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Das- Fühlen


Dieser irritierende Begriff - Das- Fühlen- tritt in den hinterlassenen Tagebüchern Georg Kühlewinds immer wieder auf, und zwar als ein Begriff mit positiver Konnotation- so weit ich verstehe. Dieser Begriff steht bei ihm offenbar im Gegensatz zum Mich- Fühlen. Sich fühlend auf ein Anderes einzulassen, und dabei selbst emotional schweigen zu können, keine Resonanzen der Zustimmung oder Ablehnung, des ästhetischen Wohl- oder Missbehagens zu haben, ist allerdings ohne weiteres nicht möglich. In einer Wahrnehmungsmeditation - etwa gegenüber einem Naturgegenstand- wird das auf jeden Fall zum inneren Thema.

Aber es ist ein Problem des Schulungsweges insgesamt. Denn der Antrieb, so ein Unternehmen überhaupt zu starten, entspringt ja einem Gefühl, einer Sehnsucht- etwa nach Vollkommenheit. Vielleicht spielt auch ein Stich Dünkel mit hinein. Die Selbstbezüglichkeit wird einen in jedem Fall beschäftigen, denn ohne Klärung dieser emotionalen Untiefen wird man seiner Eitelkeit folgen, nicht aber objektiveren "geisteswissenschaftlichen" Motiven. Falls man die Spur aus Gründen einer weit verbreiteten Selbstverachtung folgt, der Empfindung, unvollkommen oder gar "sündig" zu sein, macht das die Sache keineswegs besser: Das Motiv bleibt im Bereich des "Mich-Fühlens". Man muss ganz sicher durch diese Phasen hindurch, in einem Gleichgewicht, das durch gute Erdung und Verankerung im Alltag und in der Verantwortung leichter zu finden oder zu halten ist.

Aber es gibt den Punkt, an dem tatsächlich eine innere Sicherheit, ein Ruhen notwendig wird; die innere Objektivität alleine macht es möglich, dass das Fühlen im Sinne des Das-Fühlens aufscheint. Es ist verblüffend, mit welcher Macht es wahrnehmbar wird. Es ist verbunden mit den Lebens- und Erkenntniskräften einer erweiterten Ebene unserer Wahrnehmung. Es erscheint, wenn wir das Mich- Fühlen eben für einen Augenblick zum Verstummen bringen können, das ständige verkrampfte Sich-Empfinden-Müssen. Der mächtige Strom nackter, klarer Gefühle ist ein Glück, in dem man sich auch fühlt, aber nicht in Selbstvergewisserung, sondern in Hingabe und Konzentration.

Kühlewind schreibt in "Licht und Leere" (S. 68):

"Ich suche nicht(s) - Suchen: Dualität. Führt zum Ort der Heilung. Man sieht von da das eigene Leben, wo man die Mission verlassen hat; ohne dass man das Nichts verliert. Aus Liebe geistige Forschung: die leere Aufmerksamkeit in die Richtung des Das-Fühlens (nicht formulierte Frage) zu bringen. Man erlebt am Anfang des Meditierens die Objekt-Sucht oder -Gier."
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