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Sep 2013

Adam Michaelis: Existence or spectatorship

In diesem Artikel geht Adam Michaelis auf Aspekte von Judith von Halles Buch „Die Templer“ ein. In diesem ersten von zwei geplanten Bänden zum Thema stehen, wie in diesem Blog gerade an anderer Stelle beschrieben wurde, bestimmte Initiationen im Mittelpunkt, die den esoterischen Kern des Ritterordens ausgemacht haben sollen, von denen es aber keine dokumentarischen Nachweise gibt. Genau diese mehr als problematische Quellenlage ist einer der Kritikpunkte von Michaelis. Selbst wenn man annimmt, dass ihre „Schauungen“ in diesem intimen Punkt korrekt sein sollten, erscheint es ihm doch fraglich, ob das Referieren des Erlebens eines derartig persönlichen Geschehens für Leser Relevanz haben kann, ja ob der bloße Bericht von etwas, was mit Menschsein und Menschwerdung in einer Einweihung zusammen hängt, überhaupt legitim ist- oder mehr sensationelle Effekte bei den Lesern und Hörern hervor rufen mag:

But this is not the most problematic aspect of her course of action – moving from the subjective objectivity of another soul’s individual experience of initiation to her own “objective channel” and then presenting this as a valid and legitimate description in public without having any karmic recollection of it herself. You can certainly raise the question of the legitimacy and appropriateness of this procedure and deliberate if there is any resulting damage from it. Should there be any distortion at all in the description caused by any of the above sources of error, then these questions are immediately answered, since this was after all a secret ritual of initiation reserved for the worthy and prepared in a holy Christian order and not a public matter in the first place. Judith von Halle is by all means an unauthorized intruder if this is not part of her own karma, and her whole procedure verges on voyeurism and sensationalism.“

Anhand der Schilderung einer eigenen früheren geistigen Erfahrung versucht Michaelis zu verdeutlichen, welch eine aufwühlende, existentielle Erfahrung solche Initiationen gerade dann sein müssen, wenn sie Charakteristika - „Wasserzeichen“ - aus der Templer- Tradition besitzen: „Therefore we find ourselves now prompted to comment on what is presented in public as a true description of this spiritual tradition. Because, this was a Christian spiritual discipline and training first and foremost based on existential presence. Spiritual reality here and now in yourself. The collective implications of the present time. It moved from the subjective to the objective to the objectivity of Christ – but always in existential reality and not through spectatorship. This is the spiritual watermark of the Templar tradition.“

Vor allem aber - so Michaelis - haben derartige Erfahrungen tief greifende Einwirkungen auf die darin involvierten Menschen gehabt, sind aber heute nichts als eine leere Hülle, da wir in vieler Hinsicht in anderen Zeiten leben und andere Menschen sind: „Any soul having once been initiated more deeply into the spiritual fabric of the historic Templar order will carry this imprint with it in the layers of progressive karma. The initiation ritual, that was appropriate and useful then for those who participated in it, is today only an empty historic form. The living spiritual tradition and the progressive karma have moved on to our present times.“

Eine heutige Initiation findet im eigenen Inneren - potentiell- jedes Individuums statt, aber erst nach einem klärenden, sich mit sich selbst konfrontierenden Prozess:
„So the modern Templar initiation has nothing to do with historic rituals except for this inner continuity. It is mediated and arranged quite differently – directly, individually and from within. And it works in another way on the confrontation with evil.“

Daher ist Adam Michaelis in Sorge, dass gerade Menschen mit einem tatsächlichen inneren Bezug zu dieser Templer- Tradition von der Darstellung von Halles fasziniert und bezaubert seine könnten: „And the grave problem is, that due to the outer resemblance of some elements in her description with the original ritual and the mutual ideogram, many people with a real and existential meaningful Templar karma could probably be attracted to Judith von Halle as a “specialist” with “esoteric knowledge” on this tradition – and even more so, if they are relatively young and spiritually inexperienced – not realizing, that Judith von Halle and her nostalgic spirituality represents nothing but a spectatorship with no inner authority on the subject.“

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Zum ganzen Aufsatz von Adam Michaelis
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Michaelisches Gestalten und Wirken

Auf den Spuren Michaels gibt es keine gefühlige, sensationelle oder nur intellektuelle Zerrform, keine "Esoterik" im Sinne des zeitgenössischen Verständnisses, sondern stets etwas, was man nur was essentiell und wesenhaft erlebt, im Sinne einer höheren Vernunft, einer Rationalität, die in sich und sich heraus moralisch ist; einer Intelligenz, die praktikabel wird. Der Beginn kann nur im kraftvollen Denken liegen, da an diesem Punkt die höchst entwickelte Autonomie des Individuums vorliegt. Es gibt allerdings in dieser Hinsicht, wenn man tatsächlich den eigenen Denkmeditationen geduldig nachgeht, viele Phasen und Aspekte der eigenen Korruption des Denkens, durch die man durchgeht, da wir es gewöhnt sind, passiv aufzufassen. Man muss die ablenkenden, bedürftigen, aber auch die sich elitär abgrenzenden Elemente, die dem Nur- Seelischen, den Selbstbildern, dem Haftenden, dem Anerzogenen, den genetischen Problemfeldern entspringen, im Sinne einer allmählichen Klärung ablegen, um in absolut reiner Konzentration Sein zu erfahren.

Man ist es nicht gewöhnt, ohne an irgend etwas anzustoßen, ohne Inhalte, ohne Spur, rein aus sich selbst heraus bewusst zu sein. Normalerweise schläft man in einem solchen Zustand ein. Eine der schwierigeren Übung in dieser Willensschulung (und aus dieser besteht natürlich real praktizierte Anthroposophie) ist das Haften (im buddhistischen Sinne) an irgendwelchen sensorischen und körperlichen Rückmeldungen. Wenn man an dem Punkt ankommt, sich davon situativ lösen zu können, ist das Seelisch- Bedürftige bereits zu guten Teilen geklärt, beruhigt, transparent- zumindest in der meditativen Situation. Aber der michaelische Mut besteht dann darin, über die Körperrückmeldungen hinaus weiter zu gehen, den Willen nochmals zu verstärken, um die Absolutheit des willentlichen Aus- Sich- Selbst- heraus- Existierens weiter und weiter zu führen. Es gibt da kein Ende, nur immer weitere überraschende Tiefen, da sich das Bewusstsein immer noch einen Schritt dafür erweitert. In der Tiefe dieser Stille gibt es kein Ende.

Wir gehen in die absolute - zeitlose - Essenz hinein, der sich an diesem Punkt mächtig anbrandende Kräfte und Bilder offenbaren können. Es gibt Neigungen und Schulungselemente in dieser Region, die nicht anders erklärbar sind als aus früheren Mysterien stammend. Man erlebt für sich „Typisches“; man ist hier nicht zum ersten Mal; es ist aus vielen Gründen vertrautes Gebiet. Man hat hier und da Winke und Hinweise bekommen, Angebote zur Schulung und zur Unterweisung. Vieles war nett, manches anregend, aber letztlich blieb immer ein Rest im Inneren unbefriedigt. Das war es nicht. Es ist nicht lehrbar. Man muss seinen eigenen Schlüssel finden, seine eigene Art des Zugangs. Letztlich ist dies, wenn es dann einmal erschlossen ist, die Existenzform, in der wir in viel mächtigerer und umfassenderer Art zwischen den körperlichen Inkarnationen leben- wir alle. Man ist, von Michael nicht gewiesen, aber angenommen, in der Realität des Menschseins angekommen, das sich in vielen Formen und Gestalten offenbart, aber doch einer individuellen, in seiner Essenz gleichen Form- und Zeitlosigkeit entspringt. Die einzelne körperliche Existenz ist eine jeweilige Ausdrucksform dieses reinen Seins- eine Form, in der wir uns "Wort" sind, Geschaffenes, in der das Schaffen, der reine, zeitlose Wille, sich verliert, ja sich sogar selbst vergisst.

Der michaelische Wille ist, dass wir uns nicht nur erinnern, sondern als Wesen realisieren- im Körper, aber tatsächlich erschaffend. Das ist zugleich das Überwinden des "Haftenden" im buddhistischen Sinn. Aber natürlich wollen wir nicht in dieser Sphäre verbleiben, sondern aus ihr heraus wirken. Michael sucht keine individuelle Erlösung von den Lasten, sondern die Freude am Tun, am Mitgestalten. Das ist es, worin Michael das Antlitz Christi darstellt - Christus, der erdzugewandt, erlösend wirken will.

Der reine, erlöste Wille, in der wir aus unserer Essenz schaffend sind, findet sich selbst, aber findet sich selbst auch auch im Willen Michaels und Christi. Der reine Wille des schaffenden Seins, das Individuum, das aus sich selbst heraus, ohne an irgend etwas anzustoßen, lebt, ist in diesem Sinne erfüllt und von den Göttern angeschaut. Daher wird der Wille in dieser Reinheit strahlend, schaffend, wesenhaft:

"Was er aber heute noch nicht hat, das wird ihm die Zukunft bringen: Sein Wille wird immer mächtiger werden, bis er sein großes Ziel erreicht haben wird, welches man in der Geisteswissenschaft das große Opfer nennt. Dieses besteht in jener Macht des Willens, wo das Wesen, das da will, imstande ist, sich ganz hinzugeben, nicht nur das Wenige hinzugeben, was der Mensch mit seinen schwachen Gefühls- und Willensmächten hinzugeben vermag, sondern das ganze Sein hinzugeben, als eine bis ins Stoffliche hineingehende Wesenheit sich ausfließen zu lassen."
(Rudolf Steiner, GA 96, S. 209)
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Nogaret und die Vernichtung der Templer

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Krück von Poturzyn hatte schon in einem 1963 im Verlag Freies Geistesleben erschienen Buches („Der Prozess gegen die Templer“), auf die Persönlichkeit Nogarets aufmerksam gemacht, der hoch gebildete, als Vorgriff auf spätere Jahrhunderte gefürchtete Jurist Philipps IV. („des Schönen“), der selbst ermordeten Katharereltern entstammte, und in seinem durchdringenden Hass auch gern persönlich folterte, mordete und intrigierte. Man darf vermuten, dass diese hoch gebildeten Mitarbeiter Philipps, mit denen er dem französischen Staat, seinen Finanzen, juristischen und bildungspolitischen Institutionen Formen gab, die als Modell für „Staatsapparate“ schlechthin bis in die neueste Zeitgeschichte erhielten blieben, eine ähnliche Verfrühung in die kulturelle Entwicklung brachten wie 700 Jahre zuvor die Akademie von Gondishapur. Nogaret war bereits vor der damals einmaligen konzertierten Aktion zur Vernichtung des Templerordens von Anfang an für Philipps Machenschaften prädestiniert:

Zu Papst Bonifaz wurde schließlich der ehemalige Professor der Rechtskunde, Wilhelm Nogaret, geschickt, weil der Papst in demselben Dom zu Anagni, wo einst Friedrich Barbarossa und der Zweite Friedrich gebannt worden waren, den französischen König absetzen und den Franzosen einen Deutschen zum König geben wollte. Nogaret war ein seltsamer Mensch, der Sohn von Katharer- Eltern, ein hagerer Mann mit kühnem, furchterregendem Gesicht; dem fanatischen Eifer um seinen König schien ein abgrundtiefer Kirchenhass zugrunde zu liegen. Nogaret drang in des Papstes Schlafzimmer ein, misshandelte den alten Mann, setzte ihn gefangen, soll ihn außerdem beraubt haben und nannte die Tat höhnisch „die Erledigung eines Geschäftes Christi“. Es blieb kein Geheimnis, dass der 84jährige Bonifaz an den Folgen dieses Attentats starb, auch hieß es, dass seinem wesentlich milderen Nachfolger, der nach siebenmonatiger Amtszeit erlag, auf Nogarets Anstiften vergiftete Feigen serviert worden seien. Trotz allem prozessierte Philipp noch acht weitere Jahre gegen den toten Bonifaz.“ (Poturzyn, S. 16)

Philipp war neben seinen staatsmännischen Fähigkeiten, seinen mörderischen Intentionen, seiner Goldgier und seinem visionären Weitblick im privaten Umfeld aus seinem „Gottesgnadentum“ (sein Selbstbild) heraus auch magisch tätig; so heilte er „kranke Drüsen durch Auflegen der Hand.“ (dito) Philipp und sein Staatsapparat waren auch als erste in der Lage, Kampagnen (etwa um Gerüchte gegen die Templer in die Welt zu setzen) im Sinne eines Pressebüros zu unterhalten und damit gezielt Interessen durch Manipulation der Meinungsbildung durchzusetzen: „Philipp begünstigte lediglich die Pamphletisten, die das schreiben mussten, was unters Volk kommen sollte.“ (Poturzyn, S. 17). Philipp unterhielt einen Public- Relations- Manager, Dubois, der zum richtigen Zeitpunkte zu seinen Einsätzen kam: „Pierre Dubois und wer immer von den Schreibern zu Gebote stand- die meisten allerdings hielten zu den Templern-, mussten durch Flugblätter Gerüchte verbreiten, im Laufe der Zeit würden sich Gläubige finden. Im königstreuen Kloster Saint-Denis hieß es bereits, die Templer, kraft ihrer Gelübde zur Keuschheit verpflichtet, würden Kinder verbrennen, die zu ihrer Schande geboren waren und danach die Asche in ihre Getränke mischen. Mochten sie schwätzen, was immer ihnen einfiel, man würde alles sammeln, aufschreiben und verbreiten lassen, denn Philipp war der König, der etwas wie ein Pressebüro erfand, bevor es eine Presse gab, und dessen rüstigste Feder führte Pierre Dubois, der Advokat.“ (Poturzyn, S. 35f)
Da die Päpste Philipps weit gesteckten Zielen, einen Nationalstaat, ja einen „übernationalen Staatenbund katholischer Fürsten unter dem Vorsitz des Königs von Frankreich“ (Poturzyn, S. 18) zu begründen, widerstanden, setzte er einfach selbst einen, der ihm genehm war, ein: Den schwachen, aber ehrgeizigen Bertrand de Got. Unter den Bedingungen, die Philipp diesem vor Amtseinsetzung abverlangte, war eine sechste, die zunächst nicht formuliert war: Dies war die von Anfang an bestehende Absicht Philipps, den Templerorden zu zerstören.

Hier kam nun wieder Nogaret zum Einsatz, von dem es „hieß, er hege persönlichen Groll gegen den Orden, weil sein Vater einst von ihm abgewiesen worden sei.“ (Poturzyn, S. 36) Nogaret fand einen von den Templern verjagten Mörder (an einem Ordensoberen) und Denunzianten, der von Philipp begnadigt werden würde, wenn er angebliche Gräuel der Templer gestand. Es war ein Insider nötig, um bestimmte Aspekte der Einweihungsrituale der Templer so zu deformieren, dass nicht nur Anklagepunkte daraus gemacht werden konnten, sondern auch die Absicht Philipps, die Initiation selbst zu missbrauchen, möglich wurde. Philipp instruierte den Inquisitor von Paris, Wilhelm von Paris, verschwiegen weitere solcher Denunziationen zu sammeln. Die eigentliche siebenwöchige Verhaftungswelle rollte am 24. August 1307 an. Am 13. September wehrte sich der Erzbischof von Narbonne, Gilles Aicelin, den Befehl umzusetzen, und wurde prompt abgesetzt und durch Nogaret ersetzt. „Nogaret selbst, der bei Fackelschein im Namen des Königs mit einem starken Kontingent Fußsoldaten im Pimple begehrte, verhaftete Molay.“ (Poturzyn, S. 54) Die ganze konzertierte Aktion mit ihren propagandistischen Begleitumständen, den Schauprozessen, der elenden Folter, usw. zeigt auch, dass Philipp nicht nur als weitsichtiger, geradezu inspirierter Staatsmann handelte, sondern den Staatsterror stalinistischer und nationalsozialistischer Machart 700 Jahre vorher in großem Maßstab vorwegnahm. Der gelernte Jurist Nogaret war eine dieser dunklen Gestalten, die den Diktatoren stets bereit stehen.

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Die Spur von Nogaret kann durch eine online verfügbare Biografie vertieft werden, auch wenn diese aus dem Jahr 1897 stammt und eindeutig Stellung gegen die Templer bezieht. Ansonsten habe ich begonnen, historische Dokumente und Bilder von den Templern, aber auch Schriftstücke Philipps auf einer Pinterest- Seite zu sammeln, die bei Bedarf und Gelegenheit erweitert werden wird.

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Elsbeth Weymann: Michaeli und die Waffenrüstung Christi

.. Beschlossen wird dies Bild eines „Lichtrüstung-Streiters" noch durch drei Aufrufe: Den Augenblick, den Kairos, zu ergreifen im aktiven Beten, in sich wachend zu sein, wie ein Hirte bei seiner Herde, in ausdauernder Treue gegenüber der geistigen Welt zu leben.

Die Darstellung dieser „Waffenrüstung Christi" mündet in das Bild eines „Helm des Heils" für den Kopf und das „Schwert des Geistes, das Wort Gottes" für die rechte Hand. Sprechend ist, dass vor allem der Kopf und mit ihm das Denken des besonderen Schutzes bedürfen. „Feurige Pfeile" gilt es in ihrer Qualität zu unterscheiden: - sind sie gut oder böse? Feuer und Licht - oder Feuer und Verführung - oder Feuer und Vernichtung tragend? Für diese immer aktuellen Fragen gibt das "Schwert des Geistes, das das Wort Gottes ist" im Zusammenklang mit allem bisher Angesprochenen eine Grundrichtung.

Machaira, das Wort für Schwert, meint nicht nur den Gegenstand, sondern bedeutet ebenso: „Unterscheidungskraft". Dieses Richtmaß der „Unterscheidungskraft, die das Wort Gottes ist", kann vom hierfür erwachenden Menschen aufgenommen werden. Wie es im Epheserbrief an anderer Stelle heißt:

"Wach auf du Schläfer
und steh auf von den Toten
und Christus wird dein Licht sein
" (Eph. 5,4)

So kann diese Textstelle des Kämpfers, der erwachend, gnadevoll empfangend und auch selber tätig ist, ein Bild für unsere heutige Michaelszeit sein.
Denn gegen die „Allherrscher der Finsternis", die allgegenwärtig im Umkreis des Menschen und ebenso in seinem Innern leben und Macht haben, muss in jedem Augenblick diese Licht- Rüstung neu errungen werden.

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Zur Übersetzung und dem ganzen Text von Elsbeth Weymann
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Michael Eggert: Das ägyptische Ka- Mysterium

Das Rätsel um die Darstellung eines Doppelgängerwesens auf ägyptischen Schöpfungsdarstellungen wie im vorliegenden Bildbeispiel der Verlebendigung von Hatschepsut durch Heket besteht seit langer Zeit. Im Bild reicht Heket das Anch- Zeichen, was das Leben- Spendende bedeutet; d.h. das doppelte Wesen erhält mit diesem Schöpfungsakt erst den Lebensleib. Letzterer kann in der Doppelheit also nicht gemeint sein. Das zweifache Kind steht auf einer Töpferscheibe und wird vom Widder- artigen Chnum in seiner physischen Natur geschaffen; von Chnum heißt es: Er formt den Leib, bevor dieser in den Schoß der Mutter eingeht. Es fällt aber auf, dass in dieser Art von Schöpfungsdarstellungen eine der Gestalten ungeschlechtlich ist.
ka

Daher nimmt Max Hoffmeister in seiner Darstellung* an: Die ungeschlechtlich dargestellte Figur auf der Töpferscheibe „muss nämlich der Ka sein, kann nur der Ka sein, weil er sich als Geistkeim des physischen Leibes bei der Konzeption nur der Mutter zugesellt.“ (S. 163) Um die Darstellung zu ergänzen, sei der Ba genannt, der mit dem seelischen Leib des Menschen zusammen hängt, und, zwischen Ka und Ba, der Ach, den Hoffmeister mit dem Lebensleib verbindet. Letztere tauchen in den Darstellungen des abgebildeten Schöpfungsakts noch nicht auf. Hatschesput regierte als Pharonin von 1504-1483 aC. Sie selbst hat sich mit männlichen Geschlechtsmerkmalen darstellen lassen: „Hence we see on the god´s table two boys, both exactly alike, one being the little queen and the other her Ka, her double, which is indissolubly united to her from the day of her birth. These two human beings are lifeless. When Khnum has finished his work, when the two boys are standing before him, life is given them by his divine consort, the frog- headed Heket, who holds before their nostrils the sign of life“ (E. Naville in Hoffmeister, S. 164)

Der Ka eines Pharaos (oder einer Pharonin) wird den Göttern gleichgestellt, eine Art göttliches Urbild des Menschen, obgleich - auf der Töpferscheibe - gleichwohl eine physische Struktur. In manchen Grabstätten gab es eine eigene (Schein-) Tür für das Ka. Außerdem machte Uehli darauf aufmerksam, dass eine der Folgen der rituellen Mumifizierung war, dass das mit dem irdischen Leib verbundene Ka dadurch mit der „Mumie in der Grabkammer verbunden blieb“. Das göttliche Ka wurde durch diese Praxis faktisch magisch gebannt. Nun gingen diese Mysterien davon aus, dass mitgegebene, beschriebene Binden von dem Verstorbenen auch gelesen werden konnten- ebenso wie rituelle gelesene Texte von ihm gehört werden konnten: Der Tote musste also nicht nur hören, sondern aus lesen können“- ähnlich wie dies auch heute bei manchen Nahtoderlebnissen geschildert wird. Dies ist offenbar möglich, obgleich die Verbindung zu den physischen Sinnesorganen des physischen Leibes - in tiefer Ohnmacht - nicht mehr besteht. In den ägyptischen Mysterien war dies eine Erkenntnismethodik - ursprünglich rein sakralen, später wohl auch magischen Charakters -, die durch die Bannung des strukturell leiblichen, aber nicht physischen Ka ein Schauen jenseits der Schwelle ermöglichte - hörend, sehend „als wenn sie in ihrem Körper steckten“ (Hoffmeister, S. 165), aber nicht sprechend. Das ist nur aus einem Grund möglich: Der Ka ist das, was in der anthroposophischen Geistesforschung das Phantom genannt wird: „Denn nur das Phantom, der Ka also, besitzt physische Sinnesorgane“ (Hoffmeister, dito). Und nur auf diese Weise kommt eine quasi- leibliches Hellsehen -so wie in einer physischen Umgebung- zustande.

In den ägyptischen Mysterien galt: Der Ka blieb an die Erdensphäre gefesselt und empfing von der Erde her die Opfergabe der Hinterbliebenen. Dieser Empfindung wegen, die „nunmehr zwischen dem Ka und der Mumie bestand, wurde in der Grabkammer außer der wirklichen Tür eine Scheintür für den Ka eingerichtet -- Blieb somit der Ka mit der Mumie erdverbunden, so ging der Genius des toten Pharao als Osiris in die Himmelswelt der Götter ein.“ (Hoffmeister nach Uehli, S. 166) Der Ka soll in der Mumie ein- und ausgehen können, auch lange nach dem Tod. Andererseits darf man annehmen, dass eingeweihte Hohepriester an der Mumie über den Ka auch sakrale Einblicke in die geistige Welt nehmen konnten. Um diese Einblicke unverzerrt aufnehmen zu können, wurde das Herz in der Mumie belassen, aber die Mumie selbst musste auch „möglichst lebensnah gestaltet“ (Hoffmeister S. 166) sein-also bestens präpariert, angemalt und hergerichtet. So war das Ka, obwohl übersinnlicher Natur, „das am meisten widerstandsfähige und verdichtete Element des Menschenwesens.. Obwohl immateriell, glich das Ka nach Ansicht der Ägypter, ganz genau dem irdischen Körper des Verstorbenen.“ (Kolpaktchy nach Hoffmeister, S. 166) Daher gab es das geflügelte ägyptische Wort Wenn ich sterbe, wird mein Ka mächtig.

Diese Macht hatte jedoch dadurch im Nachtodlichen enge Grenzen, da der Blick auf das Irdische gebannt ist, aber auch die wesentliche Umwandlung des Phantoms in den kosmischen Geistkeim - der Entfaltungs- und Gestaltungsraum der Entelechie im Zusammenwirken mit den hierarchischen Begleitern- zumindest vorerst unterbleibt. Auch die geistige Schau der Hohepriester hat absolut medialen Charakter. Aber diese Charakteristika hatten einen Mysterienzusammenhang eben in einer vorchristlichen Zeit. Zudem gab es weitere Aspekte des ägyptischen Totenkultes, der seelische Aspekte beinhaltete- wenn etwa der Ba- Vogel (Seelenleib) „sich sogar dem Osiris im Himmel zugesellen“ (Hoffmeister, S. 171) konnte. Der Ba wurde als Storch mit Menschenkopf dargestellt.

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Hoffmeister, Die übersinnliche Vorbereitung der Inkarnation. Verlag Die Pforte, Basel 1979
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Adam Michaelis: Christ as the Lord of Karma - and the nature of the multiplied resurrection body of Christ

..Karma must of course always be absolved, but we believe it can be used freely and actively and arranged by Christ, so that it works to bring all creation closer to Him. This is a reality which is just in its very beginning, and we have only the first vague experiences of its workings. Hence we are hesitant to say too much about it, and nothing can be definitively understood yet, we think. Who are we to judge karma!

But it is clear from the above descriptions that the opening up of the dimensions of collective evil and the releasing of deeper karmic, cast off double structures imply an inner and accellerated karmic work. Now, the compensative and relational aspect of karma requires that karmic structures are absolved in the social dimension, either directly or indirectly, so how can that be compatible with this inner work? If, on the other hand, the collective structure of evil is opened up and this inner work made possible, should there then not be individual freedom to follow Christ on His descent and absolve karma without a need for a linear social recompense? This is where the rearrangement of individual karma by Christ as the Lord of Karma becomes essential. Normally, the karma of a lifetime was more or less prearranged or prepacked by higher spiritual beings before an incarnation, and it was absolved mainly in the social dimension through meetings with other individualities. But now the Christ-being, an aspect of God, is here in the earthly dimension! We really have to understand the implications of this! Things are not as they were before, far from.

If we think about it unbiasedly it becomes clear, that the spiritual process of a lifetime can be rearranged and accellerated in freedom and built into the unfolding Christ-impulse while we are in incarnation. Why would that not be possible if Christ is present everywhere in the etheric, if the collective evil dimensions are opened up, and if Christ is Lord of Karma? Karma can become a more active and free decision, based on inner work – a spiritual and existential aspect of our relation with Christ, where parts of our compensative karma is rearranged and reorganized into a more progressive and collective karma, following a scheme beyond our understanding, which works in total for the higher benefit of the Christ-impulse in every man. ..

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Zum ganzen Aufsatz von Adam Michaelis
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rahmen
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Michael Eggert: Die Wut des Löwen

Hella Wiesberger fasst Rudolf Steiners Darstellung des echten zeitgenössischen Rosenkreuzerweges (abgesehen von den zahllosen Verzerrungen und Verdrehungen, in denen dieser auch noch erscheint) in „Rudolf Steiners esoterische Lehrtätigkeit“* so zusammen: Der heute „maßgebende christlich- rosenkreuzerische Einweihungsweg hat die sieben Stufen: Studium zur wahren Selbsterkenntnis, Imagination, Lernen der okkulten Schrift oder inspirierten Erkenntnis, Rhythmisierung des Lebens (Bereitung des Steins der Weisen), die Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos (Erkenntnis des Zusammenhangs von Mensch und Welt), Verweilen oder Sichversenken in den Makrokosmos, Gottseligkeit.“ (S. 92)

Frau Wiesberger sieht vor allem in der fünften Stufe, der Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos, die in der „fünften Kulturepoche“ insofern maßgebliche, als es in dieser um das Halten des Gleichgewichts im Erkennen um das „Böse als die Abirrungen davon“ ginge. Sie ignoriert in dieser Schwerpunktsetzung, dass als Voraussetzung jeglicher Imagination, die ja schon ein völlig von allen physischen Einflüssen autonomes geistiges Erkenntnis darstellt, bereits die erste Stufe des Einweihungsweges, die „wahre Selbsterkenntnis“ eine Transparenz bezüglich der inneren und äußeren Einflüsse des Individuums erfordert, die notwendig einen Umgang mit dem eigenen Ego und dessen Schattenwürfen nötig macht - einen Umgang, der zweifellos keine nur intellektuelle Angelegenheit sein kann, sondern eine scharfe und vollkommen ehrliche Konfrontation mit dem Subjekt jeder Erkenntnis- mit sich selbst. Das ist übrigens der Grund, warum diese Website ihren Namen trägt. Die Autonomie des Erkenntnissubjekts muss mit aller Intensität deshalb gewonnen werden, weil es sonst bezüglich jeglicher äußeren (bei Anderen wahrgenommenen) oder inneren geistigen Erfahrung keine Erkenntnisgrundlage geben kann- denn solche Erfahrungen sind nicht abgleichbar mit gegebenen moralisch- ethischen Setzungen, mit dem inneren Kontext, mit der Erwartungshaltung, mit Wahrscheinlichkeit oder anderen aus der sinnlichen Welt gewonnenen Prämissen. Nur die vollkommene Transparenz des Erkenntnissubjektes kann die geistige Erfahrung als das stehen lassen, als was sie sich in ihrer Transparenz ausdrückt. Das erkennende Subjekt muss sich seiner Natur als „Gedanke“ - als Gewordenes, als Konstrukt von Erziehung, Denk- und Reaktionsgewohnheiten, als Verteidigungsbastion gegen Infragestellung der eigenen Selbstbilder, als psychisches Empfindungsbündel, als begehrendes Wesen, das den Selbstverwirklichungs- Maximen seiner Zeit folgt; kurz, als liebgewonnene Projektion gewahr werden. Dagegen - gegen diese Zumutung, situativ- meditativ aus dem Nichts zu leben, als im Sinne des Neuen Testamentes „Armer“ - laufen alle inneren Kräfte Sturm. Die Auseinandersetzung mit dem „Bösen“ ist daher keinesfalls eine Aufgabe, die eine ferne Stufe des Einweihungsweges darstellt, sondern die notwendige existentielle Voraussetzung.

Es geht also nicht um das Sich- Wohlgefallen in Selbstbildern von Ausgewogenheit, sozialer Neigung, Geistesforscher- oder Sinnsuchertum, nicht um moralische Überlegenheit, nicht um das Gefühl intellektueller oder spiritueller Brillanz, um das lebenslange Schmökern in geheimen Schriften und kabbalistischen Spezialkenntnissen, sondern um die zunehmende Bereitschaft, dem ins Auge zu blicken, was „Identität“ ausmacht und was an haftenden und berückenden Kräften aus dem Inneren aufsteigt. Es aushalten zu können, nicht auszuweichen, nichts zu beschönigen und nicht sich selbst zu verdammen. Aber auch Situationen in innerer Mitte zu meistern, in denen man unversehens zur Zielscheibe wird, in denen eine ganze Menge die „Wut des Löwen“ an einem auslässt. Die innere Gelassenheit bewährt sich im Sturm, aber die Würde bewährt sich erst, wenn man verliert, wenn man der Verstossene ist, der, den der eherne Blick der Verachtung trifft.

In Rudolf Steiners Notizbuch (1906, Archiv-Nr B 105) findet sich hierzu: „Die Meister sind nicht ein Schutzwall gegen das Böse, sondern die Führer zur Absorption des Bösen. Wir sollen nicht das Böse aussondern, sondern es gerade aufnehmen und in der Sphäre des Guten verwenden. Die Wut des Löwen ist nur so lange böse, solange sie am Löwen egoistisch verwendet wird; könnte sich ein Herrscher diese Wut des Löwen aneignen und damit Wohlfahrtseinrichtungen machen, so wäre sie gut. Deshalb ist das Böse als Nicht- Wirkliches zu erkennen. Es gibt kein Böses. Das Böse ist nur ein versetztes Gutes. Erst mit dieser Erkenntnis ist geistige Alchemie möglich.“

So steigen wir in Gelassenheit die Treppen hinab in das kochende Grau. Hier sind wir nichts als als aktive Präsenz, die Mitte haltend im Ansturm der Wut des Löwen. Hier findet die Verwandlung statt.

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Dornach 1997
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