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Jul 2015

Von der lebendigen Stille - Jean Klein

Jean Klein- der schon 1998 verstorbene Advaita- Lehrer- war bislang nicht auf meiner Agenda. Ich bin auf diesen Autor und sein Buch „I am“ nur durch einen digitalen Verweis gestossen wie „Ihnen könnte auch gefallen..“. Ich bin auch noch nicht weit- das sind Bücher, bei denen ich Pausen brauche. Aber dass Grundfragen berührt werden, bemerkt man auch schon auf den ersten 25 Seiten- etwas wie „Wenn wir ganz allein mit uns sind, dann spüren wir diesen schrecklichen existentiellen Mangel in uns: „At certain moments, when alone, we feel a great lack deep within ourselves. This lack is the central one giving rise to all the others. The need to fill this lack, quench this thirst, urges us to think and act.“ - die gesamte Person ist möglicherweise um diesen „Mangel“ herum gebaut, die halbe Biografie geprägt? Ist das das Nadelöhr, durch das man schreiten muss? In welche Richtung deutet das Klein? Er vertraut ganz auf eine „lebendige Stille“, die man genau in dieser Katharsis erleben kann: „Only living stillness, stillness without someone trying to be still, is capable of undoing the conditioning our biological, emotional and psychological nature has undergone.“

Die lebendige Stille - innere Ruhe - setzt er gleich mit einem Zustand, in dem das Sich- Bemühen- darum aufgehört hat. In der Stillness ist keine duale Suchbewegung denkbar- sondern, nach Klein, eine souveräne, denkbar klare bewusste Instanz, die all diese inneren Knoten in sich bis in die Winkel schon gesehen hat. Damit liegen die inneren Prägungen offen zutage. Das Innerste wird vor diesem Auge nach Außen gekehrt. Das ist die Gegenseite jeder bewussten spirituellen Arbeit, notwendigerweise. Andererseits ist die geringste Teilhabe am nährenden Strom dieser Stillness auch ein Gewinn, der ja auch etwas ist, der an diesem Strom am Ort der Kraft und des reinen Glücks entspringt.

Den Anthroposophen wird es vielleicht stören, dass Klein an der Stelle - sagen wir, einer Erleuchtung, nicht die Begrifflichkeit eines Geistselbst und seiner Hüllen zur Verfügung hat, sondern mehr das erlebt, was er hinter sich gelassen hat: „There is no controller, no selector, no personality making choices. In choiceless living the situation is given the freedom to unfold.“ Das ist die Haltung aller Weisen.

Dem oben genannten Link folgend kommt man zu einer Art innerer Biografie Kleins, die sehr ausführlich und sehr ehrlich auch bei dem, was eben so schief läuft, zu Kleins Erleuchtung (nicht im Mindesten ironisch gemeint) führt: "Given that Advaita, as Dr. Klein teaches it, is the direct approach to reality, it cannot make use of any method or technique." Das ist vielleicht der Grund, warum er vielleicht nicht so berühmt wurde, wie er geworden wäre, hätte er nur beherzigt, dass man aus solchem Advaita keinen Markt machen kann. Wozu Advaita, wenn man in Menschen keine Sehnsucht wecken kann- wonach auch immer. Dieses Advaita ist, schlicht gesagt, ein kommerzielles Desaster. Wenn jeder hat, was er braucht, wozu sollte er dafür bezahlen?
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