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May 2012

Cyborgs revisited

Nach und nach schalte ich wieder einige meiner eigenen Texte aus dem Archiv auf- nach dem umfangreichen Neustart vor etwa 4 Wochen. Letzterer war auch deshalb nötig geworden, weil die Seite unter ihrem Umfang buchstäblich in die Knie ging- es gab immer mehr schwere technische Probleme. Um solche Probleme geht es auch in dem Text „Cyborgs“- um Technik und Mensch, um Menschmaschinen und Ersatzteillager in uns- und um die unvermeidlichen kulturellen Clashs:

cyborg

Über kabellose Verbindungen von einem Ende der Welt zum andern. Edda Pulst ist weit gereist: Mit abenteuerlichen Jeeps, über Hängebrücken und durch Gebirge quer durch Indien bis nach Nepal. In Katmandu begegneten ihr jede Menge „Verkabelung, Faxbuden, Mobilfunk und Satellitenkommunikationsanlagen“, die „mehr und mehr (..) Mystik, Exotik und Spiritualität“ durchdringen. Das ganze Hinterland Nepals ist weitgehend frei von befestigten Straßen. Aber es gibt selbst noch in den winzigsten Lokalen Coca-Cola-light- Dosen, die zwar mit Handy bestellt, aber von Trägern zu Fuß herbeigeschleppt werden. Dringt man tiefer ins Gebirge ein, entdeckt man Tagesmärsche von aller Zivilisation entfernt auf 3600 Meter Höhe „The Worlds Highest Cyber-Cafe“. Die Sherpas können hier zwar meist weder lesen noch schreiben, aber sie diktieren dem Inhaber des Cafes ihre E-Mails, mit denen sie Kunden in Japan ihr Trekking-Angebot unterbreiten. Im Kloster Tengboche haben die Mönche gerade Computer bestellt, die von Trägern herbeigeschleppt werden. Auch hier geht man mit Word und Power-Point um und verkauft den Wandern in der Einsamkeit elektronischen Kontakt nach Hause.“

zum ganzen Text..
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Spirituelle Raubzüge oder organisches Wachstum


A.H. Almaas ist in vieler Hinsicht ein interessanter Mittler zwischen den geistigen Welten und Kulturen. Er beweist das - z.B. in „Essenz", Arbor Verlag 1997-, nicht nur durch den Einbezug islamischer, hinduistischer und buddhistischer Literatur, nicht nur durch die Einbettung in Entwicklungspsychologie und Psychoanalyse, sondern auch durch eine profunde praktische Kenntnis meditativer Richtungen.

Sein zentraler Begriff der Essenz ist, nicht nur durch dieses Buch belegt, ein Hinweis auf eine menschliche Grunderfahrung, die zum Kernpunkt transzendenter Selbsterfahrung führen möchte. Die Realisierung dieser Entelechie- Erfahrung ist ein fortdauernder Prozess, der, wie er in einem öffentlichen Gespräch äußerte, möglicherweise nicht in einem einzelnen Leben abzuhandeln sein kann. In „Essenz" warnt er vor kurz gegriffenen Freisetzungen von Energien auf der Chakren- und Kundalini- Ebene, wie sie durch manche fernöstliche Methoden offenbar möglich sind, da dies eine „süchtig machende Qualität der Chakren-Dimension" (S. 42) hervor ruft, die sich für Leute eignen mag, die eben schlechthin „nach hohen Erregungsniveaus süchtig sind". Menschen, die den Kick suchen, übertragen diese Haltung auch auf spirituelle Suche, weil sie sich andere Erfahrungen nicht vorstellen können.
Diese Erleuchtungs- Erfahrungen - kaum vorstellbar ohne Anlehnung an einen abhängig machenden Guru - öffnen zwar die Tore des Herz- Chakras, wenn es gut geht, aber eben auf eine sensationelle Art, in der es „schön, bunt und faszinierend" zugeht. Der „Wächter" der Kundalini-Schlange wird gleichsam überwältigt, „überwunden und beseitigt", der Hüter der Schwelle ausgetrickst.

Aber das hat den Preis (neben den damit verbundenen inneren und äußeren Abhängigkeiten), dass der auf hohem energetischen Niveau voran Getriebene gebannt wird und bleibt von der Intensität der Erfahrungen „am Tor zum Universum":
"Das Tor ist zwar offen, aber das Tor ist nicht das essentielle Universum."

Der andere Weg sieht eine allmähliche Entwicklung fern von jeder treibenden Dynamik vor. Auch auf diesem Weg kann man, aber eher als Nebeneffekt, "in die tiefere und feinstofflichere Präsenz im Herzen" (S. 43) schauen. Die Chakra- Ebene ist aber nicht das Ziel, sondern ein Ergebnis zunehmender Reife. Fokussierung und kontrollierte, eigenständige Entwicklung führen zu einer allmählichen Enthüllung der existentiellen Essenz im Menschen, so dass „die Erfahrung des sich öffnenden Herzens Wirkung eines Kontaktes mit Essenz im Herzen ist."
Nur so kann man den "essentiellen Bereich in seiner Reinheit" erfahren, ohne die „verdünnende Gegenwart von Emotionen".
Nur auf diese Art erfährt man das Herz- Zentrum ohne „Erregung, Glanz und Drama“ in seiner wirklichen Natur, die zutiefst „mit der Erfahrung des Mitgefühls verbunden" (S. 44) ist. Man ist inmitten einer „sehr klaren, friedlichen und stillen Leere", jenseits gedanklicher oder emotionaler Inhalte. Dann kann inmitten der Leere die Gegenwart „einer sehr feinen und feinstofflichen Präsenz“ aufscheinen, verbunden mit der Qualität einer "liebevollen Güte". Hier lebt etwas, was verglichen werden kann mit einem „Gefühl von Wärme, Zartheit und jungfräulicher Frische", mit einem „Leuchten". Diese Art des Erwachens in der zurückhaltenden, gereiften Stille ist diametral verschieden von den mit hoher Frequenz erzeugten Erleuchtungs- Raubzügen, die Almaas als "Entladungsprozess“ bezeichnet, der letztlich illusionär bleibt und Wege eher verstellt als notwendige Reifung vermittelt.

Letztlich bleibt die Frage, ob man sich blenden lässt von herbei gerufenen illusionären und fragmentarischen Methoden, die allerdings sensationelle Effekte zeitigen.
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Derselbe Weg

derselbe

Das ist derselbe Weg, den ich immer ging, zwei Jahrzehnte lang, mit Hund und ohne Hund, mit dem einen und mit einem anderen.
Das ist der Weg hinter dem Haus an den Feldern und Pferdekoppeln, dem manchmal trocken gelaufenen Bach entlang, der von Weiden gesäumt wird. In den Pappeln an der Wegscheide nisten im Frühjahr die Bussarde; man hört die Rufe der Jungen aus großer Höhe und von weit her- schneidende, fordernde Töne.

Das ist derselbe Weg, nichts hat sich verändert. Ich habe ihn manchmal gemieden, weil er mir so monoton erschien. Manchmal störte mich der Matsch, manchmal die Öde der weiten Felder, manchmal die Zecken, die vielleicht an den Spitzen der hohen Gräser sitzen, manchmal zu viele Fliegen, manchmal das schlechte Wetter. Zu Zeiten war es mir zu schwül, in anderen Zeiten zog der Wind. Es war vor allem immer dasselbe, derselbe Anblick, dieselbe Landschaft.

Dann, von einem Tag auf den anderen, verschoben sich die Maßstäbe. Ich würde es nicht Übung nennen, es war, als hätte jemand diesen Schleier abgezogen, und die Gewohnheiten - die des Blicks, des Hörens und Empfindens - waren zerstoben. Derselbe Weg, aber ein Anderer, der ihn ging. Nun war der Weg jedes Mal ein neuer. Jeder Gang war das erste Mal. Es ist nur die Frage, wie man schaut. Wenn man nicht mehr den neuen Eindrücken hinterher läuft, wirkt das Land, das man kennt, wie frisch gewaschen. Der weite Blick wird zu einem Ausdruck dieses Augenblicks, in dem alles aufeinander bezogen ist. Er wird zu einem einmaligen, unvergleichlich schönen Präsent, das man unverdient empfängt. Man fühlt, indem man sich mit dem offenen Leib in diesen Anblick stellt, dass man selbst existentiell darauf bezogen und damit verbunden ist. Nicht ein einziges Mal wiederholt sich irgend etwas. Das Wunder, wenn der tiefgrüne Weizen die Spitzen der Grannen gebiert, als würden sie heraus gezogen. Die Spur der Mauersegler vor dem weiß getupften Blau. Der Geruch der Erde, wenn der Nieselregen sie durchfeuchtet. Der Anblick der weidenden Pferde auf der hohen Wiese, in der strotzender Löwenzahn weiße Tupfen setzt:

Nie mehr derselbe Weg.
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Mondknoten im Lebenslauf


Mit der in anthroposophischen Kreisen so beliebten "Biografiearbeit" hatte ich es nie so recht, sondern hielt es lieber mit Georg Kühlewind, der dem Sinne nach mal äußerte "Irgend eine Krise ist schließlich immer", und dabei wölfisch grinste. Das Ganze hatte auch für mich einen Beigeschmack der Mit-Sich-Selbstbeschäftigung, mit so einem Wellness-Touch. Man kann, wenn man nur gründlich gräbt, alles Mögliche finden und Bezüge ohne Ende herstellen, wenn man nur will.

Daher ging ich auch an dem Buch von Florian Roder, "Die Mondknoten im Lebenslauf", zunächst achtlos vorbei. Ja, das ist ein richtig anthroposophisches Buch, im klassischen Sinne. Da reiht sich manche "Menschenkundliche Betrachtung" (wortwörtlich) an die andere, da herrscht eine umfassende Bildung, da wird manches Zitat aus Gedichten aneinander gereiht, da findet sich ein eingestreutes Essay über Goethe in Marienbad. Denn die vier Mondknoten mit etwa 19, 37, 56 und 74 Jahren werden mit Biografien bekannter Persönlichkeiten wie Goethe, Harrer, von Kues, von Humboldt, Scholl, Handke, Hammarskjöld, Dante u.v.a.m. gegeneinander gehalten. Astronomische Hintergründe werden sorgfältig eingebunden, ebenso wie Mythologien aus allen möglichen Kulturkreisen.

Tatsächlich ergeben sich in den sorgfältig dargestellten Lebensläufen etwas wie Rhythmen und wiederkehrende Spuren, bei den Einen mehr im Verstärken eines inneren Impulses, bei den Anderen in einem "kathartischen Charakter der Knotenauslösungen". Bei den Einen kommen mit dem 19. Jahr idealistische Motive auf, die sich vertiefen, realisieren und schließlich ganz neu gegriffen - oder bis hin zu einer sich selbst aufopfernden Hingabe gesteigert werden. Krisenhaft kann auch das auftreten. Bei den Anderen - so auch bei Goethe- kulminieren in manchen Mondknoten schwere gesundheitliche Krisen oder biografische Einschnitte wie eine Amour fou. Man kann es auch so betrachten, dass die Ideale und Vorstellungen, die bis zum 19. Lebensjahr vermittelt wurden, am folgenden Knotenpunkt selbst ergriffen sein sollten- gewissermaßen biografisch belegt und belebt. Mancher- so etwa Rossini- hat zwischen dem 18. und dem 37. Lebensjahr auch seine eigentliche Schaffensperiode, ist unglaublich produktiv, und verliert in der Folge seine Ausdruckskraft oder verlagert sie. Offensichtlich herrschen bis zum zweiten Mondknoten nicht selten Kräfte, die wie mitgebracht erscheinen- naturhaft gegeben. In den folgenden Lebensabschnitten müssen sie neu gegriffen werden, das übersprudelnde kreative Potential erscheint erschöpft. So wird die Krise um das 37. Jahr nicht selten als etwas erlebt, bei dem man auf seine Umgebung plötzlich wie durch eine Glaswand schaut, manchmal wie betäubt, manchmal ängstlich, manchmal sinnentleert gegenüber Allem, dem man bislang nachgelaufen ist. Manchmal bricht eine schwere Krankheit aus. Rudolf Steiner sagte dazu: "Im fünfunddreissigsten Jahr beginnt der Mensch segensreich die Kräfte in sich zu verarbeiten. An seiner Seele arbeitet bis dahin an dem Zeitlichen dasjenige, was er mitgebracht hatte aus früheren Verkörperungen; für das Ewige fängt der Mensch nun an, nach innen zu arbeiten. Deshalb wird alles, was wir gelernt haben, erst vom fünfunddreissigsten Jahr an reif, etwas zu werden, um es der Welt zu geben. Es ist die Zeit, wo er in sich selbst fest wird, in sich selbst Gewicht erhält." (Steinerzitat in Roder, S. 67)
Gefordert ist der Tätigkeitsquell des Ich selbst, da das Tragende, was aus der Vergangenheit stammt, nun verglommen ist. Andersherum formuliert: "Indem wir 35 Jahre alt werden, kommen wir überhaupt in der Gegenwart erst an!" (Roder, S. 67)

Während im Vergangenen das Thema häufig im inner-familiären Kreis bleibt, in der Frage nach der Umwandlung mitgebrachter und erworbener Ideale und Vorstellungen, greift die Krise um das 56. Jahr manchmal universeller- und wirft die Frage auf, was am realisierten Leben wesentlich ist. Daher finden sich in dieser Zeit häufig jähe Karriereabbrüche und Infragestellungen dessen, welche Stellung man im Leben und in der Gesellschaft eingenommen hat. Natürlich können schwere gesundheitliche Krisen hinzu kommen. Es ist, als ob der scheinbar feste Boden einer in bestimmten Bahnen verlaufenen Biografie plötzlich aufgerissen wird, und man hat als Person dem Nichts gegenüber zu bestehen. Bei Peter Handke war es ab 1996 seine ostentative, tatsächlich problematische Hinwendung zu Serbien, die ihn in der Öffentlichkeit am Pranger stehen ließ. In direkter Folge gab er erworbene Auszeichnungen zurück und trat aus der Kirche aus. Den biografischen Umschwung hatte Handke bereits zuvor in einem Roman vorher gesehen und daran seine Philosophie der Langsamkeit entwickelt- eine spirituelle Qualität des kontemplativen Schauens, der allerdings seine haarsträubenden politischen Stellungnahmen in meinen Augen diametral entgegen stehen, ungebrochen bis heute.

Nur Wenigen gelingt es, mit dem vierten Mondknoten im 74. Jahr eine neue Schaffensperiode einzuläuten. Manchen - so Roder- wird an diesem Punkt die Maske endgültig abgerissen, die sie womöglich lebenslang getragen haben, Krankheit, Depression oder Verwirrung drohen. Bei Goethe waren es schwerste Herzbeschwerden, "Massen von Krankheitsstoff (..) seit dreitausend Jahren" (S. 133) fühlte er aus sich heraus quellen. In der Erholungsphase in Marienbad verliebte er sich in eine sehr junge Frau und läutete im Gefühlsaufruhr eine neue höchst kreative Phase ein, begründete in der und durch die Krise das Entstehen seines Alterswerks. Goethe selbst sprach von "wiederholten Pubertäten" (Gespräche mit Eckermann), die er durchgemacht habe. Auch so können die Mondknoten- Krisen gedeutet werden- Wachstumsprozesse mit entsprechenden Schmerzen sind sie auf jeden Fall- oder, wie Roder sie nennt, "Tore der Selbsterkenntnis".

Auf die weiteren mythische, kosmischen und spirituellen Betrachtungen im zweiten Teil des Buches möchte ich bei anderer Gelegenheit zurück kommen.
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Rude Boy Guru Cohen vor Imagewechsel?

Ich bin freundlicherweise von einem kritischen Anhänger Cohens auf einen Artikel aufmerksam bei Whatenlightenment (einem ebenso kritischen Blog) gemacht worden - „From Rude Boy to Nice Guy?“. Man muss vorher bemerken, dass Viele, die sich in diesen kritischen Blogs äußern, auch in dem unten besprochenen Buch von Yenner („Ein amerikanischer Guru“) nicht nur erwähnt, sondern breit zitiert werden. Außerdem gibt es seit langem das Aussteigerbuch von van der Braak, das ich bereits vor fünf Jahren besprochen habe, vor allem, weil dort auch eine komplette Biografie von Andrew Cohen ausgebreitet wird.
Im genannten Blog Whatenligthenment wird bemerkt, dass eine Reihe von kritischen Artikeln - auch bei Wikipedia - Anfang dieses Jahres verschwunden bzw. aktiv entfernt worden sind. Es ist also zu vermuten, dass das überaus schlechte Image des Gurus in seinen Umgangsformen mit seinen Schülern überarbeitet werden soll: „So what is going on here, folks? Dare we infer that there is a slippery and concerted effort on the part of Cohen and his students to remake the "rude boy" guru’s online image?

Nun erwähnt schon Yenner in seinem Buch, dass von Cohens ursprünglich etwa 130 Schülern gerade einmal eine kleine Handvoll übrig geblieben sind. Zwar kommen immer wieder Andere nach - das Ausgrenzen im Internen scheint ja bei Cohen zur Methode zu gehören -, aber Yenner weiß, dass das zentrale Ashram Foxhollow über weite Teile des Jahres ziemlich verwaist ist, wenn nicht gerade Events statt finden. Cohen scheint finanziell allmählich die Luft auszugehen, was einem Image- Wandel einigen Schub geben mag: „Stas Mavrides’ recent article, I Love Him, I Hate Him, I Love Him Again suggested that Andrew did a pubic about-face on his critical, angry stance toward his former teacher, in part per his PR consultant’s advice that he needed to make some specific image changes in order to help his fundraising efforts. (There are indications that Cohen’s group is in difficult financial straits – In 2011 it officially ended publication of its magazine “EnlightenNext”, and listed its Foxhollow property for sale, selling off a portion of the estate to a development company.)“ Das Prinzip des permanenten Wandels und damit einer notwendigen ständigen Expansion scheint bei den autoritären frauenfeindlichen und aggressiven Umgangsformen Cohens zunehmend zum Problem zu werden.

Ein sanftes Auftreten würde es ermöglichen, die „integralen“ Kreise besser anzusprechen, um im Dialog mit unterschiedlichen spirituellen Richtungen - auch den Anthroposophen - die eigenen Interessen zu wahren: „These days Andrew speaks to large Integral audiences like the “Integral Spiritual Experience” convocation held in California earlier in January.“ Die Betreiber von Whatenlightenment warnen allerdings, dass auch ein scheinbar eher dialogisch orientierter Cohen nichts anderes als ein Wolf im Schafspelz sein mag: „ Given that, it would seem by removing earlier internet testaments from himself and fawning students it might help him forge his new image as a likable ‘Integral-friendly’ leader; an image that belies the character of an abrasive, even abusively autocratic guru, a man to whom his inner circle of students have surrendered control of their lives, yet secretly fear displeasing. And so we say, “Beware the wolf in sheep’s clothing!”“

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Die Nutzlosigkeit der Gegenwärtigkeit

Unter "Nutzlosigkeit" zitiert Kühlewind in unserem Meditationsbuch "Licht und Leere" (Verlag Freies Geistesleben) Zoketsu Norman Fisher:

"Zazen ist grundsätzlich eine nutzlose und witzlose Betätigung. Man widmet sich dem Zazen nicht, weil es irgendwie hilft oder friedvoll ist oder interessant, oder weil Buddha einem sagt, man solle es tun - wiewohl wir uns vorstellen mögen, es sei hilfreich, friedvoll oder interessant-, sondern einfach weil man sich ihm widmet. Du tust es eben, weil du es tust… Auch ist es keine Frage des Wollens oder Nicht- Wollens. Zazen geschieht um des Zazen willen. Vögel singen, Fische schwimmen, und wer sich dem Zazen widmet, übt Zazen jederzeit mit Hingabe, obwohl es keinerlei Notwendigkeit dafür gibt."

Das ist eine Haltung, die ich schon beim bloßen Lesen erholsam finde. Ich kann mir z.B. keine andere Haltung vorstellen, mit der man unbefangen, unangestrengt, durch die Natur gehen könnte, um auf sanfte Art und Weise den Dualismus im Wahrnehmen zu überwinden. Man kann sich ihr gar nicht anders annähern. "Konzentration" und "Fokussierung" müssen quasi in Fleisch und Blut übergegangen sein- durchsichtig geworden. Man konzentriert sich und fokussiert sich nicht mehr im Sinne eines Willensakts, sondern der Wille ist einfach da, ist bereit, ist ein Teil des schwingenden, unsichtbaren Leibes, der einen durchdringt. Irgendwann ist eine Spur des lichten Leibes stetig im Rücken da, schwingt mit, geht auf und zieht sich wieder zusammen. Man kann präzise sein, ohne sich dabei zu verkrampfen.
Natürlich ist das auch eine Denk- Kraft, jedoch in einem transzendierten Sinn: Der Lichtkörper ist auch der Willensleib, und man lebt darin. Nur so ist es möglich, das Gesamte der Erscheinung eines Augenblicks in der Natur mit zu leben, mit zu erleben. Nur so - aus meiner Perspektive- gelingt es gelegentlich, dass der Augenblick sprechend wird. Dann quellen aus den Erscheinungen heraus Empfindungen und Einsichten. Die Blüten, die Wolkenformen, der Wind tragen immanente Empfindungen an das innere Ohr. Das ist in der Tat sinnlos und witzlos, weil es einfach ein Mitgehen mit dem ist, was ist. Es ist voller Freude, das gewiss. Und es ist voller Hingabe, das auch.

Aber es ist meilenweit entfernt von dem, was z.B. die Erleuchtungssucher erwarten. Ich habe wirklich keine Ahnung, ob was und wann was "erleuchtet" sein mag, und es ist mir auch völlig egal. Das Wichtigste ist, real zu sein, präsent und wach. Es mag da Fortschritte oder ein Weiterkommen geben, aber der Gedanke daran würde den Willen korrumpieren und schon die Präsenz zerstören. Diese Erleuchtungs- Kategorien haben mehr etwas mit amerikanischen und asiatischen Werbestrategien zu tun als mit dem, was jetzt ist. Es ist für mich mehr das RTL- Programm als Realität.

Anders bei den wenigen Anthroposophen - etwa Mieke Mosmuller-, die offensichtlich tatsächlich Erfahrungen solcher Art macht, aber ihnen immer schwindelerregende Zuordnungsbegrifflichkeiten (Erzengel, Sophienerscheinung..) hinterher schiebt, die das Ganze anthroposophieren, glorifizieren, kontextualisieren, kategorisieren. Es schnappt dann bei ihr zu, wird reich an Begrifflichkeit und Großartigkeit, aber zugleich arm an Erfahrung, Konsequenz, Genauigkeit.

Ob Erleuchtungssucher oder Sich-Selbst-Heiligende, es schnappt fast immer die Falle zu, dass es gewaltig, wichtig, einzigartig sein muss. Verloren wird der Augenblick, die Präzision, die Tatsächlichkeit, die Unangestrengtheit. Deshalb noch einmal ein Loblied auf Fisher: "Vögel singen, Fische schwimmen, und wer sich dem Zazen widmet, übt Zazen jederzeit mit Hingabe, obwohl es keinerlei Notwendigkeit dafür gibt."
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