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Die Welle, die bricht

Wenn hier im Blog die Rede von Chakra- Arbeit ist, dann verstehe ich darunter eine Kontinuität in gedanklicher Arbeit, in Fokussierungsübungen und in immer wieder - über Jahrzehnte - verfolgter Teilnahme an der Menschenweihehandlung. Persönlich war für mich die konzentrierte Arbeitshaltung etwas, was praktisch von Kinderzeit an in Fleisch und Blut übergegangen war, weil ich durch eine Aufmerksamkeitsstörung im Sinne eines ADS behindert war. Das forderte den Willen früh heraus, als faktisch existentielle Herausforderung. Das innere emotionale Chaos, die blank liegende Gefühlsebene, aber auch die Zeitumstände führten früh zu einer spirituellen Suche, die mit Zen und Sri Aurobindo, aber auch mit Timothy Leary begann. Das Erleben der Aktivität des Stirn- Chakras war eine Selbstverständlichkeit, aber es blieb das Problem, dies zu einer kontinuierlichen Erfahrung zu machen, trotz der andauernden, vor allem anthroposophischen Arbeitspraxis. Dagegen sprachen emotionale Auf und Abs, familiäre und berufliche Herausforderungen und eine im Laufe der Jahre kränkelnde Konstitution. Hinderlich waren auch Ernährungsgewohnheiten - vor allem der Konsum von Alkohol und Zucker -, die übliche Ego- Fixierung gerade als „spiritueller Mensch“ und die Subsumierung aller Kräfte durch die Anforderungen, den Alltag zu bestehen. Die Vertiefung konnte nur durch eine umfassende Krise gelingen, durch den Nullpunkt, in dem die Spiegelbilder zerschellen. Das ist einfach der Fels, an dem die selbstbezogene Welle bricht. Vorher sind die noch so spirituellen Bemühungen nicht frei von Selbstliebe.

Danach erst, nach dem sich selbst Aufrichten, gewinnt das seelische Meer zumindest überwiegend die Stille, die bis zum existentiellen Grund vordringt. Nun erst kann der Stier sich in seiner Reinheit erheben, die Marskräfte des reinen Wortes im Kehlkopf erweckend. Nun erst dringt die Reinheit des Willens in die Sonnenregion des Brustraums. Die großen Empfindungen, jenseits aller Selbstfühligkeit, klingen in der Seele auf. Die spirituelle Arbeit hat nichts Aufgesetztes, sondern erscheint als Kraft, die eine Kontinuität des klaren Denkens darstellt. Es beginnt ein tiefes Vertrauen darin, dass die weitere Entwicklung einem inneren Curriculum folgt und folgen wird. Wer einmal die Lebenskraft des Geistes gespürt hat, dem wird sie sich entfalten, auch über dieses Leben hinweg. „Rudolf Steiner betonte in Hinblick auf das Michael- Fest die Notwendigkeit, dass ein tragendes Vertrauen zu den Gedanken des Geistigen in erster Linie entwickelt werden müsse- ein wirkliches Erleben des Geistigen an Ideen, an „bloßen Gedanken“. Die klaren Ideen des Menschen- und nicht eine diffuse, übersinnliche Wahrnehmungswelt im Sinne verzerrter Esoterik- müssen verstärkt und als solche in ihrer Lebenskraft erfahren werden; der Mensch müsse die Fähigkeit entwickeln, von den Gedanken über das Geistige so erfasst zu werden wie durch physische Gegebenheiten; Ideelles muss in seiner Geistrealität, Lebens- und Wirkungskraft in den Bereich der menschlichen Erfahrung treten.“

Peter Selg, Der Wille zur Zukunft, Arlesheim 2011, S. 70
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