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May 2013

Judith von Halle, Edith Maryon und der Golden Dawn

Maryon selbst, die „geschulte Okkultistin“ (Selg, S. 35) schrieb, sie sei bislang dem Meister Abdul Baha, dem Leiter der Bahai- Gemeinde gefolgt, aber das erklärt Rudolf Steiners strenge Betreuung und Auflagen ihr gegenüber nicht. Vielmehr war Maryon seit 1909, mit 37 Jahren, Mitglied des „esoterischen Ordens - der „Hermetic Students of the Golden Dawn“„ (Selg, S. 17), genauer gesagt deren Nachfolge- Orden „Stella Matutina“. Selg nennt diese Mysterienrichtung höflich „eleusinisch“. Genauer ausgedrückt handelte es sich um einen bedeutenden magischen Zirkel: „Der Hermetic Order of the Golden Dawn (hermetischer Orden der goldenen Morgendämmerung, kurz: Golden Dawn) war eine magische diskrete Gesellschaft. Er wurde um 1887/1888 in London von William Robert Woodman, Samuel Liddell MacGregor Mathers und William Wynn Westcott gegründet. Der Orden bestand bis 1903 und zerfiel dann wegen innerer Streitigkeiten in diverse Nachfolgeorganisationen.“

Berühmtestes Mitglied war der Schwarzmagier Aleister Crowley. Maryon wurde offensichtlich nicht direkt Mitglied dieses Kreises, aber des Ablegers Stella Matutina, dem die meisten Gründungsmitglieder des Golden Dawn gefolgt waren. Maryons Interesse an Rudolf Steiner entsprang wohl einer Gruppe innerhalb dieses Ordens, der sich speziell als „Rosenkreuzer- Gruppe“ betrachtete. Allerdings arbeitete diese Splittergruppe auf eine „magische“ Art, nämlich durch Channeling, Beschwörung, Mediumismus und Besessenheit: „Die "Rosenkreuzer"-Gruppe, die von sich behauptete, sie könne durch Geisterbeschwörungen ein Medium in einen Zustand der Besessenheit versetzen, der es ermögliche, als Kontrollgeist niemand geringeren als die fiktive, legendäre Romanfigur des Christian Rosencreutz zu channeln.“ (Wikipedia, dito) Nach dem Weggang Maryon gab es Skandale, Veröffentlichungen und Schließungen dieser Zirkel, weil behauptet wurde, „dass es sich bei dem Orden um eine satanistische Organisation handele und verurteilte als konservativ gewordene Christin öffentlich die Machenschaften, später auch in zwei Büchern, in denen sie ihrem Eindruck Raum gab, dass die Stella Matutina eine satanistisch- kommunistisch-zionistische Konspiration sei, welche mittels sexueller Energien die Weltherrschaft erlangen wolle.“ (Wikipedia, dito) In jedem Fall war der höchst dubiose Orden ein exklusiver Zirkel, der zur Zeit von Maryons Eintritt seinen Höhepunkt hatte: „In seiner Blütezeit zwischen 1904 und 1910 wurden hier allein 72 Männer und Frauen initiiert.“

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Michael Eggert: Maharishi Steiner und seine falsche Prophetin. Über Judith von Halles "Rudolf Steiner. Meister der weissen Loge. Zur okkulten Biographie"

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Zu dem Befremdenden, was man in den letzten Jahren über Rudolf Steiner lesen konnte, gehörten keinesfalls nur einige seiner Kritiker, sondern angebliche Verehrerinnen wie Judith von Halle, die in Rudolf Steiner Meister der Weissen Loge Zur okkulten Biografie so etwas wie eine frömmelnde New- Age- Version dieses vielschichtigen Mannes vorlegt, die schon vom Titelbild her (glubschäugige Meisterfotos und der bärtige Kitschjesus) an Heiligenbroschüren a la Maharishi erinnern.

Natürlich geht es von Halle nicht vorrangig um die Person Rudolf Steiner, nicht um seine vielfältigen Beziehungen, seine biografischen Brüche, seine inneren Kämpfe. Es geht vor allem um das Nichtgreifbare, das behauptete "Geistige", eine Individualität (wie sie schon im zweiten Satz proklamiert), "die sich von allem, was sonst im Zwischenmenschlichen erfahren werden kann, auf so eindrückliche und nachhaltige Weise unterschied, dass sich die Frage nach dem Wesen und Urständen dieser Individualität für viele (..) Menschen wie von selbst stellt." Das Ausklammern des Biografischen in einem Porträt hat einerseits für die Autorin den Vorteil, dass nichts von ihren Behauptungen überprüft werden, und dass, andererseits, damit die Behauptung für ihre Anhänger untermauert werden kann, nur sie habe exklusiven "esoterischen" Zugang zu diesen Aspekten.

Das bestätigt sie auch schon auf Seite 8, wo sie erklärt, sie habe Zugang zu den "Archive(n) der geistigen Welt"- die denn auch "verlässlicher" seien als die "exoterischen". Sie spricht sich damit von vornherein frei von für sie vordergründiger Recherche- Arbeit und verlässt sich ganz auf ihre "geistige(n) Augen und Ohren". Damit macht sie sich auf zu der "Sphärenhöhe dieses Wesens"(S. 9). Im Grunde interessiert sie nicht einmal die proklamierte Meister - Höhe dieses Wesens, sondern hauptsächlich dies als "Behausung für ein noch höheres Wesen" (S. 9). Dies könne sie im vorliegenden Band nur "fragmentarisch" ausführen. Man kann aber daraus schließen, dass sie zu Diesem, was auch immer den Meister Steiner "behause", selbst Zugang habe, ja dass dieses Behausende das sie selbst Inspirierende selbst ist, da sie es sonst kaum "erkennen" könnte. Mit anderen Worten - Steiner als Person, ja selbst als "Meister" interessiert sie individuell gar nicht, sondern das, was sie selbst hört und sieht. Sie sieht also den Steiner, den sie sehen möchte. Das einer biografischen Arbeit vorweg zu schicken, bedeutet, dass man sich ihr und diesem Buch nur glaubend anvertrauen kann. Ihre inspirierenden Geister kennen wir nicht, können wir nicht kennen, denn sie schweben in scheinbar unerreichbaren Fernen und Höhen. Ganz offensichtlich ist das Steinerbild, das ihr vorschwebt, ausschließlich ein Spiegel ihrer wie auch immer gearteten "Schauungen". Im übrigen entspringt diesem (für uns durchaus trüben Quell) auch der von ihr so verstandene "Lebensauftrag (..) und -werk (..) dieser Individualität: die Anthroposophie." (S. 11) Das steht im deutlichen, ja grellen Widerspruch zum Anspruch der "Geisteswissenschaft" Rudolf Steiners, die ja nachvollziehbar und transparent auftritt, vor allem im denkend erkennenden Ansatz der "Philosophie der Freiheit" Rudolf Steiners.

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Judith-von-Halle-Seite bei den Egoisten
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Adam Michaelis: Dedication

We dedicate our three papers, (a) Prokofieff versus von Halle – the fight over a (non) protected title, (b) And if Judith von Halle were not stigmatized for all the world to see, and (c) Appendix C, to the philosopher Søren Kierkegaard on his 200th anniversary. In his spirit and way of thinking, following his majeutic method, we tried in these papers to communicate the principles and practise of an existential faith in Christ in a way, that could shed light on the dire conflicts and spiritual stagnation in institutionalized Anthroposophy. We have set up an “existential caleidoscope” or mosaic, mirroring the fixed positions and liberating perspectives in this stalemate, showing how you can individualize and spiritualize out of it.
The first paper (a) represents an aesthetic line of approach, since it is uncommitted, style-conscious, a little blasé and distanced. Is contains an individualistic and sarcastic attitude, which certainly has its advantages and points. When trapped in blind fascination and enthusiasm – like when you are enmeshed in a luciferic magic lure (Bannkreis) – you need a mild (self)-irony and light sarcasm to distance yourself, get an overview, see the trivial roleplay and individualize out of it. Just to look at yourself and the entrapment from the outside without participation. See the folly of the situation.
The second paper (b) represents an ethical line of approach, since it is involved and principled. It deals with problems on a concrete level, but due to a humorous attitude it escapes a fixed position and a deadlock and remains open, which is always vital in a conflict. When trapped in cold, categorical and heartless judging – like when you are enmeshed in an ahrimanic organization (Einrichtung) – you need an empathic humour to reach a deeper level, get an existential insight, see the underlying, common reality and indvidualize yourself from it. Just to look at yourself and others with a broader, living and more human perspective. Do not separate from the wholeness of life.
The last paper (c) represents a religious line of approach in which you individualize yourself in existential faith and deliverance. When you see your own shadow there is more spaciousness and acceptance and no need for projection. You discover the middle – the only possible place for the I. You stand apart in an existential faith that no one can look into without the same kind of faith and surrender, and yet you stand together with the part of every human being, who is before the cross of Christ in truth.

Adam Michaelis,
During Whitsuntide (Pfingsten) 2013
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Adam Michaelis: Appendix C

Als dritter Teil nach „Prokofieff versus von Halle- the fight over a (non-protected) title“ und „And if Judith von Halle were not stigmatized for all the world to see“ folgt nun „Appendix C“:

„Let this be said again, once and for all. Of course, we do not now the truth or reality about that event or Judith von Halle. Only Christ knows that. But that is not the important issue here. The problem is, how existential truth can be aligned with it, and how we should orientate ourselves in such a situation existentially. You see, we are all in a way stigmatized and crucified right now in Christ. Why look to Judith von Halle as somebody special in that regard? This is really an existential illusion. A game you play with yourself in order not to see yourself and reality.“

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Elsbeth Weymann: Pfingsten

Goethe schildert in seiner „Italienischen Reise“, wie er während eines Aufenthaltes in Rom ein Pfingstfest der verschiedenen Sprachen erlebte. Dabei lasen 30 junge Menschen jeweils in ihrer Muttersprache nacheinander heilige Texte auf Türkisch, Persisch, Arabisch, Äthiopisch, Syrisch usw. „Das Griechische aber“, so bemerkt Goethe, „klang wie ein Stern in der Nacht“.
Vertieft man sich in Wortbedeutungen und grammatikalische Formen des griechischen Urtextes der Pfingstgeschichte, können neue Dimensionen der Textaussage erscheinen.

1 Und in dem Erfülltwerden des Tages der Fünfzig waren sie alle einmütig in ihrem Eigenen.
2 Und es geschah plötzlich aus dem Himmel ein Echo wie von einem mächtig hereinbrechendem Geist
und erfüllte das ganze Haus , wo sie erwartend saßen.
3 Und es wurden geschaut von ihnen
Zungen, zerteilte, wie von Feuer
und sie setzten sich auf einen jeden von ihnen,
4 und erfüllt wurden sie alle mit dem Heiligen Geist,
und begannen zu sprechen in anderen Sprachen,
so wie der Geist es ihnen gab, die Stimme zu erheben.
5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden,
ehrfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6 Als nun diese Stimme geschah,
kam die Menge zusammen und ward verwirrt,
denn ein jeder hörte sie reden in seiner eigenen Sprache.
7 Sie waren außer sich und voller Staunen und riefen: Nein, siehe,
sind nicht alle diese, die da sprechen, Galiläer?
8 Und wie hören wir jeder unsere eigene Sprache,
in der wir geboren sind?(...)
12 Alle waren sie außer sich, sie waren ratlos, und es sagte einer zum andern:
was will das werden?“

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zum ganzen Text von Elsbeth Weymann
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Adam Michaelis: And if Judith von Halle were not stigmatized for all the world to see - an exercise in contrapuntal thinking

Adam Michaelis knüpft in der vorliegenden Anschluss- Betrachtung an seine bisherigen Betrachtungen zum internen Konflikt innerhalb der anthroposophischen Gesellschaft - dargestellt an der Auseinandersetzung zwischen Sergej Prokofieff und Judith von Halle - an und führt sie dieser Stelle in einem ausgesprochen „existentielles Arbeitspapier“ weiter. Es ist so geschrieben, und es ist auch so zu lesen, auch wenn zweifellos ein Wechsel der Ebenen der Betrachtung vorliegt. Ein Arbeitspapier, das hypothetisch okkulte Hintergründe der Problematik in einer Art Spiegelung der sichtbaren Phänomene betrachtet und damit zur eigenen Arbeit des Lesers anregen will. Damit soll der schwierige, in mancher Hinsicht für die anthroposophische Gemeinschaft existentielle Dissens nicht weiter vertieft werden. Es ist sicherlich ein Papier, das sich Menschen nur dann erschließt, wenn selbständige Menschen, die mit dem Konflikt vertraut sind, die Bücher sowohl Judith von Halles und Sergej Prokofieffs gelesen und studiert haben. Das Arbeitspapier schliesst in vielen Punkten an die Betrachtungen Sergej Prokofieffs an. Wegen der besonderen Tragweite des Konflikts möchten die Egoisten das Papier an dieser Stelle publizieren, auch wenn insbesondere der mittlere Teil („This is the actual construct“) zwangsläufig Widerspruch, ja vielleicht Empörung bei vielen Lesern hervor rufen wird.
Die Arbeit liegt bislang nur im englischen Original vor.

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Zum Download des Arbeitspapiers.
Gesammelte Arbeiten von und über Adam Michaelis bei den Egoisten
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Miha Pogacnik lädt zur Karl-Ballmer- Tagung ein

Bildschirmfoto 2013-05-26 um 12.03.04
„Gerne kommen wir der Bitte von Miha Pogacnik nach, Ihnen sein untenstehendes Schreiben mit einer Einladung zu den Karl Ballmer Tagen 2013 vom 6. bis 9. Juli auf Schloss Statenberg in Slowenien weiterzuleiten. Die Gespräche und persönlichen Begegnungen, die sich dort eröffnen, sind sicherlich eine empfehlenswerte Ergänzung zur Lektüre von Ballmers Schriften und insbesondere nun von Peter Wysslings umfangreichem neuem Buch "Rudolf Steiners Kampf gegen die motorischen Nerven – das Schicksal einer Weltanschauungsentscheidung in Karl Ballmer und Gerhard Kienle".
Bei dieser Gelegenheit dürfen wir darauf hinweisen, dass dieses Buch sich bereits in einer Überarbeitung zu einer verbesserten Neuauflage befindet, die in ca. zwei Wochen lieferbar sein wird. Es empfiehlt sich, diese Neuauflage abzuwarten; Sie können bereits jetzt direkt bei uns bestellen. Wenn Sie dagegen über Amazon etc. bestellen, werden Sie zwangsläufig zunächst noch die alte Auflage erhalten. Auch die andere von Miha Pogacnik erwähnte Schrift, Karen Swassjans "Karl-Ballmer-Probe", ist kürzlich als Neuauflage herausgekommen. Sie ist stark erweitert durch mehrere in der Zwischenzeit entstandene Texte Karen Swassjans. Wieder sind die "Marginalien" 1 und 2 von Ballmer enthalten.
Detaillierte, aktuelle Informationen erhalten Sie wie immer auf unserer Website.
Es grüßt Sie herzlich Martin Cuno“

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„Diese ganz persönliche Einladung ist mir zugleich sehr leicht und sehr schwer zu schreiben: seit mir vor 15 Jahren die bedeutende Schrift von Karen Swassjan, „Karl Ballmer Probe“ in die Hände gekommen ist, kann ich mein Leben rückblickend teilen in die Zeiten davor und danach. Die ganze Erkenntnisproblematik durch und um Rudolf Steiner ist in ein völlig anderes Licht gerückt, eine Weltanschauungs-Kopernikanische Wende! Dann hatten wir 2 mal Karl-Ballmer-Tage in Schloss Borl, Terra Parzival, mit Karl Huober – und jetzt im Juli geht es weiter mit Peter Wyssling. Mit Peters Einverständnis hänge ich als Kostprobe die Einführung und den Prolog seines Buches an, das die Basis für die Ballmer-Tage in Terra Parzival / Schloss Statenberg bilden wird. Es scheint zunächst, als ob dieses Werk Wysslings ein Spezialproblem der Neurologie behandelt, es entpuppt sich aber sehr schnell als ein Hauptproblem der Erkenntnis überhaupt.
Herzlich willkommen in Terra Parzival, wenn Euch die Erkenntnisfrage eine Herzensangelegenheit ist!
Bitte melden Sie sie sich einfach bei mir an (…)
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Adam Michaelis: Prokofieff versus von Halle- deutsche Version

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Hier die von Ingrid Haselberger und Jostein Saether erstellte Übersetzung (als PDF- Download) des Grundsatz- Artikels von Adam Michaelis zum Konflikt zwischen Sergej Prokofieff und Judith von Halle. Der zur Zeit auf bei Facebook vor allem auf englischsprachigen Seiten diskutierte Aufsatz wurde vor zehn Tagen bereits bei den Egoisten vorgestellt.
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Marodierende Geister

Ich zitiere, weil ich zufällig unter dem Tag „Kühlewind“ darüber stolperte, aus einem drei Jahre alten Blogbeitrag, an dem sich zeigt, wie wenig sich doch verändert hat- oder wie sehr, vielmehr, die schwärenden Wunden marodierender Geister immer weiter aufbrechen, denen die innere Mitte, die Toleranz und die geistige Kompetenz fehlen, auch wenn sie genau darauf pochen (und, im Falle der Anhänger Rudolf Steiners, stets für sie passende und genehme Textstellen in dessen Werk entdecken):

So schart eine Enddreissigerin bei Facebook 360 Anhänger um sich, die an ihren Lippen hängen, weil oder obwohl sie behauptet, die Reinkarnation Rudolf Steiners zu sein. Von den blutenden Wundmalen einer Judith von Halle und ihren visionären Eingebungen ganz zu schweigen. Wir sind heute -technologisch, medial, aber auch spirituell - noch einen Schritt tiefer gesunken als zu Kühlewinds Zeiten vor vielleicht dreissig Jahren. Heute werden vielfach nicht nur Bände mit geraunten „Geheimnissen“, Verschwörungen und geheimen Logen gefüllt, heute bekommt die Ungedecktheit eine eigene Dynamik und nimmt visionären Charakter an. Dort wo das auftritt, taumelt stets eine Gemeinschaft von Gläubigen hinterher. Offensichtlich folgt der illusionären Ungedecktheit eine Art Gärung, der immer fantastischere Erfahrungen und Behauptungen entspringen.“

Im sozialen Miteinander werden durch die Ungedecktheit, je bizarrer und Rechthaberischer sich die Protagonisten gebärden, zersetzende Tendenzen frei, die letztlich jedes Miteinander ad absurdum führen. Das innere Standhalten jedes Einzelnen, im Sinne einer spirituellen Autonomie, ist heute mehr gefragt denn je.
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Adam Michaelis: Prokofieff versus von Halle - the fight over a (non-protected) title - a critical philosophical-spiritual review

Adam Michaelis unternimmt in seinem Essay den Versuch, die schweren Konflikte, die sich in der Debatte um Sergej Prokofieff und Judith von Halle entzünden, von einem esoterischen Außen- Standpunkt aus zu erfassen. Er nutzt dabei Stufen der inneren Reife und Entwicklung, die Søren Kierkegaard, der dänische Philosoph, vor nahezu 200 Jahren entwickelt hat. Gleichzeitig kommt Michaelis zu einer Art Diagnostik der inneren Kultur heutiger anthroposophischer Debatten, obwohl er zugleich anthroposophische Kategorien und Begriffe verwendet. Michaelis schreibt aber auch als Kenner der Schriften der Kontrahenten. Die Schlussfolgerungen, die er zieht, führen dazu, die momentane anthroposophische Bewegung als nahezu bewegungsunfähig zu erkennen: „Or put differently: Within the structure of institutionalized Anthroposophy, A and B are necessarily in conflict and no way out of it can be seen. The conflict goes with the territory so to speak. It is a built in feature in the social and intellectual organization of this movement.“ Trotz der scheinbaren „spirituellen“ Inhalte sowohl bei Prokofieff wie bei von Halle vermisst Michaelis neben dem Humor auch reale spirituelle Qualitäten. Daher ziehen die Kontrahenten in einem gegenseitigen Patt scheinbar unaufhaltsam Jünger und Anhänger an sich, die die jeweils diametral gegensätzlichen Positionen besetzen.

Normally we do not name actual persons when discussing the signs of the times, but we can not simply ignore the current quarrel in the heartland of Anthroposophy over esoteric Christianity, the legacy of Rudolf Steiner and the (non-protected) title of being a real “spiritual researcher” (Geistesforscher) between the two prominent anthroposophical authors, Sergej Prokofieff and Judith von Halle. Schismatic eruptions and heretic dismissals are old news in the movement of Anthroposophy – but there are plenty of reasons for taking a closer look at this incident. With the oddly synchronous publication of two recent books, one by Sergej Prokofieff, Zeitreisen – Ein Gegenbild anthroposophischer Geistesforschung, the other by Judith von Halle, Anna Katharina Emmerich – Eine Rehabilitation, the public dispute between the authors has reached a new level since the publication of Prokofieffs polemic supplement or “Anhang” to his book, Das Mysterium der Auferstehung im Lichte der Anthroposophie. The level of polarization and the expected distribution of possible standpoints pro et contra have been enhanced foreseeably, and a deep crack is spreading in Anthroposophy as an institution. This is no trivial dispute! It is an open discord which reveals a fundamental dissonance.“

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Michael Eggert: Die "Tröstung"

Worin nun die Tröstung eigentlich besteht, hatte ich mich gefragt, es ist doch nichts Sentimentales gemeint. Es war merkwürdig, sogleich zu bemerken, dass die Tröstung im Verstehen selbst besteht. Es sind keine vereinzelten Informationshäppchen, mit denen man umgeht, sondern die unmittelbare, direkte Erfahrung der Kraft des Verstehens, des verständigen Wollens, ein Verstehen, das sich selbst in reinem, strömenden Schaffen erkennt.

Die Tröstung besteht in der Erkenntnis, dass dieses Verstehen universell ist- nichts Geschaffenes ist ohne dieses Verstehen entstanden. Alles Geschaffene ist daher zu verstehen. Die gebildeten Formen und Körper sind wie Borken aus dem Verstehen heraus gewachsen. Beim Formwerden endet das aktive Verstehen, auch wenn die Gestalt ein Ausdruck des aktiven Geistes ist.

Ähnlich bilden sich Gedanken wie Krusten des schaffenden Geistes, kristalline Spuren auf einem nicht abzuschätzenden Strom.

Die Tröstung besteht in der Erkenntnis, dass das Verstehen keinen Lehrplan hat, keine lineare Entwicklung kennt. Im Mutterreich des Parakleten ist das Verstehen bodenlos. Es eröffnen sich aus einer winzigen Frage Weiten des Blickes. Die Perspektive hängt nur davon ab, was wir aushalten. Es ist nämlich auch bewegend, ja manchmal ergreifend. Wie wenn man als kleiner Junge zum ersten Mal vor dem Kölner Dom gestanden hat, oder gar vor dem Altar, und dann den Blick hob. Es ist eine Frage der Perspektive, nicht die eines Lehrplans. Der Trost besteht darin, zu wissen, dass wir hier zu Hause sind.

Die hier gemeinte Tröstung ist eine Antwort auf Buddhas Leiden. Auch dieser Begriff ist viel zu groß, um auch nur eine Spur von Sentimentalität aufzuweisen. Gemeint ist die Erfahrung des sartreschen "Geworfenheit ins Sein", wobei auch die Tatsache dieses Geworfenseins nur von dem bemerkt werden kann, der sich daraus zumindest so weit befreit hat, um das konstatieren zu können. Aus der Perspektive des Geistes ist das Leben so lange Leid, solange sich der Geist in ihm vergessen hat. Das Gewahrwerden ist der Beginn der Tröstung, und der Beginn zur Überwindung des existentiellen Leidens, das nur in der Selbstvergessenheit besteht.
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Elsbeth Weymann: Himmelfahrt

Da Er dies sprach, waren sie schauend,
dass Er emporgehoben ward,
und eine Wolke nahm ihn auf, hinweg von ihren Augen.

Und während sie unverwandt in den Himmel schauten, wandelte Er,
und siehe,
zwei Männer traten zu ihnen, in Gewändern, glänzend-lichtvoll,

und sagten: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr, in den Himmel schauend?


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Übersetzung und kurze Erläuterung von Elsbeth Weymann
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