soll nicht sein“. Nein, wir fragen mindestens genauso ernst und genauso tief nach der eigentlichen Aufgabe der Kirche wie Möckel, und wir wollen genauso ernst wie er den eigentlichen Aufbau von der Kirche her, aber wir kommen bei diesem fragen und Wollen zu ganz anderen Ergebnissen als er. Wir kommen zu dem Ergebnis, dass nicht die Kirche der absolute Machtfaktor in dem politischen Leben unseres Volkes ist,  sondern das Volk  und das die Kirche nur insoweit Macht hat in unserem Volk, als sie von demselben bestimmte Aufgaben zuerkannt erhalten hat. Überschreitet sie dieses Aufgabengebiet, nimmt sie für sich eine Macht in Anspruch, die ihr ein  für allemal , weder nach dem Willen des Volkes, noch nach den zu Recht bestehenden Gesetzen und Ordnungen nicht zukommt, so werden wir gegen diese machthungrige Kirche kämpfen, und wenn man das als Kirchenfeindlichkeit bezeichnet, so kann man das ruhig tun. Uns kümmert es nicht. Wir wissen ganz genau, dass die wahre Kirchenfeindlichkeit dort zu suchen ist, wo man die Kirche von ihrer eigentlichen Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums abbiegt und in eine autoritäre Volkskirche verfälscht und damit vielleicht eine bestimmte politische Haltung einnimmt, aber der  „eigentlichen Bedeutung der Kirche“ völlig ins Gesicht schlägt. Ihre Volkskirche, Herr Dr. Möckel, ist in Wahrheit kirchenfeindlicher und der eigentlichen Bedeutung der Kirche ferner und fremder, als die um eine politische Erneuerung kämpfende Partei. Man kann also von hier aus ruhig sagen, dass im Sinne des Augsburgischen Glaubensbekenntnisses heute nicht die “Deutsche Volkspartei Rumäniens”, sondern das  Landeskonsistorium mit seinen sinnlosen Verordnungen  und Konrad Möckel mit seinem volkskirchlichen Standpunkt doppelsinniger Wahrhaftigkeit der Kirchenfeind Nr. 1 sind.
Nun sehe ich schon wieder die gesamte Pfarrerschaft zu Hilfe schreien: Die Kirche wird dem Volk entfremdet, sie verliert den Zusammenhang mit dem Volk, wenn man eine solche Anschauung von der Kirche vertritt. Die Kirche muss Macht haben, sie muss Autorität haben  zur Aufrechterhaltung der Zucht, der Ordnung und des Gehorsams in unserm Volke, denn ohne Zucht, Gehorsam und Ordnung ist keine Gemeinschaft möglich. Meine Herren Amtsbrüder! Alle diese Aufgaben, die Sie hier der Kirche vorschreiben und zuschieben wollen,  s i n d  k e i n e  k i r c h l i c h e n, sondern sind Aufgaben des weltlichen Schwertes, der irdischen Ordnung, und gehören infolgedessen in den Bereich des Volkspolitischen. Und wenn uns die Kirche heute in einem bestimmten Lebensbereich unseres Volkes diese Aufgaben erfüllt, so tut sie das wiederum nicht als Kirche, sondern im Namen und im Auftrage des Volkes, auf dem Wege über das weltliche Schwert der Staats- und Kirchengesetze. Die Zucht und die Ordnung in dem kirchlichen Sinne der Gemeinde der Heiligen ist eine Frage der aus brüderlicher Liebe der Gemeindemitglieder entspringenden, durch keinerlei Zucht- und Ordnungsmaßnahmen gewährleistete unmittelbaren Beziehungen der Glieder unserer Kirche zueinander. Sie können durch keinerlei, vom Volke her kommenden Zucht- und Ordnungsmaßnahmen gehindert werden, sondern im Gegenteil, sie werden, wenn sie nur stark genug sind, jene anderen vertiefen und zu ihrem ewigen Grunde hinführen.
 
Zusammenfassung

Zum Schluss sei hier zusammenfassend eine Gegenüberstellung des Möckelischen und unseres Standpunktes in Bezug auf die Kirche und die Partei niedergelegt.  M ö c k e l   s a g t:  Die Partei darf nicht um Macht kämpfen, denn Machtkampf verdirbt den Charakter. Die Kirche muss um die Macht kämpfen, denn sie vertritt eine höhere gottgewollte autoritäre Macht, die, weil gottgewollt, die höchste ist, der sich jedes Gewissen zu beugen hat.   W i r  s a g e n: Die Partei hat mit restlosem Einsatz um die Macht zu kämpfen, die sie zur Erringung ihres politischen und völkischen Zieles nötig hat. Die Kirche als Kirche hat mit Macht und Autorität überhaupt nichts zu tun. Insofern sie irdische Volksordnung und somit ein  Teil irdischer Machtgebilde ist, untersteht sie den Gesetzen vernünftigen und gesunden irdischen Machtkampfes und hat genau die Grenzen einzuhalten, die ihr von den Mächten dieser Welt gezogen sind, und hat genau den Machtbereich mit ihrer Tätigkeit auszufüllen, der ihr freiwillig von diesen Mächten übertragen wurde.
M ö c k e l  s a g t :  Die Partei ist christentumsfeindlich, weil es in ihren Reihen sehr viele Menschen gibt, die glaubensmäßig Anhänger eines neuen Heidentums sind. Sie unterwühlt den christlichen Glauben und verhindert seine Verkündigung.   W i r  s a g e n: Die Partei steht auf dem Standpunkt des Christentums und lässt gerade von hier aus sowohl der Kirche die volle Freiheit der Glaubensverkündigung, als auch ihren Mitgliedern und Anhängern, die der deutschen Glaubensbewegung zuneigen, die Freiheit, ihre Meinung in religiösen Dingen zu äußern. Sie will das Christentum weiter und freier, als es sich in den konfessionellen Kirchen darstellt.
M ö c k e l  s a g t :  Die Partei ist kirchenfeindlich. Sie will die Kirche als Ordnung des Volkslebens zerschlagen, sie will jeden Aufbau von der Kirche her verhindern und sie will nicht nach der eigentlichen Bedeutung der Kirche fragen. W i r  s a g e n : Die Partei  kämpft gegen die Kirche in keiner Weise an in dem Aufbau, der ihr vom Volk durch die in den Gesetzen und Ordnungen festgelegten Aufgaben an Arbeit zugewiesen ist. Ja, sie führt die Frucht ihrer eigenen Arbeit diesen Tätigkeitsbereichen der Kirche unmittelbar zu (Beispiel: Freiwilliger Arbeitsdienst für die Kirche). Und sie fragt ganz energisch nach der eigentlichen Bedeutung der Kirche für das Glaubensleben unseres Volkes und sie stellt fest, dass gerade hier, auf diesem ihrem eigentlichen Gebiet, die Kirche jämmerlich genug versagt hat, und sie fordert, dass die Kirche zu dieser eigentlichen Arbeit zurückkehrt, statt ihre Kraft und ihre Autorität in den politischen Händeln zu verbrauchen.
 
Machtkampf und Kirche

Kurz zusammengefasst ist also der Standpunkt Möckels der eines Pfarrers, der um den Bestand des christlichen Glaubens tief besorgt ist und seinen Untergang angesichts der christentumsfeindlichen Strömungen der Gegenwart, insbesondere der deutschen Glaubensbewegung, gekommen sieht. Diese drohende Gefahr versucht er dadurch abzuwenden, dass er der Kirche eine möglichst große Macht durch Ausdehnung derselben über den bisherigen Bereich, sowie möglichst weitgehende machtmäßige Einflussmöglichkeit auf die Partei zu sichern versucht. Zur Begründung dieses Anspruches beschuldigt er die Partei dreier Dinge: 1. Der Kampf um die Macht sei die Sünde der politischen Partei und ist für sie verderblich ( - nur für die Kirche nicht - ).           2. Die Partei sei kirchen- und 3. glaubensfeindlich. Durch diese Behauptung soll die Partei schlecht gemacht und aus dem politischen Kampfe ausgeschaltet werden, der Kampf um den Machtanspruch der Kirche aber als eine reine Selbstverteidigung der angegriffenen Kirche erscheinen. Ich nenne diesen Standpunkt kleingläubig.  Der bedroht Glaube soll aus eigener Kraft für sich werben, nicht auf dem Umwege über politische Machtentfaltung der Kirche. Die Pfarrer sollen solchen Glauben und solche Predigt des Wortes haben, dass sie die Menschen durch diese überzeugen, nicht durch die kirchliche Macht, die sie entfalten. Und ich nenne diesen Standpunkt pfäffisch, denn Pfaffentum ist eben jene Haltung, die für den Glauben mit Machtmitteln kämpft. Das Streben der Kirche ist natürlich darauf angelegt, die Anerkennung des  von ihr vertretenen Standpunktes, der von ihr dargebrachten Verkündigung, möglichst allenthalben – in der ganzen Welt – durchzusetzen. Aber beim Verfolgen dieses Zieles stehen der Kirche faktisch alle Wege offen, d. h. die guten sowohl wie die bösen.  Und die Kirche wird in dem Verfolg dieses Weges selbstverständlich immer wieder vom guten auf den bösen Weg verfallen. Der böse Weg der Kirche aber bestand und besteht immer darin, wenn das geistliche und das weltliche Regiment irgendwie vermischt werden. Nun ist das natürlich nicht so einfach, hier immer den richtigen Weg zu finden.  Richtig ist die Kirche immer dann, wenn sie so handelt, wie Luther seinerzeit gehandelt hat. Er hat immer alles, was er durch seine Tätigkeit als Reformator an Macht selbstverständlich hatte – an die Fürsten abgetreten. Er gab ihnen Ratschläge, die sie zurücknehmen oder ablehnen konnten, aber er hat es für sich immer abgewiesen, irgend welche Herrschaft auszuüben. Die Fürsten sollten sich die Landeskirche einrichten, wie sie wollten. Damit soll nicht gesagt sein, dass es richtig war, dass Luther diese Macht gerade an die Fürsten weitergab! Es wäre bestimmt für Deutschland und die Reformation besser gewesen, wenn er der in den Bauern emporsteigenden Bewegung des Volkes, die eine soziale, nationale und religiöse war, auch in dieser Beziehung Rechnung getragen hätte. Aber das Prinzip der Obrigkeit verstand er eben so, dass das die Fürsten waren. Den Begriff des Volkes in unserem Sinne als der eigentlichen „Obrigkeit“ hatte er nicht. Aber dieses Problem führt schon ab. Es  steht hier nicht zur Sprache.! Zur Sprache steht hier allein die Frage, ob Luther für sich als Kirche – denn das war er doch wohl – Macht in Anspruch genommen und ausgeübt hat. Und da müssen wir ganz klar sagen: Nein, er hat es überhaupt nicht getan. Er war Autorität, aber allein in jenem wahrhaft kirchlichen Sinne, in dem er es auch allein anerkannte. Er war das Haupt der „Deutschen Evangelischen Kirche“, aber er war  in keiner Weise ihr Papst   - er hielt sich – trotz mehrfacher charakterlich verfehlter Starrköpfigkeit – von sich aus, soweit ihm das möglich war, immer in freier, bescheidener, ratender Haltung.  Er war kein Pfaffe !  Denn Pfaffe sein heißt entweder politische Macht zu benützen, um religiös etwas zu erreichen bei den Menschen, oder religiöse Dinge dazu benützen, um politische Macht auszuüben. Die Vermischung der Welt des Politischen, der Macht, des Zwanges, mit dem Religiösen, der Freiheit, des Vertrauens – das ist Pfaffentum und wird es auch immer bleiben!
Zusatz für Theologen: Das Schwierige dabei ist allerdings, dass in der Tiefe die beiden Bereiche des Lebens eng miteinander verbunden sind – ja  letzlich eins sind. Denn das ist uns allen klar: Volksordnung im richtigen, tiefsten Sinne  ist auch zugleich Gottesordnung. Und religiöse, kirchliche, göttliche Ordnung ist zugleich Ordnung für das Volk und in dem Volk. Denn wir wissen: die göttliche Weltenmacht redet durch die Völker und ihre Führer zu uns – und andererseits ist eine völkische Bewegung und Erneuerung erst dann in der Tiefe erfüllt, wenn sie zu einer religiösen führt. Das empfinden sowohl die Pfaffen richtig als auch das Volk!  Allein dort, wo diese in der Tiefe wesensgleiche Welt des Irdisch – Politischen und des Göttlich – religiösen miteinander vermischt werden, um mit der einen auf die andere Wirkung auszuüben, dort haben wir es mit Paffentum zu tun.
Ebenso verkehrt wie die Vermischung ist aber auch die restlose radikale Trennung  des Göttlich – religiösen von dem Irdisch – politisch – volkhaften. Denn – wie eben ausgeführt wurde – es gibt keine Transzendenz des ganz Anderen im Sinne z. B. der dialektischen Theologie! Die dialektische Theologie ist der Gegenpol des politischen Pfaffentums der Kirche. Beides ist gleich falsch. Es ist ebenso falsch zu behaupten, wie es die dialektische Theologie tut, dass das Nervensystem und das Blutsystem des menschlichen Organismus einander transzendental gegenüberstehen, wie es falsch ist zu behaupten – was das Pfaffentum tut – dass die Nerven und die Adern identisch seien, dass in den Nerven das Blut fließe und in den Adern Impulse zur Muskelbewegung. Nervensystem und Blutsystem sind vollkommen getrennte, selbständig wirkende Funktionen des Körpers – und doch schließen sie sich zu einer Einheit des Leibes zusammen.
Das religiöse Leben der Menschen – jener ganze Vorgang von alledem, was wir erleben z. B. (theologisch ausgedrückt) als Sünde und Gnade und Erlösung – das verläuft in völliger Freiheit innersten Gewisssenslebens im Herzen jedes Menschen und wirkt ganz anders, als die Welt politischer Arbeit, völkischen Kampfes, Einsatzes und Opfers. Wer sie vermischt, um mit dem einem im anderen Wirkungen hervorzurufen – ist eine Pfaffe. Und doch sind sie in der Tiefe  e i n s  - !  Und wer sie zertrennt – um mit dem einen in ein Gebiet weltfremder Jenseitigkeit zu flüchten, um von dort die verdammte Welt zu verfluchen – ist ebenfalls ein Pfaffe. Wer sie aber zertrennt, um das religiös – göttliche Leben als überhaupt nicht vorhanden von sich zu weisen, der ist ein öder Materialist, ,denn  d e r  tut das nur, um die unbequeme Mahnung seines auf höhere innere Kraft weisenden Gewissens zu unterdrücken und in der Welt tun zu können, was ihm beliebt.
 
 
Beneschs Bekenntnis

Und so will ich am Schluss dieser Schrift gleichfalls ein doppeltes Bekenntnis ablegen. Ich bekenne mich als evangelischer Pfarrer, der ich trotz meiner Amtsenthebung immer noch bin, zu dem Lutherischen Standpunkt der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Das bedeutet für mich, dass ich in Sachen des Glaubens vollkommen frei vor jedem Menschen, insbesondere vor jedem Volksgenossen stehe. Das ich um diesen Glauben allein in mir selbst ringe und kämpfe und das  Errungene frei vor alle Welt hinstelle, in Gottesdienst und anderer Rede, in Wort und Tat, so gut ich kann. Jeder nehme davon, soviel er will, und was er nicht braucht, das kann er ruhig stehen lassen. In diesem Streben suche ich zu der Tiefe des Glaubens und der Weltanschauung vorzudringen, zu der sich alle deutschen Menschen, unbeschadet ihrer jetzigen konfessionellen oder glaubensmäßigen Bindung, einmal werden bekennen können und dürfen aus der Freiheit ihrer persönlichen Entscheidung hinaus.
Als Glied meines Volkes bekenne ich mich zweitens zu dem Deutschen Volk schlechthin. Und ich suche in dem volkspolitischen Kampf um die Macht der völkischen Führung derjenigen Partei zum Siege zu verhelfen, mit deren Durchdringung allein mir eine Gesundung und Erneuerung unseres Volkes gewährleistet erscheint, und keine Welt wird mich an dieser meiner Haltung hindern können. Für mich selber brauche ich nicht die geringste Macht, weder in der Kirche, - darum wende ich alle durch meine Arbeit entliehene Macht der Partei zu – noch in der Partei – darum verzichte ich auf Mitgliedschaft und alle irgendwie geartete Führerstellen innerhalb der Parteiorganisation.
Beides tue ich immer im Hinblick auf das Volk, dem ich zugehöre und dem ich zurufe:                                                                    
                                            Im ehrlichen Kampf um die Macht      
                                            alles  –  mein Volk  –  für dich !