Archives for Mar 2013 | EgoBlog | Die Egoisten
Mar 2013

Elsbeth Weymann: Die zweifache Umwendung

In einer weiteren Übersetzung und einem anschließenden erläuternden Kommentar geht Elsbeth Weymann ein auf die Umwendung der Maria von Magdala. Wer Ergänzendes und Erweiterndes zu diesem österlichen Geschehen wissen möchte, den verweisen wir wiederum auf das im Verlag Freies Geistesleben (Urachhaus) erschienenen Buch.

Maria von Magdala erscheint im übersetzten Text am Morgen des Ostertages, in tiefer Trauer, weinend, da sie das Grab leer findet. Folgt man dem Verlauf der Erzählung, so lässt sich ein Prozess erkennen. Er führt über verschiedene Stufen der Wahrnehmung und Begegnung zur Erkenntnis des auferstandenen Christus, wie zu einem Erwachen auf einer anderen Ebene. Während ihrer Worte: "Sie haben meinen Herrn weggetragen," geschieht etwas mit ihr: sie wird umgewendet, in den Bereich hinter ihrem Rücken (V.14)

Dieser rückwärtige Bereich ist vielfach in Darstellungen der Malerei der Wirkungsort der Inspiration. Hierzu ist stimmig die grammatikalische Form des Verbs stréfo an dieser Stelle. Was mit Maria vorgeht, ist ausgedrückt in der "grenzen- Iosen, zeit- Iosen Zeit" (=Aorist) und besagt zudem, dass "an, mit ihr etwas geschieht" (=Passiv)! lm Innern dieser Bewegung nimmt sie neu wahr: die für den Gärtner gehaltene Gestalt des Auferstandenen, des Christus. Aber sie erkennt ihn noch nicht. In dem Augenblick aber, als sie von dem Auferstandenen nur mit einem Wort, mit ihrem Namen "Maria", angesprochen wird, geschieht mit ihr eine zweite Um-Wendung.

Diese zweite Umwendung der Maria ist physisch gesehen - nachdem sie sich gerade schon zu dem Christus hin umgedreht hatte, - ganz unsinnig. Der Text weist also deutlich auf eine nicht äußere Um- Wendung, eine innere Wendung in eine andere Ebene, die sie wie aufwachen lasst für die nun aufleuchtende Erkenntnis: "Rabbuni" - mein Meister (V.16)
.“

Zur Übersetzung..

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A.H. Almaas, ein moderner Mystiker

Eine eigene Seite mit gesammelten, bislang bei den Egoisten erschienen Hinweisen, Links und Aufsätzen zu A. H. Almaas ist nun frisch eingerichtet worden, um den eventuell interessierten die Suche zu erleichtern, denn die Aufsätze und Blogbeiträge sind von beiden Seiten der „Egoisten“ zusammen gezogen und aufgelistet worden.
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Judith von Halle, egoistisch betrachtet

Auch die gesammelten, durchaus nicht zimperlichen Artikel der Egoisten in Bezug auf Judith von Halle sind nun wieder aufgeschaltet.
Die bisherigen drei kleinen Artikel wurden um drei neue erweitert, die zuvor im tagesaktuellen Egoistenblog erschienen waren.

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Elsbeth Weymann: Karwoche

Von der sechsten Stunde an geschah eine Finsternis im ganzen Land
bis zur neunten Stunde.

Um die neunte Stunde schrie Jesus laut:
„Eli, Eli, lema sabachtani“.
Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum verlässt du mich“.

Einige von denen, die dort standen, hörten es und sagten:
„Er ruft den Elija“.

Und sogleich lief einer von ihnen,
nahm einen Schwamm, tauchte ihn in sauren Wein,
steckte ihn auf ein Schilfrohr und gab ihm zu trinken.
(..)

Zur ganzen Übersetzung und einem Kommentar von Elsbeth Weymann.
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Rob Steinbuch: Sophie van Leer – Geburtswehen einer neuen Epoche

Sophie van Leer lebte von 1892 bis 1953. Sie war eine Tochter eines niederländischen jüdischen Ehepaares. Sie war künstlerisch seht begabt und verband sich anfänglich mit „Der Sturm“ von Herwarth Walden in Berlin. Am 15. Juni 1919 wurde sie katholisch getauft. Damit fing eine Zeitspanne an worin sie auf stürmischer Weise die religiöse Begegnung von Judentum und Christentum anregte, mit tief greifenden, positiven Folgen für das Vaticanum II Konzilium. Ihr Bruder Emanuel van Leer war ein guter Freund von Rudolf Steiner, war Holzlieferant und Mitfinanzier vom Ersten Goetheanum und Mitgründer der Weleda AG.
Bisher wurde über Sophie van Leer überwiegend in der niederländischen Sprache publiziert. Im Jahre 2011 wurde das Buch „Auf springt der Tod…“ herausgegeben, mit einer Briefwechselung von 1914 bis 1918. Sehe www.verlag-koenigshausen-neumann.de.
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Eine Biografie Sophie van Leers findet sich hier als freier Download.
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Ralf Sonnenberg: Vergangenheit, die nicht vergehen will

Nach längerer Abwesenheit aufgrund technischer Probleme ist nun auch wieder Ralf Sonnenbergs kritische Arbeit „Vergangenheit, die nicht vergehen will. Kritische Nachlese zum Erscheinen der Schriften »Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit«. Zugleich ein Plädoyer wider die »anthroposophische Korrektheit«“ wieder bei den Egoisten verlinkt. Es geht dabei um die reichlich - um es gelinde auszudrücken- verdruckste Aufarbeitung rassistischer Elemente im Werk Rudolf Steiners: „Denn als rassistisch muss aus heutiger Sicht Steiners sporadisches Bemühen gewertet werden, biologische »Rassen« mit dem Grad der mentalen »Entwicklungsreife« ihrer Angehörigen zu korrelieren und so- mit eine Hierarchisierung von Menschengruppen spirituell zu begründen, deren unterste Sprossen den – aufgrund ihrer physischen »Degeneration« zum Aussterben verurteilten – Indianern sowie den von »Trieben« und »Witterungen« dominierten »Negern« vorbehalten bleiben.“ Aber es geht auch um Anthroposophie und Antijudaismus, und um die Deutschtümeleien eines Friedrich Rittelmeyers: „Die antijüdische Argumentation seiner Schrift »Deutschtum« stützte sich nicht auf einen völkischen Rassismus, sondern auf den traditionellen Antijudaismus der christlichen Konfessionen, von dem sich Rittelmeyer als Apostat der evangelischen Kirche offenbar zeit seines Lebens nicht loszusagen vermochte.“

Ralf Sonnenberg selbst bezeichnet sich als „Linksliberaler mit notorischem Hang zu heiklen Themen“.
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Verzeihung, Herr Ballmer

Bildschirmfoto 2013-03-08 um 19.15.59

Mea Culpa. Durch einen familiären Sterbefall, Erkrankung und zur Krönung einen Magen- Darm- Infekt sind wichtige Dinge liegen geblieben. Bedauerlich vor allem, eine ganze Tagung nicht angekündigt zu haben. Ich gelobe Besserung und hoffe, dass vielleicht ein Bericht über das Symposion von einem der Teilnehmer oder Dozenten hier nach gereicht wird. Ich reiche hier das übrigens wunderschön gestaltete Programm nach, wenigstens das. Der einführende Text:

Karl Ballmer wurde 1891 im schweizerischen Aarau geboren und wandte sich bereits früh der Malerei zu. Die Begegnung mit Rudolf Steiner 1918 wird er später als lebensentscheidend beschreiben – Ballmer war bald intensiv mit der Dornacher Arbeit verbunden und hielt im Oktober 1920 auf Einladung Rudolf Steiners drei Vorträge über Kunst beim ersten Hochschulkurs am Goetheanum. Noch im selben Jahr verließ er Dornach, um sich, wie er es selbst ausdrückte, durch die „Erwerbung eines umfassen- den Fundus an Wissen auf philosophischen und sonstigen wissenschaftlichen Gebieten“ die Grundlagen für eine „absolut selbstständige Beurteilung der von Dr. Steiner aufgerollten Erkenntnis- und Wissenschaftsprobleme“ zu erarbeiten. Nach Aufenthalten in Heidenheim, München und Stuttgart ließ sich Karl Ballmer 1922 in Hamburg nieder. Er wurde Mitglied der Hamburger Sezession, und seine Bilder wurden u.a. von Samuel Beckett sehr geschätzt. 1928 begann er mit der Herausgabe der „Rudolf-Steiner-Blätter“ sein öffentliches Eintreten für eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Anthroposophie. 1936 erfolgt ein Berufsverbot als Maler durch die Nazis, bald darauf das erzwungene Exil mit seiner Frau Käthe in die Schweiz. Bis zu seinem Tod 1958 lebte er in bescheidenen Verhältnissen im steten Wechsel zwischen Malerei und Erkenntnisarbeit in Lamone (Tessin).
Das Symposium wird in das Leben und Werk des Künstlers und Denkers Karl Ballmer einführen und die von ihm aufgeworfenen Fragen vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Gegenwart im gemeinsamen Werkstatt- Gespräch bewegen.
Wie hat Ballmer den Ich-Begriff Rudolf Steiners und das darauf gründende Menschenbild aufgefasst? Weshalb hat er sich gegen das physiologische Dogma der „Willensnerven" so resolut ins Zeug gelegt? Weshalb betrachtet er die These, dass es keine „motorischen" Nerven gibt, als Angelpunkt der Weltanschauung Rudolf Steiners?“
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Wege im Buch der Bücher

weymann
Es gibt Bücher, die liest man halt- egal, ob in digitaler Form, mit gelbstichigem Papier, in einem Taschenbuchformat, das sich schon nach dem ersten Blättern in Einzelteile auflöst- und diese Beliebig- und Zeitweiligkeit erscheint den Inhalten völlig angemessen. Und dann gibt es diese anderen Bücher, die die man aus guten Gründen sorgfältig gebunden, in Greifweite haben möchte, in denen man immer wieder blättert, wobei das Gelesene in immer neuem Licht erscheint. Ein schönes Buch allein macht es da auch nicht, denn die Inhalte müssen etwas haben, das mit einem selbst mit wächst, das Raum für einen selbst eröffnet.

So ein schönes und reichhaltiges Buch legt Elsbeth Weymann mit "Wege im Buch der Bücher" vor. Entgegen dem ersten Anschein handelt es sich nicht nur um "Ausgewählte Originaltexte der Bibel- neu übersetzt und gedeutet". Elsbeth Weymann bettet ihre Übersetzungen in einen vorbereitenden und begleitenden Kontext ein, der selbst in knapper und für den Leser anregender Art und Weise die Wege mit geht, mit denen sie zu ihren Übersetzungen (und damit Deutungen) der Originaltexte gekommen ist.

Dass jede Übersetzung immer ein Wagnis, ein vorläufiger Versuch sein muss, erklärt Elsbeth Weymann schon in der Einführung. Schließlich hat die griechische Sprache in der Realität nicht nur viele Dialekte und Varianten gekannt, sondern hat sich auch im Verlaufe eine über 3000 Jahre dauernden Entwicklung immer weiter gewandelt. Auch das Alte Testament ist schon eine Übersetzung aus dem Hebräischen in die damalige Weltsprache Koine- Griechisch gewesen. Weymann zeigt am Beispiel des Wortes Agape, dass schon die Übersetzer aus dem Hebräischen sprachschöpferisch tätig sein mussten und das Wort deshalb bildeten, weil es in der griechischen Form bis dahin nichts gab, was diesen Liebesbegriff aus dem Hebräischen angemessen ausdrücken konnte. Denn es gibt keine "deckungsgleichen Sprachen, jede Übersetzung ist vorläufig und endet am Horizont des Übersetzers" (Weymann, S. 9).

Ähnliche (manchmal Augen öffnenden) Probleme ergeben sich bei der Übersetzung aus dem reichen, vieldeutigen Griechischen ins heutige Deutsch. Gerade in der Grammatik zeigt sich, dass sich in der Sprache subtil zeitgenössisches Bewusstsein in Formen prägt. Als ein Beispiel: Im Griechischen tritt "zu Aktiv und Passiv, als eine dritte eigene Form, das Medium hinzu (=etwas für sich, in seinem Interesse, seinem Bereich tun)." (Weymann, S. 15) Dieses "Schwebende" zwischen Aktivität und Passivität kennen wir so nicht mehr, bzw. die ganze Bandbreite des Ausdrucks in dieser einen grammatischen Form hat sich verändert und verengt. Um diese Enge wieder aufzuschließen, bezieht sich Elsbeth Weymann auf den "Dreifachen Schriftsinn", einen Begriff von Origenes, der einen Text nach Wortbedeutung, Grammatik und historischem Kontext, aber auch nach einem erkennenden Zusammenschauen und einem geistigen Gehalt erfassen möchte.

Im Verlauf des Buches geht Elsbeth Weymann einmal durch das ganze Jahr, aber nicht nur anhand von passenden Textstellen aus dem Alten und (vor allem) Neuen Testament, sondern auch durch eine den jeweiligen Kontext herstellende Hinführung, durch die die eigentlichen Übersetzungen, die nicht selten an moderne Lyrik erinnern, sich dem Leser erschließen. Hinzu kommen zahlreiche Exkurse und Erläuterungen zu den spezifischen Übersetzungsentscheidungen für einzelne Begriffe. Elsbeth Weymann macht also die oben genannten spezifischen „Probleme" der Übersetzung transparent, und bezieht den Prozess der Überlegungen und der Kontextualisierung mit ein, der sie zu der vorliegenden Deutung geführt hat. Daher findet der Leser nicht etwas Fertiges vor, sondern wird in die Prozesse sprachlicher Gestaltfindung und Deutung mit einbezogen.

Nicht zuletzt findet man in dem Buch ein weiteres behutsames Zurückdeuten auf den Leser- etwa, wenn Elsbeth Weymann nach der Übersetzung des Magnificat der Maria (Luk, 1, 46-55) auf den meditativen Charakter des Textes hinweist: "Die Worte des Angelus Silesius: "Du musst Maria sein und Gott in dir gebären" sind eine Möglichkeit, die Aussagen dieses gewaltigen Hymnus auch auf die eigene Seele zu beziehen." (Weymann, S. 36) Die Gegenwärtigkeit eines solchen Hymnus und der Bezug auf eigenes, inneres Geschehen wird aber in den transparent gewordenen, einerseits erklärend aufgeschlossenen und dann wieder lyrisch- rhythmisch gestalteten Texten in diesem Buch für den Leser nicht nur zu einer das Jahr umspannenden Anregung, sondern auch zu einem "schönen", reichhaltigen Buch, in das man immer wieder gern hinein schauen möchte.

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Link: Elsbeth Weymann bei den Egoisten
Das Buch im Urachhaus- Verlag (Verlag Freies Geistesleben)
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Der vollkommene Lehrer in uns selbst

Es ist sicher kein zentrales und auch kein notwendig zu lesendes kleines Buch von A.H. Almaas, aber eben doch eines, in dem die richtigen Fragen gestellt werden. Ich spreche von "Das Elixier der Erleuchtung" (Freiamt o.J.) und die Frage ist die, warum, wenn zahllose Religionen, Gurus, Säulenheilige, Erleuchtete doch Wege gelehrt haben, in irgend einer Weise Erlösung von dem Begehren gelehrt haben, "die Reaktion auf diese Botschaft" so "minimal" ist: "Man bewundert und liebt vielleicht eine Lehre, aber normalerweise reagiert man nicht auf diese Einsicht in das Begehren." Manche versuchen der Lehre zu folgen, manche folgen ihr äußerlich, manche unternehmen "noch nicht einmal den Versuch, (..) wirklich zu folgen."

Das liegt nach Auffassung von Almaas daran, dass der "Glaube an die Lehre über das Begehren" von einer unbewussten Ablehnung unterminiert wird, von einem Mangel an essentieller Berührung, weil die persönliche Erfahrung, "die auf Begehren beruht", auf einer anderen Ebene sagt, dass diese Lehre nicht wahr ist, nicht für den Einzelnen selbst: "In den Tiefen seiner Persönlichkeit glaubt er, dass er bekommt, was immer er will oder braucht, wenn er es nur genug begehrt, und dass er nicht haben kann, was er möchte, wenn er es nicht begehrt. Mit anderen Worten: Wenn man die Wahl hat zwischen Haben und Sein, garniert man zwar sein Haben gern mit einer Lehre vom Sein, entscheidet sich aber letztlich immer für das Haben. Denn existentiell glaubt jeder Mensch, dass er "physisch nicht überleben wird, wenn er seinen Begierden nicht folgt". Erst wenn reale geistige Erfahrungen des Seins vorliegen, kann dieses Verhaftetsein, das letztlich auf der Angst vor dem Tod beruht, bearbeitet werden.

In der Folge untersucht Almaas eine Reihe von "Lehren"- vom Buddhismus über zeitgenössische Lehrer wie Sri Aurobindo, Osho, Krishnamurti- und zeigt auf, dass sie Antworten auf bestimmte Fragestellungen wie ein Produkt anbieten, aber höchst selten den Adepten (um eine gern benutzte Phrase zu benutzen) dort abholen, wo er tatsächlich steht. Es reicht eben nicht aus, "wenn ein Meister zu einem Schüler aus seiner eigenen Perspektive spricht." Die Probleme der Schüler variieren dabei ganz erheblich. Wie sollte man z.B. selbstlose Hingabe erwarten, wenn ein Mensch gerade erst mühsam lernt, sich zu behaupten und nicht ständig unterwürfig zu reagieren? Jemand mit einem Mangel an Selbstgefühl oder Selbstbewusstsein kann sein Selbst nicht aufgeben; jemand, der sich leer, einsam und unverbunden fühlt, kann mit dem Ideal einer Erfahrung der Leere nichts Positives verbinden. "Hingabe" bedeutet für den normalen Menschen erst einmal, das sein existentieller Schutzschild, seine sich selbst behauptende "Abwehr", aufgegeben werden soll. Ein Mensch ohne Schutz ist auf dieser Ebene aber lediglich ein verletzlicher Mensch. Inwieweit sollte - hier spricht Almaas vor allem die Christen an- Selbstlosigkeit zur Freiheit führen? Selbst ein "Christus- Bewusstsein" im Sinne einer selbstlosen Liebe, kann man aus diesem Grund im Munde führen, aber nicht, bevor Vieles in der "Seele entwickelt" worden ist, tatsächlich "verkörpern". Auf dieser existentiellen Ebene möchte niemand wirklich in einen "Abgrund" springen, von dem man nur annehmen kann, dass dieser Abgrund nicht mehr als "Geheimnis und geheimnisvolles Andeuten" bedeutet.

Die Essenz ist kein mystischer fremder Ort jenseits unserer Persönlichkeit: "Unser Wesen, unsere Essenz, das Göttliche in uns, ist mit unserer Persönlichkeit auf eine sehr komplexe und intime Weise verbunden." Gleichzeitig ist aber diese Persönlichkeit "als ganze" auch unsere innere Barriere gegen Essenz. Es gibt z.B. bestimmte Aspekte der Persönlichkeit, die sich permanent ängstlich gegen jede Erfahrung der Leere anstemmen, indem wir konsumieren, uns in bestimmte Glaubensinhalte stürzen, in Beschäftigung, Arbeit und "feste Standpunkte". Insofern hat jeder Mensch - je nachdem, wie er sich entwickelt hat- spezifische Abwehrmechanismen, aber auch spezifische Chancen des Zugangs zur Essenz. Diese ändern sich je nach Lebenssituation. Eine Überwindung dieser inneren Zerrissenheit des Adepten wird nur gelingen im Rahmen einer Entwicklung, in der er nicht nur fühlt, dass er "Willen besitzt", sondern indem er fühlt, dass er Willen ist. Diesen Willen muss man, bevor dieser verwandelt werden kann, erst mal haben. Die speziellen individuellen Persönlichkeitsthemen müssen bearbeitet sein. Bis dahin besteht das grundsätzliche Dilemma fort, dass "Leiden, wie fast immer, einfach fortdauert". Die Erfahrung von essentiellen Aspekten unseres inneren Dramas ist immer eine sehr schmerzhafte Konfrontation "mit Teilen von uns selbst, mit denen wir uns normalerweise nie auseinander setzen würden", mit "Teilen der Persönlichkeit, die wir nie zuvor in Frage gestellt haben". Unsere unbewussten etablierten Muster und Konditionierungen sind so stark, dass wir durch eine schwierige Phase des Konflikts zwischen "Essenz und Persönlichkeit" hindurch müssen. Eine kleine Berührung allerdings kann so wirken, dass die Essenz selbst "als ein perfekter Lehrer" zu wirken beginnt. Die Aspekte in uns, die uns aus dem Gleichgewicht bringen, werden "sanft und auf angemessene Weise" aufgedeckt: "Kein menschlicher Lehrer kann so präzise, so effektiv und so angemessen sein". Die einmal gespürte Nähe der inneren Essenz "lässt uns nicht ruhen", bis sie sich uns mit "intuitivem Verstehen", mit ihrem "Wissen, mit ihrer Lehre und mit ihrem Verstehen" erfüllt. Langsam wird der essentielle Aspekt "unser Sein und unsere Präsenz": "Keine Bewegung von Begehren. Keine Bewegung von Festhalten. Kein Klammern an irgendetwas."

So kommt vielleicht ein Stadium, in dem wir erfahren: "Wir haben den vollkommenen Lehrer in unserem eigenen Sein."
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