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Kunst

K20, Düsseldorf

Das Palazzo Regale ist, wie man an dem überdimensionalen Plakat sieht, das neben dem Eingang des Museums K20 in Düsseldorf steht, eines der Highlights der Landeshauptstadt. Es ist die letzte Arbeit von Joseph Beuys vor seinem Tod, und es handelt sich dabei, was sofort bemerkbar wird, wenn an ihn betritt, um einen sakralen Raum.
k20

In der Mitte, vor dem Betrachter, liegen in einer großen, gläsernen Vitrine Überreste, die mit Kopf und Fell und anderen Gegenständen nicht nur zu einer Figur werden. Sie haben auch alle autobiografische Bezüge:

"In der vorderen Vitrine ist ein Eisenguss des Kopfes aus der Arbeit Straßenbahnhaltestelle in Venedig aus dem Jahr 1976 zu finden, sowie ein Luchsmantel, gefüttert mit blauer Seide, den Beuys bei seiner Performance Titus Andronicus / Iphigenie (1969) im Rahmen der „experimenta 3“ in Frankfurt am Main trug; des Weiteren finden sich in dieser Vitrine zwei Konzertbecken sowie das Gehäuse eines Tritonshorns (s. a. Triton), das auch als Blasinstrument verwendet werden kann. Beuys benutzte die Schnecke als Signalhorn im Oktober 1971, um, nach einer Besetzung des Sekretariats der Düsseldorfer Kunstakademie, den Erfolg seines Kampfes gegen den Numerus clausus zu feiern." Wiki

Das Sakrale des Raums wird nicht zuletzt erzeugt durch die sieben Goldstaub- bedeckten Tafeln, die auf eigentümliche Weise angeordnet sind. Durch die "autobiografische" Vitrine schaut man auf die fünfte Tafel, vier liegen rechts, zwei links. Die fünfte bekommt durch diesen autobiografischen Blickwinkel etwas von einer Zeitangabe, einer bestimmten Stunde im Weltgeschehen, inszeniert wie die Mittsommerwende in Stonehenge („Die Verehrung der Sonne und des wiederkehrenden Lichtes geht auf Traditionen in prähistorischer Zeit zurück.[1] Die Sonne hatte essentielle Bedeutung für das irdische Überleben. Die Sommersonnenwende trug einen Aspekt des Todes und der Vergänglichkeit in sich. Dem gegenüber standen die längerwerdenden Tage nach der Wintersonnenwende, die Leben und Auferstehung verkörperten. Diese Wendepunkte schlugen sich entsprechend in Ritus und Mythologie nieder.Bemerkenswert ist, dass die Sonne im abendländischen Kulturkreis immer dem männlichen Prinzip zugeordnet ist, jedoch hier eine Ausnahme im germanischen Sprachraum besteht, welcher in der Sonne die Mutter sieht. Schon steinzeitliche Kultstätten wie Stonehenge erfassten diesen Zeitpunkt mittels der relativ leicht feststellbaren Auf- und Untergangspunkte der Sonne, die zu Winterbeginn etwa im Südosten bzw. Südwesten liegen. Auch die Himmelsscheibe von Nebra als wichtiger bronzezeitlicher Fund dokumentiert die Sonnenwende. Quelle)
Ich denke, Beuys verweist hier als Zeitangabe auf die fünfte nachatlantischen Zeitepoche nach Rudolf Steiner, die eben die Gegenwart markiert. Beuys beschreibt sich damit als jemand, der seine Zeit tatsächlich repräsentiert hat.

Aber er selbst ist, wie er mit der zweiten Vitrine andeutet, schon auf der großen Zeitenuhr weiter gewandert - eine Uhr übrigens, die gegenläufig zur ganz irdischen Orientierung gerichtet ist. Die zweite Vitrine beinhaltet "einen graugrünen Rucksack mit einem Filzkeil in der Seitentasche, drei elektrische Klammern mit Kupferdrähten, zwei große Nadeln, sowie zwei Spazierstöcke aus Kupfer, drei vertrocknete Scheiben Schinken und ein großes Stück Speck Quelle.“
Das ist alles Wegzehrung, die man gut gebrauchen kann auf diesem langen Weg von einer Zeit in eine andere. Natürlich verdichten und erweitern wir uns als geistiges Wesen unterschiedlich, abhängig vom "Milieu", in dem wir uns befinden. Momentan ist es eine leibliche Selbsterfahrung, in Geschlechter getrennt, was ständig Reibereien gibt. Wir verschmelzen zeitweilig tatsächlich in unserem Körper, der doch nur ein einziger Ausdruck unseres Wesens ist, und ziemlich ungenau geraten, was noch hinzu kommt, und auch nur vorübergehend intakt. Gut, wenn man, wie in der zweiten Vitrine, mit Kupferstab und Drähten gerüstet ist für eine non- sensuelle und nicht-leibliche Kommunikation. Und Filz, damit wir warm bleiben in einer nicht- räumlichen Existenz, denn die Wärme ist es, die uns trägt, die uns ausmacht. Alles andere liegt nur darüber.

Die scheinbare Asymmetrie der Vitrine - sie stellt aber auch das Gleichgewicht gegenüber der Last der vier golden- bronzenen Tafeln wieder her- deutet hin auf etwas wie eine Bewegung- auf etwas hin, was außerhalb der zeitlichen Achse liegt.

Mit einem Besuch würden Sie das Museum und sich selbst erfreuen.
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Beuys- Erinnerung am ehemaligen Vodafone- Hochhaus

Das Hochhaus in Düsseldorf, direkt am Rhein, mochten wir einmal als „Mannesmann“- Hochhaus. Vodafone, der Nachbesitzer, ließ es während der Internetaktien- Hype renovieren und ein rot leuchtendes, besitzergreifendes Namensschild oben drauf installieren. Nun ziehen die Telefonisten aus und beziehen einen riesigen Campus, tauschen den Blick auf den Rhein mit dem auf ein Autobahndreieck. Nun ja. Einst ist Beuys mit dem Einbaum hier in der Nähe von Oberkassel übergesetzt. Vielleicht daher dieser halb abgerissene, aber offenbar gut klebende Gruß:

beuysvoda
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Todesfuge

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