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Marodierende Geister

Ich zitiere, weil ich zufällig unter dem Tag „Kühlewind“ darüber stolperte, aus einem drei Jahre alten Blogbeitrag, an dem sich zeigt, wie wenig sich doch verändert hat- oder wie sehr, vielmehr, die schwärenden Wunden marodierender Geister immer weiter aufbrechen, denen die innere Mitte, die Toleranz und die geistige Kompetenz fehlen, auch wenn sie genau darauf pochen (und, im Falle der Anhänger Rudolf Steiners, stets für sie passende und genehme Textstellen in dessen Werk entdecken):

So schart eine Enddreissigerin bei Facebook 360 Anhänger um sich, die an ihren Lippen hängen, weil oder obwohl sie behauptet, die Reinkarnation Rudolf Steiners zu sein. Von den blutenden Wundmalen einer Judith von Halle und ihren visionären Eingebungen ganz zu schweigen. Wir sind heute -technologisch, medial, aber auch spirituell - noch einen Schritt tiefer gesunken als zu Kühlewinds Zeiten vor vielleicht dreissig Jahren. Heute werden vielfach nicht nur Bände mit geraunten „Geheimnissen“, Verschwörungen und geheimen Logen gefüllt, heute bekommt die Ungedecktheit eine eigene Dynamik und nimmt visionären Charakter an. Dort wo das auftritt, taumelt stets eine Gemeinschaft von Gläubigen hinterher. Offensichtlich folgt der illusionären Ungedecktheit eine Art Gärung, der immer fantastischere Erfahrungen und Behauptungen entspringen.“

Im sozialen Miteinander werden durch die Ungedecktheit, je bizarrer und Rechthaberischer sich die Protagonisten gebärden, zersetzende Tendenzen frei, die letztlich jedes Miteinander ad absurdum führen. Das innere Standhalten jedes Einzelnen, im Sinne einer spirituellen Autonomie, ist heute mehr gefragt denn je.
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