Klaus Barbie | EgoBlog | Die Egoisten
Klaus Barbie

Bundesamt für Verfassungsschutz mauert in Bezug auf Klaus Barbie

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Wir hatten ja schon in der Vergangenheit bei verschiedenen Gelegenheiten über die aktuellen Recherchen zum Nazi- Verbrecher Klaus Barbie geschrieben- insbesondere auch über die Arbeit des Historikers Peter Hammerschmidt. Nun ist heute bei der TAZ ein neuer Artikel von Hammerschmidt über den Verlauf seiner Recherchen - insbesondere in Bezug auf das Bundesamt für Verfassungsschutz - erschienen. Kurz gesagt, die meisten Zusagen des Amtes sind nicht eingehalten worden. Entgegen allem Anschein und öffentlichen Ankündigungen durch Nachrichtendienstet wird nun, da die Affäre aus den Schlagzeilen heraus ist, so massiv gemauert wie nur möglich.

Zunächst gibt es Schikanen in Bezug auf die Journalisten und Historiker selbst: „So müssen sich die Bochumer Forscher bei der Aufarbeitung der Geschichte des BfV zunächst einer "erweiterten Sicherheitsüberprüfung mit Sicherheitsermittlungen" gemäß § 10, 12 Sicherheitsüberwachungsgesetz unterziehen. Dazu gehört die Befragung von Referenzpersonen ("Bürgen") durch den Verfassungsschutz. Dabei interessiert sich der Geheimdienst nicht nur für Familienstand, Geschwister und Freunde, sondern auch für die Finanzsituation naher Angehöriger, für Freizeitgestaltung und Auslandsreisen der Wissenschaftler.“ (Zitate aus dem TAZ- Artikel)

Aber selbst wenn diese Hürden überwunden werden sollten, wird keine generelle Akteneinsicht gewährt, allenfalls in Einzelfällen: „Diese Frage schien auch das Amt beschäftigt zu haben: Auf Basis einer weiteren Intervention ließ sich der Nachrichtendienst Mitte Oktober 2011 dazu bewegen, doch eine entsprechende Einzelprüfung durchzuführen. Das Ergebnis: "Anlässlich Ihrer erneuten Anfrage wurde eine überschlägige Sachverhaltsprüfung zum relevanten Aktenbestand vorgenommen. Im Ergebnis dieser Prüfung ist eine Offenlegung der - tatsächlich im BfV vorhandenen und grundsätzlich für eine Abgabe an das Bundesarchiv vorgesehenen - Gesamtakte zu Barbie in absehbarer Zeit aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich."
Halten wir fest: Der Verfassungsschutz, dem "die transparente Aufarbeitung" der eigenen Geschichte nach eigenen Angaben ein "besonderes Anliegen" ist, verweigert aus nicht näher definierten "Sicherheitsgründen" die Freigabe der im eigenen Archiv definitiv vorhandenen Akte über den "Schlächter von Lyon", Klaus Barbie.“ (dito)

Die konkreten Gründe für die Behinderungen bleiben unklar. Peter Hammerschmidt vermutet, dass es in den Akten weitere Hinweise auf die Zusammenarbeit deutscher Geheimdienste mit Nationalsozialisten gegeben haben könnte: „Bleibt ein möglicher Schaden für das Ansehen der Bundesrepublik durch eine wissenschaftliche Aufarbeitung: Da erhebt sich die Frage, welche "Leichen" im Keller der "Schützer unserer Verfassung" denn noch liegen mögen - Leichen, die nicht wegen der inzwischen wohlfeilen Bekenntnisse zu NS-Kontinuitäten unter Verschluss gehalten werden, sondern wegen der Rolle des BfV in der Adenauer-Republik.“ (dito)

Der frühere Optimismus Hammerschmidts, der sich auch im ersten hier publizierten Interview ausdrückte, ist also deutlich geschwunden. Richtig erstaunt ist man nicht wirklich.
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Dokumentation über den Prozess gegen Klaus Barbie

Von Arte ist (zunächst auf französisch) eine Dokumentation über den Prozess gegen Klaus Barbie erschienen. Auf der französischen Website wird für die DVD geworben. Dabei wird auch der Historiker Peter Hammerschmidt erwähnt: „Dans ses découvertes faites entre 2008 et 2010, l’historien Peter Hammerschmidt va même plus loin. Plusieurs documents des services secrets allemands (Bundesnachrichtendienst, BND) montrent clairement que Klaus Barbie a travaillé depuis sa résidence de La Paz pour le BDN de Bonn, entre 1966 et 1967.“ Dabei wird Hammerschmidts erstes Interview bei den Egoisten mit verlinkt.

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Auf der entsprechenden deutschen Website von Arte ist von der DVD noch nichts zu entdecken. Hier die bisher in diesem Blog erschienenen Beiträge zum Thema Barbie.
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Die Jagd der Klarsfelds auf Klaus Barbie

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Sendung über und mit Peter Hammerschmidt

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Klaus Barbie und wie weiter? Ein Interview mit Peter Hammerschmidt

Sind Sie auf weitere Spuren nationalsozialistischer Täter gestoßen, die durch nationale und internationale Geheimdienste in der Nachkriegszeit geduldet, gefördert oder sogar konkret beschäftigt worden sind?

PH: Ich spezialisiere mich bei meinen Forschungen auf die Biographie Klaus Barbies. Dass sich die Protektion von NS-Verbrechern durch internationale Geheimdienstbehörden nicht auf den „Schlächter von Lyon“ beschränkte, zeigen bereits jetzt die Studien von Uki Goni (Odessa), Gerald Steinacher (Nazis auf der Flucht) oder auch Heinz Schneppen (Odessa und das Vierte Reich). Barbie war – um seinen ehemaligen Kontrolloffizier (CIC-Agent) Erhard Dabringhaus zu zitieren – „the tip of the ice berg“. Es dürfte die Forschungsperspektive weiterer Arbeiten sein, weitere Biographien von NS-Eliten unter die Lupe zu nehmen. Die Indizien für eine umfassende Protektion sind zahlreich und sind zumindest von amerikanischer Seite seit dem Nazi War Crimes Disclosure Act von 1998 auch für die Wissenschaft zugänglich.“
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Zum ganzen aktuellen Interview mit Peter Hammerschmidt als PDF- Download
Das Anfang 2011 hier erschienene erste Interview mit Peter Hammerschmidt ist weiter verfügbar.
Alle bei den Egoisten publizierten Beiträge zum Thema Peter Hammerschmidt, BND und Klaus Barbie stehen hier in einer Übersicht zur Verfügung.
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Peter Hammerschmidt, Umriss der zu erwartenden Arbeit über Klaus Barbie

„Intelligent, anpassungsfähig, verschwiegen und zuverlässig“ – so charakterisierte der Bundesnachrichtendienst seinen Agenten „ADLER“ in dessen Abschaltmeldung vom 14.03.1967.

Ein halbes Jahr – von Mai bis Dezember 1966 – hatte „ADLER“ in Diensten des westdeutschen Geheimdienstes gestanden und seine Vorgesetzten – für ein monatliches Salär von 500DM – mit Informationen über linksgerichtete Entwicklungstendenzen in Bolivien versorgt.

Bereits zwölf Jahre zuvor, im November 1954, war der deutsche Agent, der nun für den BND in Südamerika spionierte, vom Ständigen Militärgericht in Lyon aufgrund seiner während des Zweiten Weltkrieges begangenen Kriegsverbrechen zum dritten Mal (nach 1947 und 1952) in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden: Doch Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, der sich in seiner Funktion als Gestapo-Chef zwischen 1942 und 1944 am Mord tausender Mitglieder der französischen Résistance schuldig gemacht hatte, gelang im Frühjahr 1951 unter dem Falschnamen „Klaus Altmann“ die Flucht auf der so genannten „Rattenlinie“ nach Übersee – das Resultat einer vierjährigen Protektion durch den amerikanischen Heeresgeheimdienst CIC (Army Counter Intelligence Corps): Als der „Eiserne Vorhang“ über Europa niederging, verschob sich in Anbetracht der globalen Gefahr eines sowjetischen Kommunismus die Definition nationaler Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten. Getreu der Devise „My Enemy’s Enemy is my friend“ rekrutierten U.S. amerikanische Geheimdienststellen vermeintliche Kommunismus-Experten des NS-Regimes; unter ihnen der wegen Kriegsverbrechen gesuchte Barbie, der trotz seiner Eintragung auf internationalen Fahndungslisten im April 1947 offiziell vom CIC angeworben und im weiteren Verlauf vor deutschen und französischen Ermittlungen protektiert wurde.

Erst als die französische Regierung ihre Auslieferungsbemühungen im „Fall Barbie“ zu Beginn der 1950er Jahre intensivierten, wurde den Amerikanern ihre „Hot Potato“ (wie Barbie in den Akten bezeichnet wurde) zu heiß: Barbie wurde mit Hilfe einer von der CIA initiierten Fluchtroute nach Bolivien geschleust, wo der „Schlächter“ auch weiterhin mit internationalen Geheimdienstbehörden – mit CIC, CIA, BND und dem Servicio Especial de Seguridad (SES) – in Kontakt stand: Die kontinuierliche Protektion eines Kriegsverbrechers, dessen NS-Vergangenheit weder Funktionsträger des CIC noch die des BND vor einer Rekrutierung zurückschrecken ließen. Stattdessen hielt der BND in der oben zitierten Abschaltmeldung über die ND-Eignung seines Agenten fest:

„Die aufgrund seiner Tätigkeit im letzten Krieg gemachten Erfahrungen, gereichten ihm für seine nachrichtendienstliche Mitarbeit zum Vorteil.“

Erst 1983 – 38 Jahre nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands – sollte Barbie an Frankreich ausgeliefert werden.

1991 starb der „Schlächter von Lyon“ in seiner Gefängniszelle an Krebs.

Das anvisierte Dissertationsvorhaben erhebt den Anspruch, die Beziehungen zwischen Barbie und internationalen Geheimdienstbehörden erstmals umfassend auf Basis des mittlerweile zugänglichen Aktenmaterials in deutschen, französischen, britischen, bolivianischen und U.S. amerikanischen Archiven zu analysieren.
Im Mittelpunkt der Analysen stehen – vor dem Hintergrund der an die globalpolitischen Entwicklungen angepassten Sicherheitsinteressen der jeweiligen politischen Kulturen – die Motive des Fraternisierungstrends zwischen NS-Eliten und westlichen Geheimdiensten nach 1945.
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(Peter Hammerschmidt, Website: http://peterhammerschmidt.jimdo.com/forschungen/dissertation/)
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Wie Barbie gefasst wurde- Video

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Blor: Forschungen auf heißem Terrain

Der Junghistoriker Peter Hammerschmidt im Fokus von CIA und BND (?)

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Wer Peter Hammerschmidt ist, muss an dieser Stelle wohl kaum noch erklärt werden: Seit Februar 2011 sorgt der junge Mann, der vergangenen Monat sein Studium an der Universität Mainz abgeschlossen hat, mit seinen investigativen Forschungen international für Aufsehen.

Äußerst brisant sind indes die neuesten Entwicklungen:

Wie auf der Konferenz der Intelligence History Association angekündigt, scheint sich Hammerschmidt offenbar zurückgezogen zu haben: Interviewanfragen verneint er, schottet sich ab und konzentriert sich auf die Planungen seines Erstlingswerkes.
In seiner geplanten Dissertation fokussiert Hammerschmidt erneut die Beziehungen zwischen Barbie, dem CIC, der CIA und dem BND.

Kann es da verwundern, dass der Forscher selbst ins Fadenkreuz der internationalen Geheimdienste gerät?

Nach dem internationalen Interesse an seinen Forschungen, konnte sich Hammerschmidt jüngst auch im Rahmen der Konferenz der IIHA vor internationalen Experten der Geheimdienstforschung bewähren.
Nun laufen die Planungen für Forschungsreisen in die USA und Bolivien, folgen Anträge für eine weitere Akteneinsicht beim Bundesnachrichtendienst, sind weitere schmutzige Details zu erwarten, die über die Kooperation zwischen NS-Eliten und internationalen Geheimdiensten Aufschluss geben.

Daneben setzt sich Hammerschmidt gewohnt kritisch für die Aufarbeitung der braunen Vergangenheit bundesdeutscher Behörden ein, im besonderen Fokus: Der BND.

Experten sind sich bereits jetzt sicher: Hammerschmidt wird längst vom Bundesnachrichtendienst observiert.
Bereits 2006 war der Dienst im Zuge der „Journalisten-Affäre“ diesbezüglich in die Kritik geraten.
Hammerschmidts Forschungen, so scheint absehbar, dürften Ergebnisse liefern, die weit diskreditierender auf die Praxis der Schlapphüte in den 1960er Jahre wirkt, als die journalistische Berichterstattung, die im „Schäfer-Bericht“ diskutiert wurden.

Es mag daher auch nicht verwundern, dass Hammerschmidts Homepage (http://peterhammerschmidt.jimdo.com/) nach der Veröffentlichung eines äußerst analytischen, kritischen Beitrags über die jüngsten Entwicklungen beim BND kurzfristig vom Server genommen wurde? – Nun ist die Internetpräsenz wieder online: Ohne den Text.

Ob Hammerschmidt überhaupt eine entsprechende Einreiseerlaubnis erhält, um seine Recherchen in den USA fortzusetzen, bleibt abzuwarten: Am 17. August 2010 wurde Gaby Weber, eine BND-kritische Publizistin, die mit Hammerschmidt offenbar seit vielen Monaten im Austausch steht, von Beamten der US-amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP auf dem Flughafen Washington-Dulles-International an der Einreise in die USA gehindert und verhört. Sie hatte eine ESTA-Anreisegenehmigung dabei. Es wurde ihr nicht gestattet, einen Anwalt oder das deutsche Konsulat zu benachrichtigen. Weber wollte im Bundesarchiv von Washington den Verbleib von deutschen Kriegsverbrechern nach dem Zweiten Weltkrieg recherchieren. Als Begründung wurde das Fehlen von Einreisedokumenten angegeben. Weber hält dies für einen Vorwand.
Ein Vorgang, der auch Hammerschmidt blühen dürfte…

Blor
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Hotel Terminus- Clip zur Dokumentation von Max Ophüls

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Blor: Youngster setzt BND weiter unter Druck

Es ist Sonntag – der letzte Konferenztag der „International Intelligence History Association“.

Seit Freitag setzte sich die Konferenz mit der „German Intelligence from Bismarck to Present“ auseinander.

Wolfgang Krieger, führender Kopf der Unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des BND und zugleich Vorstandvorsitzender des „Arbeitskreises Geschichte der Nachrichtendienste“ hatte bereits vor Monaten das Who-is-Who der internationalen Geheimdienst-Elite ins oberhessische Marburg geladen: Spezialisten aus Israel, Slowenien, Deutschland und den USA sind seinem Ruf gefolgt – darunter unter anderem Michael Herman (Oxford), Shpiro Shlomo (Bar Ilan University), Kristie Macrakis (Atlanta) oder Matitiahu Mayzel (Cummings Center for Russian and Eurasian Studies, Tel Aviv University)

Unter den heutigen Referenten ist auch der erst 24 jährige Mainzer Student Peter Hammerschmidt, der im vergangenen Jahr im Rahmen seinen Recherchen erstmals im Archiv des Bundesnachrichtendienstes Akten zu Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, einsehen durfte.
Seine exklusiven Recherchen belegten: Barbie war Agent des BND von Mai bis Dezember 1966. Für seine Arbeit erhielt der Kriegsverbrecher insgesamt 5300 DM aus dem Topf bundesdeutscher Steuergelder.

Und Hammerschmidt? Der Youngster, der in wenigen Wochen sein erstes Staatsexamen ablegen wird, rückte innerhalb weniger Wochen ins mediale und fachwissenschaftliche Rampenlicht, trieb mit seinen Forschungen gar die Bundesregierung vor sich her (Internationale Medien berichteten).

Es verwundert daher nicht, dass sein Vortrag mit dem Thema „The Butcher of Lyon on BND and CIC/CIA Payroll“ mit Spannung erwartet wurde.

Nach Hammerschmidts Recherchen steht nunmehr fest: Die Waffenhandelsfirma „MEREX“ vertrieb 1966 überschüssiges Bundeswehrmaterial an lateinamerikanische Staaten. Unterstützt wurde das Unternehmen direkt vom BND, der dabei half, die Waffendeals an südamerikanische Militärdiktaturen mit dem Verteidigungsministerium abzuwickeln. Brisant ist, dass die MEREX – mit Unterstützung des BND - in Lateinamerika auf ein etabliertes Netzwerk ehemaliger SS-Kameraden zurückgriff: Bereits zu Beginn der 1960er Jahre hatten Barbie, Friedrich Schwend (während des Krieges: Unternehmen Bernhard) und das Flieger-Ass Hans-Ulrich Rudel „La Estrella“ (Der Stern“ gegründet – ein Netzwerk, mit Hilfe dessen sich ehemalige NS-Verbrecher unterstützten. Die Merex trat an Rudel heran, wurde daraufhin an Schwend und von diesem dann an Barbie vermittelt. Auf der Merex-Tour durch Lateinamerika, wo die Firma nach verlässlichen Repräsentanten des Unternehmens suchte, kam man auch mit anderen Mitgliedern von La Estrella in Kontakt: Willem Sassen und Otto Skorzeny. Beide wurden als Repräsentanten für die MEREX geworben und fanden anschließend, so Hammerschmidts These, ebenso wie Barbie, Schwend und Rudel, den Weg auf die Soldliste des westdeutschen Geheimdienstes. (vgl. Taz)

Die Analysen, die Hammerschmidt auf einer Power-Point beeindruckend zusammenfasst, scheinen in Konkurrenz zu dem offiziellen Forschungsvorhaben der UHK zu stehen – enthüllt der Junghistoriker mit seinen mühevoll aus US-amerikanischen Archiven doch Ergebnisse, mit denen er den Forschungen der Kommission vorausgreift.

Dabei scheint klar: Sollte die Kommission einen der Forschungsschwerpunkte auf das Beziehungsgeflecht des BND mit den in Südamerika untergetauchten NS-Eliten legen, wird sie ohne Hammerschmidts Vorarbeit nicht auskommen. Längst ist der Mainzer in diesem Sujet zum Experten avanciert.

Bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Kommission auch der Kollaboration des BND mit NS-Eliten in Südamerika widmen – dass dieser Schwerpunkt ein besonders düsteres Kapitel der BND-Geschichte offenbart ist nunmehr von Hammerschmidt deutlich belegt worden.

Blor

Hinweis: Weiterer Beitrag zum Thema bei der TAZ
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Die TAZ über Hammerschmidt, den BND, Barbie und (ein wenig) die EGOISTEN

In einem umfangreichen Artikel geht die TAZ der Geschichte von Peter Hammerschmidt nach: "Weil er nicht lockerlässt, erreicht Peter Hammerschmidt als erster Historiker überhaupt beim BND Akteneinsicht - im Fall des Exgestapochefs Klaus Barbie. Und stößt auf Unglaubliches. Jetzt müssen sich Parlament und Kanzleramt mit dem Fall beschäftigen."

Die Geschichte von Peter Hammerschmidts Recherchen wurde früh bei den Egoisten dokumentiert. Auch die erste Publikation der Ergebnisse der Arbeit erschien hier. Dies wird auch im Artikel gewürdigt: "Was Hammerschmidt sieht, raubt ihm fast den Atem. "Tut mir leid", sagt er zu seinen Aufpassern nach einem ersten Blick in die Akten, "ich muss erst mal eine rauchen gehen." Die Akten beweisen, dass der deutsche Steuerzahler Barbie über den BND ein gutes halbes Jahr lang monatlich 500 Mark für seine Spitzeldienste zahlte, Leistungsprämien und ein Abschlussbonus von 1.000 Mark kamen noch dazu. Barbie wurde erst abgeschaltet, als dem BND offenbar klar wurde, dass dessen wahre Identität bald auffliegen würde. Hammerschmidt glaubt keine Sekunde, dass die BND-Leute damals nicht genau wussten, wen sie vor sich hatten - Barbie gab sich in La Paz kaum Mühe, seine wahre Identität zu verbergen.
Nach Hammerschmidts Recherche in Pullach gibt der BND seine Barbie-Akten an das Koblenzer Bundesarchiv weiter - es ist klar, dass es nun nur noch eine Frage der Zeit ist, ehe auch andere Historiker auf den heißen Stoff stoßen. Als der junge Student Wind davon bekommt, dass auch der Spiegel an der Geschichte dran ist, veröffentlicht er seine Erkenntnisse Anfang Januar auf zwei kaum bekannten Internet-Seiten (etwa: www.egoisten.de/files/barbie_2011.html).
Er tut das, um deutlich zu machen: Ich habe das zuerst herausgefunden! Das ist wichtig auch für seine Examensarbeit und eine geplante Dissertation über Barbie. Mitte Januar kommt der Spiegel dann mit seiner Geschichte heraus. Das Nachrichtenmagazin profitierte von der Pionierarbeit Hammerschmidts beim BND.
"

"Kaum bekannt" ist natürlich eher geschmeichelt, vor allem im Vergleich mit den großen Magazinen, die Hammerschmidts Geschichte und Arbeit in der Folge aufgriffen. Aber erstens liegt mir das Thema selbst am Herzen, und zweitens haben auch kleine Blogs, wie man sieht, schon eine Funktion und Aufgabe auf den Märkten der Nachrichten.
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Klaus Barbie wird Thema in Deutschland

Aufgeschreckt durch die Recherchen des jungen Historikers Peter Hammerschmidt, der hier im Blog in einem Interview vom 8. Januar dieses Jahres davon berichtet hat, sind dem SPIEGEL offenbar durch den BND Information über dessen Zusammenarbeit mit Klaus Barbie („Nazi- Verbrecher Barbie war BND- Agent“) zugespielt worden. Der SPIEGEL brachte die Nachricht am 15. Januar- ohne die Arbeit von Hammerschmidt zu erwähnen. Inzwischen berichten - die Arbeit des Historikers anerkennend- die Berliner Zeitung darüber, Portal Amerika, Prensa Latina, Telepolis und The Telegraph: „Der Spiegel berichtet, Barbie sei im Frühjahr 1966 vom BND angeworben worden. Der Kriegsverbrecher, der damals unter dem Namen Klaus Altmann in der bolivianischen Hauptstadt La Paz lebte, werde in der BND-Akte als ein Mann „kerndeutscher Gesinnung“ und „entschiedener Kommunistengegner“ beschrieben. Barbie alias Altmann soll als Agent „Adler“ mit der Registriernummer V-43118 Berichte über politische Entwicklungen in Südamerika geliefert haben.

Auf die Akte Barbies war der Historiker Peter Hammerschmidt von der Uni Mainz im September gestoßen. Sein Antrag auf Akteneinsicht hatte der BND zunächst abgelehnt, nach einer Beschwerde beim Kanzleramt jedoch bewilligt. Laut Hammerschmidt lege die Akte den Verdacht nahe, dass dem Dienst zumindest bei der Anwerbung des Exildeutschen im Jahre 1966 gar nicht bewusst gewesen sei, in Wirklichkeit Barbie vor sich zu haben. Erst im Dezember 1966, als man den Agenten zu Schulungszwecken nach Deutschland holen wollte, seien die Geheimdienstler stutzig geworden: Altmann habe gesagt, dass seit Kriegsende in Ludwigsburg Ermittlungen gegen ihn laufen würden und er daher nicht einreisen könne. Wegen „erheblicher Sicherheitsgefährdung für den BND“ wurde die Quelle umgehend abgeschaltet – als Abfindung erhielt Barbie 1.000 DM in bar.“ (Berliner Zeitung)

Die Arbeit von Peter Hammerschmidt - "Der Schlächter von Lyon" im Sold der USA - Über die Beziehungen zwischen Klaus Barbie und dem amerikanischen Geheimdienst- wird im Laufe des Jahres erscheinen.

Offenbar möchte sich der BND ein transparenteres Image geben- weitere Akten- Offenlegungen sind angekündigt. Vielleicht wollte auch nur der Recherche von Hammerschmidt zuvor kommen. Eigentlich sind Hammerschmidt und ich nur deshalb bekannt geworden, weil ich öffentlich fragte, warum in Deutschland eigentlich so wenig über Barbie publiziert und geforscht worden sei. Die Frage ist nun so weit beantwortet- der BND hatte offenbar den Daumen darauf. Nun also kommen die Karten aber auf den Tisch.
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Interview mit Peter Hammerschmidt zum Thema Klaus Barbie

Herr Hammerschmidt, welche Erkenntnisse konnten Sie im Rahmen Ihrer (exklusiven) Recherchen beim Bundesnachrichtendienst gewinnen?

Die BND-Akte von Klaus Barbie, die ich im September 2010 Jahres erstmals in München/ Pullach einsehen konnte, bestätigt den Verdacht, dass Klaus Barbie unter seinem Pseudonym „Klaus Altmann“ seit Mai 1966 in engem Kontakt mit dem westdeutschen Geheimdienst stand.

Es waren die „einflussreichen privaten und geschäftlichen Beziehungen“ des Herrn Altmann zu bolivianischen Regierungs- und Geheimdienstkreisen, die letztendlich den Ausschlag dafür gaben, den Exildeutschen auf die Gehaltliste des BND zu setzen. Dass es sich bei dem Informanten um einen gesuchten NS-Kriegsverbrecher handelte, war dem BND (zu Beginn der Kontaktaufnahme) offenbar unbewusst:

In seiner Informanten-Kartei wurde über ADLER (Barbies Deckname) festgehalten, dass er während des Zweiten Weltkrieges in einer Panzerdivision an der Normandie gekämpft hätte. Auch die übrigen Angaben über Barbies NS-Laufbahn sind gespickt von Fehlern oder entsprechende Vita-Lücken, die offenbar bewusst nicht weiter verfolgt wurden.

Nichtsdestotrotz hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg bereits 2 Jahre zuvor eine Anfrage an den BND gesandt, in der sie beim BND nach Informationen verlangte, ob Barbie in ihren Diensten stehe. Ein „Barbie“ war auf den Gehaltslisten nicht zu finden, doch musste eines auffallen: Der in Deutschland wegen Kriegsverbrechen gesuchte Barbie galt als flüchtig, man vermutete ihn, so in den Akten des BND festgehalten, in La Paz/Bolivien. Fest stand auch, dass Barbie zwei Kinder hatte, einen Sohn (Jörg) und eine Tochter (Ute). Ein Blick in die Akte der Südamerika-Informanten hätte verraten, dass Altmann ebenfalls in La Paz lebte, Deutscher war, einen Sohn hatte, der Jörg hieß (der für den BND ebenfalls, wenn auch nur indirekt, Spionagearbeit leistete) und eine Tochter hatte, die Ute hieß. Außerdem war Barbie am 25. Oktober 1913 geboren. Und Altmann, der unter falschem Namen (und mit nur minimal abgeänderten Geburtsdaten) in Bolivien eingereist war, feierte seinen „neuen“ Geburtstag am 25.10.1915. Was bleibt, ist die Frage, ob der BND bei seiner Entscheidung, Klaus Altmann alias Klaus Barbie bewusst über die verfügbaren Anhaltspunkte wegsah, oder die Beziehungen, die Altmann zu bieten hatte, dessen braune Vergangenheit schlichtweg vergessen ließen.

Die Informationen, die Barbie dem BND im Zeitraum zwischen Mai und Dezember 1966 sind, sind noch nicht abschließend aufgearbeitet: Die wenigen vorhandenen Berichte aus Bolivien deuten jedoch daraufhin, dass Barbie den BND präzise über die politischen Entwicklungen in Bolivien und anderen südamerikanischen Staaten unterrichtete.

Erst als Altmann im Dezember 1966 die Reise nach Deutschland (zu Schulungszwecken) verweigerte, wurde der BND stutzig: Altmann gab zu erkennen, dass seit Kriegsende in Ludwigsburg entsprechende Ermittlungen gegen seine Person laufen würden und er aus diesem Grund nicht in die BRD einreisen könne. Aufgrund dieser „erheblichen Sicherheitsgefährdung für den BND“ beschloss die damalige Führungsstelle des BND, seinen Informanten noch im selben Monat abzuschalten – als endgültige Abfindung erhielt Barbie alias Altmann 1000 DM in bar. Die Notbremse war in letzter Sekunde gezogen worden. Für die Amerikaner kam diese „Notbremse“ Jahrzehnte zu spät.

Hier geht es weiter zum Download des gesamten Interviews..
Hier frühere Berichte zu diesem Thema. Hier ein weiterer Blogeintrag.
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Klaus Barbie taucht unter

Peter Hammerschmidt stellt uns hiermit ein Dokument zur Verfügung, aus dem ersichtlich wird, dass Barbie 1947 in die Obhut amerikanischer Geheimdienste geschlüpft ist- nicht ohne geschickt mit einer eventuellen Kooperation mit den Briten zu kokettieren. Er galt den Amerikanern als beschlagener Mann mit enormen Beziehungen, aber man legte Wert auf eine Erklärung von ihm, sich wirklich von den Resten der SS fern zu halten. Man wird gewusst haben, warum.


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Klaus Barbie, neue historische Forschungen

Über den furchtbaren nationalsozialistischen Sadisten Klaus Barbie haben wir bereits berichtet und haben unser Erstaunen darüber zum Ausdruck gebracht, wie wenig - trotz eines damals sensationellen Prozesses in Frankreich- für die Öffentlichkeit über ihn bekannt wurde und wird. Es ist bekannt, dass er nach 45 von Geheimdiensten nach Südamerika ausgeschleust wurde und dass er dort verschiedenen Geheimdiensten und Diktatoren als Folterknecht gedient hat.
Nun arbeitet Peter Hammerschmidt in seiner Examensarbeit am Thema „„Der Schlächter von Lyon“ im Sold der USA – Über die Beziehungen zwischen Klaus Barbie und dem amerikanischen Geheimdienst“ und schreibt in einem Expose:

„Klaus Barbie, der sich ab November 1942 in seiner Rolle als Gestapo-Chef im besetzten Frankreich und als Leiter der IV. Sektion der Sicherheitspolizei und des SD einen Namen als „Schlächter von Lyon“ machte, wurde nach Kriegsende, 1952, von der französischen Regierung in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Bereits 5 Jahre zuvor, als der „Eiserne Vorhang“ über Europa niederging, war Barbie zum Agenten des US-amerikanischen Geheimdienst (CIC) geworden. Im Sold der USA und unter dem Schutzmantel des CIC gelang es Barbie schließlich, ausgestattet mit gefälschten Papieren des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes, 1951 nach Bolivien zu emigrieren, ehe er zu Beginn der 1970er Jahre von den Eheleuten Klarsfeld aufgespürt, am 11.Mai 1987 angeklagt und schließlich am 4. Juli 1987 wegen der ihm angelasteten Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. 1991 starb Barbie im Alter von 77 Jahren in Haft.“

Hammerschmidt bemüht sich in seiner Arbeit darum, „eine Antwort auf die Frage zu liefern, welche Motive den amerikanischen Geheimdienst dazu trieben, den ab 1945 auf der Central Registry of War Crimes and Security Suspects (CROWCASS) stehenden Kriegsverbrecher in den Sold der USA zu nehmen und diesen in seiner Rolle als Agent vor der Auslieferung an die französischen Behörden zu schützen. In einem weiteren Schritt sollen schließlich die Mechanismen dargestellt werden, die der CIC bemühte, um den Agenten Barbie 1951, mit einer falschen Identität ausgestattet, unerkannt auf der so genannten „Rattenlinie“ nach Südamerika zu schleusen.
Die Forschungslage zu diesem komplexen Thema ist dabei sehr überschaulisch. Abgesehen von einer 1984 erschienen Barbie-Biographie von Tom Bower1 und dem von der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebenen und 1983 veröffentlichten sog. „Ryan-Report“2, der die Beziehungen zwischen Barbie und den USA erstmals zu analysieren versuchte, ist keine wissenschaftliche Aufarbeitung verfügbar. Die geplante Examensarbeit erhebt demnach den Anspruch, einen ersten umfassenden Forschungsbeitrag zum „Fall Barbie“ zu leisten.“

Zurzeit ist Hammerschmidt dabei, „die entsprechenden CIC-,CIA-, DOJ- und FBI-Akten zu sichten. Die seit 2000 zugänglichen Bestände können im National Archive Washington eingesehen werden.

Ich hoffe, dass wir zu gegebener Zeit von den Ergebnissen dieser Arbeit weiter berichten können.



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