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Egoisten intern

Technisches

Leider haben durch technische Veränderungen Auswirkungen auch auf dieses kleine Blog. Durch notwendig gewordene Updates funktionieren einige Funktionen - wie die interne Suchmaschine- nicht länger. Das ist schade, weil auch das Unter- Blog Egoistenblog bei Google- Blogspot einbezogen war- ebenso wie abgelegte Dokumente auf dem Server. Solche Funktionen müssen einzeln implementiert werden und sind meist auch kostenpflichtig. Zusätzlich zu den laufenden, stetig steigenden Kosten des gemieteten Webspace kommen die Updates der Software und der einzelnen Plugins. Viel gravierender ist aber, dass die Implementierung des Sub- Blogs Egoistenblog, das ich zusammen mit Ingrid Haselberger moderiere, hier nun gar nicht mehr möglich ist. Das liegt nicht an Kosten, sondern an den gestiegenen Sicherheitsbedenken von Google. Google sieht inzwischen in einer solchen Implementierung ein Einfallstor für Hacker. Andererseits gibt es hinter den Kulissen technische Bedenken von Google, dass in einer solchen Implementierung eine mögliche Verfälschung von Suchmaschinen- Einträgen liegen könnte. Das ist zwar bei mir nicht der Fall, aber ich kann es einem Robot nicht erklären. Kurz: Die endgültige Trennung der Websites ist nun unausweichlich und hiermit vollzogen. Schade drum.
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Michael Eggert: Abschied von der Gesellschaft

Mitgliedersekretariat
Goetheanum
Postfach
4143 Dornach
Schweiz

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Vorstand,

da ich die meiste Zeit meines erwachsenen Lebens als aktives Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft gelebt habe, sehe ich nun, da die Zeit für einen Austritt gekommen ist, die Notwendigkeit, mich für meine inneren Zweifel zu rechtfertigen. Es gab für mich schon einmal eine längere Auszeit, die sehr ähnliche Gründe hatte, und ich bin zweifellos ein schwieriges, weil kritisches Mitglied gewesen. Die Anlässe, herum zu reisen, lokale Arbeitsgruppen zu leiten, öffentlich zu sprechen, Zweigen anzugehören, zu publizieren, sind mit der Zeit weniger geworden, und ich habe letztlich auch darauf verzichtet, Klassenmitglied zu werden. Dennoch darf ich für mich in Anspruch nehmen, ein aktives Mitglied gewesen zu sein und in Publikationen und im Internet ein kleines Stück anthroposophisches Gegenwartsleben zu repräsentieren.

Ich habe in den letzten Jahren die Trends innerhalb der Gesellschaft begleitet und verfolgt.. Dazu gehören als einschneidende äußere Geschehnisse sicherlich der Abschied von Walter Kugler und Sergej O. Prokofieff. Kugler und seine Mitarbeiterinnen waren für mich Repräsentanten einer kulturellen Öffnung der Gesellschaft in die Gegenwart hinein. Das war ein Impuls, den ich mit Interesse und Wärme verfolgt habe. Diese Hoffnung ist jäh gekappt worden. Ich kann nicht umhin, den vielleicht etwas theatralischen Rückzug von Herrn Prokofieff insofern in einem gewissen Zusammenhang zu sehen, als dieser zumindest den ungehemmten Zugriff der in meinen Augen sektierischen von-Halle-Kreise aufzuhalten versuchte. Ich habe die Stellungnahmen einzelner Leitungsmitglieder in der Öffentlichkeit verfolgt. Ich schätze einerseits den Versuch, ausgewogen, ausgleichend, moderierend zu reagieren. Aber mit dem Aufkommen einer Welle des für mich neu- theosophischen Okkultismus von stigmatisierten Wunderpredigern wird die Axt nicht nur an die viel beschworene Weihnachtstagung gelegt, sondern an die Abgrenzungen Rudolf Steiners von dergleichen durch die Gründung von 1912. Das heute wieder populäre, von Sponsoren, Opportunisten und gläubigen Anhängern getragene Visionieren ist in meinen Augen ein gründlicher Abgesang von den Intentionen Rudolf Steiners. Ich kann das michaelische und eigentlich- substantiell christliche Element in diesen Elementen schlichtweg nicht mehr erkennen- in der Entscheidung entweder für die aktivierte individuelle Imagination oder den Rückfall in atavistische Hellseherei a la „Zeitreisen“ liegt so viel begraben, dass für den, dem es ein intimes inneres Anliegen ist, darin nicht viel Zweifel liegen kann, wohin die Reise jeweils geht. Mag sein, dass das lediglich mein persönliches Verständnis davon betrifft, was Anthroposophie für die Entwicklung von Menschen heute bedeutet. Aber ebenso wie gegenüber rechtsradikalen oder antisemitischen Elementen hätte ich mir doch ein klares Statement der anthroposophischen Repräsentanten gegenüber diesem Populismus gewünscht, auch und gerade weil er grassiert und sich verbreitet. Das Verkommen zu einem Kult mit populistischen Führern wird zu einer realen Möglichkeit, aber natürlich wird die anthroposophische Bewegung mit derlei Variete- Nummern einfach auch dem Gespött preisgegeben.

Nun kommen derlei - für mich indiskutable- spirituelle Abwege nicht von Ungefähr. Sie stossen in einer anthroposophischen Gesellschaft dort auf Gehör, wo der Durst nach realer Geisterfahrung sich durch den Anspruch auf „michaelisches Denken“ und uneinnehmbare Positionierungen selbst aufhebt. Die Phrase und der Dünkel, der Pseudo- Okkultismus und die Arroganz gegenüber einem als materialistisch verachteten Zeitgeist, einer Kultur und Gegenwart sind seit 33 Jahren die Dinge gewesen, auf ich ich seelisch und geistig angestossen bin- schmerzhaft, zermürbend, persönlich deprimierend. Trotz aller Anläufe komme ich darüber nicht hinweg. Es war eine permanente Mauer, an der ich mich als Suchender und als Mitglied wieder und wieder wund stieß. Ich erlebe dieses Problem immer wieder aufs Neue, heute aktuell auch in großen anthroposophischen Diskussionsforen in den USA.

Es hat vielleicht wirklich lange gedauert und hat zahlloser Anläufe bedurft, um endlich zu erkennen, dass die anthroposophische Gesellschaft für mich nicht der richtige Ort sein kann, dass ich Rudolf Steiner zwar als einen zentralen Bezugspunkt in meinem Leben sehe, aber die Art, wie ich seinem Werk begegne, dem, wie es in der organisierten Anthroposophie gelebt und gewünscht wird, nicht entsprechen und keinen Platz darin finden kann.

Daher bitte ich meine Mitgliedschaft nun endgültig als beendet zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Eggert
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Besinnung und Neuorientierung

Die Egoisten ziehen sich nach weit über zehn Jahren dauernden Diskurses zum Teil zurück. Daher sind die meisten Beiträge dieser Jahre - auch frühere Beiträge aus Zeitschriften und Vorträgen- nicht mehr im aktuellen Verzeichnis des Blogs verfügbar. Die Gastautoren bitte ich um Verzeihung, dass auch eine Reihe von Beiträgen damit verschwinden. Falls hier und da tote Links erscheinen sollten, bitte ich ebenfalls um Verständnis. Ein Neustart ist nicht ausgeschlossen, aber das möchte ich mir offen halten.
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Abschied von Hans-Peter Dieckmann

Es wird einsamer bei den Egoisten. Einer unserer langjährigen Autoren, Hans-Peter Dieckmann, ist am 6. Januar verstorben. Seine Aufsätze, die sich vor allem mit dem Thema anthroposophische Meditation beschäftigten, können auf einer für ihn eingerichteten persönlichen Seite gelesen werden. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit, die er auch auf einer eigenen Website und in zahlreichen Seminaren, die er gab, zum Ausdruck brachte, war sein Interesse für den west- östlichen Grenzgänger Sri Aurobindo. Hans-Peter war vor allem 2009 und 2010 aktiver Autor bei den Egoisten; er legte dabei gern längere Pausen ein, weil, wie er schrieb: „Ich möchte kein Internet-Mensch sein.“ Als er sich 2011 immer noch nicht gemeldet hatte, schrieb ich ihn an und erfuhr von seiner gerade ausgebrochenen schweren Erkrankung. Diese war im September 2010 entdeckt worden. Er war willens, sich einer gefahrvollen und radikalen Chemo- Therapie und weiteren Behandlungen zu unterwerfen, denn es gab keine Alternative: „Die Folge wäre mein Tod. Ohne Behandlung hätte ich nur noch ungefähr ein halbes Jahr zu leben.“ Seine Beanspruchung war zu groß, um weiter Artikel schreiben zu können, aber er hoffte: „Aber später, so hoffe ich, kommt wieder mal ein Artikel von mir, dann wohl so ab Januar 2012.“ Am Anfang der Behandlung schlug sich Hans-Peter herum mit Fragen nach persönlicher Schuld, aber auch mit den ihm verbleibenden Perspektiven, aber er wusste auch in den schwersten Momenten: „Durch mein Meditieren gewinne ich immer wieder Aufbauendes, mit meinem Lösen.“

Die Perspektive der gemeinsamen Arbeit blieb ihm wichtig: „Dabei lag und liegt mir an den Egoisten: an der Aufklärung zum Beispiel zu Benesch und zum Nationalsozialismus überhaupt sowie zu Scaligero; an den vielen Beiträgen zur Meditation aus eigenem Erleben und u.a. mit positiven Bezügen auf Kühlewind, den meditativen Scaligero und zu buddhistischen Elementen: wo im Internet wird sonst so offen über eigene spirituelle Erfahrungen berichtet, obwohl das ganz gewiss dran ist?; aber mir lag und liegt auch an Deinen Geschichten aus dem Leben wie jetzt “Radiologische Mysterien“ und an Deiner Folge “Karls Jahr“; selbstverständlich vieles davon als im Prozess verstanden, ja teils als Versuch und damit entwicklungsfähig, individuell, aber zugleich bei einer klaren Wertschätzung von Steiners geisteswissenschaftlicher Methodik als Grundrüstzeug – und was mir noch sehr wichtig ist: bei einem freien Geistesleben: Wolfgang Garvelmann etwa konnte und kann sich ausführlich für Judith von Halle einsetzen, während Du sie recht kritisch behandelst. Für mich war es außerdem reizvoll, auf meine Artikel ein vielfältiges Feedback zu erhalten und ich freue mich, dass sie inzwischen sogar verstärkt gelesen werden.“ Aber trotz dieser Bindungen und Bezüge, trotz der meditativen Arbeit, die er immer und immer intensiver fortführte, trotz der engen familiären und freundschaftlichen Bindungen, gab es auch für ihn diese bodenlose Augenblicke: „.. allerdings habe ich dunkle Tiefen erlebt: die erste Krebsnachricht traf mich so heftig, dass ich das Krankenhaus wie ein Toter unter Lebenden verließ.“ Durch seine meditative Arbeit konnte er sich immer wieder neu diesen emotionalen Tiefen entziehen: „Dass ich einen Boden in mir aufrechterhalten und neu bauen konnte und kann, verdanke ich – wie erwähnt - stark meinem Meditieren: in der Tat im Stehen vor der geistigen Welt, wahrhaftig, so gut mir das jeweils gelingt und deshalb in gewisser Weise wirklich freier als im Alltag, denn so bin ich auch mehr aus meinem Eigentlichen orientiert. Ich schaffe oder empfange dann besser Einsichten und helfende Imaginationen, zu einem Meditationsthema oder in innerer Stille.“

Im August letzten Jahres wurde klar, dass es - trotz der hochdosierten Chemotherapie nicht einfach werden würde: „..durch die zwei neuen Chemos ist mein Krebs zwar deutlich zurückgegangen, aber nicht weit genug. Es steuert also auf die Transplantation von fremden Stammzellen zu.“
Hans-Peters Naturell war trotz der immer wieder erfolgenden Rückschläge so positiv gestimmt, wie unter diesen Umständen nur möglich, denn so war er einfach und so fühlte er sich auch selbst: „Doch trotz der Chemos, was Du als Frische und Zukunftsorientiertheit meiner letzten Mail erfährst, fällt mir meistens eher leicht: es entspricht mir einfach und wird ja obendrein von mir besonders meditativ bestärkt. Du musst Dir meine positive Gestimmtheit nur eben im Zusammenhang mit anderen Stimmungen im Hinter- und ab und zu auch im Vordergrund vorstellen.“ Spirituell bemühte er sich, die Rosenkreuz- Meditation Rudolf Steiners zu praktizieren, in der er erlebte, dass dabei ein schützender Raum gebildet wurde. Das „Erfühlen des Übersinnlichen“ und lebhafte Imaginationen wurden ihm ein stetiger Begleiter. Trotz deutlicher Erfolge in den ständigen therapeutischen Maßnahmen gab es deutliche Rückschläge, auch nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus. Er hielt an vielen Initiativen fest, die er 2012 beginnen wollte und wünschte auch, einiges an Persönlichem zu klären. Dazu ist es nicht mehr gekommen.
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Die Egoisten: Ich bin ein Berliner

Bei einem Blick in die Nutzer- Statistiken dieser Webseite zeigt sich, dass zwar Besucher aus aller Welt auf dieses Blog zugreifen, vor allem aber solche aus dem deutschsprachigen Raum (das ist keine Überraschung), und dort mit Abstand solche aus der Hauptstadt Berlin. Von dort stammen fast 8% aller Besucher, was vielleicht ein Hinweis darauf ist, dass selbständige und in den Formulierungen offenherzige Blogs vor allem in den Metropolen, nicht aber in der Provinz gut ankommen.
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Hier nun die „Hitparade“ der egoistischen Städte: 1. Berlin, 2. Stuttgart, 3. München, 4. Wien, 5. Hamburg, 6. Zürich, 7. Frankfurt, 8. Kiel, 9. Hannover, 10. Mannheim, 11. Köln, 12. Duisburg, 13. Dortmund, 14. Nürnberg, 15. Bochum, 16. Essen, 17. Düsseldorf, 18. Rostock, 19. Basel, 20. Freiburg im Breisgau, 21. Bonn, 22. Dresden, 23. Bern, 24. Karlsruhe, 25. Schwerin.
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Generationsvertrag

Das geht so seit Jahren: Wenn die Arbeit gut läuft, sind meine Partner im Team mindestens 20 Jahre jünger- wenn möglich mehr. Es hat übrigens überhaupt nichts mit eingebildeter Dominanz zu tun oder anderen verqueren Emotionen meinerseits. Ich sehe es so an, dass die nächste Generation das, worum ich so hart gekämpft habe, einfach zur Verfügung hat: Effizienz, Hören auf Zwischentöne, Sich-zurück-nehmen-Können. „Flow“ in der Kooperation, im Team, in der kurzen Verständigung haben zu können- es miteinander zu teilen, ohne dass irgend ein Gewese darum gemacht würde.

Meine Generation ist meistens schwierig, mich selbst inbegriffen. Ich habe Eisen, Steine, Eiterbeulen fressen müssen, bis ich über meine Eigenheiten halbwegs hinweg kam. Zu wissen: Wenn man nichts ist, ist man ganz präsent. Meine Generation ernennt eine Kommission und tagt, lange und teilweise inquisitorisch, rechthaberisch und eigensinnig. Der gemeinsame Nenner, der dabei heraus kommt, nützt niemandem, aber alle fühlen sich düpiert. Überall werden die Grenzen des individuellen Status Quo berührt. Diese Grenzen werden wortreich begründet, ideologisch untermauert und verteidigt. Jeder hat vollkommen recht. Es ist ein anstrengender Haufen. Eigentlich steht man in einem leicht giftig- galligen Becken, in dem die guten Absichten Aller schwimmen, aber das Wasser ist ohne jeden Sauerstoff.
Mit den Jungen kann man schweigen. Gerede ist wenig geschätzt, auch nicht das private. Dafür hat man Facebook und eine gute Freundin.

Ich habe lange Anlauf genommen, um endlich ohne Ambition und Groll zu sein. Es war das Schwerste, was ich in Angriff genommen habe. Du wirst vielleicht sagen, dass das keine besondere Leistung sei, und das ist richtig. Ich fühle es dennoch so, als sei mir in langen Anstrengungen eine getrübte Glaslinse poliert worden.

Ich kündige meine Generation.
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