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Requiem auf Berlusconi

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Irgendwo zwischen den Schweineohren, den Offiziersorden und den Abfalltüten gibt es auch eine Schublade in diesem Haus des Gedächtnisses, in der Berlusconi für die Ewigkeit und einen Tag aufbewahrt wird.

Es gibt ihn in allen möglichen Verpuppungen, die meisten davon aus Wachs, aber auch einige in Gold oder bunt angemaltem Blech. Er, der so auftrat, als stünde er in der dreissigsten Generation nach Klingsor, gehörte zu denen, die immer gewannen, außer in der einen Sache, auf die es ankommt. Das Gewinnen ist ihnen auf die Bahre gelegt, und es ist aus den Puppengesichtern auch nicht zu entfernen. Das Gewinnen ist ein Fluch so wie auch das Nicht- Vergessenkönnen. Es ist furchtbar, sich mit dem Schrott dieser Erde unentwegt füllen zu müssen, ohne dass je ein Ende abzusehen wäre. Es ist wie eine schwarze Sonne, die alle Kometen ohne Widerspruch in sich hinein saugt.

Die Brüder der Loge Progaganda Due stehen Spalier, wenn die riesigen Berlusconi- Puppen vorbei ziehen, eine Kette bis an den Rand der Milchstrasse. Der Erfolg hat sie anschwellen lassen, ihre Haare sind synthetisch, und sie tragen den Stolz auf sich selbst vor sich her wie eine Monstranz (lat: monstrare: „zeigen“). Es ist ein Rätsel, wie sie alle in die Schublade passen sollen, aber das ist gar kein Problem. Sind sie einmal im Dunkel ihrer Tiefe verschwunden, scheinen sie zu schrumpfen, ja, sie werden geradezu winzig. Wenn die Schublade geschlossen ist, stellen sie nicht viel mehr dar als vertrocknete Mehlwürmer auf dem hölzernen Boden.

Berlusconi ist wie Alice im Wunderland, nur umgekehrt: Die Geschichte beginnt, wenn er seinem Loch entsteigt. Aber nun, nun endlich, ist er zu einem Mehlwurm der Geschichte geworden.
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