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Seelensubstanz

„Nachdem man also genug Kräfte darauf verwendet hat, um mit der Welt eins zu werden, muss man jetzt noch Kräfte übrig haben, um Kräfte aus sich heraus zu spinnen, wie die Spinne ihr Netz aus sich heraus spinnt. Sie sehen, dass die ganzen Vorgänge des Mysterienwesens zeigen, wie viel darauf ankommt, starke innere Energien des seelischen Lebens zu entwickeln; denn man muss viel Vorrat haben, damit das alles geschehen kann. Dadurch, dass man etwas aus sich ausgegossen hat und noch ausgießen kann, bilden sich etwas wie Organe heraus, und man kann beobachten: Mit dem, was man jetzt aus sich heraus spinnt, tritt etwas ganz Neues auf. Da stellen sich die Dinge vor einen selber hin in einer Art, die sich etwa damit vergleichen lässt, als wenn ich nicht die Uhr hier hätte und die Augen dort, sondern als wenn das Auge aus sich heraus einen Strahl senden würde, der sich selber zur Uhr formen könnte.

Es handelt sich dabei nicht um ein Konstruieren oder Schaffen einer subjektiven Welt, sondern darum, dass wir gleichsam Seelensubstanz aus uns heraus spinnen. Und die höheren Welten, in die wir uns hineinleben, müssen diesen Umweg wählen, damit wir ihnen gegenübertreten und sie erkennen können. Sie müssen erst durch unsere eigene Seelensubstanz, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben, durchkriechen.

In der physischen Welt stellen sich die Dinge vor uns hin, ohne unser Zutun. Nichts stellt sich in den höheren Welten vor uns hin, wenn wir ihm nicht erst die eigene Seelensubstanz zur Verfügung stellen. Deshalb ist es so schwierig, Subjektives und Objektives auf diesem Punkte zu unterscheiden. Denn ganz subjektiv muss sein, was wir aus unserer Seelensubstanz heraus spinnen; aber ganz objektiv muss dasjenige sein, was nur das Herausgesponnene benutzt, um zur Wahrnehmung zu kommen.

Alle Trainierung in den Mysterien hat vorzugsweise in einer Erhöhung der Energien der Seele bestanden. Darauf musste der Einzuweihende von vornherein verzichten, dass man ihm etwa die Gegenstände und Wesenheiten der höheren Welten wie auf einem Präsentierteller gereicht hätte. Er musste sich zu jedem Stück der höheren Welten erst hin entwickeln.

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R. Steiner, GA 144, Seite 26f
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