Michael Eggert: Der gebannte Blick | EgoBlog | Die Egoisten

Michael Eggert: Der gebannte Blick

Rainer schrieb in einem Kommentar:

"Bei der Betrachtung dieser und ähnlichen Debatten zu dem Thema, frage ich mich manchmal, was die sog. "Karmaforschung" wirklich für einen Sinn hat. Wir haben doch sowieso schon eher ein Zuviel an Identitäten, an Ego, an Anhaftungen - warum denn noch zusätzlich eine "König Arthur, Mordred, Maria Magdalena" Identität uns aufbürden? Damit wird m.E. primär das Ego aufgebläht, bzw. man begibt sich häufig in eine leicht wichtigtuerische esoterische Spielerei.

Natürlich kann man, wie Michael in seinem anderen Beitrag schreibt, auf bestimmte wiederkehrende Muster im eigenen Lebenslauf aufmerksam werden, das geht mir auch so, ebenso kann ich in meinem Leben einer bestimmten Qualität von Konflikten gewahr werden - dann habe ich aber ganz einfach die Aufgabe, in diesen Konflikt, in dieses Muster einzutauchen, indem ich mir meine unbewussten Anteile und die jeweilige Dynamik der Beziehung mehr und mehr bewusst mache. Das ist schon schwer genug und hat, wenn man genau hinschaut, ein unendliches Potential zur Vertiefung.
"

Das, was Du beschreibst, und was auch mir ein ganz wesentlicher Teil der Schulung ist, nämlich die "Ebene" zu erfahren, von der aus wir uns selbst anschauen können. Es geht darum, das Verstehende in uns zu erleben, ins Verstehen als Akt und Wille einzutauchen. Auf dem Weg dorthin werfen wir einen Blick wie Andere, wie Fremde auf das, was wir selbst auftürmen, was uns einzumotten droht, geistig zu definieren und kastrieren. Die meditative Ebene ist mit dem klaren Blick auf das in uns "Gewordene" synchron- Entwicklung ist Vertiefung des Blicks- in beide Richtungen.

Der Sinn der Beschäftigung mit dem Karma ist auch in meinen Augen keinesfalls, irgendwelche Bezüge zu historischen Figuren her zu stellen, sondern die geistige Ebene zu erreichen, auf der wir - im Augenblick der meditativen Versenkung zunächst- auf das Vergangene, Gewordene, Karmische hinschauen können und damit so weit davon frei sind. Das ist die Ebene der Selbsterfahrung als Entität, als Sonnenhaftes.

Natürlich hat Steiner diese Ebenen vor allem gemeint, als er die "Nebenübungen" empfahl. In unseren sozialen Katastrophen erfahren wir unsere Beschränkungen, aber auch unsere Kräfte. Es geht um eine Willensschulung, die mit dem gebannten Blick umgehen lehrt- mit dem all dem, was wir biografisch, persönlich, widersprüchlich mit uns herum schleppen. Man kommt wirklich nicht drum herum, sonst kann man die "Nebenübungen" nie wirklich machen. Der Weg ist so dornig, weil er auch eine Selbst- Offenbarung ist, nicht zu unserem Vorteil und vor dem unbestechlichen Blick von uns selbst. Aber die Willensübungen heben natürlich auch auf die Ebene, in der man nicht "verstrickt" ist; auch das ist ein wirklicher Kern der Übungen. Es geht nicht um Kontrolle. Es geht darum, uns im Du zu finden.
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