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Nov 2013

Der moderne Antichrist. Solowjow und eine aktuelle Erzählung von Ted Chiang

Wladimir Solowjews „Eine kleine Erzählung vom Antichrist“ ist, mehr als hundert Jahre nach ihrem Erscheinen, schon deshalb von einiger Aktualität, weil Solowjew doch in jedem Fall schon dies vorhergesehen hat: „Im einundzwanzigsten Jahrhundert war Europa zu einer Union von mehr oder weniger demokratischen Staaten geworden: den Vereinigten Staaten von Europa.“ Das „mehr oder weniger“ ist vielleicht bedenkenswert. Gemindert wird der Wert des Buchs sicherlich durch die Ressentiments Solowjews gegen das „Mongolische“ - durch die implizierte Annahme, der individuelle Geist würde sich nicht in jedem Winkel der Welt - gegen Widerstände und in Widersprüchen- durchsetzen. Der Unabhängigste aller Geister allerdings ist der, um den es Solowjew eigentlich geht, um den, der das Konzept von Nietzsches Übermenschen nicht nur propagandistisch, elitär, rassistisch oder im Sinne des Nationalsozialismus menschenverachtend realisiert, sondern persönlich: "In jener Zeit trat unter diesen Gläubigen ein bedeutender Mann auf – viele hielten ihn für einen Übermenschen –, der weder einen primitiven Geist besaß, noch auch freilich dem Herzen nach ein Kind war. Obgleich er erst dreiunddreißig Jahre zählte, war er durch seinen Genius schon als Denker, Schriftsteller und Sozialreformer berühmt. Trotzdem er um seine große Begabung wußte, unterwarf er sich aus Überzeugung den Geboten des Geistes. So ließ ihn sein klarer Verstand stets auch die Wahrheit des Glaubens erkennen, des Glaubens an das Gute, an Gottes Dasein und an die Offenbarung des Messias. Er glaubte an dies alles, aber er liebte nur sich selbst. Er glaubte an Gott, doch im Abgrund seines Herzens gab er sich selbst unwillkürlich und ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, vor Gott den Vorzug.

Die Selbstbezüglichkeit und Egomanie dieses fiktiven Übermenschen setzt ihn an die Stelle des Sohnes Gottes: "Diese Selbstliebe war aber weder ein instinktiver Drang, noch eine sinnlose Anmaßung. Denn seine außerordentlichen Gaben, seine Schönheit, sein vornehmes Wesen schienen zusammen mit zahlreichen Beweisen von Enthaltsamkeit, Uneigennützigkeit und Wohltätigkeit genügend die ungeheure Selbstliebe zu rechtfertigen, die den Charakter dieses großen Spiritualisten, Asketen und Menschenfreundes bestimmte. Wer hätte ihn anklagen dürfen, dass er in der Fülle dieser Gottesgaben ein sichtbares Zeichen der Auserwählung von oben her erblickte und sich als den Zweiten nach Gott, als den in seiner Art einzigen Sohn Gottes ansah? Mit einem Wort, er hielt sich für Jenen, der in Wahrheit Christus allein ist.“

Der Antichrist, „der große Mann des einundzwanzigsten Jahrhunderts“, der der Menschheit den Frieden bringen will, stürzt mit 30 Jahren in eine innere Krise, in deren Verlauf er in seiner quasi- göttlichen Selbstüberschätzung die Auferstehung Christi leugnen muss. In dieser inneren Auseinandersetzung wird er an einen Abgrund geführt, in den er geistig stürzt, aber aufgefangen wird: „Er fühlt eine Erschütterung wie von einem elektrischen Schlage, und eine geheimnisvolle Kraft wirft ihn zurück. Für einen Augenblick verliert er das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, liegt er wenige Schritte vor dem Abgrund auf den Knien. Vor ihm erstrahlt wie durch Nebel in phosphorischem Licht ein Gesicht. Zwei Augen bohren sich mit unerträglichem und schneidendem Glanz in seine Seele. Erstarrt unter diesem hypnotischen Blick hört er eine Stimme, ohne erraten zu können, ob sie aus seinem Innern oder von außen her kommt. Es ist eine seltsame Stimme, dumpf und dennoch klar, aber seelenlos wie schwingendes Metall.“ Man kann von einem Initiationsvorgang sprechen, der hier angesprochen wird, der den kommenden Antichristen auf spezifische Art vergeistigt, und, aus der Phase der Bewusstlosigkeit heraus, ihn das Buch schreiben lässt, was ihn zum globalen Herrscher werden lässt: „Offener Weg zum Weltfrieden und allgemeinen Wohlstand.

Nun mag man über solche Initiationsschilderungen erinnert werden an Hitler, der nach einer Gasvergiftung im ersten Weltkrieg beschlossen hatte, Politiker zu werden. Man kann aber auch ganz aktuelle Bücher ansehen wie Ted Chiangs Erzählungsband "Stories of Your Life and Others“, der gerade auch auf Deutsch erschienen ist- mit dem Titel „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“.

In der zweiten Erzählung des Buches geht es um einen erwachsenen Mann, der nach einem Unfall - er war faktisch ertrunken- über eine Woche hirntot im Wachkoma liegt. Er wird durch ein neues Medikament - „Vitamin K“- behandelt, das es möglich macht, bei scheinbar irreversiblen Nervenschäden eine Remission zu erzwingen. Je umfassender die vorliegenden Schäden sind, desto weitreichender und unabsehbarer die Folgen. Dem Hirntod folgt im Fall des Helden eine ins Übermenschliche reichende Hyperintelligenz. Da sich aus militärische Psychologen und Dienste für ihn zu interessieren beginnen, entkommt er, manipuliert durch seine gewonnenen Programmierfähigkeiten die Datenbanken, spekuliert an den Weltbörsen und besorgt sich weitere Dosen des inzwischen konfiszierten Medikaments.

Chiang schildert im Verlauf der Erzählung eine Art intellektueller Initiation, die den Vorgang so von innen beleuchtet, wie Solowjow die Folgen der Karriere seines Antichristen von außen verfolgte. So beginnt der moderne Antichrist Kontrolle über die endogenen Prozesse des Körpers zu entwickeln und entfaltet Fähigkeiten imaginativer Art, indem er Vorgänge und komplexe Zusammenhänge in „gestalts“ wahrnimmt: "Control over my body continues to grow. By now I could walk on hot coals or stick needles in my arm, if I were so inclined. However, my interest in Eastern meditation is limited to its application to physical control; no meditative trance I can attain is nearly as desirable to me as my mental state when I assemble gestalts out of elemental data.“

Der spezifische Weg der ahrimanischen Initiation lässt ihn die inneren menschlichen Bindungen, die sozialen und moralischen Voraussetzungen überwinden, indem er Kontrolle über alle Empfindungen gewinnt: "Of course, I actually experience far fewer emotions than I could; my development is limited by the intelligence of those around me, and the scant intercourse I permit myself with them. I'm reminded of the Confucian concept of ren: inadequately conveyed by “benevolence,” that quality which is quintessentially human, which can only be cultivated through interaction with others, and which a solitary person cannot manifest. It's one of many such qualities. And here am I, with people, people everywhere, yet not a one to interact with. I'm only a fraction of what a complete individual with my intelligence could be.“

Er beginnt eigene sprachliche Systeme zu gestalten und macht sich das Internet als Ganzes zu eigen, indem er in „Ideogrammen“ zu denken beginnt, die jeweils Tausende von Gedanken beinhalten: "My new language is taking shape. It is gestalt oriented, rendering it beautifully suited for thought, but impractical for writing or speech. It wouldn't be transcribed in the form of words arranged linearly, but as a giant ideogram, to be absorbed as a whole. Such an ideogram could convey, more deliberately than a picture, what a thousand words cannot.

So gewinnt der neue Antichrist Gewalt über die gesamte Gestalt seines Denkens, und damit auch über das Bewusstsein von sich selbst, über sein Konstrukt als Person: "I understand the mechanism of my own thinking. I know precisely how I know, and my understanding is recursive. I understand the infinite regress of this self-knowing, not by proceeding step by step endlessly, but by apprehending the limit. The nature of recursive cognition is clear to me. A new meaning of the term “self-aware.““ Eine Initiation findet statt, in der Realität, Kommunikation und Ich Formen mentaler Gestalten für ihn sind: "What I can do is perceive the gestalts; I see the mental structures forming, interacting.“ Das rationale Wirklichkeits- und Selbstkonzept wird für ihn zu einer Ausgeburt seelischer Bedürfnisse aus der frühen Kindheit, die er nun beherrscht: "All that I once knew theoretically about my mind, I now see detailed explicitly. The undercurrents of sex, aggression, and self-preservation, translated by the conditioning of my childhood, clash with and are sometimes disguised as rational thought.“
Die bestimmte „Persönlichkeit“ ist daher nur eine mögliche Form unter vielen, die er anzunehmen nun in der Lage ist: "Much of what is conventionally described as “personality” is at my discretion; the higher-level aspects of my psyche define who I am now. I can send my mind into a variety of mental or emotional states, yet remain ever aware of the state and able to restore my original condition.“

Damit wird es ihm möglich, jede nur denkbare Fähigkeit - ob musikalisch, intellektuell oder handwerklich- in kürzester Zeit zu erwerben, da er die Bindungen an ein bestimmtes Ich- Konzept überwunden und Kontrolle über die Strukturen des Lernens gewonnen hat: "Skills that normally require thousands of repetitions to develop, I can learn in two or three. I find a video with a shot of a pianist's hands playing, and before long I can duplicate his finger movements without a keyboard in front of me.“ Das beruht auch darauf, dass er die biologische Funktionen der Neurotransmitter in seinem Gehirn zu beherrschen gelernt hat: "I have somatic awareness of kidney function, nutrient absorption, glandular secretions. I am even conscious of the role that neurotransmitters play in my thoughts.“ Aber nun wird ihm der Schlüssel zum Zugang der Materie aller Natur und des Kosmos gegeben, der sich aus der Erkenntnis der Prozesse im eigenen Körper ergibt: "I'm closing in on the ultimate gestalt: the context in which all knowledge fits and is illuminated, a mandala, the music of the spheres, kosmos.“ Er erfährt eine Art Erleuchtung: "I seek enlightenment, not spiritual but rational.“

Die völlige Kontrolle über alle seelischen, intellektuellen und somatischen Funktionen lässt den Antichristen, dem seine Mitmenschen lediglich als Marionetten erscheinen, nun auch beliebige Macht über diese gewinnen. Er kann vollkommen manipulieren, bis hin zu dem Punkt, aus ihnen nach seinem Willen „Freunde“ zu machen. Sein ungebremster Wusch nach Macht wird letztlich nur durch einen zweiten „Initiierten“ gestört, der aber im Unterschied zu ihm gewillt ist, zum Herrscher der Welt, zum großen Friedensstifter im Sinne von Solowjow zu werden.

Natürlich sind die beiden Bücher schwer zu vergleichen, doch letztlich verweist Ted Chiang durch die Wendung am Ende der Erzählung selbst auf Solowjow. Chiangs Schilderungen des inneren Werdegangs seines Antichristen sind in der Tat bemerkenswert- vor allem bemerkenswert realistisch. Dass eine solche Erzählung als Science-Fiction bezeichnet wird, ist kaum zu verstehen, aber sicherlich macht es Schwierigkeiten, ein geeignetes Genre dafür zu benennen. Man findet viele Bezüge für den spezifischen inneren Prozess des Helden Chiangs, sowohl in gefährlichen zeitgenössischen Sekten und Organisationen als auch in rosenkreuzerischen, christlichen Schulungen. Der Grat ist schmal, kaum wahrnehmbar, aber die sich entwickelnden Unterschiede könnten größer nicht sein. Auch das macht die Lektüre der Erzählung heute so empfehlenswert.
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Michael Eggert: Abschied von der Gesellschaft

Mitgliedersekretariat
Goetheanum
Postfach
4143 Dornach
Schweiz

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Vorstand,

da ich die meiste Zeit meines erwachsenen Lebens als aktives Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft gelebt habe, sehe ich nun, da die Zeit für einen Austritt gekommen ist, die Notwendigkeit, mich für meine inneren Zweifel zu rechtfertigen. Es gab für mich schon einmal eine längere Auszeit, die sehr ähnliche Gründe hatte, und ich bin zweifellos ein schwieriges, weil kritisches Mitglied gewesen. Die Anlässe, herum zu reisen, lokale Arbeitsgruppen zu leiten, öffentlich zu sprechen, Zweigen anzugehören, zu publizieren, sind mit der Zeit weniger geworden, und ich habe letztlich auch darauf verzichtet, Klassenmitglied zu werden. Dennoch darf ich für mich in Anspruch nehmen, ein aktives Mitglied gewesen zu sein und in Publikationen und im Internet ein kleines Stück anthroposophisches Gegenwartsleben zu repräsentieren.

Ich habe in den letzten Jahren die Trends innerhalb der Gesellschaft begleitet und verfolgt.. Dazu gehören als einschneidende äußere Geschehnisse sicherlich der Abschied von Walter Kugler und Sergej O. Prokofieff. Kugler und seine Mitarbeiterinnen waren für mich Repräsentanten einer kulturellen Öffnung der Gesellschaft in die Gegenwart hinein. Das war ein Impuls, den ich mit Interesse und Wärme verfolgt habe. Diese Hoffnung ist jäh gekappt worden. Ich kann nicht umhin, den vielleicht etwas theatralischen Rückzug von Herrn Prokofieff insofern in einem gewissen Zusammenhang zu sehen, als dieser zumindest den ungehemmten Zugriff der in meinen Augen sektierischen von-Halle-Kreise aufzuhalten versuchte. Ich habe die Stellungnahmen einzelner Leitungsmitglieder in der Öffentlichkeit verfolgt. Ich schätze einerseits den Versuch, ausgewogen, ausgleichend, moderierend zu reagieren. Aber mit dem Aufkommen einer Welle des für mich neu- theosophischen Okkultismus von stigmatisierten Wunderpredigern wird die Axt nicht nur an die viel beschworene Weihnachtstagung gelegt, sondern an die Abgrenzungen Rudolf Steiners von dergleichen durch die Gründung von 1912. Das heute wieder populäre, von Sponsoren, Opportunisten und gläubigen Anhängern getragene Visionieren ist in meinen Augen ein gründlicher Abgesang von den Intentionen Rudolf Steiners. Ich kann das michaelische und eigentlich- substantiell christliche Element in diesen Elementen schlichtweg nicht mehr erkennen- in der Entscheidung entweder für die aktivierte individuelle Imagination oder den Rückfall in atavistische Hellseherei a la „Zeitreisen“ liegt so viel begraben, dass für den, dem es ein intimes inneres Anliegen ist, darin nicht viel Zweifel liegen kann, wohin die Reise jeweils geht. Mag sein, dass das lediglich mein persönliches Verständnis davon betrifft, was Anthroposophie für die Entwicklung von Menschen heute bedeutet. Aber ebenso wie gegenüber rechtsradikalen oder antisemitischen Elementen hätte ich mir doch ein klares Statement der anthroposophischen Repräsentanten gegenüber diesem Populismus gewünscht, auch und gerade weil er grassiert und sich verbreitet. Das Verkommen zu einem Kult mit populistischen Führern wird zu einer realen Möglichkeit, aber natürlich wird die anthroposophische Bewegung mit derlei Variete- Nummern einfach auch dem Gespött preisgegeben.

Nun kommen derlei - für mich indiskutable- spirituelle Abwege nicht von Ungefähr. Sie stossen in einer anthroposophischen Gesellschaft dort auf Gehör, wo der Durst nach realer Geisterfahrung sich durch den Anspruch auf „michaelisches Denken“ und uneinnehmbare Positionierungen selbst aufhebt. Die Phrase und der Dünkel, der Pseudo- Okkultismus und die Arroganz gegenüber einem als materialistisch verachteten Zeitgeist, einer Kultur und Gegenwart sind seit 33 Jahren die Dinge gewesen, auf ich ich seelisch und geistig angestossen bin- schmerzhaft, zermürbend, persönlich deprimierend. Trotz aller Anläufe komme ich darüber nicht hinweg. Es war eine permanente Mauer, an der ich mich als Suchender und als Mitglied wieder und wieder wund stieß. Ich erlebe dieses Problem immer wieder aufs Neue, heute aktuell auch in großen anthroposophischen Diskussionsforen in den USA.

Es hat vielleicht wirklich lange gedauert und hat zahlloser Anläufe bedurft, um endlich zu erkennen, dass die anthroposophische Gesellschaft für mich nicht der richtige Ort sein kann, dass ich Rudolf Steiner zwar als einen zentralen Bezugspunkt in meinem Leben sehe, aber die Art, wie ich seinem Werk begegne, dem, wie es in der organisierten Anthroposophie gelebt und gewünscht wird, nicht entsprechen und keinen Platz darin finden kann.

Daher bitte ich meine Mitgliedschaft nun endgültig als beendet zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Eggert
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Adam Michaelis: Sane lunacy

lucifer
Unemployment. What a shame! We queued up in the line. There, in front of it, who did we recognize from old days? Lucifer, round-shouldered, downtrodden and misused, collecting his social benefit. His wings had been clipped. He looked miserable. And so we got into a chat with him and had a little catching up to do. He had been sacked, finally. He was a craftsman, and an experienced one, but now they had industrial robots. Mass production and marketing. He was no longer necessary or useful. They had picked up the trick from him and could do without him. They still manufactured the old models, he had made all these years, but they were no longer handmade and individually fitted, just made for casual wear and waste, varied a little from series to series, and soon they would be one size and fit all. Smart design. He looked at me with his sorrowful face almost in tears. He was so alone. There were no humans to turn to any more. They all had their own smart Lucifer models and changed them after their own wish and on every occasion. They did not even notice his absence or the change or how the new manufacturers had taken advantage of him, stolen his brand and made him obsolete. What could we say to comfort him? We tried to talk some modern sense into him.

“Today,” we said, “structures of meaning deflate and inflate at the same time. Lucifer, you could not possibly have served so many and so demanding customers at the same time, anyway. The sales are rocketing sky high! With the new products everyone can have absolute and unlimited importance at once, and no one knows the difference. Luckily, there is simply no one who needs old fashioned meaning any more, when they can have so much and so cheap importance! You have to understand people’s situation, Lucifer. They really have no meaning, and so they cannot cope and live without bulks of importance! That is the new spirituality, since only a few have ever heard of one without both meaning and importance. Do you see, Lucifer?”
Lucifer stepped back in horror as if he had seen Christ in our time. “A spirituality without both meaning and importance?” He gasped!
“Yes,” we said, “that is the new spiritual condition if you have to manage on your own and cannot afford even a new Lucifer model, or if you do not like them in the first place.
“But, that is … insane,” faltered Lucifer and went quite pale.

“Well, sane lunacy, we believe. You see, Lucifer, we were sacked too and thrown into unemployment. We worked in retail, in the Anthroposophical department. In the Von Halle Store, but only part time. Just doing measurements and imaging. But then came this hot-headed boss, called us all sorts of names, and threw us out, because we talked about you, the low quality and the general misfit and so on. They had these new smart Lucifer models, too. And the other employees just looked the other way, and some even sneered and crinkled their noses. Perhaps they were also afraid to loose their jobs. Do you know him?”
“No, said Lucifer. Perhaps he is after my time. In a new smart model.”
“Sure, Lucifer. He could not tell the difference either.”
And so we stood there in the line of complete losers, out of job and out of everything, even meaning and importance. Christ!

Adam Michaelis
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Bildausschnitt: Aus einer Pinterest- Sammlung Michael Eggerts zum Thema Luzifer
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Adam Michaelis: It takes one to see one – a commentary

In our latest paper on the Judith von Halle business, Current trends in Anthroposophy, we foresaw the interesting spectacle in Dornach, when the speaking I of Rudolf Steiner, impersonated by an American woman named Teresa Gahard (scheduled to arrive there before 15. December this year), would rendezvous with her spiritual sister, Judith, and distribute the remaining karmic roles and reincarnatory honours between them and their followers.(1) But the naïve and endearingly honest TG really has no idea of the hard personal politics of who is in and out of the Dornach center. It turns out that the warm sisterly shoulder of Judith is in fact a cold and dismissive one. Evidently the threat of competition (or disgrace) has made Judith issue a hard rebuff through her flattered mouthpiece Wolfgang Stadler in a mail which (s)he has made public here on the blog Die Egoisten. (2) It concludes: “Dir, Wolfgang, muss ich dies wohl nicht schreiben. Wenn aber andere Freunde aus unseren Arbeitszusammenhängen sich ernsthaft durch derlei luziferische Lockrufe [wie die von Teresa Garhart, W.S.], die solch gravierende Fehlaussagen vermitteln, irritieren lassen, so kann man sich manchmal fragen, wie dies eigentlich kommen kann, wo doch in vernünftiger Weise in unseren Zusammenhängen so kontinuierlich gearbeitet wird.” [our underlining]

Ouch, is that going to bring down the flying hopes of the ballooned TG and the inflatable Tom Doe (or is it John Toad) even before they board the airship across the Atlantic? Are they going to loose their claims to the new JvH hardliners in Dornach, who are no less dogmatic correct and unapproachable than the former dominator Prokofieff. How are they going to tackle the fact that there is still not room for everyone (or anyone?) in the finer esoteric center circles, and has TG got the clear message here in return for her: “Judith, I look forward to meeting you”?
Hey, Teresa, Judith thinks you are a Luciferic temptress and a pack of … Fehlaussagen! Ach so!

Ok, we leave this US-styled satire here and try not to gloat too much. Because, did we not foresee this development when we commented that like attracts and cures like! And then we also use a little “gesunden Menschenverstand” (healthy judgement) like JvH propagates in her mail and just ask ourselves these simple questions: “Why would a stigmatized saint and a holder of the resurrection body of Christ need to involve herself in a trivial matter like this – to use or sanction an indirect method to get out the message [and doom coming directly from Christ, remember, we stand before Christ in JvH] that TG is a no-go for Dornach? Is JvH perhaps nauseated when confronted with the open Luciferic energies of TG and wants to hold this shadow away from herself? Is she afraid of her own reflection and alter ego? Or is she worried about her reputation and does not want to be seen in company with this American furor and Fury? Or what kind of nasty and petty politics are involved here? And is it possible and credible that “the friends of JvH” are in earnest “irritated” by the claims of TG, and what does that say about that gullible club? Are they embarrassed and made uncertain by the fact, that they cannot discern JvH from TG because of their similarly fantastic claims and likeness of spiritual “open air” demonstration? Could it be … is TG really RS … now that Judith is …you name it?
And we conclude this with our “gesunden Menschenverstand”:
That JvH reacts on TG (even privately, but much more so publically) shows her true ego level and really nothing else. Where TG has honest madness, JvH has shrewd holy politics and manoeuvres. We do not mind this or that in a gaming club where people play spiritual Monopoly. But leave your faith in Christ out of there! How can you possibly see the spiritual power of Christ behind such a miserable ruling instinct and sly defamation? So Judith – what about Lucifer in yourself? Let us hear something about that. It takes one to see one!

Adam Michaelis

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1) TG as RS: “I will then continue mostly working with those pupils closest to me who are highly initiated; their spiritual identities will be held in confidence. I am expecting more reincarnated Anthroposophists, or those not incarnated in the early 1900's but whom I have deep karma with as the 48, to meet me now, mostly, at the Goetheanum. I will not tolerate any gossip about "who is who."
2) It is by now unclear whether JvH has sanctioned this publication of a private mail, which WS has arranged with Michael Eggert from Die Egoisten. Either WS is extremely indiscreet and clumsy in which case we must warn against sending him any private mails in the future, or else JvH is indeed dishonest and calculating, putting down TG in this indirect way using WS as a tool. We opt for the last case because somehow we do not think WS has the nerve to act without sanction (or is it sanctification?).
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Elsbeth Weymann: Magnificat

Als Vorbereitung für das Adventsgeschehen eine Übersetzung und einen Kommentar zum Magnificat (Luk. 1, 46-55) von Elsbeth Weymann.

Er stürzt, was sich mächtig dünkt, vom Thron im Innern
und hebt hinauf, was sich nicht sehen kann.

Die nach Geist Hungernden erfüllt Er mit Gutem
und die sich satt wähnen,
lässt Er leer ausgehen
.“


Zum ganzen Text
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Templer- und andere Traumata. Aus Andreas Meyers angekündigtem Doppelband über den Templerorden

meyer
Leseprobe aus dem Kapitel: Die Auswirkungen der Folter, in: Die letzten Templer, Band II, IL-Verlag Basel (Februar 2014):

Die alten, unverarbeiteten Erlebnisse vergangener Erdenleben, sofern diese stark und lebensbestimmend genug gewesen sind, haben weiterhin ihren Sitz im Ätherleib des Menschen und wirken von da aus auf den physischen Organismus. Die Erfahrung von Folter gehört zu den mächtigsten Erlebnissen dieser Art. Mit Entbehrungen, Trennungen, Schicksalsschlägen, Leid und Krankheit kann der Mensch, wenn er an sich arbeitet, souverän umgehen lernen und sich von allen »Haftungen« frei machen. Auch und insbesondere die Bereitschaft zum Tod gehört dazu und kann freudig bejaht werden. Die Wirklichkeit der Folter, sofern diese subtil genug vollzogen wird, gehört jedoch zum Schlimmsten und Unerträglichsten, was der Mensch erleben kann. Selbst stärkste Naturen werden durch die Folter gebrochen. So war es auch bei den meisten Templern. Kampferprobte und lebensgeprüfte Ritter, die ihr Leben nicht schonten, geistig geschult und teilweise eingeweiht waren, konnten die Qualen der Folter nicht ertragen und gestanden, was man von ihnen hören wollte. Erschwerend kam dazu die geschilderte, besonders teuflische Tatsache, dass dabei nicht nur der physische Körper zerstört wurde, sondern Teile ihres Ätherleibes herausgerissen wurden. Entsprechend »beschädigt« war demgemäß auch die »Kopie« ihres Ätherleibes.
Viele Templer, die an den Qualen der Folter oder durch Verbrennung den Tod fanden, hatten in ihrem irdischen Leben keine Gelegenheit mehr, diese Dinge zu verarbeiten. Doch auch innerhalb des Lebens ist es fast unmöglich, derartig schwerwiegende Erlebnisse zu verarbeiten. (1) Die Erfahrungen traumatisierter Missbrauchsopfer zeigen beispielhaft, wie stark die Tendenz zur Verdrängung, zum vollständigen innerlichen Vergessen-machen bei derartigen Ereignissen ist. Doch auch wenn die Erinnerung daran ausgelöscht wurde, wirken die unverarbeiteten Erlebnisse im Leib weiter.
Es kommt deshalb vor, dass Menschen heute mit erheblichen körperlichen Beschwerden konfrontiert sind, deren Ursachen sich scheinbar nicht ergründen lassen und die vollständig resistent gegen die üblichen Arten der Behandlung sind. Die Beschwerden zeigen sich auf körperlicher Ebene oft in unerklärlichen, massiven Schmerzen, einem Grundgefühl von Nicht-im-Körper-sein-können, sich tatsächlich wie gefoltert fühlen und Vielem mehr. Die Gliedmaßen werden wie abgestorben empfunden. Manche fühlen sich wie missbraucht, obwohl dies biografisch ausgeschlossen werden kann. Auf seelischer Ebene werden oft starke Schuldgefühle erlebt, die keinen erkennbaren Grund haben. Dazu gehören auch Angstzustände, eine innere Zerrissenheit und das Gefühl, irgendwie nicht leben, nicht wollen und sich nicht verbinden zu können. In Bezug auf geistige Fragen paaren sich manchmal ein tiefes Wissen und das Gefühl, eigentlich alles schon zu kennen, mit Angst, Spott, Ablehnung und nicht-mehr-Glauben-können. Hinsichtlich des Schuldempfindens fühlen manche Menschen, dass sie irgendeinen Verrat begangen haben an etwas sehr Heiligem, aber finden in ihrer Biografie darauf keine Antwort.
Indessen geht die Praxis der Folterung weltweit weiter (2) und wir dürfen davon ausgehen, dass damit auch der schwarzmagische Strom, der sich von den mexikanischen Mysterien ausgehend über Philipp den Schönen und seine Kreaturen fortsetzte, weiter lebt. Zum neusten und weltweit erfolgreichsten Computerspiel »GTA V« schrieb die Süddeutsche Zeitung am 21. September 2013: »Wer GTA V spielen will, muss sich darauf einstellen, einen Menschen zu foltern. In einer Passage, die knapp zehn Minuten dauert, wählt der Spieler aus: Waterboarding oder Zange. Menschenrechtsorganisationen sind entsetzt«. Natürlich erklärten »Game-Experten« am 25. September 2013 in den »Tagesthemen« des ARD, dass es doch schließlich »nur ein Spiel und keine Realität sei« und verharmlosen so die Folter. Indessen lässt sich damit gewaltig Profit machen und bereits in den ersten drei Tagen des Verkaufs wurde damit mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz gemacht
.“

1 Vgl. dazu: McCoy, Alfred W., Foltern und Foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung und-Praxis von CIA und US-Militär (aus dem Amerikanischen von Ulrike Bischoff), 2. Aufl. (Frankfurt (Main): Zweitausendeins, 2006).
2 Ebd.
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Andreas Meyers Bücher werden im kommenden Frühjahr erscheinen, können aber bereits jetzt teilweise eingesehen, vorbestellt und diskutiert werden. Dazu stellt der Autor ebenso ein eigenes Blog wie Facebook- und Twitter- Accounts bereit.
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Wieder aufgelegt: Der dritte Band von "Wer war Ita Wegman"

ita
Die letzte, zweite Auflage stammt aus dem Jahre 2000. Nun ist dieser dritte Teil der Aufarbeitung von Zeylmans van Emmichoven „Wer war Ida Wegmann. 1924 bis 1943. Kämpfe und Konflikte. Band 3“ im Verlag am Goetheanum wieder erschienen. Der 1935 betriebene, intrigante und schändliche Herauswurf von Ita Wegman und großer Teile der Anthroposophischen Gesellschaft ist eine der großen Wunden dieser Bewegung. Es war eine sehr persönliche, aber auch intern- politische Abrechnung der Persönlichkeiten, die nach dem Tod Rudolf Steiners um Einfluss rangen. Im Vorwort warnte der Herausgeber der Dokumente von Emmichoven schon: „Manche dieser Texte sind verfänglich genug, sie können einem die ganze Freude an der Anthroposophie verderben. Sie wirken wie seelisches Gift.“ So wirkt das in der Tat, denn es hat etwas von stalinistischen Prozessen. Die Dokumentation kam spät- erste Auflage 1992-, was nicht nur am Desinteresse an der Aufarbeitung lag, sondern auch daran, dass Wegman selbst sich nie gewehrt hat gegen die Beschlüsse, die zu ihrem Ausschluss führten.

Die Vorwürfe lauteten im Überblick: „Opposition in Bezug auf das Zusammenwirken im Vorstand, Obstruktion und Unaufrichtigkeit, Unterstützung „widerrechtlich gegründeter Anthroposophischer Arbeitsgemeinschaften in Deutschland“, Verletzung der Würde der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“, „offener Kampf“ durch Widerspruch gegen die Vorstandsmitglieder (Marie Steiner, Albert Steffen, Günther Wachsmuth), „langjährige Enttäuschung des Vertrauens der Mitgliedschaft.“ (S. 31) Eine zynische Deutung gab insbesondere Albert Steffen, nämlich dass die, die ihn nicht als Vorsitzenden anerkennen wollten, sich damit selbst aus der Gesellschaft ausschlössen: „Entweder betrachten Sie mich ausgeschlossen als Vorsitzenden, oder Sie betrachten eben dasjenige, was damals geschehen ist, als einen Selbstausschluss jener Persönlichkeiten.“ (Öffentlich im Nachrichtenblatt, 12.5.1935) Warum diese enorme Zuspitzung? Der Prozess dieses Konfliktes kann im Buch über zehn Jahre nach dem Tod Steiners durch die vorliegenden Briefe Wegmans verfolgt werden. Die ganz persönliche Note kam durch Marie Steiners von Anfang an vorherrschende „Abscheu gegen Wegman“ und durch die Annahme, Wegman und ihre Leute planten ein „geheimes Machtzentrum“ oder einen „Übervorstand“. (S. 80) Aus Briefen Wegmans geht auch ihre persönliche Betroffenheit darüber hervor, dass Marie Steiner den Eindruck aufbrachte, „als ob es eine Unterlassung meinerseits war, dass Frau Dr. Steiner nicht rechtzeitig benachrichtigt worden war von der Verschlimmerung des Zustandes Dr. Steiners am Vortage seines Todes.“ (S. 120) Wegman war die abhandelnde Ärztin gewesen, Marie Steiner auf Reisen. Man sieht dabei, in welchem Maß ganz persönliche Ebenen zwischen zwei Frauen, die Rudolf Steiner nahe standen, hier ausgetragen wurde.

Sicherlich fühlte sich die willensstarke Wegman als Vertreterin des Michaelsimpulses und der Weihnachtstagung- als eine Speerspitze der selbständigen esoterischen Bewegung innerhalb der Bewegung. Sie sah auch die politischen Gefahren im nationalsozialistischen Deutschland und wollte eine dezentrale anthroposophische Bewegung dort anregen- auch um die Mitglieder zu schützen: „..konnte ich das Erlebnis haben, dass in dem politischen Zustand, in dem Deutschland sich jetzt befindet, eine einheitliche Landesgesellschaft doch nicht dem Wesen der anthroposophischen Bewegung in Deutschland entspricht ...“ Sie sah in Deutschland 1931 schon „freie Menschengruppierungen, die sich verbinden mit sachlicher Arbeit, die dann auch wieder ausüben sollten die Toleranz einander gegenüber“ (Brief 10.7.1931 S. 102ff) als geeignetere Organisationsform. Das widersprach insbesondere Albert Steffens zentralistischer Vorstellung von seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender, wodurch die oben aufgeführten Vorwürfe gegenüber Wegman resultierten. Zudem äußerte Wachsmuth Sympathie gegenüber den Nationalsozialisten, und Steffen schrieb -„Eure Exzellenz“ an Hitler persönlich.

Die Mischung zwischen persönlicher Eifersucht und Machtansprüchen bereiteten den Boden für die Ausschlüsse, die dann 1935 kulminierten. Ein ganzer Teil gerade selbständig arbeitender und denkender Mitglieder verschwand aus den Gremien, aus den Vorständen, oder ganz aus der Bewegung. Ludwig von Polzer-Hoditz berichtete (Brief von Wegman, S. 121) noch während der Auseinandersetzungen darüber, was man auch als Vorwegnahme der Folgen der „Säuberungen“ sehen könnte: „Todesstille in Deutschland“.
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Stationen- keine Häfen. Erinnerungen an Elgin Gerlach

elgin
„Immer noch, wie eh und je, war ihr Lebensstil von äußerster Bescheidenheit:
Ein Zimmer, ein Bett, ein Schreibtisch, ein Regal. Sie malte viel und hatte gelegentlich eine kleine Ausstellung. Und wie eh und je atmete dieses Zimmer. Wenn man es betrat, kam man in einen Raum, der von ihr so durchdrungen war, wie man es nur bei geistig intensiv arbeitenden Menschen erleben kann. Bei Anderen machte sich das innere Erleben vielleicht an bestimmten Möbeln, Postern, Erinnerungsfotos oder Parfüm fest. Bei der Freundin aber drückte jeder der von ihr belebten Räume eine bestimmte Intensität ohne äußere Symbole oder Gestaltungsmerkmale aus:
Gelebte Gegenwärtigkeit, die spürbar wurde.“
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