Archives for Jan 2012 | EgoBlog | Die Egoisten
Jan 2012

Bundesamt für Verfassungsschutz mauert in Bezug auf Klaus Barbie

Bildschirmfoto 2012-01-31 um 18.06.32

Wir hatten ja schon in der Vergangenheit bei verschiedenen Gelegenheiten über die aktuellen Recherchen zum Nazi- Verbrecher Klaus Barbie geschrieben- insbesondere auch über die Arbeit des Historikers Peter Hammerschmidt. Nun ist heute bei der TAZ ein neuer Artikel von Hammerschmidt über den Verlauf seiner Recherchen - insbesondere in Bezug auf das Bundesamt für Verfassungsschutz - erschienen. Kurz gesagt, die meisten Zusagen des Amtes sind nicht eingehalten worden. Entgegen allem Anschein und öffentlichen Ankündigungen durch Nachrichtendienstet wird nun, da die Affäre aus den Schlagzeilen heraus ist, so massiv gemauert wie nur möglich.

Zunächst gibt es Schikanen in Bezug auf die Journalisten und Historiker selbst: „So müssen sich die Bochumer Forscher bei der Aufarbeitung der Geschichte des BfV zunächst einer "erweiterten Sicherheitsüberprüfung mit Sicherheitsermittlungen" gemäß § 10, 12 Sicherheitsüberwachungsgesetz unterziehen. Dazu gehört die Befragung von Referenzpersonen ("Bürgen") durch den Verfassungsschutz. Dabei interessiert sich der Geheimdienst nicht nur für Familienstand, Geschwister und Freunde, sondern auch für die Finanzsituation naher Angehöriger, für Freizeitgestaltung und Auslandsreisen der Wissenschaftler.“ (Zitate aus dem TAZ- Artikel)

Aber selbst wenn diese Hürden überwunden werden sollten, wird keine generelle Akteneinsicht gewährt, allenfalls in Einzelfällen: „Diese Frage schien auch das Amt beschäftigt zu haben: Auf Basis einer weiteren Intervention ließ sich der Nachrichtendienst Mitte Oktober 2011 dazu bewegen, doch eine entsprechende Einzelprüfung durchzuführen. Das Ergebnis: "Anlässlich Ihrer erneuten Anfrage wurde eine überschlägige Sachverhaltsprüfung zum relevanten Aktenbestand vorgenommen. Im Ergebnis dieser Prüfung ist eine Offenlegung der - tatsächlich im BfV vorhandenen und grundsätzlich für eine Abgabe an das Bundesarchiv vorgesehenen - Gesamtakte zu Barbie in absehbarer Zeit aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich."
Halten wir fest: Der Verfassungsschutz, dem "die transparente Aufarbeitung" der eigenen Geschichte nach eigenen Angaben ein "besonderes Anliegen" ist, verweigert aus nicht näher definierten "Sicherheitsgründen" die Freigabe der im eigenen Archiv definitiv vorhandenen Akte über den "Schlächter von Lyon", Klaus Barbie.“ (dito)

Die konkreten Gründe für die Behinderungen bleiben unklar. Peter Hammerschmidt vermutet, dass es in den Akten weitere Hinweise auf die Zusammenarbeit deutscher Geheimdienste mit Nationalsozialisten gegeben haben könnte: „Bleibt ein möglicher Schaden für das Ansehen der Bundesrepublik durch eine wissenschaftliche Aufarbeitung: Da erhebt sich die Frage, welche "Leichen" im Keller der "Schützer unserer Verfassung" denn noch liegen mögen - Leichen, die nicht wegen der inzwischen wohlfeilen Bekenntnisse zu NS-Kontinuitäten unter Verschluss gehalten werden, sondern wegen der Rolle des BfV in der Adenauer-Republik.“ (dito)

Der frühere Optimismus Hammerschmidts, der sich auch im ersten hier publizierten Interview ausdrückte, ist also deutlich geschwunden. Richtig erstaunt ist man nicht wirklich.
Comments

Rudolf Steiner und Spinoza

spinoza

Beim Aussortieren nicht mehr gebrauchter Bücher bin ich über einen fast zerfallenen Spinoza- Band gefallen, mit dem billigen, holzartigen und schon spröden Papier der unmittelbaren Nachkriegszeit. Offenbar hat es mein lange verstorbener Schwiegervater aus der philologischen Fakultät der Münchner Universität. Ich habe mich jetzt festgelesen und grüble über Spinozas Begriff der "Substanz". Erstaunlicherweise (erstaunlich für mich) liegt diese Substanz bei Spinoza sowohl im Verstand ("denkende Substanz") wie auch in allen natürlichen Erscheinungen- alles "nichts anderes (..) als Modi des einzigen, ewigen, unendlichen, durch sich selbst bestehenden Wesens; und aus diesem allen setzen wir als bewiesen ein Einziges oder eine Einheit, außer welcher man sich kein Ding vorstellen kann."

Spinoza vertritt also einen interessanten Monismus, dem nachzugehen mir lohnend erscheint: "Daran erkennen wir, dass wir in Gott bleiben und Gott in uns, dass er uns von seinem Geiste gegeben hat."
Erstaunlich (erstaunlich für mich) aktuell auch seine Überlegungen zur Demokratie - im 17. Jahrhundert - wie: "Wären die Menschen von Natur so gewöhnt, dass sie nur das wahrhaft Vernünftige verlangten, so brauchte die Gesellschaft keine Gesetze, sondern es genügte die Unterweisung in den moralischen Lehren, um freiwillig und von selbst das wahrhaft Nützliche zu tun. Allein die menschliche Natur ist ganz anders beschaffen; denn alle suchen zwar ihren Vorteil, aber nicht nach Vorschrift der gesunden Vernunft, sondern sie begehren in der Regel nur die Dinge im Antrieb von Lüsten und Affekten der Seele, ohne Rücksicht auf die Zukunft und andere Dinge; und sie entscheiden sich danach über den Nutzen." Ja, das ist uns inmitten der Wirtschafts-, Finanz- und Glaubwürdigkeitskrisen unserer Zeit wohl bekannt.

Parallel ein paar Blicke auf das, was Rudolf Steiner über die Persönlichkeit Spinozas geäußert hat, einfach aus Neugier. Da finden wir vor allem tiefen Respekt: "Bei den Ägyptern lebte ein inspiriertes Element, etwas das ganz aus dem Inneren, Seelischen hervorgeht, so wie es dann auf einer hohen Stufe aus dem Inneren von Spinozas Seele hervorgegangen ist." (GA 325, S. 88) Spinoza stand für Steiner in einem (auch „arabistischen“) Strom, der ursprünglich von Aristoteles ausging: "Wenn man den Blick auf jene Persönlichkeiten hinwendet, die aus dem Arabismus, aus der Kultur Asiens heraus auf der einen Seite beeinflusst waren von dem, was im Mohammedanismus als Religion sich ausgelebt hat, auf der anderen Seite aber auch beeinflusst waren von dem Aristotelismus, wenn man auf diese Persönlichkeiten schaut, die dann den Weg herüber über Afrika nach Spanien gefunden haben, die dann tief bis zu Spinoza und über Spinoza hinaus die Geister Europas beeinflusst haben, dann gewinnt man über sie keine Anschauung, wenn man sich ihre Seelenverfassung so vorstellt, wie wenn sie einfach Menschen der Gegenwart gewesen wären, nur dass die so und so viele Dinge noch nicht gewusst haben, die später gefunden worden sind." (GA 237, S. 16) Steiner stellt auch -kurz und bündig - einen karmischen Zusammenhang zwischen Spinoza und Fichte her: "Dieselbe Individualität ist ja Spinoza und Fichte." (GA 158, S. 213)

Steiner sah auch einen Einfluss Spinozas auf Goethe: "Die drei Geister: Shakespeare, Spinoza und der Botaniker Linne` konnten Goethe im Grunde genommen dasjenige geben, was nun nicht in seinem innersten Lebenszentrum war, sondern was er von außen bekommen musste, gerade diese Geister sind es, die den stärksten Einfluss auf ihn gehabt haben. (..) Goethes Weltanschauung hat nichts von einem abstrakten Spinozismus, aber das, was Goethe in seinem Innersten hatte als seinen Weg zu Gott, konnte er nur an Spinoza gewinnen." (GA 188, S. 137)

Auch mit dem Substanzbegriff Spinozas beschäftigt sich Steiner: "Benedikt (Baruch) Spinoza fragt sich: Wie muss dasjenige gedacht werden, von dem zur Schöpfung eines wahren Weltbildes ausgegangen werden darf? Spinoza findet, dass ausgegangen nur werden kann von dem, das zu seinem Sein keines andern bedarf. Diesem Sein gibt er den Namen Substanz. Und er findet, dass es nur eine solche Substanz geben könne, und dass diese Gott sei. Wenn man sich die Art ansieht, wie Spinoza zu diesem Anfang seines Philosophierens kommt, so findet man seinen Weg dem der Mathematik nachgebildet. Wie der Mathematiker von allgemeinen Wahrheiten ausgeht, die das menschliche Ich sich freischaffend bildet, so verlangt Spinoza, dass die Weltanschauung von solchen frei geschaffenen Vorstellungen ausgehe." (GA 18. S. 113)

Angesichts des strikten abstrakt- aristotelischen Denkens Spinozas war für Rudolf Steiner vor allem dessen Verhältnis zum Christentum bemerkenswert: "Spinoza hat ja wirklich aus guten Gründen jenen tiefen Eindruck auf Leute wie Herder und Goethe gemacht, denn Spinoza, wenn er auch scheinbar ganz im Intellektualismus, der aus der Scholastik heraus geblieben ist oder sich umgewandelt hat, noch drinnen steckt, Spinoza fasst doch diesen Intellektualismus so auf, dass der Mensch zuletzt eigentlich nur zur Wahrheit komme – die zuletzt für Spinoza in einer Art Intuition besteht –, indem er das Intellektuelle, das innere denkerische Seelenleben umwandelt, nicht stehenbleibt bei dem, was im Alltagsleben und im gewöhnlichen wissenschaftlichen Leben da ist. Und da kommt gerade Spinoza dazu, sich zu sagen: Durch die Entwickelung des Denkens füllt sich dieses Denken wieder an mit geistigem Inhalt. – Gewissermaßen die geistige Welt, die wir (denkerisch) kennen gelernt haben im Plotinismus, ergibt sich wiederum dem Denken, wenn dieses Denken entgegen gehen will dem Geiste. Der Geist erfüllt als Intuition wiederum das Denken. Und es ist merkwürdig, dass heraus leuchtet aus den Schriften des Juden Spinoza folgender Satz: Die höchste Offenbarung der göttlichen Substanz ist in Christus gegeben. In Christus ist die Intuition zur Theophanie geworden, zur Menschwerdung Gottes, und Christus’ Stimme ist daher in Wahrheit Gottes Stimme und der Weg zum Heil." (GA 74, S. 80ff)

Für Steiner war Spinoza eine Art Äquinoktium zwischen der Vergangenheit im Sinne alter Mysterien und einer Moderne, die in der Folge so erheblichen Einfluss auf Goethe gehabt hatte. Spinoza fasst in Steiners Augen ein letztes Mal - und auf eigenständige Art und Weise- die monistische Essenz der alten Mysterien zusammen: "Die Anreger Spinozas waren die im Südwesten Europas lebenden Nachzügler des Arabismus, der arabisch- (persisch)-semitischen Weltanschauung. Derjenige, der solche Dinge versteht, wird noch nacherleben können, wie das, was dekadent in der Kabbala hervorgetreten ist, sich in den reinen Vorstellungen des Spinoza wieder findet. Und so wird man dann weiter zurückgeführt über den Arabismus nach dem Orient, und man lernt erkennen, wie das, was bei Spinoza auftritt, in Begriffe, in intellektualistische Vorstellungen gebrachte Weltansicht der Vorzeit ist." (GA 325, S. 85)
Comments

Raymond Zoller: Von 2 Marsmenschen eskortierter Putin. - Путин в сопровождении двух марсиан

putin
Comments

Michael Eggert: Die wilde Waldorf- Puppenstube, Ein-Mann-Sekten & hermetische Weltbilder

Zu Christian Grauers Buch Es gibt keinen Gott, und das bin ich! Anthroposophie im Nadelöhr, Basel 2011

Bildschirmfoto 2012-01-16 um 21.19.39
Natürlich hatte ich schon von dem Buch gehört, und zwar in dem Sinne, dass da einer mit seinem anthroposophischen Elternhaus abrechnet. Der Rezensent bekennt, dass er beruflich mit allen möglichen familiären Traumata befasst war und war daher einigermaßen gespannt. Mir ist, glaube ich, wirklich jeder vorstellbare Abgrund bekannt, jedenfalls in dieser Hinsicht. Aber schon in dieser Hinsicht ist Grauers Buch eine Enttäuschung. Die geschilderten Traumata bestehen vor allem darin, dass es keine gab. Zwar litt der junge Grauer unter einem „extrem dogmatische(n), christlich- pietistische(n) anthroposophische(n)“ Elternhaus, bekennt aber selbst, dass er es im Jünglingsalter versäumt hatte, ordentlich dagegen zu opponieren, also z.B. nach Goa zu ziehen oder sich die Gespenster des Elternhaus in nächtelangen Partys in Ibiza aus dem Kopf zu tanzen. Vielmehr pflegte er dieses enge Weltbild „als junger Anthroposoph selbst“. Ich habe in Studentenzeiten staunend auf Tagungen der Christengemeinschaft und anderswo wilde Mädchen erlebt, die lieber auf Sex und Drogen setzten und nach Findhorn abhauten, als „diese bigotte Waldorf- Puppenstube“ noch länger zu ertragen. Grauer dagegen las im „christengemeinschaftlichen Religionsunterricht“ Bücher über das Leben nach dem Tod, formte sich die Welt „zu einer kompakten, geschlossenen Veranstaltung“ und erklärte für sich Steiner zu einem großen Boddhisattwa, einem „Propheten und Eingeweihten“. Die „geistige Welt“, die den Vorträgen Steiners als scheinbar geschlossenes Weltbild entsprang, wurde so für Grauer zu einem „Offenbarungsglauben“.

(…)

Im folgenden Philosophie- Studium stellte Grauer fest, dass er „durchaus positiv voreingenommen gegen Publikationen aus anthroposophischen Verlagen“ war. Aber allmählich - endlich!- dämmerte auch die Erkenntnis, dass „der übermenschliche Anspruch, den ich selber an die Anthroposophie stellte, nicht haltbar war.“
Er erkannte, dass er sein hermetisches Weltbild durch Abschirmung „von allen Einflüssen der Wirklichkeit“ künstlich am Leben hielt, auch wenn er bemerkte, dass es vor allem eines, nämlich „langweilig" war. Sich aus der selbst geschaffenen Hermetik heraus zu manövrieren, kostete Grauer einige Jahre. Die Desillusionierung wurde dann so radikal, wie der naive Glaube vorher gewesen war- was einen nicht sehr überraschenden Reflex darstellt. Bei Grauer waren es dann der Nihilismus Nietzsches, der sich als „beste Medizin gegen dogmatische metaphysische Wahnvorstellungen“ erwies und (ausgerechnet!) die wachsende Freude an dem Komiker Helge Schneider. Aber auch heute noch grollt der Autor Grauer, seine „ästhetische Bewertungsneurose“ und der „Zwang, meine Mitmenschen zu beurteilen“, sei „anerzogen“. Die harten Schemata seiner Urteile bezeichnet er tief bis ins Erwachsenenalter hinein als „meine anthroposophischen Raster“. Das klingt allerdings in den Ohren des kritischen Lesers selbstbeschönigend- eine sehr verbreitete Art und Weise, Schuldzuschreibungen zu vergeben. Grauer beklagt an mehreren Stellen das Pathos und den mangelnden Raum für „Humor und Gelassenheit.“ Das Befolgen seiner virtuellen anthroposophischen „Mission“ bezeichnet er als „besonders gesteigerte Form von Egozentrik und Intoleranz.“ Dabei kommt dieses anklagende, sich über viele Seiten erstreckende Lamento selbst reichlich egozentrisch und pathetisch daher. Es ist halt das Klagelied des Klosterschülers, der seinen Glauben verloren hat und jetzt über die verpassten Jahre jammert.

(...)

Zum ganzen Text als PDF-Download
Comments

Hans-Peter Dieckmann: Anmerkungen zur meditativen Praxis

Man hört oft, dass manche Menschen im meditativen Prozess seelisch verändern, aber nicht unbedingt zu ihrem Vorteil. Manchmal scheinen problematische seelische Reflexe erst richtig frei zu werden.

HP: Trotzdem sage ich mir: ob mein Meditieren das zähe Seelische nachhaltig verwandelt, hängt nur von meiner Ausdauer sowie der Intensivierung meines Meditierens ab. Und verschlimmert das Meditieren seelische Verfassungen wirklich? Ich meine, es macht sie “nur“ deutlicher bewusst und provoziert die Auseinandersetzung.

Man hört auch gelegentlich, dass erst eine Schwächung des physischen Apparates auch im Sinne einer Erkrankung manche Menschen zu „Fortschritten“ in ihrer meditativen Praxis bringen soll.

HP: Ein “Knacks“ der Physis mag Kräfte frei setzen. Ich kenne diese Freisetzung in Richtung Geist aber nur durch das Älterwerden und damit unter anderem als Meditationserleichterung. Mein Krebs jedoch fordert viele Kräfte, die ich sonst für meine okkulte Entwicklung zur Verfügung hätte. Denn es sind schließlich umgewandelte Heilungskräfte, die wir nach Rudolf Steiner für den Aufbau übersinnlicher Wahrnehmungsorgane und jedes höhere Erkennen verwenden. Ich verzichte deshalb lieber – und doch entgegen meinem Wunsch – auf das meditativen Training an der Natur. Andererseits behinderte ich ohne die Krebsbewältigung meinen okkulten Weg.

Dass wir unterschiedliche Arten des Erlebens in der meditativen Praxis haben, ist ja in unseren Gesprächen klar geworden. Wie würdest Du Deinen Zugang beschreiben?

HP: Die Art unseres geistigen Erlebens und was wir erkennen hängt zunächst bestimmt von Vorlieben und Prägungen mit ab und dabei gut möglich von früheren Einweihungen, neben den gegenwärtigen Schulungsbedingungen. So liegt mir das Imaginative einfach und zwar sowohl in Form von symbolischen Bildern, die sich aus Sinneselementen zusammensetzen und auf das Übersinnliche nur hinweisen, als auch in Form von Energiewahrnehmungen und Wahrnehmungen von Eigenschaften als Licht, die dann oft von Wärme- und Kälteeindrücken und seltener von einem geistigen Schmecken begleitet sind. Man kann zum Beispiel Reinheit schmecken, faszinierend!

Und wie vielfältig sind die übersinnlichen Licht-, Wärme- und Kälte-Eindrücke! So sah ich etwa eine in mich einströmende Liebe als warmes Licht, während sich mir eine mein Ich stärkende Kraft als klares Licht zeigte. Die Herkunft der Liebe blieb mir verborgen, doch die mein Ich stärkende Kraft enthüllte zugleich ihre Sternenherkunft, in der aber auch Hoheitliches lebte, das mir als Wesensausdruck evident wurde. Das Dämonische – je nach Grad und sofern ich es kenne - kann sich grell überspitzt oder auch düster und als eiskaltes Licht zeigen, wobei für mich gleich Leidenschaften, Bosheiten und gegebenenfalls Intelligenz und Absichten mit offenbar werden. Je bewusster ich Eigenschaften und Fähigkeiten erfasse, desto näher bin ich ihrer Wesensquelle, die mir dann mit den Imaginationen in Erfahrung treten kann. Bei meiner letzten Begegnung hieß mich ein freundliches Ich symbolisch mit ausgebreiteten Armen an der Schwelle zur geistigen Welt willkommen und schickte mir den Gedanken: „Was hinter der Grenze liegt, steht dir offen.“ Ich freute mich über diese Aussicht und so herzlich angenommen zu sein - und schreckte doch zurück: sterben will ich ja noch nicht! Aber vielleicht waren ja auch nur Einblicke ins Übersinnliche gemeint.

Ich habe Dir ja erzählt, dass es bei mir weniger imaginativ geschieht, sondern mehr im Sinne eines Plastischen- sowohl was die Selbsterfahrung anbelangt als auch das, was mir dabei an Erfahrung entgegen kommt, in aus sich selbst gespeisten wolkigen Massen, die einen Schaffens- Charakter haben, ein unentwegt produktiv Wirkendes.

HP: Ja, dieses Quellen von innen heraus, über das eine Ich-Präsenz ihr Kleid schafft und sei es als Wolke. Plastizieren ist für diese Tätigkeit ein gutes Wort, das aber doch bereits über die bloße geistige Leiblichkeit hinausweist.
Comments

Michael Eggert: Nicht im luftleeren Raum

Im Gegensatz zu "statischen" Internetseiten, die Informationen oder Links bereit halten, arbeiten Blogs wochen-, wenn nicht tagesaktuell. Sie sollten, wenn sie erfolgreich arbeiten wollen, mehr als nur den persönlichen Standpunkt des Betreibers widerspiegeln und in Form von Kommentaren ein Forum für die Besucher bereit halten. Im Idealfall bildet sich eine Blog- Community, ein Kreis von Lesern, die regelmäßig kommentieren und praktisch täglich hinein schauen; das Blog wird zur Basis für ein anthroposophisches Gespräch, das über Wochen oder Monate, ja über Jahre geführt werden kann. Dieser dauernde Diskurs, der ja von jedem Besucher nachgelesen werden kann, ist heute die eigentliche Attraktion. Es geht nicht darum, dass ein Autor seine Meinung in die Welt posaunt, sondern um eine gemeinschaftliche Meinungsbildung - durchaus im konträr geführten Gespräch. Im Idealfall wird dieses Forum vom Blogbetreiber so weit offen gehalten, dass er nur bei offensichtlichen Störern, Spammern, bei ungewollter Werbung und bei Spinnern eingreift. Letzteres ist schon deshalb notwendig, weil Blogbetreiber juristisch auch für die bei ihnen publizierten Kommentare haften.
Das alles erfordert eine ständige Präsenz des Bloggers - im Idealfall mit mobilen Geräten wie Smartphones, um sowohl aktuelle Posts zu veröffentlichen als auch entgleisende Kommentar- Threads unterwegs kontrollieren zu können. Der Blogger sollte - wenn er sich breit aufstellen möchte - auch verschiedene Funktionen ausfüllen; d.h. bei einem Beitrag mehr journalistisch, bei einem anderen eher essayistisch aufzutreten, persönlich in Beiträgen sichtbar zu werden, ohne ins Allzu-Persönliche abzugleiten. Die Erfahrung lehrt, dass die Zeiten des kunstvoll komponierten, mehrseitigen Essays eher zuende gehen - die Leser wollen angeregt werden, sich einbringen, aktiv ein Thema mit ausgestalten, sie wollen nicht kunstvoll aufgeschichtete Informations- und Belehrungsaufsätze. Informiert sind über das Internet alle ohnehin, ein "Vorsprung" des Bloggers und Autoren kann nur marginal sein.
Der in sich abgeschlossene, "runde" essayistische Aufsatz hat kaum dialogische Anteile, er zeigt seine geschliffene Oberfläche, reizt aber selten zum Diskurs an. Die Zeiten stehen auf Diskurs, auf eine "waagerechte" gleichwertige Gesprächsebene; die "senkrechte" - belehrende- Ebene mag in Einzel- und Spezialfällen passend sein, ein Publikumsmagnet wird das aber zumeist nicht.

Die Wucht mancher öffentlichen Auseinandersetzungen erschreckt manchen Blogger, bringt sogar manche ganz zum Verstummen. In der anthroposophischen Szene liegt diese Wucht sicherlich auch an der Zersplitterung der anthroposophischen Bewegung selbst. Es finden sich Gruppierungen und partikulare Interessen- und Ketzergruppen wie Sand am Meer. Unaufgearbeitete Konflikte und jahrzehntelanges Verschweigen von Konflikten und Widersprüchen kochen heute in aktuellen Blogs hoch, obwohl manche dieser Problemfelder ein oder zwei Generationen früher begründet sind. Nehmen wir als Beispiel die nationalsozialistische Vergangenheit des längst verstorbenen Priesters der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch oder die gesellschaftsinternen Konflikte zwischen Marie Steiner und Ita Wegman. Heute mit dem Thema Anthroposophie zu bloggen bedeutet, mit den chronisch unaufgearbeiteten Problemfelder neu konfrontiert zu werden.

Aber auch in der Breite des anthroposophischen Themenfeldes finden sich ausgeprägte Minenfelder, sei es politisch, weltanschaulich oder auch in der spirituellen Ausrichtung. Gerade Autoren mit spirituellen Neigungen scheitern häufig schnell als Blogger oder werden gnadenlos zur Lächerlichkeit verdammt, weil sie sich selbst und ihr Anliegen zu ernst nehmen. Manche spirituelle Erfahrung führt beim Autoren offenbar zu einer Zementierung des eigenen Standpunkts statt zu einer Öffnung. Wenn ein Eifer im Sinne einer Verkündung und Offenbarung eigener Gewissheiten aufkommt, stellt man sich quer zum herrschenden Mainstream, der Meinungsbildung an Stelle von selbstherrlichen Bekenntnissen bevorzugt.
Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann ein Blog allerdings mit erheblichen Leserzahlen rechnen, selbst wenn technisch keine aufwändige, teure und komplexe Plattform gewählt worden ist. Die Zugriffe liegen bei reinen Blogs (wenn sie erfolgreich sind) bei etwa 10000 pro Monat, bei Blogs mit angeschlossenen Archiven und breit angelegten Inhalten bei einem Vielfachen davon. Es ist also davon auszugehen, dass das Medium heute - wie andernorts auch - in der anthroposophischen Szene mehr und umfassender genutzt wird als die klassischen Printmedien.
Gerade bei breit angelegten Internetseiten geht es allerdings dann doch um die Technik, nämlich um die so genannte Usability. Niemand hangelt sich durch x Unterverzeichnisse hindurch, um an einen gesuchten Text zu kommen. Es erfordert einigen Aufwand, die Inhalte einer Internetpräsenz mit Hunderten von Seiten so zu präsentieren, dass sie auf einen Blick erreichbar sind. Dabei sollten nicht schlechte Layouts, blinkende Werbebanner und eine verzwickte Navigation stören. Falls der Blogger in Suchmaschinen gefunden werden möchte, sollte er originäre und originelle Inhalte möglichst tagesaktuell bringen, auf möglichst vielen anderen Websiten erwähnt und verlinkt werden und an soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ angebunden sein. Junge Autoren überprüfen das heute, bevor sie einem Blog ihre Beiträge anbieten.
Bei bestimmten Themen im Ranking der Suchmaschinen oben auf zu sein, ist ein wesentliches Kriterium zur Gewinnung von Autoren, denn nur so wird man in der Informationsflut unserer Zeit von Journalisten und anderen Bloggern gefunden. Heute ist das Posten eines wichtigen Blogbeitrags, der Eintrag in Google und der sofortige Anstieg von Besucherzahlen eher eine Sache von Minuten, nicht von Tagen oder Wochen.
Inzwischen kommt eine weitere technische Hürde hinzu - wegen der wachsenden Zugriffe durch Tablets und Smartphones sollte die Website auch für kleine und kleinste Displays gut lesbar sein. Dazu generiert z.B. Blogspot von Google automatisch eigene Versionen für das bestehende Blog, die erkennen, mit welchem Gerät ein Leser zugreifen möchte. Bei traditionellen Websites muss eine solche Funktion hinzu gekauft oder mühsam programmiert werden, wenn das überhaupt möglich ist. Sehr viele Leser abonnieren auch Inhalte eines Blogs oder Kommentarthreads per RSS und lesen dann in ihrem Email-Programm mit. In meinem Blog sind das allein etwa 1000 Abonnenten.

Bei einer gelungenen Vernetzung eines Blogs trägt sich dieses inhaltlich teilweise fast von selbst, da aus den Kontakten, der Leserschar und den sozialen Netzwerken laufend Anstösse und Beiträge folgen; der Diskurs ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern bildet den Stand der Diskussion ab, fokussiert, bündelt und bewertet tatsächliche Ereignisse und aktuelle Themen. Der Blogger bildet einen realen Diskurs ab, gestaltet ihn mit und führt ihn weiter. Er schreibt nicht im luftleeren Raum.
__________
Beitrag auch erschienen bei Themen der Zeit
Comments

Abschied von Hans-Peter Dieckmann

Es wird einsamer bei den Egoisten. Einer unserer langjährigen Autoren, Hans-Peter Dieckmann, ist am 6. Januar verstorben. Seine Aufsätze, die sich vor allem mit dem Thema anthroposophische Meditation beschäftigten, können auf einer für ihn eingerichteten persönlichen Seite gelesen werden. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit, die er auch auf einer eigenen Website und in zahlreichen Seminaren, die er gab, zum Ausdruck brachte, war sein Interesse für den west- östlichen Grenzgänger Sri Aurobindo. Hans-Peter war vor allem 2009 und 2010 aktiver Autor bei den Egoisten; er legte dabei gern längere Pausen ein, weil, wie er schrieb: „Ich möchte kein Internet-Mensch sein.“ Als er sich 2011 immer noch nicht gemeldet hatte, schrieb ich ihn an und erfuhr von seiner gerade ausgebrochenen schweren Erkrankung. Diese war im September 2010 entdeckt worden. Er war willens, sich einer gefahrvollen und radikalen Chemo- Therapie und weiteren Behandlungen zu unterwerfen, denn es gab keine Alternative: „Die Folge wäre mein Tod. Ohne Behandlung hätte ich nur noch ungefähr ein halbes Jahr zu leben.“ Seine Beanspruchung war zu groß, um weiter Artikel schreiben zu können, aber er hoffte: „Aber später, so hoffe ich, kommt wieder mal ein Artikel von mir, dann wohl so ab Januar 2012.“ Am Anfang der Behandlung schlug sich Hans-Peter herum mit Fragen nach persönlicher Schuld, aber auch mit den ihm verbleibenden Perspektiven, aber er wusste auch in den schwersten Momenten: „Durch mein Meditieren gewinne ich immer wieder Aufbauendes, mit meinem Lösen.“

Die Perspektive der gemeinsamen Arbeit blieb ihm wichtig: „Dabei lag und liegt mir an den Egoisten: an der Aufklärung zum Beispiel zu Benesch und zum Nationalsozialismus überhaupt sowie zu Scaligero; an den vielen Beiträgen zur Meditation aus eigenem Erleben und u.a. mit positiven Bezügen auf Kühlewind, den meditativen Scaligero und zu buddhistischen Elementen: wo im Internet wird sonst so offen über eigene spirituelle Erfahrungen berichtet, obwohl das ganz gewiss dran ist?; aber mir lag und liegt auch an Deinen Geschichten aus dem Leben wie jetzt “Radiologische Mysterien“ und an Deiner Folge “Karls Jahr“; selbstverständlich vieles davon als im Prozess verstanden, ja teils als Versuch und damit entwicklungsfähig, individuell, aber zugleich bei einer klaren Wertschätzung von Steiners geisteswissenschaftlicher Methodik als Grundrüstzeug – und was mir noch sehr wichtig ist: bei einem freien Geistesleben: Wolfgang Garvelmann etwa konnte und kann sich ausführlich für Judith von Halle einsetzen, während Du sie recht kritisch behandelst. Für mich war es außerdem reizvoll, auf meine Artikel ein vielfältiges Feedback zu erhalten und ich freue mich, dass sie inzwischen sogar verstärkt gelesen werden.“ Aber trotz dieser Bindungen und Bezüge, trotz der meditativen Arbeit, die er immer und immer intensiver fortführte, trotz der engen familiären und freundschaftlichen Bindungen, gab es auch für ihn diese bodenlose Augenblicke: „.. allerdings habe ich dunkle Tiefen erlebt: die erste Krebsnachricht traf mich so heftig, dass ich das Krankenhaus wie ein Toter unter Lebenden verließ.“ Durch seine meditative Arbeit konnte er sich immer wieder neu diesen emotionalen Tiefen entziehen: „Dass ich einen Boden in mir aufrechterhalten und neu bauen konnte und kann, verdanke ich – wie erwähnt - stark meinem Meditieren: in der Tat im Stehen vor der geistigen Welt, wahrhaftig, so gut mir das jeweils gelingt und deshalb in gewisser Weise wirklich freier als im Alltag, denn so bin ich auch mehr aus meinem Eigentlichen orientiert. Ich schaffe oder empfange dann besser Einsichten und helfende Imaginationen, zu einem Meditationsthema oder in innerer Stille.“

Im August letzten Jahres wurde klar, dass es - trotz der hochdosierten Chemotherapie nicht einfach werden würde: „..durch die zwei neuen Chemos ist mein Krebs zwar deutlich zurückgegangen, aber nicht weit genug. Es steuert also auf die Transplantation von fremden Stammzellen zu.“
Hans-Peters Naturell war trotz der immer wieder erfolgenden Rückschläge so positiv gestimmt, wie unter diesen Umständen nur möglich, denn so war er einfach und so fühlte er sich auch selbst: „Doch trotz der Chemos, was Du als Frische und Zukunftsorientiertheit meiner letzten Mail erfährst, fällt mir meistens eher leicht: es entspricht mir einfach und wird ja obendrein von mir besonders meditativ bestärkt. Du musst Dir meine positive Gestimmtheit nur eben im Zusammenhang mit anderen Stimmungen im Hinter- und ab und zu auch im Vordergrund vorstellen.“ Spirituell bemühte er sich, die Rosenkreuz- Meditation Rudolf Steiners zu praktizieren, in der er erlebte, dass dabei ein schützender Raum gebildet wurde. Das „Erfühlen des Übersinnlichen“ und lebhafte Imaginationen wurden ihm ein stetiger Begleiter. Trotz deutlicher Erfolge in den ständigen therapeutischen Maßnahmen gab es deutliche Rückschläge, auch nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus. Er hielt an vielen Initiativen fest, die er 2012 beginnen wollte und wünschte auch, einiges an Persönlichem zu klären. Dazu ist es nicht mehr gekommen.
Comments

Michael Eggert: Als ich einen Fisch vorbei brachte

Nein, mit diesen Männern habe ich wenig gemein. Es gibt die mit den festen Schuhen und der atmungsaktiven Kunststoffwäsche, die fangen die buntesten und grössten Fische. Es gibt den Trinker, der einen widerlichen Fang am Haken hatte, ein mageres schwarzes Tier mit einer Art Laterne über dem grotesken Schädel. Dieser Kerl verwendet offenbar sehr lange Schnüre, um solche lemurischen Urtiere zu fangen. Es gibt die (wenn ich schon mal dabei bin), die immer mit leeren Netzen da stehen. Es scheint, als mache ihnen das nichts aus. Sie stehen da mit so leeren Gesichtern, als würde ihnen jemand jeden Ausdruck heraus waschen. Ich kenne aber auch Fischer, die jede Art und Unterart ihres Fanges mit lateinischer Bezeichnung benennen, die sich endlos darüber ausbreiten können, ohne jemals in ihrem Leben einen einzigen Fang getan zu haben. Würden sie das Blut, den Meergeruch überhaupt ertragen? Es hat etwas vom kühlen Duft des Geschlechtlichen, von salzigem Schleim, vielleicht mit einem eiskalten Weißwein, blauen Fensterläden, zwei durchscheinenden weißen Gardinen, hinter denen sich Schemen von Körpern verwischen und vermischen. Der Geruch von Austern; vielleicht schreckt sie das ab.

Du hättest mich haben können, damals.
Ich wäre gerne dein Junge gewesen.
Aber nein, du musstest ja wählerisch sein.


Mit diesen Fischern habe ich nichts gemein. Wir schützen uns mit extra breiten Hüten gegen die anbrandenden Brecher, zumindest die empfindlichen Augen. Unsere Gummianzüge und Kapuzen glänzen im perlenden Wasserfilm, in denen wir den Krebsen so sehr ähneln, die wir gerade fangen, wir sind ihre monströs vergrösserten Brüder. Ich finde nicht, dass Brüder immer friedlich sind.

Ich selber stehe schon lange am Fluss. Ich war, als ich damit anfing, in einer jugendlichen Krise, etwas überdreht, etwas leichtsinnig. So viel liegt einem in diesem Alter nicht am Leben. Man hat sich selbst ja auch erst als Idee. Man sucht und findet sich in der eigenen Vorstellung- als Konzept. Man muss das Selbstkonzept mit der Welt um sich herum irgendwie in Einklang bringen, und das ist schon deshalb schwierig, weil man sich ja noch nicht erprobt, weil man die Idee von sich selbst nicht einmal in Worte gefasst hat. Dann hatte ich das Gefühl, dass aus meiner Verwirrung heraus eine klare Stimme sagte: Sei Angler. Und seitdem bin ich das, obwohl ich die Ursache selbst etwas kindisch finde. Es hat sich eben dann so ergeben, vielleicht wurde ich schwach, vielleicht waren meine Fluchtbewegungen nur von kurzer Dauer, weil immer etwas dazwischen kam, und nun stehe ich hier, in der Gischt, schweigend wie alle.

Du hättest mich nehmen können, damals.
Ich wäre gerne dein Mann gewesen.
Aber nein, du musstest ja wählerisch sein.


Ich fange andere Sachen. Es hängt wohl vom Köder ab, vielleicht muss man ihn mit eigener Spucke bedecken, das hilft. Ich spucke den Köder immer an wie die Templer das Kreuz, das Bild Christi.. Wir können von Bildern nicht leben, wir brauchen den wirklichen Fang an unseren Leinen, in unseren Netzen, in unserem ganzen öligen Blut. Ich wäre sicher lieber unter Templern als unter diesen brütenden Fischern in ihren glänzenden schwarzen Überziehern, aber das sucht man sich nicht aus. Es gibt heute keine Templer mehr. Ich wäre auch gerne bei dir. Ich fange nur Aale, weißt du, aber die haben ja auch ihre Bedeutung und bringen gutes Geld. Ich weiß, dass sie Unrat fressen. Ich weiß, dass sie fettig sind. Ich weiß, dass die anderen Fischer mich deshalb verachten. Aber darauf kommt es nicht an. Wenn du das liest, wenn du dich erinnerst, wenn du Brot und Wein hast, dann bringe ich dir einen Fisch vorbei.
Comments