Es wikileakt an allen Ecken und Enden | EgoBlog | Die Egoisten

Es wikileakt an allen Ecken und Enden

Falls Sie zufällig ein abgehalfteter Topspion, pensionierter Bundeswehrstratege oder frustrierter CDU- Pressesprecher sein sollten, gibt es nun endlich im Bann von WikiLeaks Gelegenheit, sich an Ihrem Arbeitgeber zu rächen. Nein, Sie müssen nicht Kontakt mit Herrn Assange aufnehmen, denn auch die ganz normale Presse möchte ein Stück vom geheimen Kuchen abbekommen. Daher hat die WAZ- Gruppe ein Portal eröffnet, auf dem Sie Ihre Informationen anonym loswerden können:

"Die Essener WAZ-Mediengruppe hat ein Portal eingerichtet, über das anonym Informationen hochgeladen werden können. "Wir wissen, dass es viele Menschen gibt, die Zeugen zweifelhafter Vorgänge sind", steht auf der Seite zu lesen. "Wir wissen genauso, dass es viele Menschen gibt, die über Dokumente, Filme oder Verträge verfügen, die sie veröffentlicht sehen wollen, um Missstände zu offenbaren und Diskussionen anzuregen."
Das Hochladen und Versenden von Material sowie das Schreiben einer E-Mail erfolgt dabei SSL-verschlüsselt von Ende zu Ende. Die Sitzungsdaten werden zudem automatisch anonymisiert."

Sie empfinden ein solches Angebot als Armutszeichen für den klassischen Journalismus? Sind die "investigativen" Journalisten seit den legendären Zeiten der Washington Post ausgestorben und haben ihren Platz 400-Euro-Jobbern überlassen? Diese Vermutung hat etwas für sich. Das Zuspielen von Datenlöchern gewinnt gegenüber der umfassenden Recherche immer mehr Raum: "Die eingereichten Unterlagen sollen als Quellen für Geschichten dienen, die journalistisch aufgearbeitet werden." Aufgearbeitet, ach so. Neudeutsch bedeutet das: Verwurstet.

Natürlich gibt es den seriösen Journalismus, aber er ist in einer verzweifelten Defensive. So darf man jedenfalls die in Niggemeiers Blog dargestellten Zustände bei GEO verstehen. In dieser einst erfolgreichen Zeitschrift werden Artikel der eigenen Autoren massentauglich frisiert und derartig entstellt, dass zumindest ein Autor dagegen klagte - und gewann" "Der 67-jährige Jungblut schreibt seit Jahrzehnten als freier Autor für „Geo” und andere Magazine. Einige seiner Reportagen, zum Beispiel undercover als Steuermann auf einem Supertanker, sind als Bücher erschienen. Früher, sagt er, sei „Geo” ein ausgesprochenes Autorenblatt gewesen, in dem die Schreiber und ihre spezielle Schreibe weit mehr respektiert wurden als bei anderen Zeitschriften. Heute seien extensive Textänderungen die Regel. Dadurch seien sogar so renommierte Autoren wie Horst Stern und die spätere Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller vergrault worden."

Die Hintergründe für diese hektische Betriebsamkeit dieser Zeitschrift kann man im selben Ursprung sehen wie das genannte Angebot der WAZ: Es muss Quote gemacht werden, da der Umsatz kontinuierlich sinkt. Man kann das bei MEEDIA überprüfen. GEO z.B. hat in den letzten Jahren etwa 30% seiner Leser verloren, und der Trend hält an.

_______
Kommentare ggf im Egoistenblog hinterlassen
blog comments powered by Disqus