Woher der Wind weht | EgoBlog | Die Egoisten

Woher der Wind weht

Kontur 1

Das Denken, wenn es denn meditativ in seiner Innenseite in den Blick gerät, bekommt eine quasi- räumliche Form- ein elliptisches, bewegtes Gebilde, das die gewohnten Körpergrenzen durchfährt und überragt. Es ist möglich, wenn man sich mit dem wandernden Blick dort hinwendet, eine innere Dynamik des lebendigen Terrains zu bemerken; an der Körpergrenze finden sich inmitten des Gebildes Knotenpunkte. Am leichtesten und frühesten erschliesst sich der Knotenpunkt vor der Stirn. Hier dreht sich das umgebende Terrain ins Innere hinein. Ein Adler erhebt sich vor einem weiten Panorama.
Ein weiterer Knotenpunkt wird bemerkbar vor dem Kehlkopf. Stierähnlich wölbt sich ein dynamisches Inneres vor den Sprechorganen.
Der dritte Knoten erscheint weniger punktförmig- er ergießt sich eher strahlenartig in den Oberkörper bis in die Mitte der Hände hinein. Die Energie, die dabei entsteht, strahlt weiter nach außen und erfüllt das Terrain, das man erschaffen hat. Der sonnenhafte, ruhig atmende Duktus hat etwas Löwenartiges.

Kontur 2

An dieser Stelle gibt es ein Geheimnis. Hier, an dieser Stelle gibt es ein Ritual. Ich halte eigentlich nicht viel vom Rituellen, aber an dieser Stelle hat es seinen Ort. Es ist die Suche nach der Quelle. Es ist nicht so, als würde man durch die Landschaft streifen und suchen. Es ist mehr so, dass man die Suche beginnt, aber es nimmt wie ein Warten. Wenn, dann wird die Quelle vor den Augen entspringen. Wo denn sonst? Es gibt hier keine „Orte“. Tatsächlich ist sie plötzlich einfach da. Sie ist klein, unbedeutend, aber sie sprudelt sanft. Es ist ganz klar, dass das ein wunderbares Geschehen ist. Denn diese Quelle haben wir nicht aus eigener Kraft geschaffen. Diese Quelle ist etwas, was aus eigener Kraft bewegt wird. Es ist, als ob ein lieblicher Schimmer ihrem Kern entspringt und diese innere Landschaft - belebt, beseelt.

(Es ist ein bewegtes und bewegendes Geschehen. In dieser Bewegung zu stehen, wirkt auch zurück in die biologischen Funktionen; es ist, als brächte die Ruhe und Harmonie dieser Kraft auch Stille in das biologische Selbst. Die Stille hat keinen Boden und ist nicht ergründbar. Sie ist nur immer tiefer und tiefer zu begehen.)

Kontur 3

Die dynamische Innenseite des Denkens ergründet seine eigenen Organe. Es sind Formschaffende und Auflösende darunter, Gestaltende und Bewegliche.

Kontur 4

Die innere Natur der Herzkräfte wird zum sonnenhaften Scheinen in die Welt; hier erscheint der innere Mensch und wird real. Er lebt sich aus in reiner Lauterkeit, in einer aufmerksamen Hinwendung, in einem Willen, der einfach ist. Der Wille ohne Eigenschaften strahlt. Das Gefühl wird zum Tastorgan für das Denken; es kostet und schmeckt. Die dynamische Innenseite des Denkens wird zu einem zweiten Leib. Man begibt sich sicher wieder und wieder dort hinein, denn hier ist man zuhause. Es ist ein zeitloser Raum, ein Raum des reinen Seins.
Seine Natur ist das Licht, denn dieser Leib beleuchtet alles, was ihm begegnet. Seine Natur ist das Erhellende selbst. Dort, wo er ist, werden die Dinge klar. Seine innere Natur ist daher die des Logos selbst.

Kontur 5

Dem nachgehen, „woher der Wind weht“. Es gibt immer ein „im Grunde“. Gehe dem Grund nach, den Untergründen, dem Grundsätzlichen.
Am Grunde des Grundsätzlichen steht ein Freund und wartet.
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