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Sep 2012

Burghard Schildt: Die Heimatlosen

Gerade im Bezug auf die Generationen begreife ich R. Steiner so, dass in der „Anthroposophischen Bewegung“ diejenigen Menschen sich bewegen, die nicht durch Generationsfolgen bewegt werden wollen. Steiner nennt sie die Heimatlosen. Das zu Steiner.

Von mir das: Als Heimatloser bin ich auf Wanderschaft. Eine bereits vorgegebene Ausrichtung zu wandernder Wege ist mir zuwider. Ich will nicht auf ausgetretenen Wegen in die Fußstapfen anderer treten. Ich will ins Unbetretene. Ich will in die Zukunft. In die Zukunft wollen heißt, ich will in den Willen. Der Wille selbst ist mir diejenige geistige Welt, die, als das Gedankenlebewesen Weltgeschehen, zugleich die Natur des Menschen ist. R. Steiner hat, mit seiner Geisteswissenschaft, in seiner Art und Weise, dazu beigetragen, dass solche Heimatlosen, wie auch ich es einer bin, im Leben „jenseits“der Generationen, sich darin betätigen können, dass „wie“ die Generationskraft tätig ist.

Generation bedeutet: Erzeugen. Indem ich, als ein Heimatloser, Rudolf Steiners Schriften studiere, kann ich anhand von deren Gedankengängen solche Fragen erzeugen, auf die dieselben Gedanken- gänge zugleich auch die Antwort beinhalten. Ob so eine Zeugung gelingt, das kann allein die Geburt eines „Kindes“ bezeugen. Nicht von ungefähr wird so mancher Heimatlose gefragt, wessen Geistes Kind er sei.

Wer Geisteskindschaft „erlangt“, der ist, geistig gesehen, zugleich ein Fragen erzeugender Vatergeist wie ein in der Antwort lebendes Geisteskind. Die jedem geistigen Kinde zugehörige Mutter des Geistes, das ist der gute Wille. Dessen Wollen ist, sich von den Gedankengängen desjenigen geistigen Geschehens, das sich, organisch wie schöpferisch, im Erkennen des Gedankenlebewesen Weltgeschehen, Erkenntnis bildend betätigt, befruchten zu lassen. Durch solche gutwilligen, wie Erkenntnis bildenden Taten, erkennt sich das Erkennen selbst. Daher stammt das Wort Selbsterkenntnis.

Jegliche Selbsterkenntnis ereignet sich mithin dadurch, dass das Erkennen, erkennend durch Gegenüberstellung, sich selbst erkennt. Dasjenige Geschehen des Erkennens, das sich selbst, erkennend wie Erkenntnis bildend, bewegt, das bezeichnet, meiner bisherigen Kenntnis nach, R. Steiner als die Anthroposophische Bewegung. Menschen, die sich anfänglich dieser Bewegung zuwenden, die tun das aus einem keimhaften Ahnen heraus. Sie erahnen, dass in dem Maße, wie es ihnen gelingt, sich in die Mutterbewegung versetzen zu können, sie sich in ihrer wahren Heimat wie Herkunft bewegen.
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Beuys- Erinnerung am ehemaligen Vodafone- Hochhaus

Das Hochhaus in Düsseldorf, direkt am Rhein, mochten wir einmal als „Mannesmann“- Hochhaus. Vodafone, der Nachbesitzer, ließ es während der Internetaktien- Hype renovieren und ein rot leuchtendes, besitzergreifendes Namensschild oben drauf installieren. Nun ziehen die Telefonisten aus und beziehen einen riesigen Campus, tauschen den Blick auf den Rhein mit dem auf ein Autobahndreieck. Nun ja. Einst ist Beuys mit dem Einbaum hier in der Nähe von Oberkassel übergesetzt. Vielleicht daher dieser halb abgerissene, aber offenbar gut klebende Gruß:

beuysvoda
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Die verloren gegangene Perspektive

Natürlich tun wir es alle. Wir geben etwas mündlich weiter, was uns hintertragen wurde, wir formulieren etwas strategisch, wir lassen - scheinbar aus Höflichkeit oder Konvention - etwas aus, was man vielleicht hätte sagen müssen, wir sind uns nicht einmal klar, welche Interessen in einem bestimmten Augenblick gerade aus uns sprechen. Die vielen kleinen und großen Ungenauigkeiten, die wir nur auf der Goldwaage als verlogen bezeichnen würden, durchziehen unseren Alltag. Es kommt einem so über- moralisierend vor, wenn Rudolf Steiner vor jedem ungeprüften Wort warnt, wenn er unsere Lässlichkeiten quasi dämonisiert oder gar davon spricht, dass diese Lebenslügen, einmal gesät, buchstäblich Sturm ernten werden:
Unsere Seelenerlebnisse sind noch mehr, als wir gewöhnlich von ihnen denken. Da steht zum Beispiel ein Mensch vor uns, in seiner Seele leben Irrtum und Lüge, er steht vielleicht ganz unschuldig vor uns. Aber in dem Augenblick, wo der astralische Blick sich auf ihn richtet, toben Stürme, die sonst nur in den furchtbarsten Entladungen der Elemente der Erde im Bilde sich darstellen." (GA 125, S. 149)

Aber etwas deutlicher werden diese "Stürme", wenn wir mit einem Menschen sprechen, der - z.B.- etwas "entrückt" wirkt durch ein großes Maß von aktueller Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen, der gerade und deutlich formuliert, dass jede kleine Ungenauigkeit wie eine schmerzende Faust im Sonnengeflecht zu spüren ist. Oder wenn wir tatsächlich an der Schwelle stehend auf unser Leben schauen, und die kleinen und großen Lügen, Irrtümer, Verletzungen und Unterlassungen schmerzhaft peinlich heraus ragen- ohne je vergessen werden zu können, ohne je vergessen worden zu sein. Diese Punkte unseres Lebensfilms schimmern wie eiternde Wunden, unübersehbar. Aber es wird noch schlimmer.

Die Summe unserer Lässlichkeiten und Einseitigkeiten bestimmt die Wirklichkeit, so wie wir sie wahrnehmen und dann auch so, wie sie auf uns zurück wirkt: „Es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten lässt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluss überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist." (GA 120, S.136)
Es gibt, darf man daraus schließen, ein gewisses Organ für bodenständige Wirklichkeitsauffassung, so wie es Organe gibt für soziale Verantwortung und die Bedürfnisse Anderer. Diese Organe sind allesamt korrumpierbar, zumindest auf lange Sicht. Im Alter, wenn die Systeme nicht mehr regelmäßig arbeiten, zeigt sich, wie wir in der Welt stehen, ebenso - auch eine Art, an die Schwelle zu gehen- in der meditativen Arbeit. Wer sich um eines kurzfristigen Vorteils willen hat korrumpieren lassen, verliert die Vorzüge einer tief gehenden, realitätsnahen Orientierung. Stattdessen kommen Einzelbedürfnisse hoch, rechthaberisch verteidigte Standpunkte, moralisierende Einengungen, Beklemmungen und Schuldzuweisungen. Der starrsinnige Geizhals hat keinerlei Sinn für seine innere Entstellung. Er hat den Verlust des Sinnes nicht einmal bemerkt. Aber wenn der Horizont enger wird, fokussiert sich der Mensch mehr und mehr auf irrelevante Details, an die er sich gewissermaßen verliert. Das menschliche Maß geht ihm verloren. Diese Hände werden niemals segnen, diesen Rat wird niemand einholen, und Partner werden an dieser Seite ein schweres Leben haben.

Aber diese Reduktion des lebendigen Geistes auf ein immer bizarrer erscheinendes, enges, Dickenssches inneres und äußeres Leben, dem die Weiten und Großzügigkeit, aber auch das Verständnis für den Anderen fehlen, wird noch einmal gesteigert, wenn doch- auf welche Weise auch immer- ein Zugang zur geistigen Welt gefunden wird: „Wenn des Menschen Wünsche, wenn des Menschen Leidenschaften schlimme Wege gehen und er sich gleichzeitig irgendwie an okkulte Kräfte hingibt, dann drängen sich die okkulten Kräfte, die dadurch herauskommen, in den Ätherleib hinein, und es erscheinen unter den Trugbildern, die manchmal ganz ehrwürdige Gestalten sein können, die verderblichsten, die schlimmsten Mächte.“ (GA 107, S.174). Es ist darunter nur eine weitere Eskalation des inneren Sturms zu verstehen, den die verloren innere gegangene Perspektive mit sich bringt.
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Michael Eggert: Bloggen als geistige Übung. Ein Manifest

Mein kleines Manifest „Bloggen als geistige Übung“ erscheint nun doch nicht als Printversion. Daher stelle ich es hier ins Netz. Eine Textprobe, worum es u.a. geht:

„Es gibt ein typisches Kennzeichen - bei mir und vielen Zeitgenossen-, das darauf hindeutet, dass frei werdende Kräfte im ätherischen Kopfbereich ein Breitenphänomen sind, aber als solche nicht unbedingt erkannt werden: Es ist die Fähigkeit, Gesprächsverläufen in Gruppen zu folgen, die spezifische Verlaufsart eines Gesprächs um ein Thema zu erkennen und damit eventuell intuitiv aussprechen zu können, worum es der Gruppe eigentlich geht, ohne dass es den Beteiligten bisher bewusst geworden ist.
Ebenso kann man auf die mäandernden oder scheinbar gegenläufigen Verläufe im eigenen Lebenslauf schauen oder die komplexe Dynamik psychischer Abläufe, deren Hemmnisse und emotionale Abgründe in sich oder anderen erkennen. Das Denken ist potentiell prozessual geworden; man kann Entwicklungen, Trends und Irrwege erkennen. Das kann nur durch eine Instanz im Inneren entstehen, die nicht restlos in die Vorgänge verwickelt ist, der so genannte „Zeuge“. In einer Weltgesellschaft, in der die Teamarbeit (und nicht mehr der omnipräsente, alles bestimmende Generalist) essentiell wird, ist das eine grundlegende Ich- Kompetenz.

Auch beim Bloggen ist diese Kompetenz gefragt; einmal, um Kommentar- Threads und Diskussion offen laufen lassen zu können, um nur hier und da an den Stellschrauben zu drehen, aber die Lebendigkeit und Widersprüchlichkeit gelten zu lassen. Zum zweiten ist diese Kompetenz notwendig, um eben wirklich die volle Zeitgenossenschaft zu erlangen, d.h. relevant und aktuell das anzusprechen, „was in der Luft liegt“. Man kommt auf diese Weise weg von den alten "senkrechten" Strukturen, in denen Leser eigentlich Konsumenten eines kunstvoll komponierten Aufsatzes oder Vortrages sind. In den "waagerechten" neuen Strukturen ist ein Beitrag des Bloggers nur der Anstoß für einen gleichwertigen Diskurs, der Fragen aufwirft, Aspekte beleuchtet, die im Glücksfall im virtuellen Gespräch zu einem befriedigenden Schluss geführt werden. Viele solcher Threads sind in den letzten Jahren in meinen Blogs geführt worden, häufig mit weit mehr als 100 Beiträgen von Lesern. Genau diese Diskurse haben sich als das Attraktivste an den Blogs erwiesen. Es besteht meist eine deutliche Korrelation zwischen Dichte der Diskussion und Zugriffszahlen von Lesern; die Leute wollen Gesprächsverläufe und offene Diskurse verfolgen, nicht vor sie hingesetzte Meinungsbekundungen eines Autors. Die Meinungsbildung findet heute im Prozess statt- daher ist das Blog auch ein geeignetes Medium. Wenn es gelingt, werden neue Beiträge im Blog aus den laufenden Diskussionen gewonnen; manchmal finden auch Rollenwechsel statt, indem einzelne Leser selbständige Beiträge als Teil des Blogs publizieren.

Anzumerken ist an dieser Stelle, dass der Blogger natürlich kein Ideal darstellt; zwar stimmt die tolerante Grundeinstellung, aber es gibt Schwachpunkte in Bezug auf Temperament und Verletzlichkeit. Es ist erstaunlich, wie stark diese Gegebenheiten, Stärken und Schwächen von Teilnehmern der Diskurse im Internet untereinander erkannt werden, auch ohne den ganzen Ausdrucksapparat wie Mimik und Gestik, Stimmlage und Körperhaltung. Offensichtlich übertragen wir Gedanken- und Ich-Sinn auf den Duktus, den Stil und die Art von schriftlichen Beiträgen Anderer. Die Technik behindert die ungeteilte Wahrnehmung des Anderen nicht wirklich.“

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Michael Eggert: Den eigenen Spiegel putzen. Über Chakren oder Lotosblumen

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„Wenn das Bedürfnis lebendig geworden ist, die verdünnte Aufmerksamkeit – das Alltagsbewusstsein - und die zwanghafte „fortwährende Kommentierung von Denkergebnissen durch die fühlende Seele“ durch konzentriertes Üben zu überwinden, entwickelt sich mit der Zeit das Denken „zu einem Wahrnehmungsorgan für das Lebendige, für Ätherkräfte“ . Es gibt zahlreiche spirituelle Bewegungen und Organisationen, die die Dekonstruktion des Alltags- Ichs propagieren, aber an dieser Stelle statt weiterer Forschungsarbeit eine ansonsten positivistische Erleuchtungsmetaphorik anhängen. Offenbar gibt es eine Reihe von technisch funktionellen Selbstbeglückungsmechanismen, die an diesem Punkt ansetzen können, aber sich in diesem Selbstgenuss auch erschöpfen.

Das Erleben ist aber auch bei denen, die an diesem Punkt erst den Beginn einer ernsthaften geistigen Arbeit sehen, sehr unterschiedlich ausgeprägt. Meist ist ein visuelles Empfinden prägnant, etwa in Form von Wahrnehmung des Ätherischen „als leuchtende, strahlende, innerlich sich bewegende Bilder oder Folgen von Bildern.“ Eine weniger visuell ausgeprägte Wahrnehmung fasst Gedanken als komprimierte, sich entfaltende Denkbezüge auf, in Kontexten, die in sich bereits stimmig sind- ein flüssigeres, lebendigeres Denken. Aber es gibt auch eine Neigung zu einer Wahrnehmungsart, die mehr die unteren Sinne aktiviert, vor allem Lebens-, Eigenbewegungs- und Tastsinn. Dann werden innere Kraftstrukturen, innere Räume, dynamische Energien erfahren, die etwas wie ein quasi- leibliches Empfinden bedingen, das aber nicht mehr mit den eigentlichen Körpergrenzen kongruent ist…

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So weit einige Zeilen aus meinem Artikel, der in einer gestrafften Version im Meditations- Schwerpunkt- Heft der Kulturzeitschrift Die Drei (Juli/ August 2012) erschienen ist. Hier zum Download für Interessierte eine zwar schon von mir gekürzte Variante, die aber noch nicht im Lektorat von Anna- Katharina Dehmelt bearbeitet worden ist. Es gibt daher die für mich typischen Einschübe und Querbezüge- auch einige Verweise auf Originalquellen-, die letztlich für eine Printversion zu üppig waren, aber in der Linie der Darstellung auch nicht immer relevant. Hier im Netz darf auch die XXL- Variante (keine Sorge, es ufert nicht völlig aus) einmal zum Zuge kommen. Vielleicht wird Die Drei die dort erschienene letzte Ausgabe des Aufsatzes demnächst auch noch zum Download anbieten.
Insgesamt handelt es sich um einen meditativen Zugang, der auf frühe Anregungen von Rudolf Steiner zurück geht, durchaus praktikabel, aber in der anthroposophischen Szene weitgehend undiskutiert ist, aber einen Zugang im handelnden Umgang auch für nicht- anthroposophische Leser bietet. Während in der hier vorliegenden Fassung Bezüge zum Zen- Buddhismus vorhanden sind, fehlt der Bezug zum - von den persönlichen Wurzeln her- islamischen Mystiker A.S. Almaas, der in knapper Form in der Printversion zu finden ist.

Der Download- Link ist inzwischen nicht mehr erreichbar.
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