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Flötentöne & Sehnsucht

Das ist immer dieselbe Sehnsucht, lebenslänglich, unerklärlich für den, der sie nicht kennt.

Es ist die Sehnsucht des Seglers nach offenem Meer, nach Wind und Gischt,dem Rollen des Bootes. Aber die Sehnsucht, die ich meine, verbirgt sich nicht in Wasser, unter Steinen, in Höhlen oder im weiten gebirgigem Blick. Die Sehnsucht weht uns an, wie anderen etwas zustößt. Sie spielt Flötentöne auf unseren Knochen. Sie erhebt uns, aber lässt uns zugleich Blicke werfen ins eigene Unauslotbare, das tiefer ist als die See und an manchen Stellen so dunkel und kalt, dass der Atem gefrieren kann.
Nun, rüste Dein Boot, setz die Segel und befestige die offene Takelage. Wir brechen ständig auf, schauen ins Nichts und lassen vom Boden der Stille die erste Brise aufkommen. Unser Blick, der in die Weite schaut, ohne zu schauen, unser Denken, das bis zu einem einzigen Punkt fokussiert, sich von Innen öffnet wie die Romantische Blume- exakt und offen, flüssig geworden wie das Wasser unter dem Kiel: Aufbruch.

Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, // Welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung, // Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt hat, // Und auf dem Meere so viel' unnennbare Leiden erduldet, // Seine Seele zu retten, und seiner Freunde Zurückkunft.”


Odyssee
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