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Medien unserer Präsenz

Die Präsenz, die wir zeigen:

In elektronischen Medien sozialer Art wie Flickr, Facebook und Twitter, in denen wir Präsenz zeigen, fällt besonders auf, dass wir präsent im Medium sind, solange wir aktiv sind. Auch in Bezug auf Blogs und deren Timeline ist das deutlich zu beobachten: Man generiert Kontakte, weniger Zeilen oder Daten. Man generiert im Netz eine Art virtueller Verleiblichung: Das ist das Ich im Netz. Es ist reine Aktivität, es lebt aus der Aktualität der Präsenz. Es kommen zudem ständig neue Medien hinzu, die soziale Strukturen ermöglichen- wie etwa der Musik- Streaming- Dienst Spotify. Die Signatur, die man als Ganzes hinterlässt - wenn man die Produkte, die man online gekauft hat, hinzu rechnet-, wird zu Werbezwecken ausgelesen und en gros weiter verkauft- unsere Profile, die Spuren, die das Online- Ich hinterließ, sind auch eine Ware.

Dieses Spuren hinterlassen durch eine direkte, unvermittelte und doch mediale Präsenz auch andere Gegebenheiten des Lebens. Vielleicht können wir auch in einem Berufsleben aufgehen, uns später einrichten und uns für unersetzlich halten. Wir werden aber immer erfahren, dass unsere zeitliche Präsenz viel begrenzter ist, als wir glauben. Wir werden zwangsläufig erfahren, dass das Schiff ganz gut weiter rollt ohne uns. Und die Mannschaft an Bord ist mit der Aufgabe beschäftigt, denn sie alle gehen ja darin auf- genau wie wir selbst gearbeitet haben. Wir werden daher fast augenblicklich ersetzt und vergessen.

So denke ich auch an meinen sehr alten Vater, der zäh an Gewohnheiten, seinen Regeln und Gebräuchen hing. Aber in einer Situation, in der die Lebensfreude daran zerbricht, dass die eigene Lebensgestaltung illusorisch wird, verfällt der Körper schnell durch eine innere Verweigerung. Die Gewohnheiten spielen im Detail plötzlich keine Rolle mehr. Der Geist verweigert die Erfüllung existentieller Bedürfnisse. Auch dieser Körper lebt von unserer ununterbrochenen Präsenz. Wenden wir uns ab, zerbricht er. Wir sind auch in dieser Hinsicht immer nur Aktivität, Spuren hinterlassend, die schnell verwehen.

Wir sollten die Präsenz nicht mit dem Medium verwechseln.
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