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Der Flug einer Schwalbe

Vor dem "reinen" oder meditativen Denken, das mehr einer Kraftentfaltung als einem definierten Begriff ähnelt, kommt das multiperspektivische Denken. Auf der untersten Stufe dieser Hierarchie steht der "feste Standpunkt" oder sonstige ideologische Geschwulste.

Das ideologisch- binäre Denken benötigt, um sich zu erhalten, auch notwendigerweise einen Gegenstandpunkt. Die simplen Schemen und aufgebauschten Gegensätze hatten ihre grosse Zeit in der Ära des Kalten Krieges. Die binäre Struktur in der Politik erzeugt eine von innen her zitternde labile Ordnung- vielleicht sogar hysterisch aufgeheizt. In der Hitze des ideologischen Gefechts erlebt sich das binäre, aber selbstbezügliche Denken selbst. Es ist hier so sehr auf seinem Höhepunkt wie es auf der anderen Seite gelegentlich in den Abgrund des Selbstzweifels kippt.

Das multiperspektivische Denken, um das es hier geht, ist einen Schritt weiter, da es sich den dualistischen Spannungen entzieht. Es kann jederzeit unterschiedliche Standpunkte einnehmen, ohne sich dabei zu verrenken oder selbst untreu zu werden. Daher hat es auch für diverse Standpunkte Anderer Verständnis, weil sein Ziel empathisches Miterleben ist, ein Garant für immer weiter führendes Lernen. Natürlich kommt man irgend wo her, aber ist das relevant? Lebendiger ist das Auffassen von intellektuellen Subsystemen, Landschaften, Planetensystem Anderer allemal. Umgekehrt lässt sich am Grad der Freude am Diskurs ganz gut erkennen, wo einer steht in Bezug auf seine "spirituelle Kompetenz". Dort, wo einer beharrt, klebt und verkündet, lässt sich wenig gewinnen. Dort, wo einer freudlos im Loch verharrt, das er sich selbst gegraben hat, wird man wenig lernen.

Die Selbst- Übersteigung, die im multiperspektivischen Denken erreicht wird, ist die beste Vorraussetzung für das meditative Denken. Denn letzteres übersteigt sich unentwegt und findet sich im Flug einer Schwalbe.

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P.S. Dass das multiperspektivische Denken nicht nur ein demokratisches, sondern im Zweifelsfall auch ein ökologisches ist, lässt sich hier nachlesen:

"Der mehrdimensionale Ansatz wird insbesondere durch die Erkenntnisse der Ökologie gestützt. Das ökologische Denken ist grundsätzlich mehrdimensionales Vernetzungsdenken. Es stellt in Rechnung, dass alle Ökosysteme ihr Gleichgewicht nur durch beständiges Balancieren zwischen vielen Faktoren finden können. Strukturbildung lässt sich nicht auf Paarbildung und -trennung reduzieren."
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