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Jul 2013

Matthijs Hogenboom: Tipps für Zeitreisende auf dem Weg durch die Galaxis, besonders betreffend Judith von Halle, Lou Reed und David Bowie

heiliglou
oder: Wenn ich mich nur mit einer Papageienzange verletzt hätte! -Selbstuntersuchung im Dienste eines gläubigen Publikums-

Nimwegen, 25 Juli 2013.

Liebe Interessenten und Interessentinnen der Freien Vereinigung für Anthroposophie, liebe Freunde und Freundinnen, mit diesem kurzen persönlichen Gruß an Sie möchte ich mich aufs Herzlichste um – so weit möglich - hilfreiche Gedanken bemühen, um an Ihre Arbeit ansetzen zu können und sie weiter aufzuklären. Mir geht es um die Grundstruktur für ein geplantes Buch, das aus dem Reigen meiner bisherigen Publikationen, die ausschließlich eigenständige spirituelle Erkenntnisse zu Mysterieninhalten zum Thema hatten, etwas herausfällt. Ich muss sagen, dass ich aus vielen Gründen, die sich aus der Lektüre dieses Buches erschließen lassen, sehr froh bin, es schreiben und bis zur Veröffentlichung bringen zu können. Ich hoffe, dass durch die möglichst breite Zur-Kenntnisnahme dieser Betrachtung in vielerlei Hinsicht erhellende und konstruktiver Impulse in die Welt treten werden können!

Leitlinien für das neue Buch

1.Wie erlangt man Stigmata?

- Vom Nutzen und Nachteil
- Stigmata im alltäglichen Leben - oder wie ich dennoch eine tüchtige Hausfrau, Autorin und Vortragskünstlerin sein kann.
- Wie ich mich verhalte zu gewissen Kräften in Hinsicht auf erotische Ausstrahlung, und wie sie auf den Menschen, insbesondere auf Männer wirken (mit Außerachtlassung des eigenen Ehemannes).
- Was es bedeutet, ein Stigmatisations- Schicksal zu erwerben und zu tragen.

2. Wie Ich meine geistigen Wahrnehmungen umsetze in Begriffe des gewöhnlichen Bewusstseins

- Wie ich meine von Geburt her vorhandenen geistigen Talente im Alltag erfahren habe (Während meiner Jugend im Rahmen der Siebenjahres- Phasen).
- Wie ich meine Schuhe anzog.
- Wie ich die Straße überquerte.
- Wie ich eine rote Ampel gewahr wurde im andauernden höheren Bewusstsein.

3. Wie ich Heimatrecht durch meine Tätigkeit in der übersinnlichen Welt erworben habe

- Wie ich unterscheide zwischen dem „weißen” und den „schwarzen Pfad”, und was man daraus lernen kann.
- Weshalb ich durch Überwindung des Eigenwillens meine physische Leiblichkeit in seiner gegenwärtigen Gestalt nicht mehr brauche (mit Außerachtlassung meines Ehemannes).
- Wie ich meine physische Gestalt trage und unterhalte und was man da aus lernen kann.
- Wie verhalten Sie sich im Rahmen ihres privaten Umfelds im Zusammenhang mit ihren hellsehenden Fähigkeiten?
- Wie verhält man sich, um persönliche Schicksale beurteilen zu können?
- Wie urteilt man, im Besonderen beim Treffen von persönlichen Entscheidungen, wenn man durch übersinnliche Fähigkeiten eh schon vorher weiß, was passieren wird?
- Wenn man übersinnlich Gespräche zwischen Menschen wahrnehmen kann - ungeachtet des räumlichen Abstands- : welche Bedingungen und Fähigkeiten soll man dafür erwerben und wie erwirbt man sie?

4. Das Entstehen der Stigmata und ihre Bedeutung im Rahmen der Geisteswissenschaft im Rahmen der Anthroposophie, wie dargestellt durch Rudolf Steiner

- Wie soll ich mich verhalten in Bezug auf „In-sich-seinen-Gefallen-finden“ und „Sich-an-die-Welt-verlieren“?
- Weshalb ich nicht selber meine Stigmata entdeckt habe und die Rolle einer Papageienzange.
- Wie ich das Karma sehe im Zusammenhang mit meinem Entdecker.
- Wie ich meinen Karma- Auftrag empfinde, erkläre und in Alltagssprache ausspreche oder schreibe.

5. Wie man sich als Träger der Stigmata im sozialen Umfeld hinstellt

- Wie ich mich verhalte im Verhältnis zu Sympathie und Antipathie.
- Wie Ich selber meine spirituelle Verantwortung zu tragen habe, im Rahmen des eigenen Lebens und der von mir ausgearbeiteten Werke.
- Wie ich im sozialen Umfeld meine Verantwortung trage und im Rahmen meiner spirituellen Verantwortung auf mich nehme.
- Wie ich die Prozesse des Bindens, Aufsplitterns, Verzerrens und Verschiebens wahrgenommen habe im Zusammenhang mit dem Geschehen im Berliner Arbeitszentrum für Anthroposophie, im Orts-Verein, der Landesgesellschaft in Deutschland und der Dornacher Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Hochschule, früher und in der Gegenwart
- Wie ich mein Vermögen zur Einsicht in Zukünftiges eingesetzt habe im Rahmen hier oben genannter Prozesse.
- Was das für mich bedeutet hat im Rahmen meines Verhaltens in Bezug auf die einbezogenen Personen und aus welchen spirituellen Gründen Entscheidungen getroffen worden sind.

6. Wie entwickelt man die Bedingungen und Fähigkeiten zum Zeitreisen?

- Wie kommt man in Zeitreisen hinein und wie kommt man wieder zurück?
- Wie macht man sich selber das Ziel einer Zeitreise klar?
- Ist die Reiseroute eindeutig zu bestimmen, und wie macht man das?
- Wie stellt man sich zu 'atmosphärischen' Störungen, zum Beispiel durch verworrene, widerständige, irreführende Geister; und wie schafft man die Bedingungen zum Durchkommen?
- Gibt’s bei Zeitreisen nur individuelle Ziele oder auch Gruppenreisen?
- Wie gestaltet man eine Verabredung mit einer erfahrenen Zeitreisenden als Gruppenführerin?
- Gibt’s andere Zeitreisen als diejenigen in die Vergangenheit der Zeitenwende?
- Wenn recht viele Leute sich orientieren am Ziel Christi Kreuzigung und Auferstehung – muss man sich da wie in einem Supermarkt hinten anstellen?
- Bekommt ein schönes, klares Bild von Christi Kreuzigung und Auferstehung, wenn so viele Leute dabei sind?

Liebe Freundin, nun einiges ganz Persönliches:

Weil Sie Berlinerin sind, möchte ich Sie gerne fragen, ja sogar darum bitten, wenn Sie ohnehin während einer Zeitreise unterwegs sind, ob Sie noch zwei ehemalige Berliner besuchen könnten, nämlich David Bowie und Lou Reed. Ich möchte gerne - aber nicht im selbstsüchtigen Sinne- spirituelle Erkenntnisse bekommen über die Zeit, die diese Beiden in Berlin zusammen verbrachten, und eine Deutung darüber bekommen von Ihnen. Vielleicht sogar ein kleines Büchlein für Fans wie mich, was ich dann durch Vorträge zurückzahlen würde? Sie wissen doch ganz gut wie man solche Sachen machen muss, nicht, Scheiße macht Weiße!
Lou Reed entstammt einer konservativen jüdischen Familie aus Brooklyn, die ursprünglich Rabinowitz hieß. Ich meine, das könnte womöglich eine Verbindung für Sie herstellen, ein direkter Anschluss zum Zeitreisen?
Im Berlin verfertigte er das Album Berlin mit dem weltweit bekannten Walk on the Wild Side, was nun wiederum einen Zugang zum Spirituellen herstellen sollte, bedeutet dies doch nichts anderes als in der Nähe des Hüters der Schwelle zu sein!

David Bowie hatte bereits im Alter von neun Jahren gesagt; 'Ich habe Gott gehört'. Das ist nun ja fast so früh, wie Sie spirituelle Wahrnehmungen hatten. David Bowie produzierte sein Album 'Transformer' – auch ein spirituelles Thema, nicht! David Bowie nahm in seiner Karriere höchst verschiedene Gestalten an; eine ist The Thin White Duke, da kommen zwei Gestalten 'Kether' und 'Malkut' vor. Sie werden sicherlich genau wissen, dass dies zusammen hängt mit dem Kabbalistischen Baum des Lebens. Wie Sie wissen oder in Ihren Zeitreisen entdecken könnten, gibt es mehrere okkulte Deutungen im Leben David Bowies, der im Berlin drei Albums verfertigte (1977 Low, 1977 Heroes und Lodger 1979).

Ich freue mich auf das gemeinsame Wiedersehen mit Ihnen und wünsche Ihnen bis dahin alles Gute und neuen Enthusiasmus für Ihre geistige und praktische Arbeit!
Lieber Gruß Matthijs von Nimwegen
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Ist Andrew Cohens Rücktritt ein Fake?

Nachdem die Egoisten vor einigen Tagen voller Bewunderung und mit einem gewissen Respekt Andrew Cohens Rücktritt als Guru der EnlightenNext- Bewegung und ihrer integralen Sprösslinge konstatiert hatten („Andrew Cohen tritt von seiner Guru- Rolle zurück und entschuldigt sich“), kommen jetzt doch gewisse Zweifel auf, ob es sich um einen strategischen Rückzug handelt. Auf der Stammseite der deutschen Bewegung ist darüber nichts zu lesen; man frönt der eigenen Bedeutsamkeit in der üblichen Art der Selbstdarstellung: „EnlightenNext wurde von dem spirituellen Lehrer und Visionär Andrew Cohen gegründet. In über 25 Jahren Lehrtätigkeit hat Andrew Cohen eine umfassende Philosophie entwickelt, Evolutionary Enlightenment. (..) ..ist EnlightenNext international als Brennpunkt der Begegnung progressiver Denker, spiritueller Visionäre und inspirierter Aktivisten bekannt..“

Im Magazin „Spuren“ dagegen wird die Angelegenheit von Anhängern und ehemaligen Anhängern kontrovers dargestellt. Annette Kaiser schwärmt: „Das ist ein grosser Schritt, den Andrew Cohen getan hat – beispielhaft. Ich freue mich sehr darüber. Damit wird seine eigentliche Grösse sichtbar.“, Andere zweifeln: „Mit seiner Ankündigung erfüllt der amerikanische Guru eine Erwartung, die jahrzehntelang im Raum hing – und macht sich damit zum Hoffnungsträger für ungleich weitere Kreise als jene wenige, die trotz allem auf ihn eingeschworen blieben. Zu Recht? Das ist die grosse Frage.“
Tom Steiniger, Leiter des deutschen Zentrums und Freund von Jens Heisterkamp, sieht es als Ergebnis eines langjährigen Prozesses: „Andrews Erklärung ist auch Resultat vieler Gespräche mit ihm in denen wir ihn gebeten hatten viel weiter über ein altes Guru-Bild hinauszugehen als er es bisher tat, und sich der Fehler viel klarer zu stellen, die aus diesem Festhalten entstanden sind.“ Es gibt aber auch unfreundlichere Interpretationen des gleichen Sachverhalts - nämlich die der EnlightenNext- Dissidenten, die sich dann so anhören: „Noch vor Veröffentlichung der Rücktrittserklärung war dort zu lesen, dass es im Innern des Führungskreises seit längerem rumorte. Offensichtlich verständigten sich einige tragende Personen untereinander, den Guru mit den Missständen zu konfrontieren und ihm die Daumenschrauben anzuziehen, bevor seine Bewegung mit ihm den Bach runtergeht.
Unter diesen Vorzeichen wurde ein PR-Plan aufgesetzt, demgemäss Andrew Cohen sich schrittweise der Öffentlichkeit als reuiger und dann bekehrter Sünder zu präsentieren hat…“

Zentrale Anlaufstelle dieser Cohen- Dissidenten ist die Website What Enlightenment ??! in der Schweiz. Dort sammelt man auf einer Art Übersicht erst einmal die Andrew Cohen in den letzten Jahren, sei es in Büchern oder Websites, gemachten Vorwürfe von Ex- Anhängern, den Katalog von Traumata und Missbrauch durch den Guru. Das geht von Prügel und Demütigung über Zerstörung von intimen Beziehungen, Anweisungen zum Schwangerschaftsabbruch bis hin zur finanziellen Ausplünderung. Dann folgt ein ausführlicher Bericht eines ehemaligen Mitglieds des Führungsstabs über ein gemeinsames Essen mit Andrew Cohen am 22. Juni 2013, bei dem dessen angeblicher Rücktritt zur Sprache kam. Cohen äußert dabei, wenn er überhaupt etwas sagt, eine Reihe von Sprachhülsen, die offenbar zu seinem neuen, kommenden Image als sanftmütiger, nicht- autoritärer Gutmensch gehören: „I asked Cohen what he thought his former students were angry about, and he launched into a philosophical explanation about how, in his role as a “guru,” he had “overemphasized Eros at the expense of Agape,” with the result that he hadn't been as “kind” and “sympathetic” toward these students as he should have been.“ Der Autor empfindet diese mechanisch geäußerten Zugeständnisse Cohens als reine Farce- als etwas, zu dem sich Cohen genötigt fühlt: „“Well that's a new one,” Cohen rejoined with a wry smile. “Most of what I've been hearing lately is that it's not about me, that I should be paying more attention to them and how they feel.” Das Äußerste, was Cohen zugesteht, sind Fehler, die man in eher strategischer Art und Weise verstehen möchte, nicht als ein tatsächlich erfolgter Rollenwechsel: „You did some pretty awful things, Andrew. You. You did those things.”
“I know.”
“And they want you to consider what it means about you as a person that you were capable of such actions. What do you think it means?”
“I know I've made some mistakes,” Cohen admitted.“

So wird es tatsächlich schwer, an eine tatsächliche „Evolution“ bei der angeblich so evolutionären EnlightenNext- Bewegung zu glauben. „Spuren“ ist in dieser Hinsicht auch mehr als skeptisch: „«Kontaktnahme mit Dissidenten und Bekundung von Reue» steht ganz oben auf der Liste der PR-Massnahmen. Andrew Cohen hat diesen Teil des Programms bereits absolviert. Er telefonierte mit ehemaligen Schülern, die, seitdem es mit ihm zum Bruch gekommen war, seit Jahren und Jahrzehnten nichts mehr von ihm gehört hatten. Und er entschuldigte sich. Die Überraschung der Kontaktierten war gross. Längst nicht alle waren nach dem Gespräch mit dem einstigen Meister jedoch davon überzeugt, dass dieser seine Reue ehrlich meine und seine Entschuldigung von Herzen komme. Cohens Stimme habe maschinell geklungen wie die eines Roboters, seine Formuiierungen wie von einem Blatt abgelesen.“ Tatsächlich scheint eine kleine Clique von Insidern an einem taktischen Imagewechsel zu arbeiten, zu dem sich Cohen nicht mehr als genötigt fühlte. Die penetrante Frauenbeauftragte der Integralen, Cordula Frei, gibt dann noch ihren Senf dazu, indem sie Rudolf Steiner in den Sumpf von Missbrauchsanschuldigungen hinein zu ziehen versucht: „Ich sehe die Problematik eher in einer postmodernen Problematik von Guru/Spirituellem Lehrer Status und Schüler-Projektionen auf ihren Lehrer. Dazu tragen beide Seiten bei. Institutionen haben in allen Traditionen mit der reinen Lehrer ihres spirituellen Lehrers Probleme gehabt: man denke an Rudolf Steiner und die Anthroposophische Gesellschaft und an Krishnamurti und die theosophische Gesellschaft.“ Ja, das hatte wohl noch gefehlt.
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Ewigkeit und Zeitlosigkeit

In „Presence: The Art of Peace and Happiness“, schreibt Rupert Spira wiederum einen kühlen, klaren, gleichwohl imaginativ wirksamen Führer zur zeitgenössischen meditativen Erfahrung. „Imaginativ wirksam“ meint dabei, dass das Studium des Buches selbst in dieser Hinsicht für den Leser wegweisend ist; das Denken über Identität, Denken, Zeitlosigkeit führt in den Bereich, um den es geht. Wir mögen es nennen, wie wir wollen, aber es geht um das leere Denken, das inhaltsfreie, rein vom Willen getragene Denken, das sich als flexibel, beweglich, lebendig erweist. Die Fixierung auf Inhalte, auf Mechanismen und Automatismen, auf suggestive Gewohnheiten und Assoziationen wird dabei überwunden. Der Status Quo unseres Alltagsbewusstseins ist nach Spira doch dieser: „We have forgotten our essential identity of pure aware being and allowed it to become mixed up with the characteristics and qualities that define the body and mind. Most people live almost constantly in this state of amnesia and their lives are a reflection of this simple forgetting.“ An die Dimension unserer „essentiellen Seinserfahrung“ kommen wir aber nur über die Befreiung des Bewusstseinspols heran, d.h. über die Arbeit am Denken selbst.

Erste Erfahrung des Seins bedeuten eine Loslösung vom Subjekt- Objekt- Verhältnis, von der üblichen Art unserer Informationsverwertung: „Only an object, such as a body or a mind, could appear and disappear or be subject to birth, growth, evolution, decay and death. Our self, aware presence, knows these changes but is not itself subject to them.“ Dabei rühren wir an eine Ebene der Ewigkeit und treten schließlich, in vielen kleinen Schritten und kit über Jahre andauernden Anläufen vollends in sie hinein:

Our self did not appear at a particular time and will not disappear at a particular time. There is no time present in our actual experience in which something could appear or disappear. There is just this ever-present now and this now is not a moment in time; it is timeless awareness, our true nature. Our culture has lost this knowledge and therefore equates the eternal with the everlasting. However, these two belong to completely different realms, one real and one imaginary. ‘Everlasting’ is related to time and denotes something that supposedly lasts forever. ‘Eternal’ is related to the timeless and denotes that which is ever-present now. It is not about life everlasting. It is about eternal life.

Diese Erfahrung, die ja deutlich an die Christus- Worte „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ erinnert, ist aber doch insofern eine der „Zeitlosigkeit“, als man im Vergleich zum Alltagsbewusstsein jedes Zeitgefühl verliert; erst an diesem Punkt setzt wirkliche Meditation an. Was bis an diesen Punkt geführt hat, waren Vorbereitungen. Aber der Anklang des Ewigen ist etwas, was weiter und weiter vertieft werden kann; es vollzieht sich von nun an, ohne dass man daran „arbeiten“ würde: Es arbeitet selbst. Man hat dabei keinerlei „mystische“ Empfindung, aber sehr wohl lebhafte Gefühle- im Grunde erlebt man puren Realismus. Dies ist die Ebene, in der das Reale ansetzt, das in sich Transparente, das Ungebrochene jenseits des illusionären Selbstbetrugs. Aber es ist zugleich immer ein Anfang, da sich die Perspektiven weiter verschieben und man immer weiß, dass dies ein Anfang ist. In der unendlich möglichen Vertiefung ist man immer am Anfang.

ich habe ein langes Interview mit Spira zu dem Buch auf meiner Egoistenblog- Site eingestellt.
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Sprache der Verführung

Die irrtumsfreie Möglichkeit, zu entscheiden, was von dem "Inhalte des geistigen Schauens weiteren Kreisen mitgeteilt werden" kann, besteht für Rudolf Steiner darin, dass man das heraus nimmt, was "der Forschende in solche Ideen kleiden kann, wie sie der Bewusstseinsseele eigen und wie sie ihrer Art nach auch in der anerkannten Wissenschaft zur Geltung kommen."

Es kommt also auf das Wie der Formulierung an, und auf das Einbeziehen, auf welche Art das Gesagte vom Hörer oder Leser aufgenommen werden kann. Dieses Wie entspricht der Sprache der Reflexion, des Diskurses, des nachvollziehbaren Denkanstosses. Die Nachvollziehbarkeit eines Gedankengangs, auch wenn womöglich unter Aufbietung einiger Mühen des Sprechenden und des Hörenden, ist die Sprache der Bewusstseinsseele, die stets die innere Souveränität des Hörenden, Sehenden, Lesenden achtet.

Nun leben wir heute trotz alledem, trotz unserer vorgeblichen Rationalität in einer Umwelt, die auf alles andere als diese emanzipierte Instanz appelliert. Die Sprache der Werbung und der suggestiven Bilder ist ja längst zu unserer eigenen geworden. Es gilt, das Ego mit glänzenden Außenwirkungen von sich selbst zu behängen, Statussymbolen jeder Art, je nach Kontext und nach Adressaten. Wir haben die Sprache der Verführung auch verinnerlicht- selbst dann, wenn wir ihr innerlich widersprechen wollen und ein Image des Unangepassten pflegen. Bald schon wird das Unangepasste zur neuen Mode, zum Punkstyle etwa, zum witzig- ironischen Hipster- Style, zum Crossover- Style, zum Grunge. Das ganze Ego ist ein Style, ein Modeartikel, ein Themenkatalog, an den wir selbst glauben, den wir verteidigen, vor dessen Verlust wir die grösste aller Ängste haben; der Gesichtsverlust ist nicht einmal erträglich vor uns selbst.

Auch in der Esoterik wird geworben und an bestimmte Bedürfnisse des Ego appelliert. Man sucht womöglich etwas wie "Reinheit"- ein innerer Bereich, der sich unseren Launen, Süchten und Begierden entzieht. Im auseinander fallenden Selbst soll wenigstens ein Punkt gefunden werden, der rein, wahr und dauerhaft ist. Aber auch das - als Selbstbild - kann eine Begierde sein, und wird daher beeinflussbar. Kritisch wird die Sache, "wenn die Geist- Erkenntnis nicht in der Bewusstseinsseele lebt, sondern in mehr unterbewussten Seelenkräften. Diese sind nicht genügend unabhängig von den im Körperlichen wirkenden Kräften. Deshalb kann für Lehren, die so aus unterbewussten Regionen geholt werden, die Mitteilung gefährlich werden. Denn solche Lehren können ja nur wieder von dem Unterbewussten aufgenommen werden." Sowohl Lehrender wie Lernender bewegen sich nach Steiner an diesem Punkt auf ganz dünnem Eis. Das Ego, das sich die Illusion von Reinheit und Objektivität geben möchte, saugt die eingebildete Transzendenz dort, wo es sie erhalten kann: Vom frömmelnden Sprecher, vom Christusschauer, vom Mann Gottes, vom Erleuchteten, vom Führer, der seine Worte in sanft wiegenden Bildern und glimmenden Assoziationen ins Publikum streut. Dass dieser selbst, von unserer Verehrung getragen, als Guru sein Ego bläht, und damit genau dem widerspricht, was wir in ihm suchen, lässt die Frage aufkommen, wer an dieser Stelle eigentlich das Opfer ist.

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Zitate: Rudolf Steiner, Mein Lebensgang, Kap. XXXII
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