Michael Eggert: Die determinierenden Schattenwürfe des Karma | EgoBlog | Die Egoisten

Michael Eggert: Die determinierenden Schattenwürfe des Karma

Den Exoten und exzentrischen Querdenkern, die sich mit Fragen beschäftigen, wo eigentlich diese spirituell Hochbegabten und auch die reinkarnierten Steinerschüler stecken? Wir torkeln hier von Krise zu Krise, und was tragt ihr bitte zu neuen Impulsen bei? Die totale politische Nichtgestaltung und Ideenlosigkeit ist ja heute geradezu Programm. Schatz, wir haben die Ideen geschrumpft, aber dafür auch den Extremisten, Fanatikern und Ideologen das verwaiste Feld überlassen.

Ich denke, dass es heute so viele Formen gibt, in denen man steckt und wirkt. Ich denke auch daran, dass es ja auch - um etwas heraus zu greifen- eine Krise der menschlichen Körper gibt, selbst wenn gewisse gesellschaftliche Schichten statistisch gesehen heute älter werden denn je. Reiche sind auch weit weniger bedroht durch aktuelle Einflüsse wie die von Umweltgiften, Radioaktivität, dem aggressiven Destabilisieren der sinnlich- existentiellen Ebene durch Geruchs- und Geschmacksstoffe (und eine verzuckerte Ernährungsindustrie ohne jede Moral auch den Tieren gegenüber).

Es gibt auch eine genetische Querebene. Einerseits die Geschichten, die man hört, wenn einer der Freunde die Familienchronik bis 1500 liest und voll sentimentalen Entsetzens berichtet. Was für entsetzlichen Personen man da entstammt, wenn man es denn weiß. Aber auch die jüngst Vorangegangenen können hier und da und bei Leuten, die eben damit geschlagen sind, einen soziopathischen Einschlag nicht verhehlen. Und ja, dem, der in sich selbst schaut, kann nicht wirklich verborgen bleiben, was man da potentiell mit sich herum trägt. Das Blut hat vielleicht kein Gedächtnis, aber die Genetik schon.

Mit diesen Dingen schlägt man sich herum, und das eigene Karma ist zunächst der Schutz davor, das tatsächlich wahrzunehmen. Das eigene Karma ist die Brille, die Blindheit, mit der wir geschlagen sind, vielleicht auch die innere Unaufrichtigkeit, in der wir mit uns umgehen und die auch unsere Wahrnehmung Anderer beeinflusst. Die partielle Amnesie, der Wucht der ungesteuerten Antriebe in sich zu begegnen. Unser Schicksal ist ja auch, die wüste Inkarnationsbude, in der wir uns eventuell wieder finden, aufzuräumen. An der Zimmertür hängt ein Schild, Heute leider geschlossen. Mieter und Besitzer sind reichlich beschäftigt.

Aber natürlich ist der Mensch immer findig gewesen. Er findet Mittel und Wege, technische Medien, Begegnungsstätten, Suchbewegungen. Er lebt eher auf, wenn die Lebensläufe, Biografien, inneren Befindlichkeiten Risse, Dellen und Auswüchse aufweisen. Wenn die Ehen Ruinen gleichen und die beruflichen Werdegänge ständig ins Prekäre driften. Wir müssen uns heute immer neu erfinden. Die Rollen, in denen wir auf verschiedenen Ebenen jonglieren, können widersprüchlich, die Projekte, in denen wir aufleben, terminiert sein. Wir selbst können im Lärm unserer biografischen und zeitgeschichtlichen Kalamitäten auf all das schauen, innehalten und uns unserer selbst - als dem etwas ratlosen Macher der Inszenierung- bewusst werden. Der reine, ungetrübte Blick, kann sich umkehren auf das Blickende. Das Schaffende in uns. Dann weitet sich der Blick und macht sich auf zu den Müttern.

So lautet das karmische Paradox: Je mehr wir spirituell erwachen, uns emanzipieren, das Denken ins Leben führen, die Stille kennen und im inneren Frieden ruhen, das reine Sein erfahren, in den Herzkräften mitgehen- desto mehr erkennen wir die Konturen der sich auftürmenden Hindernisse, Widerspenstigkeiten, Vergangenheitselemente, seelischen Geformtheiten, die in sich eben nichts sind als „Karma“. Karma ist unsere persönliche Säuglingsstation. Damit bleiben wir brav in unserer Spur, aber als passive, uninspirierte Reaktions- Denkmaschinen. Als Gefühlsmuster- Aussender. Als Impuls- Infantile. Auf den Händen des Karma werden wir getragen und dürfen uns in Selbstgefühlen wiegen.

Übrigens ist die Art, Karma so zu begreifen, als gäbe es da lediglich trans- personale Verbindungen, eine Art sinnloses Name-dropping. Man macht sich damit nur interessant, kommt aber an die eigentliche Problematik nicht heran. Es mag ein Nebeneffekt sein, solche Verbindungen irgendwann - in der fortschreitenden Befreiung des Geistes- zu erkennen. Wichtig ist aber doch, die Determinierung als solche nicht nur zu erkennen, sondern sich wirksam zu emanzipieren und so in der Welt zu stehen, dass man Thomas von Aquins Erkenntnis- Anforderung „Das Wirklichsein der Dinge ist selbst ihr Licht“ (Kommentar zu Liber de causis 1,6) realisieren kann. Das Wirklichsein der Dinge erkennt man erst, wenn man selbst „wirklich“ geworden ist- und damit die determinierenden Schattenwürfe des Karma überwunden hat.
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