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Die Jagd der Klarsfelds auf Klaus Barbie

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Sendung über und mit Peter Hammerschmidt

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Wie Barbie gefasst wurde- Video

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Blor: Forschungen auf heißem Terrain

Der Junghistoriker Peter Hammerschmidt im Fokus von CIA und BND (?)

Bildschirmfoto 2011-08-02 um 19.29.33

Wer Peter Hammerschmidt ist, muss an dieser Stelle wohl kaum noch erklärt werden: Seit Februar 2011 sorgt der junge Mann, der vergangenen Monat sein Studium an der Universität Mainz abgeschlossen hat, mit seinen investigativen Forschungen international für Aufsehen.

Äußerst brisant sind indes die neuesten Entwicklungen:

Wie auf der Konferenz der Intelligence History Association angekündigt, scheint sich Hammerschmidt offenbar zurückgezogen zu haben: Interviewanfragen verneint er, schottet sich ab und konzentriert sich auf die Planungen seines Erstlingswerkes.
In seiner geplanten Dissertation fokussiert Hammerschmidt erneut die Beziehungen zwischen Barbie, dem CIC, der CIA und dem BND.

Kann es da verwundern, dass der Forscher selbst ins Fadenkreuz der internationalen Geheimdienste gerät?

Nach dem internationalen Interesse an seinen Forschungen, konnte sich Hammerschmidt jüngst auch im Rahmen der Konferenz der IIHA vor internationalen Experten der Geheimdienstforschung bewähren.
Nun laufen die Planungen für Forschungsreisen in die USA und Bolivien, folgen Anträge für eine weitere Akteneinsicht beim Bundesnachrichtendienst, sind weitere schmutzige Details zu erwarten, die über die Kooperation zwischen NS-Eliten und internationalen Geheimdiensten Aufschluss geben.

Daneben setzt sich Hammerschmidt gewohnt kritisch für die Aufarbeitung der braunen Vergangenheit bundesdeutscher Behörden ein, im besonderen Fokus: Der BND.

Experten sind sich bereits jetzt sicher: Hammerschmidt wird längst vom Bundesnachrichtendienst observiert.
Bereits 2006 war der Dienst im Zuge der „Journalisten-Affäre“ diesbezüglich in die Kritik geraten.
Hammerschmidts Forschungen, so scheint absehbar, dürften Ergebnisse liefern, die weit diskreditierender auf die Praxis der Schlapphüte in den 1960er Jahre wirkt, als die journalistische Berichterstattung, die im „Schäfer-Bericht“ diskutiert wurden.

Es mag daher auch nicht verwundern, dass Hammerschmidts Homepage (http://peterhammerschmidt.jimdo.com/) nach der Veröffentlichung eines äußerst analytischen, kritischen Beitrags über die jüngsten Entwicklungen beim BND kurzfristig vom Server genommen wurde? – Nun ist die Internetpräsenz wieder online: Ohne den Text.

Ob Hammerschmidt überhaupt eine entsprechende Einreiseerlaubnis erhält, um seine Recherchen in den USA fortzusetzen, bleibt abzuwarten: Am 17. August 2010 wurde Gaby Weber, eine BND-kritische Publizistin, die mit Hammerschmidt offenbar seit vielen Monaten im Austausch steht, von Beamten der US-amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP auf dem Flughafen Washington-Dulles-International an der Einreise in die USA gehindert und verhört. Sie hatte eine ESTA-Anreisegenehmigung dabei. Es wurde ihr nicht gestattet, einen Anwalt oder das deutsche Konsulat zu benachrichtigen. Weber wollte im Bundesarchiv von Washington den Verbleib von deutschen Kriegsverbrechern nach dem Zweiten Weltkrieg recherchieren. Als Begründung wurde das Fehlen von Einreisedokumenten angegeben. Weber hält dies für einen Vorwand.
Ein Vorgang, der auch Hammerschmidt blühen dürfte…

Blor
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Hotel Terminus- Clip zur Dokumentation von Max Ophüls

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Blor: Youngster setzt BND weiter unter Druck

Es ist Sonntag – der letzte Konferenztag der „International Intelligence History Association“.

Seit Freitag setzte sich die Konferenz mit der „German Intelligence from Bismarck to Present“ auseinander.

Wolfgang Krieger, führender Kopf der Unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des BND und zugleich Vorstandvorsitzender des „Arbeitskreises Geschichte der Nachrichtendienste“ hatte bereits vor Monaten das Who-is-Who der internationalen Geheimdienst-Elite ins oberhessische Marburg geladen: Spezialisten aus Israel, Slowenien, Deutschland und den USA sind seinem Ruf gefolgt – darunter unter anderem Michael Herman (Oxford), Shpiro Shlomo (Bar Ilan University), Kristie Macrakis (Atlanta) oder Matitiahu Mayzel (Cummings Center for Russian and Eurasian Studies, Tel Aviv University)

Unter den heutigen Referenten ist auch der erst 24 jährige Mainzer Student Peter Hammerschmidt, der im vergangenen Jahr im Rahmen seinen Recherchen erstmals im Archiv des Bundesnachrichtendienstes Akten zu Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, einsehen durfte.
Seine exklusiven Recherchen belegten: Barbie war Agent des BND von Mai bis Dezember 1966. Für seine Arbeit erhielt der Kriegsverbrecher insgesamt 5300 DM aus dem Topf bundesdeutscher Steuergelder.

Und Hammerschmidt? Der Youngster, der in wenigen Wochen sein erstes Staatsexamen ablegen wird, rückte innerhalb weniger Wochen ins mediale und fachwissenschaftliche Rampenlicht, trieb mit seinen Forschungen gar die Bundesregierung vor sich her (Internationale Medien berichteten).

Es verwundert daher nicht, dass sein Vortrag mit dem Thema „The Butcher of Lyon on BND and CIC/CIA Payroll“ mit Spannung erwartet wurde.

Nach Hammerschmidts Recherchen steht nunmehr fest: Die Waffenhandelsfirma „MEREX“ vertrieb 1966 überschüssiges Bundeswehrmaterial an lateinamerikanische Staaten. Unterstützt wurde das Unternehmen direkt vom BND, der dabei half, die Waffendeals an südamerikanische Militärdiktaturen mit dem Verteidigungsministerium abzuwickeln. Brisant ist, dass die MEREX – mit Unterstützung des BND - in Lateinamerika auf ein etabliertes Netzwerk ehemaliger SS-Kameraden zurückgriff: Bereits zu Beginn der 1960er Jahre hatten Barbie, Friedrich Schwend (während des Krieges: Unternehmen Bernhard) und das Flieger-Ass Hans-Ulrich Rudel „La Estrella“ (Der Stern“ gegründet – ein Netzwerk, mit Hilfe dessen sich ehemalige NS-Verbrecher unterstützten. Die Merex trat an Rudel heran, wurde daraufhin an Schwend und von diesem dann an Barbie vermittelt. Auf der Merex-Tour durch Lateinamerika, wo die Firma nach verlässlichen Repräsentanten des Unternehmens suchte, kam man auch mit anderen Mitgliedern von La Estrella in Kontakt: Willem Sassen und Otto Skorzeny. Beide wurden als Repräsentanten für die MEREX geworben und fanden anschließend, so Hammerschmidts These, ebenso wie Barbie, Schwend und Rudel, den Weg auf die Soldliste des westdeutschen Geheimdienstes. (vgl. Taz)

Die Analysen, die Hammerschmidt auf einer Power-Point beeindruckend zusammenfasst, scheinen in Konkurrenz zu dem offiziellen Forschungsvorhaben der UHK zu stehen – enthüllt der Junghistoriker mit seinen mühevoll aus US-amerikanischen Archiven doch Ergebnisse, mit denen er den Forschungen der Kommission vorausgreift.

Dabei scheint klar: Sollte die Kommission einen der Forschungsschwerpunkte auf das Beziehungsgeflecht des BND mit den in Südamerika untergetauchten NS-Eliten legen, wird sie ohne Hammerschmidts Vorarbeit nicht auskommen. Längst ist der Mainzer in diesem Sujet zum Experten avanciert.

Bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Kommission auch der Kollaboration des BND mit NS-Eliten in Südamerika widmen – dass dieser Schwerpunkt ein besonders düsteres Kapitel der BND-Geschichte offenbart ist nunmehr von Hammerschmidt deutlich belegt worden.

Blor

Hinweis: Weiterer Beitrag zum Thema bei der TAZ
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Die TAZ über Hammerschmidt, den BND, Barbie und (ein wenig) die EGOISTEN

In einem umfangreichen Artikel geht die TAZ der Geschichte von Peter Hammerschmidt nach: "Weil er nicht lockerlässt, erreicht Peter Hammerschmidt als erster Historiker überhaupt beim BND Akteneinsicht - im Fall des Exgestapochefs Klaus Barbie. Und stößt auf Unglaubliches. Jetzt müssen sich Parlament und Kanzleramt mit dem Fall beschäftigen."

Die Geschichte von Peter Hammerschmidts Recherchen wurde früh bei den Egoisten dokumentiert. Auch die erste Publikation der Ergebnisse der Arbeit erschien hier. Dies wird auch im Artikel gewürdigt: "Was Hammerschmidt sieht, raubt ihm fast den Atem. "Tut mir leid", sagt er zu seinen Aufpassern nach einem ersten Blick in die Akten, "ich muss erst mal eine rauchen gehen." Die Akten beweisen, dass der deutsche Steuerzahler Barbie über den BND ein gutes halbes Jahr lang monatlich 500 Mark für seine Spitzeldienste zahlte, Leistungsprämien und ein Abschlussbonus von 1.000 Mark kamen noch dazu. Barbie wurde erst abgeschaltet, als dem BND offenbar klar wurde, dass dessen wahre Identität bald auffliegen würde. Hammerschmidt glaubt keine Sekunde, dass die BND-Leute damals nicht genau wussten, wen sie vor sich hatten - Barbie gab sich in La Paz kaum Mühe, seine wahre Identität zu verbergen.
Nach Hammerschmidts Recherche in Pullach gibt der BND seine Barbie-Akten an das Koblenzer Bundesarchiv weiter - es ist klar, dass es nun nur noch eine Frage der Zeit ist, ehe auch andere Historiker auf den heißen Stoff stoßen. Als der junge Student Wind davon bekommt, dass auch der Spiegel an der Geschichte dran ist, veröffentlicht er seine Erkenntnisse Anfang Januar auf zwei kaum bekannten Internet-Seiten (etwa: www.egoisten.de/files/barbie_2011.html).
Er tut das, um deutlich zu machen: Ich habe das zuerst herausgefunden! Das ist wichtig auch für seine Examensarbeit und eine geplante Dissertation über Barbie. Mitte Januar kommt der Spiegel dann mit seiner Geschichte heraus. Das Nachrichtenmagazin profitierte von der Pionierarbeit Hammerschmidts beim BND.
"

"Kaum bekannt" ist natürlich eher geschmeichelt, vor allem im Vergleich mit den großen Magazinen, die Hammerschmidts Geschichte und Arbeit in der Folge aufgriffen. Aber erstens liegt mir das Thema selbst am Herzen, und zweitens haben auch kleine Blogs, wie man sieht, schon eine Funktion und Aufgabe auf den Märkten der Nachrichten.
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Klaus Barbie wird Thema in Deutschland

Aufgeschreckt durch die Recherchen des jungen Historikers Peter Hammerschmidt, der hier im Blog in einem Interview vom 8. Januar dieses Jahres davon berichtet hat, sind dem SPIEGEL offenbar durch den BND Information über dessen Zusammenarbeit mit Klaus Barbie („Nazi- Verbrecher Barbie war BND- Agent“) zugespielt worden. Der SPIEGEL brachte die Nachricht am 15. Januar- ohne die Arbeit von Hammerschmidt zu erwähnen. Inzwischen berichten - die Arbeit des Historikers anerkennend- die Berliner Zeitung darüber, Portal Amerika, Prensa Latina, Telepolis und The Telegraph: „Der Spiegel berichtet, Barbie sei im Frühjahr 1966 vom BND angeworben worden. Der Kriegsverbrecher, der damals unter dem Namen Klaus Altmann in der bolivianischen Hauptstadt La Paz lebte, werde in der BND-Akte als ein Mann „kerndeutscher Gesinnung“ und „entschiedener Kommunistengegner“ beschrieben. Barbie alias Altmann soll als Agent „Adler“ mit der Registriernummer V-43118 Berichte über politische Entwicklungen in Südamerika geliefert haben.

Auf die Akte Barbies war der Historiker Peter Hammerschmidt von der Uni Mainz im September gestoßen. Sein Antrag auf Akteneinsicht hatte der BND zunächst abgelehnt, nach einer Beschwerde beim Kanzleramt jedoch bewilligt. Laut Hammerschmidt lege die Akte den Verdacht nahe, dass dem Dienst zumindest bei der Anwerbung des Exildeutschen im Jahre 1966 gar nicht bewusst gewesen sei, in Wirklichkeit Barbie vor sich zu haben. Erst im Dezember 1966, als man den Agenten zu Schulungszwecken nach Deutschland holen wollte, seien die Geheimdienstler stutzig geworden: Altmann habe gesagt, dass seit Kriegsende in Ludwigsburg Ermittlungen gegen ihn laufen würden und er daher nicht einreisen könne. Wegen „erheblicher Sicherheitsgefährdung für den BND“ wurde die Quelle umgehend abgeschaltet – als Abfindung erhielt Barbie 1.000 DM in bar.“ (Berliner Zeitung)

Die Arbeit von Peter Hammerschmidt - "Der Schlächter von Lyon" im Sold der USA - Über die Beziehungen zwischen Klaus Barbie und dem amerikanischen Geheimdienst- wird im Laufe des Jahres erscheinen.

Offenbar möchte sich der BND ein transparenteres Image geben- weitere Akten- Offenlegungen sind angekündigt. Vielleicht wollte auch nur der Recherche von Hammerschmidt zuvor kommen. Eigentlich sind Hammerschmidt und ich nur deshalb bekannt geworden, weil ich öffentlich fragte, warum in Deutschland eigentlich so wenig über Barbie publiziert und geforscht worden sei. Die Frage ist nun so weit beantwortet- der BND hatte offenbar den Daumen darauf. Nun also kommen die Karten aber auf den Tisch.
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Interview mit Peter Hammerschmidt zum Thema Klaus Barbie

Herr Hammerschmidt, welche Erkenntnisse konnten Sie im Rahmen Ihrer (exklusiven) Recherchen beim Bundesnachrichtendienst gewinnen?

Die BND-Akte von Klaus Barbie, die ich im September 2010 Jahres erstmals in München/ Pullach einsehen konnte, bestätigt den Verdacht, dass Klaus Barbie unter seinem Pseudonym „Klaus Altmann“ seit Mai 1966 in engem Kontakt mit dem westdeutschen Geheimdienst stand.

Es waren die „einflussreichen privaten und geschäftlichen Beziehungen“ des Herrn Altmann zu bolivianischen Regierungs- und Geheimdienstkreisen, die letztendlich den Ausschlag dafür gaben, den Exildeutschen auf die Gehaltliste des BND zu setzen. Dass es sich bei dem Informanten um einen gesuchten NS-Kriegsverbrecher handelte, war dem BND (zu Beginn der Kontaktaufnahme) offenbar unbewusst:

In seiner Informanten-Kartei wurde über ADLER (Barbies Deckname) festgehalten, dass er während des Zweiten Weltkrieges in einer Panzerdivision an der Normandie gekämpft hätte. Auch die übrigen Angaben über Barbies NS-Laufbahn sind gespickt von Fehlern oder entsprechende Vita-Lücken, die offenbar bewusst nicht weiter verfolgt wurden.

Nichtsdestotrotz hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg bereits 2 Jahre zuvor eine Anfrage an den BND gesandt, in der sie beim BND nach Informationen verlangte, ob Barbie in ihren Diensten stehe. Ein „Barbie“ war auf den Gehaltslisten nicht zu finden, doch musste eines auffallen: Der in Deutschland wegen Kriegsverbrechen gesuchte Barbie galt als flüchtig, man vermutete ihn, so in den Akten des BND festgehalten, in La Paz/Bolivien. Fest stand auch, dass Barbie zwei Kinder hatte, einen Sohn (Jörg) und eine Tochter (Ute). Ein Blick in die Akte der Südamerika-Informanten hätte verraten, dass Altmann ebenfalls in La Paz lebte, Deutscher war, einen Sohn hatte, der Jörg hieß (der für den BND ebenfalls, wenn auch nur indirekt, Spionagearbeit leistete) und eine Tochter hatte, die Ute hieß. Außerdem war Barbie am 25. Oktober 1913 geboren. Und Altmann, der unter falschem Namen (und mit nur minimal abgeänderten Geburtsdaten) in Bolivien eingereist war, feierte seinen „neuen“ Geburtstag am 25.10.1915. Was bleibt, ist die Frage, ob der BND bei seiner Entscheidung, Klaus Altmann alias Klaus Barbie bewusst über die verfügbaren Anhaltspunkte wegsah, oder die Beziehungen, die Altmann zu bieten hatte, dessen braune Vergangenheit schlichtweg vergessen ließen.

Die Informationen, die Barbie dem BND im Zeitraum zwischen Mai und Dezember 1966 sind, sind noch nicht abschließend aufgearbeitet: Die wenigen vorhandenen Berichte aus Bolivien deuten jedoch daraufhin, dass Barbie den BND präzise über die politischen Entwicklungen in Bolivien und anderen südamerikanischen Staaten unterrichtete.

Erst als Altmann im Dezember 1966 die Reise nach Deutschland (zu Schulungszwecken) verweigerte, wurde der BND stutzig: Altmann gab zu erkennen, dass seit Kriegsende in Ludwigsburg entsprechende Ermittlungen gegen seine Person laufen würden und er aus diesem Grund nicht in die BRD einreisen könne. Aufgrund dieser „erheblichen Sicherheitsgefährdung für den BND“ beschloss die damalige Führungsstelle des BND, seinen Informanten noch im selben Monat abzuschalten – als endgültige Abfindung erhielt Barbie alias Altmann 1000 DM in bar. Die Notbremse war in letzter Sekunde gezogen worden. Für die Amerikaner kam diese „Notbremse“ Jahrzehnte zu spät.

Hier geht es weiter zum Download des gesamten Interviews..
Hier frühere Berichte zu diesem Thema. Hier ein weiterer Blogeintrag.
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Pfarrer Konrad Möckel und der radikal nationalsozialistische Benesch

Leider ist das „Kirchenlexikon“ (www.kirchenlexikon.de) nicht mehr online, so dass die Textstellen nur noch im Cache des Internets nachgeschlagen werden können. Zu Benesch findet man z.B. den Bezug zu einem der Widerständler innerhalb der evangelischen Kirche, die die Usurpation ihrer Kirche durch die Nazi- Cliquen nicht hinnehmen wollten:
Konrad Möckel thematisierte alle diese Probleme der Volkskirche in mehreren Aufsätzen, die ihn in Siebenbürgen und darüber hinaus bekannt machten. Heinrich Rendtorff und Erich Stange nahmen seine Schrift "Volkstum und Glaube" (1930) in die Reihe "Kirche und Gegenwart - Praktisch-theologische Untersuchungen" auf. In einer teilweise kontrovers, teilweise gleichsinnig geführten Diskussion mit dem Philosophen Erwin Reisner, später Mitglied der Bekennenden Kirche und nach 1945 Professor an der Kirchlichen Hochschule Berlin, fragte Konrad Möckel, was evangelischer Glaube in der konkreten Situation der ev. Kirche in Siebenbürgen angesichts der weit verbreiteten Überschätzung von "Volkstum" und "Rasse" hieß.

Der siebenbürgische Wandervogel lud Konrad Möckel 1930 zur Mitarbeit bei den Treffen älterer Mitglieder ein. Als Südostdeutscher Wandervogel hatte er sich 1927 neu und straff konstituiert. Er bestand lange Zeit nur aus städtischen Gruppen, in denen sich "aus dem Reich" importierte Anschauungen geltend machten, wie beispielsweise die von Professor Dr.
Hans Hahne, Altertumsforscher und Museumsdirektor in Halle a. d. Saale, der heidnisch-germanische Bräuche neu belebte. Konrad Möckel schätzte den guten Willen der Mitglieder im Wandervogel und entschloß sich zur Mitarbeit, wohl auch um die Selbstfindung der Jugendlichen nicht den ambivalenten Auswirkungen völkisch-nationaler und pseudoreligiöser Ideen zu überlassen. Die vagen Erneuerungsbestrebungen konnten die Jugend begeistern und ältere Strukturen der Volkskirche beleben, sie konnten jedoch die Jugend ebenso gut der volkskirchlichen Tradition abspenstig machen.

Die seit dem Jahre 1922 in Siebenbürgen bestehende, vom Nationalsozialismus inspirierte und in der Weltwirtschaftskrise erstarkte Selbsthilfebewegung des Sparkassenangestellten und Rittmeisters a. D.
Fritz Fabritius bekannte sich 1932 offen zum Nationalsozialismus (Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung in Rumänien); die Leitung des Südostdeutschen Wandervogels näherte sich der Selbsthilfe mehr und mehr an. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahre 1933 politisierte sie noch mehr. Die Nationalsozialisten, unter diesem Namen vom rumänischen Staat verboten, nannten sich in Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien um (NEDR). Sie war die einzige, modern organisierte Partei innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung in Rumänien und stellte mehr und mehr in allen politischen und kirchlichen Gremien zahlenmäßig starke Fraktionen, in vielen die Mehrheit. Im Jahre 1933 wählte die Kronstädter Kirchengemeinde Konrad Möckel zum Stadtpfarrer.

Das Verhältnis Konrad Möckels zu den Freunden aus dem Wandervogel und aus der Selbsthilfebewegung kühlte sich ab. Mitglied der Selbsthilfebewegung war er selbst nie, stand ihr jedoch bis 1932 nahe. Sie spaltete sich 1935: Die größere, gemäßigte NEDR war im Rahmen der seit dem Ersten Weltkrieg in Rumänien bestehenden Volksorganisation zur Zusammenarbeit auch mit der evangelischen Kirche (in Siebenbürgen) und mit der katholischen Kirche (im Banat) bereit; die kleinere, radikale und kirchenfeindliche Deutsche Volkspartei Rumäniens (DVR) dagegen nicht. Sie bekämpfte vielmehr die traditionell beachtliche Stellung der Kirche innerhalb der Volksorganisation. Die NS-Bewegung der Deutschen in Rumänien spaltete sich nicht zuletzt an der Frage, ob diese volkskirchliche Tradition anerkannt oder abgelehnt werden sollte.

Konrad Möckel gründete mit anderen, jüngeren Pfarrern aus der Jugendbewegung den Frecker Kreis, der sich die geistliche Erneuerung der Volkskirche zum Ziel setzte. Er prangerte die kirchen- und christenfeindliche Tendenz des radikalen Flügels öffentlich an und
wurde daraufhin von dessen Protagonisten scharf angegriffen, besonders von Pfarrer Friedrich Benesch. Weitere Angriffe folgten, als er 1937 auf der Weltkirchenkonferenz in Oxford die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien offiziell vertrat und sich von einer Solidaritätserklärung der Konferenz für die vom NS-Staat bedrängten Kirchen in Deutschland nicht distanzierte. Im gleichen Jahr lernte er in Neuendettelsau die Evangelische Michaelsbruderschaft kennen und trat ihr bei. In den siebenbürgisch-sächsischen Auseinandersetzungen um die Volkskirche erhielt er Unterstützung vom Leiter des Franz-Rendtorff-Hauses in Leipzig, Dr. Herbert Krimm, und von Hans Bernd von Haeften, Legationssekretär an der deutschen Gesandtschaft in Bukarest von 1937-1941. Die Angriffe gegen die Kirche glichen dem Kirchenkampf in Deutschland und spiegelten ihn zugleich in merkwürdiger Umkehrung; denn in Siebenbürgen spaltete sich nicht die evangelische Kirche, sondern die nationalsozialistische Partei der Deutschen in Rumänien, unter anderem wegen der Frage der „Volkskirche“.“

Quelle:
d. XXIX BBKL Nordhausen 2008 ISBN 978-3-88309-452-6
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Klaus Barbie taucht unter

Peter Hammerschmidt stellt uns hiermit ein Dokument zur Verfügung, aus dem ersichtlich wird, dass Barbie 1947 in die Obhut amerikanischer Geheimdienste geschlüpft ist- nicht ohne geschickt mit einer eventuellen Kooperation mit den Briten zu kokettieren. Er galt den Amerikanern als beschlagener Mann mit enormen Beziehungen, aber man legte Wert auf eine Erklärung von ihm, sich wirklich von den Resten der SS fern zu halten. Man wird gewusst haben, warum.


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Klaus Barbie, neue historische Forschungen

Über den furchtbaren nationalsozialistischen Sadisten Klaus Barbie haben wir bereits berichtet und haben unser Erstaunen darüber zum Ausdruck gebracht, wie wenig - trotz eines damals sensationellen Prozesses in Frankreich- für die Öffentlichkeit über ihn bekannt wurde und wird. Es ist bekannt, dass er nach 45 von Geheimdiensten nach Südamerika ausgeschleust wurde und dass er dort verschiedenen Geheimdiensten und Diktatoren als Folterknecht gedient hat.
Nun arbeitet Peter Hammerschmidt in seiner Examensarbeit am Thema „„Der Schlächter von Lyon“ im Sold der USA – Über die Beziehungen zwischen Klaus Barbie und dem amerikanischen Geheimdienst“ und schreibt in einem Expose:

„Klaus Barbie, der sich ab November 1942 in seiner Rolle als Gestapo-Chef im besetzten Frankreich und als Leiter der IV. Sektion der Sicherheitspolizei und des SD einen Namen als „Schlächter von Lyon“ machte, wurde nach Kriegsende, 1952, von der französischen Regierung in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Bereits 5 Jahre zuvor, als der „Eiserne Vorhang“ über Europa niederging, war Barbie zum Agenten des US-amerikanischen Geheimdienst (CIC) geworden. Im Sold der USA und unter dem Schutzmantel des CIC gelang es Barbie schließlich, ausgestattet mit gefälschten Papieren des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes, 1951 nach Bolivien zu emigrieren, ehe er zu Beginn der 1970er Jahre von den Eheleuten Klarsfeld aufgespürt, am 11.Mai 1987 angeklagt und schließlich am 4. Juli 1987 wegen der ihm angelasteten Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. 1991 starb Barbie im Alter von 77 Jahren in Haft.“

Hammerschmidt bemüht sich in seiner Arbeit darum, „eine Antwort auf die Frage zu liefern, welche Motive den amerikanischen Geheimdienst dazu trieben, den ab 1945 auf der Central Registry of War Crimes and Security Suspects (CROWCASS) stehenden Kriegsverbrecher in den Sold der USA zu nehmen und diesen in seiner Rolle als Agent vor der Auslieferung an die französischen Behörden zu schützen. In einem weiteren Schritt sollen schließlich die Mechanismen dargestellt werden, die der CIC bemühte, um den Agenten Barbie 1951, mit einer falschen Identität ausgestattet, unerkannt auf der so genannten „Rattenlinie“ nach Südamerika zu schleusen.
Die Forschungslage zu diesem komplexen Thema ist dabei sehr überschaulisch. Abgesehen von einer 1984 erschienen Barbie-Biographie von Tom Bower1 und dem von der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebenen und 1983 veröffentlichten sog. „Ryan-Report“2, der die Beziehungen zwischen Barbie und den USA erstmals zu analysieren versuchte, ist keine wissenschaftliche Aufarbeitung verfügbar. Die geplante Examensarbeit erhebt demnach den Anspruch, einen ersten umfassenden Forschungsbeitrag zum „Fall Barbie“ zu leisten.“

Zurzeit ist Hammerschmidt dabei, „die entsprechenden CIC-,CIA-, DOJ- und FBI-Akten zu sichten. Die seit 2000 zugänglichen Bestände können im National Archive Washington eingesehen werden.

Ich hoffe, dass wir zu gegebener Zeit von den Ergebnissen dieser Arbeit weiter berichten können.



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Neues aus Birk

Über Pfarrer Benesch, der als glühender Nationalsozialist, evangelischer Pfarrer und Dorfherrscher mit angeschlossenen Schlägertrupps bekannt wurde, nach dem Krieg seine Schäflein in den Westen brachte und in der Christengemeinschaft untertauchte, um auf distanzlose Art und Weise zahllosen Menschen persönliche spirituelle Anleitungen zu geben, aber sich auch gern frommen anthroposophischen Studentinnen per direktem Körperkontakt näherte, ist in diesem Blog viel geschrieben worden. Das eigentliche Problem war nicht einmal die Karriere dieser manipulativen Person, nicht nur das Wegducken vor dessen herrischem Auftreten, sondern das lang andauernde, beharrliche Leugnen der Wahrheit über die Vergangenheit Beneschs innerhalb der Christengemeinschaft. Hans-Jürgen Bracker macht nun noch einmal auf eine Blognotiz aufmerksam, die beschreibt, wie es in dem Dörfchen Birk nach dem Weggang Beneschs weiter ging. Nach Jahrzehnte währenden Verfalls scheint sich die Gemeinde nun wieder - mit Unterstützung der ehemaligen Bewohner- etwas zu organisieren und verkauft sogar bäuerliche Produkte. Zwar nicht die legendäre Hirnwurst wie zu Beneschs Zeiten, aber immerhin Kräutersalze:

Die Feier hat mit dem Gottesdienst in der überfüllten evangelischen Kirche begonnen. Das Thema war „Der Himmel steht über alle“ und wurde zweisprachig geführt. Geleitet wurde die Zeremonie in der Kirche von dem evangelischen Pfarrer Zoran der die besondere Ehre hatte das Ornat seines Vorgängers Friedrich Benesch anziehen zu dürfen. Musikalisch untermalt wurde die Feier von Familie Kaufmann aus Deutschland und Frau Gerte Vöge aus Spanien. Gudrun Kaufmann ist nämlich die Tochter des ehemaligen Pfarrers Benesch und ist wie auch ihre Kusine Gerte Vöge in Birk geboren. Benesch war zwischen 1934 und 1944 Pfarrer in Birk und ist gleich nach dem Krieg nach Deutschland gezogen.“
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