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Widersprüchlichkeit

Die Logik geht darauf aus, wenn sie irgendwo einen Widerspruch findet, ihn zu beseitigen. Aber die Logik weiß heute noch nicht, was sie damit tut:
Die Logik selber tötet für das menschliche Auffassen mit dem Hinwegräumen des Widerspruches das Leben.
Deswegen kommt der Mensch nur zu einer Auffassung des Lebendigen, wenn er über die Logik hinaufsteigen will zu Imagination, Inspiration und Intuition.


Rudolf Steiner, GA 188, Seite 105

Das Leben selbst ist allerdings auch widersprüchlich, unser Leben, wir. So zum Beispiel stehen uns unsere Fähigkeiten häufig im Weg, eben weil wir uns auf sie verlassen. Man macht sie gern zu einem „Persönlichkeitsmerkmal“, in unserem konstruktivistischen Eigenheimbau, den wir „Ich“ nennen.
Etwas ganz anderes ist das, was man an Reife entwickelt. Dazu gehört auch, dass man sich der eigenen Gespaltenheit und Widersprüchlichkeit bewusst ist. Der innere Widerspruch ist ja durchaus auch ein in vieler Hinsicht antreibendes und kreatives Moment. Es produziert nur immer wieder Chaos im Leben.

Der Übergang zu „Imagination, Inspiration und Intuition“ mag vieles erhellen und verändern- die Widersprüche bleiben. Sie stecken bei uns bis in die Wurzeln hinein fest. Man kann das nicht extrahieren und womöglich auch nicht befrieden. Man muss den „Widerspruch des Lebens“ vielleicht auch annehmen lernen- als etwas, was dazu gehört.
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