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Mar 2014

Claudia Beckmann: Tropischer und siderischer Tierkreis als Grundlagen anthroposophischer Astrologiebetrachtung

Die Reinkarnationsforschung auf astrologischem Hintergrund (auch im Sinne eines Ausschlussverfahrens) ist spannend. So habe ich mich gleich mit den Darstellungen von Holenstein zu Jacques de Molay beschäftigt. Allerdings macht sich Holenstein mit den Daten des sog. tropischen Tierkreises ans Werk. Das sind Konstellationen, die aufgrund der Progression der Sonne durch den Tierkreis in der realen Erscheinung nicht vorhanden sind. Der Frühlingspunkt schreitet bekanntermaßen in 72 Jahren etwa 1° rückwärts durch den Tierkreis. Wenn er also ein Tierkreiszeichen von 30 ° durchläuft, dauert das 30 x 72 Jahre = 2160 Jahre. Und das die 12 Tierkreiszeichen: 12 x 2160 Jahre = 25920 Jahre. Das ist ein platonisches Weltenjahr.

Und ganz praktisch leuchtet Jupiter 2013/2014 in den Zwillingen, was derzeit seit Monaten am Nachthimmel wunderschön klar und eindrücklich zu sehen und zu erleben ist. Laut tropischem Tierkreis befindet er sich heute am 9. März 2014 10°27 im Krebs, was nirgendwo am real existierenden Himmel zu sehen ist. Sollte eine Wirkung des Mondes und der Planeten auf die Seele und den Geist des Menschen möglich sein, doch nicht nach einer Konstellation, die ich nur auf dem PC berechnen kann! Selbst der Flüssigkeitshaushalt meines Körpers untersteht dem Wandel des Mondes, ebenso wie die Gezeiten des Meeres.

Die Aussage Steiners, dass Todes- und neues Geburtshoroskop miteinander zu tun haben, ist mir sehr wohl bekannt. Es gibt von Steiner auch die Angabe, dass der Mensch im Augenblick seiner Geburt im Haupt ein Abbild des Kosmos tragen würde, das für sein Leben erhalten bleibt. Nur der Christus trage jeden Augenblick den Kosmos, so wie er in der aktuellen Stunde, im Hier und Jetzt erscheint, in sich; Er ist ja der kosmische Geist:

Wenn das hellseherische Bewusstsein einen Menschen betrachtet, so kann es an seiner Organisation wahrnehmen, wie diese tatsächlich ein Ergebnis des Zusammenwirkens von kosmischen Kräften ist. Dies soll nun in hypothetischer, aber völlig den hellseherischen Wahrnehmungen entsprechender Form veranschaulicht werden. Wenn man das physische Gehirn eines Menschen herausnehmen und es hellseherisch untersuchen würde, wie es konstruiert ist, so dass man sehen würde, wie gewisse Teile an bestimmten Stellen sitzen und Fortsätze aussenden, so würde man finden, dass das Gehirn bei jedem Menschen anders ist. Nicht zwei Menschen haben ein gleiches Gehirn. Aber man denke sich nun, man könnte dieses Gehirn mit seiner ganzen Struktur photographieren, so dass man eine Art Halbkugel hätte und alle Einzelheiten daran sichtbar wären, so gäbe dies für jeden Menschen ein anderes Bild.

Und wenn man das Gehirn eines Menschen photographierte in dem Moment, in dem er geboren wird, und dann auch den Himmelsraum photographierte, der genau über dem Geburtsort dieses Menschen liegt, so zeigte dieses Bild ganz dasselbe wie das menschliche Gehirn. Wie in diesem gewisse Teile angeordnet sind, so in dem Himmelsbilde die Sterne. Der Mensch hat in sich ein Bild des Himmelsraumes, und zwar jeder ein anderes Bild, je nachdem er da oder dort, in dieser oder jener Zeit geboren ist. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Mensch heraus geboren ist aus der ganzen Wel
t.“ (Rudolf Steiner, GA 15 – Die geistige Führung der Menschen und der Menschheit, Dritter Vortrag, S. 73)

Ich habe daher nie verstanden, wie auch der anthroposophische Arzt Dr. med. Heinz Herbert Schöffler tropische Daten benutzt. Nun stoße ich erneut auf solch intensive Bemühungen mit Holensteins Arbeit, die für mich nicht mehr nachvollziehbar sind.

Auf den siderischen Tierkreis bin ich vor etlichen Jahren durch die Arbeiten von Robert Powell gestoßen. Mir erschien Powells Forschung sehr schlüssig und ich musste mich wohl oder übel vom tropischen Rechnen verabschieden mit der Schwierigkeit, dass es eben nur wenige Menschen gibt, die sich auf diesem Sektor betätigen.

Nun ja, du weißt ja auch sehr wohl, dass in der 6. Klasse eine Sternenkunde-Epoche angesagt ist und Steiner sich explizit wünschte, man möge vom Ort aus, wo man sich befindet, zum Nachthimmel blicken. Wie sollte ich Schülern klar machen, dass momentan Jupiter nicht in den Zwillingen wirkt?

Es kann wohl nur nützlich sein, wenn man um die tatsächlichen Zusammenhänge des Mikrokosmos mit dem großen Kosmos weiß. Und eben auch zur Kenntnis nimmt, dass der tropische Tierkreis nicht mit dem real existierenden Sternenhimmel rechnet. Im siderischen und tropischen Tierkreis bleiben die Winkelbildungen der Planeten untereinander und zu dem Häusersystem gleich. Der Tierkreis aber ist um etwa zwei Drittel eines Zeichens verschieden. Damit befinden wir uns gegenwärtig auch noch lange nicht im Wassermannzeitalter, wie allenthalben verkündet wird, sondern immer noch in den Fischen. Rudolf Steiner setzte den Beginn des Fische-Zeitalters auf 1413.

Zu Steiners Zeiten hat Elisabeth Vreede, Leiterin der mathematisch-astronomischen Sektion am Goetheanum, intensiv über die Sache mit den Sternen nachgedacht (1. Auflage 1954 von „Astronomie und Anthroposophie“), dann war da noch Willi Sucher (ich glaube, er war Vreedes Schüler) und schließlich erschien 2007 ein sehr empfehlenswertes Buch im Verlag am Goetheanum von Leo de la Houssaye „Auf dem Wege zu einer neuen Sternenweisheit“, das er Willi Sucher gewidmet hat. Es ist auch für einen „durchschnittlich sternbegabten“ Menschen gut und flüssig zu lesen. Wenn man sich mal darauf einlassen konnte, kann man die für mein Ohr oft ziemlich verdrehten Begründungen des Weltbildes der Vertreter des tropischen Tierkreises nicht mehr akzeptieren. – Aber es ist vielleicht für einen Astrologen, der nach dem tropischen Tierkreis seine Horoskope erstellt hat und sich- und meist auch seine Mitmenschen- auf seine Interpretationen eingeschworen hat, wohl auch ziemlich peinlich, zu der Erkenntnis kommen zu müssen, dass all das, was so schön gepasst hat, doch stark von der persönlichen Wahrnehmung der Umstände und nicht von den Sternen her interpretiert worden war. Man schmeißt einiges über Bord und startet neu.

Zum Schluss noch ein Beispiel Rudolf Steiners zum Zusammenhang von Sternenkonstellationen und dem Wirken Christi:

"Während Jesus von Nazareth als Christus Jesus in den letzten drei Jahren seines Lebens vom dreißigsten bis zum dreiunddreißigsten Jahre in Palästina auf der Erde wandelte, wirkte fortwährend die ganze kosmische Christus- Wesenheit in ihn herein. Immer stand der Christus unter dem Einfluss des ganzen Kosmos, er machte keinen Schritt, ohne dass die kosmischen Kräfte in ihn herein wirkten. Was hier bei dem Jesus von Nazareth sich abspielte, war ein fortwährendes Verwirklichen des Horoskopes; denn in jedem Moment geschah das, was sonst nur bei der Geburt des Menschen geschieht. Das konnte nur dadurch so sein, dass der ganze Leib des nathanischen Jesus beeinflussbar geblieben war gegenüber der Gesamtheit der unsere Erde lenkenden Kräfte der kosmisch-geistigen Hierarchien. Wenn
so der ganze Geist des Kosmos in den Christus Jesus herein wirkte, wer ging dann zum Beispiel nach Kapernaum oder sonstwo hin? Was da als ein Wesen auf der Erde wandelte, das sah allerdings wie ein anderer Mensch aus. Die wirksamen Kräfte darin aber waren die kosmischen Kräfte, die von Sonne und Sternen kamen; sie dirigierten den Leib. Und je nach der Gesamtwesenheit der Welt, mit welcher die Erde zusammenhängt, geschah das, was der Christus Jesus tat. Daher ist so oft die Sternkonstellation für die Taten des Christus Jesus in den Evangelien leise angedeutet. Man lese im Johannes-Evangelium, wie der Christus seine ersten Jünger findet. Da wird angegeben: «Es war aber um die zehnte Stunde»; weil der Geist des ganzen Kosmos in Gemäßheit der Zeitverhältnisse sich in dieser Tatsache zum Ausdruck brachte. Solche Andeutungen sind an andern Evangelien-Stellen weniger deutlich; wer aber die Evangelien lesen kann, der findet sie überall.

Von diesem Gesichtspunkte aus sind zum Beispiel die Wunder der Krankenheilungen zu beurteilen. Man fasse nur eine Stelle ins Auge, diejenige, wo es heißt: «Als die Sonne untergegangen war, da brachten sie zu ihm die Kranken, und er heilte sie.» Was heißt das?

Da macht der Evangelist darauf aufmerksam, daß diese Heilung mit der ganzen Sternkonstellation zusammenhing, dass eine solche Weltenkonstellation vorhanden war in der entsprechenden Zeit, die nur hat herbeigeführt werden können, als die Sonne untergegangen war. Gemeint ist, daß in dieser Zeit die entsprechenden Heilkräfte sich offenbaren konnten nach Sonnenuntergang. Der Christus Jesus wird als der Mittler dargestellt, welcher den Kranken mit den Kräften des Kosmos zusammenbringt, die gerade zu jener Zeit heilend wirken konnten. Diese Kräfte waren dieselben, die als Christus in Jesus wirkten. Durch Christi Gegenwart geschah die Heilung, weil infolge derselben der Kranke den ihn heilenden Kräften des Kosmos ausgesetzt wurde, die nur unter den betreffenden Raumes- und Zeitverhältnissen so wirken konnten, wie sie wirkten. Die Kräfte des Kosmos wirkten durch ihren Repräsentanten, den Christus, auf den Kranken
.“ (dito, S. 76-78)
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