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"Mit dem Weltenbau verwachsen fühlen"

Georg Kühlewind zitierte in seinem raren Büchlein „Der Gral oder Was die Liebe vermag“, als eine „hohe Stufe des Einweihungsweges“ aus Rudolf Steiners „Die Geheimwissenschaft im Umriß“:

„Er (der Adept) fängt an, sich wie mit dem ganzen Weltenbau verwachsen zu fühlen, trotzdem er sich in seiner vollen Selbständigkeit empfindet. Es ist diese Empfindung ein Aufgehen in die ganze Welt, ein Einswerden mit derselben, aber ohne die eigene Wesenheit zu verlieren. Man kann diese Entwicklungsstufe als „Einswerden mit dem Makrokosmos“ bezeichnen. Es ist bedeutsam, dass man dieses Einswerden nicht so zu denken hat, als wenn durch dasselbe das Sonderbewusstsein aufhören und die menschliche Wesenheit in das All ausfließen würde. Es wäre ein solcher Gedanke nur der Ausdruck einer aus ungeschulter Urteilskraft fließenden Meinung.“

Eben diese „ungeschulte Urteilskraft“ ist aber so häufig verbreitet. Das Gebrabbel vom „Überwinden des Ego“ in einer Art Salto mortale ins Nirvana- Glück pflegt eine spezielle Art von Dualismus, in der streng zwischen einem Jetzt und Dann unterschieden wird; die Vorstellung, dass „Weltwerdung“ auch „Selbstwerdung“ sein kann und umgekehrt, erfordert dagegen eine langwierige innere Umkehr, die nur schrittweise und mit einer einhergehenden moralischen Reife erreicht werden kann. Ein ekstatisches „Aus-Sich-Herauskommen“ kann allenfalls ein Zwischenstadium für den Novizen in dieser Disziplin sein; in der rechten, weiten Perspektive kein besonders relevantes Erlebnis, auf das man gar nicht weiter einzugehen braucht. Natürlich ist das Überwinden der inneren Enge der selbstbezüglichen Intelligenz eine glückliche Erfahrung, die an den Rändern gelegentlich aufleuchtet- es ist dies aber kein Ziel einer Entwicklung. Wenn man sich darauf versteift, projiziert man nur sein Selbstgefühl auf eine andere Ebene; Selbstbeglückung hat aber eine zutiefst korrumpierte Innenseite. Von daher wird in diesem Fall das ganze Erleben verzerrt. „Als das Wünschen noch geholfen hat“, gibt es nur im Märchen; real züchtet man das innere Wünschen auf eine geistige Projektionsfläche und erlebt dann eben das im Bilde, was man sich eben ersehnt hat. Ob Engel, Buddhas oder Lichtblitze, bleibt dem Einzelfall überlassen, aber auch der eigenen Tradition und Kultur. Real ist in diesem Fall gar nichts.
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