Benesch | Die Egoisten
Friedrich Benesch- Anthroposoph und Nationalsozialist




Internetfreunde aus Schweden hatten uns darauf aufmerksam gemacht- Wir wollen deshalb auch noch einmal auf die Tatsache hinweisen, dass der bedeutende Theologe, Priesterausbilder, Publizist und Priester der Christengemeinschaft Friedrich Benesch intensiv in den Kern des Nationalsozialismus, die Waffen-SS, verwickelt gewesen ist. Bei einer Persönlichkeit, die in den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts gerade auf junge Menschen begeisternd wirkte, und zwar als der Ausdruck von Integrität, wirken diese Erkenntnisse schockierend. Über seine nationalsozialistische Vergangenheit war jedenfalls den meisten Mitgliedern und Freunden nichts bekannt. Ob der forschend, lehrend und publizierend tätige Benesch wenigstens der Lenkung der Christengemeinschaft entsprechende Erklärungen über seine Vergangenheit abgegeben hat, ist uns nicht bekannt.


Kurt Brotbeck
(1) sprach wohl für viele, als er zwei bedeutende Vorträge Beneschs, die dieser über mehrere Generationen, deren Eigenheiten und Gestimmtheiten schrieb, äußerte: “Manches klarstellend sind zwei Vorträge, die Friedrich Benesch über die vier Generationen unseres Jahrhunderts 1984 gehalten hat. Die menschliche Wärme, vereint mit einer granitenen Gedankenklarheit, haben uns in allen Vorträgen und Schriften Beneschs immer tief beeindruckt.” Wem konnte man schon zutrauen, die innere Gestimmtheit mehrerer Generationen in treffende Worte fassen zu können? Beneschs christologische und wissenschaftliche Arbeiten waren von hoher Qualität. Ich selbst habe ihn nur einmal in einer grossen Menschenmenge auf einer Jugendtagung der Christengemeinschaft erlebt. Seine einleitenden Worte waren “Meine Lieben”, und man nahm ihm ab, dass er jeden einzelnen meinte, man war ihm ganz Ohr, er sprach Jugendlichen wie aus dem eigenen Herzen, begeisternd.

Erst 2004, 13 Jahre nach dem Tod Beneschs (1907 - 1991) ergaben “ Untersuchungen des Historikers Johann Böhm, eines Schülers von Benesch 1941/42 in Siebenbürgen, in der von ihm herausgegebenen Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte (16 Jg., Heft 1),” “ein überraschend aufgetauchtes unbekanntes Kapitel nationalsozialistischer Verirrung in der Biographie Friedrich Beneschs” . "Nach Kennenlernen der Anthroposophie während seines naturwissenschaftlichen Studiums ab 1925 in Marburg und Halle sich ab 1931 als Kreisjugendführer in der nationalsozialistischen «Erneuerungsbewegung» in Sächsisch-Reen betätigt. Er heiratete 1934 die Tochter seines Professors in Halle, der zugleich stellvertretender Gaukulturwart und Schulungsleiter für Rassenkunde sowie Leiter des NS-Museums war (und 1935 starb). Benesch wurde nach seinem Theologiestudium 1933/34 Pfarrer in Siebenbürgen und 1936 dort wegen seiner nationalsozialistischen Aufwieglertätigkeit vom kirchlichen Oberdisziplinargericht seines Amtes enthoben (die Anthroposophie - falls sie für Benesch noch präsent war - spielte dabei keine Rolle). Er setzte dann sein Studium in Halle fort und trat im Juli 1939 hier in die Waffen-SS ein. Nach Anschluß Nord-Siebenbürgens an Ungarn wurde er in Sächsich-Reen zum Kreisleiter ernannt und leitete 1944 den Flüchtlingszug gen Westen.
 
Nach dem Krieg 1947 zum Pfarrer der Christengemeinschaft geweiht und als verehrter Seminarleiter lange Jahrzehnte als Theologe, Naturforscher und Redner tätig, hatte Benesch nie über seine nationalsozialistische Vergangenheit gesprochen oder geschrieben. Auch seine nächste Umgebung und Pfarrerkollegen ahnten davon nichts. Seitens der Christengemeinschaft wurden die von Böhm genannten Quellen im Bundesarchiv Koblenz überprüft und als richtig bestätigt. Benesch sagte einmal: «Denn die wirkliche Wahrheit ist nicht die Wahrheit, sondern der überwundene Irrtum». Er hat nur leider nicht davon berichtet.”(2)


So ist es. Das Unheimliche bei dieser für Viele als spirituelles Vorbild und als Lehrer verehrten Persönlichkeit war vielleicht weniger die Tatsache der Verstrickungen selbst, als dieses so gewöhnliche schweigende Verstecken in einer inneren und äußeren Position, in der Benesch als absolute Vertrauensperson gelten musste. Viele der damals enthusiasmierten jungen Leute werden sich heute vor den Kopf gestossen fühlen. Die andere Tatsache ist die, dass Benesch engen Kontakt zur Anthroposophie gehabt haben muss, lange bevor er den Nationalsozialismus kennen gelernt hatte- und auch währenddessen. Es handelt sich um keine leichtgängige Saulus- Paulus- Geschichte. Benesch war als Anthroposoph aktiver Nationalsozialist geworden und nach dem Krieg (als es opportun war?) wieder zum Anthroposophen mutiert. Aus seiner zweiten anthroposophischen Ära sind mir keine irgendwie gearteten auch nur nationalistischen Äußerungen bekannt geworden. Dennoch: Wie vereinbart man das? Wie kommt man damit zurecht, eine in der nationalsozialistischen Doktrin (außer bei Hess und seiner Umgebung) absolut verfolgungswürdige anthroposophische Weltanschauung im Gepäck zu haben, in einer faschistischen Umgebung, vor der Rudolf Steiner selbst zu seinen Lebzeiten drastisch gewarnt hatte, bis hin zu den Bomben auf deutsche Städte, die er mit ihr kommen sah? Schließlich war aus diesen Kreisen auch in München ein Messer- Anschlag verübt worden auf Steiner. Wie kriegt man das unter einen Hut?

Und, weiter gefragt, wie bekommt man die Tatsachen zusammen, mit so einer Vergangenheit im Rücken schweigend Priester zu werden, zu segnen, das Abendmahl zu praktizieren und vielleicht eine Art Beichte abzunehmen? Hatte Benesch das von sich abgespalten, war es ein Dorn im Fleisch, war es ihm egal? Man fragt sich das.

Immerhin heißt es, der “ehemalige radikalnazistische Pfarrer Friedrich Benesch (sage) , er sei in den ersten beiden Jahren seines Marburger Studiums (1925-27) in seiner Suche nach positiven Werten nur auf „oede(n) Materialismus“ gestossen”. Genau diese Formulierung weise auf seine rechtsextremen Quellen: “Benesch gebraucht hier den Wortschatz der damaligen Feinde der Weimarer Republik, die allesamt im rechten bis rechtsextremen politischen Spektrum angesiedelt waren” . Der Kampf gegen den “Materialismus” (alle Zitate:4) führte Benesch geradewegs auf den Flügeln seines “Erneuerungsdrangs” ins “nordsiebenbuergischen Birk, wo er zwischen 1934 und 1936 als Pfarrer wirkte, mit „alten starken Ordnungen“ konfrontiert, die „unter der Führung von Lehrer und Pfarrer“ „die Fortbildungsschule und auch die Wanderungen der jungen Menschen“ bestimmten.” Gerade für die jungen Leute hat er sich also damals schon interessiert. Dann war aber Schluss mit der Tätigkeit; Benesch wurde “im Zuge des Rundschreibens 924/1936 des Landeskonsistoriums der evangelischen Landeskirche A.B. in Rumaenien, das den Kirchenangestellten verbot sich parteipolitisch zu betaetigen, durch Disziplinarprozess aus dem Amt entfernt”. Die Indoktrinationsversuche Beneschs waren von allzu nationalsozialistischem Charakter, um ihn in der Kirche zu halten.

Im selben Jahr publizierte er bereits “Die anthroposophische Möglichkeit, Christ zu sein“. Es kann also keine Rede davon sein, dass er seine anthroposophische Beziehung beendet hätte. Und gleichzeitig bereitete er eine faschistische “sogenannte „Ordenswoche“ in Gross-Schenk (vor), in der die 16 Teilnehmer der Landeskirche den offenen Kampf ansagten und sich zur „neuen Kirche“ im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung bekannten(4)” . Das alles widerlegt die Ansicht von anthroposophie.de (s.o.), “die Anthroposophie - falls sie für Benesch noch präsent war - spielte dabei keine Rolle”(2). Sie war für ihn dauernd präsent. Er war in beides gleichzeitig involviert: In die Seite der SS und in die der Anthroposophie.

Dann aber kippte der Krieg. Die anthroposophischen schwedischen Freunde formulieren es so: “Nach Stalingrad wurde ja klar, wer verlor und gewann. Viele hatten ja umgeschwenkt und auf andere Art  die Zukunft vorbereitet. Benesch war einer.” (6)
Er streifte die nationalsozialistische Seite ab und bewegte sich wieder auf ein Pfarramt zu, diesmal im Rahmen der freikirchlichen Christengemeinschaft.
 
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1 http://www.flensburger-hefte.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/46-DCSIN.pdf
2 http://www.anthroposophie-de.com/aktuelles/aktokt2004.html Das sind die Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit
3 http://www.anthroposophie-de.com/aktuelles/aktokt2004.html%06
4 http://people.freenet.de/Transsylvania/Maenner.html
5 http://people.freenet.de/Transsylvania/Maenner.html
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