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Jan 2011

Die Wochenschrift "Das Goetheanum" wird umgestaltet

In einer Reihe von einzelnen Beiträgen auf der Homepage werden deutliche Veränderungen bei den beteiligten Herausgebern und in der Gestaltung und Ausrichtung der Zeitschrift selbst deutlich. Zunächst wurde die vertretende Herausgeberschaft von Paul Mackay an Bodo von Plato übergeben. Der Grund liegt, wie man schließen darf, in der Notwendigkeit zu Reformen und einer umfassenden Neugestaltung:

"Ich hoffe, dass mit der Übernahme dieser Funktion durch Bodo von Plato ein kräftiger Impuls in der Entwicklung der Wochenschrift gesetzt werden kann, und wünsche dafür alles Gute!"Es handelt sich aber offenbar auch hier um Probleme in der Finanzierung, die die Neuausrichtung bestimmen: "Die Spar- und Umstrukturierungsmaßnahmen am Goetheanum betreffen auch die Redaktion des ‹Goetheanums›."

In diesem Zusammenhang wird bekannt gegeben, dass "Hans-Christian Zehnter von Herausgeberseite nicht in die weitere Entwicklung der Neuausrichtung einbezogen wird." Dafür äußert sich Wolfgang Held, er habe sein Tätigkeitsfeld verlagert: "Seit Jahresanfang habe ich mein Tätigkeitsfeld von der allgemeinen Kommunikation am Goetheanum und der Anthroposophischen Gesellschaft verlagert hin zur Mitarbeit in der ‹Goetheanum›-Redaktion" - wiederum in einer separaten Nachricht. Schließlich gibt es auch inhaltlich eine weit gehende Neuausrichtung: "Die Form des ‹Goetheanums› wird sich ändern, den Verhältnissen, Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechend. Im Laufe dieses Jahres werden sich Schritt für Schritt Konzept und Aussehen des ‹Goetheanums› verändern. Publikationen, die bisher in gesonderter Form erschienen, sollen im ‹Goethe-anum› ihren gemeinsamen Erscheinungsort finden, damit eine umfassende Anregung und Information, ein Austausch über Grenzen hinweg in gebündelter Form stattfinden kann – mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften. Die Veranstaltungskalender des Goetheanum, der Jahresbericht der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, die Broschüren der Studienlandschaft am Goethe-anum, die zahlreichen Ankündigungen, die bisher in Flyern verbreitet wurden, möglicherweise auch ausführlichere Berichte von Sektionen sollen bei ihrer Veröffentlichung auch ihren Zusammenhang zum Ausdruck bringen können, den sie in ihrer Inspiration aus der Anthroposophie und ihrer Beheimatung am Goetheanum haben.
Dafür wird sich der Herausgeber in den kommenden Jahren verstärkt einsetzen.
Als Erstes wird ab dem ‹Goetheanum› Nr. 4/2011 das Nachrichtenblatt für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft unter seinem bisherigen Titel als Teil ins ‹Goetheanum› integriert, denn schon seit längerer Zeit lässt sich kein überzeugender Grund mehr finden, dass diese Mitteilungen mit zusätzlichem Herstellungs- und Versandaufwand gesondert erscheinen."

Es wird in diesem Karussell der Wechsel nicht ganz klar, an welcher Stelle eigentlich gespart wird. Personell bindet man offenbar, um zu retten, was zu retten ist, die besonders herausragenden Köpfe aus Vorstand und dem Umkreis des Vorstandes in die Herausgabe ein. Zugleich werden diverse Publikationsorgane zusammen geführt. Letzteres kann man nun nicht unbedingt als Schritt in Richtung Qualitätssicherung verstehen. Klar ist aber, dass Ressourcen gebündelt werden, um zu retten, was zu retten ist.

In diesem Zusammenhang werden auch verschiedene Verlage und Verlagslinien unter einem neuen Dach (Futurum- Verlag) gebündelt.

Die Frage, die sich einem Außenstehenden stellt ist die, ob sich das Konzept einer Wochenzeitschrift in Zeiten einer allgemeinen Krise der Print- Landschaft im allgemeinen und einer finanziellen Krise des Goetheanums im besonderen nicht überholt hat. Das große Essay passt besser in eine Monatszeitschrift, die Tagesnews auf eine Website. Ob es dazwischen Platz für ein wöchentlich erscheinendes Blatt noch gibt, wird sich zeigen.
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Klaus Barbie wird Thema in Deutschland

Aufgeschreckt durch die Recherchen des jungen Historikers Peter Hammerschmidt, der hier im Blog in einem Interview vom 8. Januar dieses Jahres davon berichtet hat, sind dem SPIEGEL offenbar durch den BND Information über dessen Zusammenarbeit mit Klaus Barbie („Nazi- Verbrecher Barbie war BND- Agent“) zugespielt worden. Der SPIEGEL brachte die Nachricht am 15. Januar- ohne die Arbeit von Hammerschmidt zu erwähnen. Inzwischen berichten - die Arbeit des Historikers anerkennend- die Berliner Zeitung darüber, Portal Amerika, Prensa Latina, Telepolis und The Telegraph: „Der Spiegel berichtet, Barbie sei im Frühjahr 1966 vom BND angeworben worden. Der Kriegsverbrecher, der damals unter dem Namen Klaus Altmann in der bolivianischen Hauptstadt La Paz lebte, werde in der BND-Akte als ein Mann „kerndeutscher Gesinnung“ und „entschiedener Kommunistengegner“ beschrieben. Barbie alias Altmann soll als Agent „Adler“ mit der Registriernummer V-43118 Berichte über politische Entwicklungen in Südamerika geliefert haben.

Auf die Akte Barbies war der Historiker Peter Hammerschmidt von der Uni Mainz im September gestoßen. Sein Antrag auf Akteneinsicht hatte der BND zunächst abgelehnt, nach einer Beschwerde beim Kanzleramt jedoch bewilligt. Laut Hammerschmidt lege die Akte den Verdacht nahe, dass dem Dienst zumindest bei der Anwerbung des Exildeutschen im Jahre 1966 gar nicht bewusst gewesen sei, in Wirklichkeit Barbie vor sich zu haben. Erst im Dezember 1966, als man den Agenten zu Schulungszwecken nach Deutschland holen wollte, seien die Geheimdienstler stutzig geworden: Altmann habe gesagt, dass seit Kriegsende in Ludwigsburg Ermittlungen gegen ihn laufen würden und er daher nicht einreisen könne. Wegen „erheblicher Sicherheitsgefährdung für den BND“ wurde die Quelle umgehend abgeschaltet – als Abfindung erhielt Barbie 1.000 DM in bar.“ (Berliner Zeitung)

Die Arbeit von Peter Hammerschmidt - "Der Schlächter von Lyon" im Sold der USA - Über die Beziehungen zwischen Klaus Barbie und dem amerikanischen Geheimdienst- wird im Laufe des Jahres erscheinen.

Offenbar möchte sich der BND ein transparenteres Image geben- weitere Akten- Offenlegungen sind angekündigt. Vielleicht wollte auch nur der Recherche von Hammerschmidt zuvor kommen. Eigentlich sind Hammerschmidt und ich nur deshalb bekannt geworden, weil ich öffentlich fragte, warum in Deutschland eigentlich so wenig über Barbie publiziert und geforscht worden sei. Die Frage ist nun so weit beantwortet- der BND hatte offenbar den Daumen darauf. Nun also kommen die Karten aber auf den Tisch.
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Michael Eggert: Ein Lob der Zeitverschwendung

In letzter Zeit habe ich mich gern auf den satanischen Facebook (auch satanisch!) -Seiten der Marx- Brothers der Anthroposophischen Bewegung (Felix, Ansgar, Christoph, Christian) herum getrieben und auch ungefragt Tipps zur anstehenden Publikation von deren Buch „Endstation Dornach“ gegeben; Motto: Wenn schon satanisch, dann richtig - denn zu revolutionären Inhalten gehört ein revolutionäres Layout. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch den Cartoon „Kamaloka“ hoch geladen und wurde darob von dritter Seite schwer gerügt. Denn erstens gehöre sich Sarkasmus nicht und zweitens sei das „Zeitverschwendung“. Ich antwortete, ich fände Zeitverschwendung geil, worauf sich der (offensichtlich anthroposophische) Kritiker mit verächtlichem Schulterzucken von mir abwandte.

Luxus und Zeitverschwendung- geht das nicht Hand in Hand? Der wahre Luxus ist natürlich ein meditatives Leben, ein kontemplativer Lebensstil. Man fällt dadurch nicht nur aus nahezu allen Ideologien der Gegenwart hinaus, die stets das Mehr und Besser propagieren. Man frönt eben auch dem Luxus Zeit schlechthin. Wie viele Menschen unter den Milliarden Erdbewohnern können sich einen solchen Luxus leisten, sind sie doch gebeutelt von prekären Geld- und Arbeitsverhältnissen? Diese Website heisst auch deshalb „Egoisten“, weil hier der Luxus der Zeitverschwendung propagiert wird- sofern man es sich leisten kann und will.

In die Fluten des reinen Denkens einzutauchen, ist ja immer auch eine Übung in Absichtslosigkeit. Zwar lässt man sich - hoch konzentriert- ganz und gar nicht treiben, taucht aber so tief, dass man in der Situation zwar jederzeit voll bewusst und wach ist. Aber im Strom der Absichtslosigkeit und reinen Gegenwärtigkeit zu stehen bedeutet auch, dass man sich auf einer Ebene bewegt, die dem Tiefschlaf ähnelt- man kann sich hinterher kaum an etwas Konkretes erinnern. Man fühlt sich zwar erfrischt, als hätte man einen Jungbrunnen aufgesucht, weiss aber nicht genau, was man da gemacht hat. Allerdings kommt man an den Rändern der meditativen Versenkung in einen Zwischenbereich, der dem Träumen ähnelt. Wie im Traum kommen auch die konkreten Alltagsprobleme auf einen zu. Man umkreist sie, schaut sie von allen Seiten an. Anders als im Traum ist man Herr des Geschehens- es entwickeln sich keine unwillkürlichen Bilderfolgen. Vielmehr wird einem in dieser imaginativen Situation klar, wie man dem Problem begegnen kann. Es ist ein Missverständnis, zu glauben, Imaginationen müssten bildhafter Natur im engeren Sinne sein. Die Konzentration der gedanklichen Lösungsansätze ist aber ganz anders; man hat Gedanken nicht nacheinander, sondern „in einem“, als wäre es ein Paket, das man erst später aufschnüren kann.

Hinterher, im diskursiven Alltagsbewusstsein, entfaltet man das „Paket“ in eine logische und zeitliche Folge. Oft sieht man, dass das, was eben noch so kompakt erschien, sich in eine Fülle von Ideen entblättert. In dieser Hinsicht ist Imagination ein Denken in dreidimensionaler Art und Weise, nicht in linearer. Am besten schreibt man das alles auf. Es erweist sich meist als relevant und fruchtbar.

Die „Zeitverschwendung“, die praktizierte Absichtslosigkeit kürzt in Wirklichkeit die Wege ab. Vielleicht wäre man auch anders auf die Lösungswege gekommen, aber es hätte viel Zeit gekostet. In der Zeitlosigkeit dagegen wachsen die Ideen wie eine Wiese voller Blumen. Man kommt mit einer leeren Vase zu Besuch, und kehrt mit einem überreichen Strauß zurück.
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Echsen

Am Ende lässt man es vielleicht nur deshalb sein, dieser Eine zu sein, zu dem man neigte, weil es so anstrengend ist. Es ist eine Mischung zwischen Schwäche und Begabung, dann treibt einen etwas, so wie bei dem, den ich jetzt meine- ein Genuss an sich, eine tiefe Selbstzufriedenheit, es so weit gebracht zu haben. Natürlich zieht man ab und zu Bilanz, und das sind selten die angenehmsten Momente.

Bei diesem, den ich meine, aber schon. Er war jetzt ein angesehner Heilpraktiker mit einem einzigen Präparat, das er erfolgreich gegen alles Mögliche einsetzte. Er half manchen gebeutelten Patienten wirklich und war beinahe überlaufen. Ich glaube, er war auch ein wenig überrascht über sich selbst. Gediegene Praxis in bester Villenlage, eine jüngere Frau, die eindeutige Signale sendete, sich zur örtlichen Schickeria hinzuzählen zu dürfen. Ich denke, früher, am Anfang, hat nicht einmal er selbst sich etwas zugetraut. Aber er wuchs quasi mit den Jahren und durch glückliche Fügung (Beziehungen, väterliches Erbe) in sein selbst zufriedenes Lächeln hinein, das irgendwann mal unangebracht war, jetzt aber in Ordnung. Er ließ es sich gut gehen und drehte immer geschickter an den Schrauben und Rädchen, die es brauchte, um so eine Position auszubauen. Er war immer auf dem Sprung. Er war nicht dumm.
Aber auch nicht ganz frei in seinem Blick auf die Klienten. Natürlich lag es in seinem Interesse, Anzeichen in Krankheitsbildern zu entdecken, die zum langfristigen Gebrauch seines Präparates geradezu verpflichteten. Er fand ununterbrochen dafür gute Gründe. Er war auch so teuer und ausgebucht, dass eine Verbesserung der Symptome der Klienten sich schon allein deshalb einstellte. Er war, mit einem Wort, sehr erfolgreich.

Wie kommt es, dass man manchmal mitten im Lauf, wenn sich Eins ans Andere reiht, dennoch und gegen jede Vernunft, die Lust verspürt, daraus auszubrechen? Es hängt so vieles daran, nicht nur die eigene Existenz, auch Ehe und Familie und der ganze soziale Kontext. Manchen greift es kalt ans Herz, wenn alles so läuft, wie es läuft. Man greift wenigstens zu Fantasien. Ein anderes Leben. Man romantisiert die Zeit, als die Bindungen noch nicht so zwingend waren, als die Wahl noch offen stand. Man ist nicht identisch mit dem, was man lebt. In sich bewegt man andere mögliche Existenzformen. Es ist nicht immer leicht, sich in das zu fügen, was man hat, und darin das zu entdecken, was sich entwickeln kann. Es ist schwierig, die Entdeckungslust lebendig zu halten, wenn man einmal eine Form gefunden hat.

Manche wirft es auch einfach aus der Bahn. Unversehens, und ohne bemerkbare Vorzeichen. Man war gewissermaßen geblendet von der scheinbaren Sicherheit des eingeschlagenen Weges. Es war nicht damit zu rechnen, und es war auch nicht besonders fair, dass etwas einem plötzlich einfach den Teppich unter den Füßen wegzog. Natürlich ist es blöd, zu hadern, aber es ist auch schwierig, es nicht zu tun. Auch das Hadern kann zu einer festen Persona werden, in die man erst hinein wächst, und die sich dann um einen verschliesst wie eine Dornenhecke aus dem Märchen. Am Ende sitzt man fest wie dieser, den ich vorhin meinte. Vielleicht nicht selbstzufrieden, sondern das Gegenteil davon. Vielleicht auch, heimlich, zufrieden in der Unzufriedenheit.

Es ist schwer, zwischen den Formen die innere Freiheit - wenigstens in Momenten - zu wahren und zu pflegen. Man wächst immer in die Formen hinein. Wir sind wie Echsen, denen stets ein Panzer wächst.
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Interview mit Peter Hammerschmidt zum Thema Klaus Barbie

Herr Hammerschmidt, welche Erkenntnisse konnten Sie im Rahmen Ihrer (exklusiven) Recherchen beim Bundesnachrichtendienst gewinnen?

Die BND-Akte von Klaus Barbie, die ich im September 2010 Jahres erstmals in München/ Pullach einsehen konnte, bestätigt den Verdacht, dass Klaus Barbie unter seinem Pseudonym „Klaus Altmann“ seit Mai 1966 in engem Kontakt mit dem westdeutschen Geheimdienst stand.

Es waren die „einflussreichen privaten und geschäftlichen Beziehungen“ des Herrn Altmann zu bolivianischen Regierungs- und Geheimdienstkreisen, die letztendlich den Ausschlag dafür gaben, den Exildeutschen auf die Gehaltliste des BND zu setzen. Dass es sich bei dem Informanten um einen gesuchten NS-Kriegsverbrecher handelte, war dem BND (zu Beginn der Kontaktaufnahme) offenbar unbewusst:

In seiner Informanten-Kartei wurde über ADLER (Barbies Deckname) festgehalten, dass er während des Zweiten Weltkrieges in einer Panzerdivision an der Normandie gekämpft hätte. Auch die übrigen Angaben über Barbies NS-Laufbahn sind gespickt von Fehlern oder entsprechende Vita-Lücken, die offenbar bewusst nicht weiter verfolgt wurden.

Nichtsdestotrotz hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg bereits 2 Jahre zuvor eine Anfrage an den BND gesandt, in der sie beim BND nach Informationen verlangte, ob Barbie in ihren Diensten stehe. Ein „Barbie“ war auf den Gehaltslisten nicht zu finden, doch musste eines auffallen: Der in Deutschland wegen Kriegsverbrechen gesuchte Barbie galt als flüchtig, man vermutete ihn, so in den Akten des BND festgehalten, in La Paz/Bolivien. Fest stand auch, dass Barbie zwei Kinder hatte, einen Sohn (Jörg) und eine Tochter (Ute). Ein Blick in die Akte der Südamerika-Informanten hätte verraten, dass Altmann ebenfalls in La Paz lebte, Deutscher war, einen Sohn hatte, der Jörg hieß (der für den BND ebenfalls, wenn auch nur indirekt, Spionagearbeit leistete) und eine Tochter hatte, die Ute hieß. Außerdem war Barbie am 25. Oktober 1913 geboren. Und Altmann, der unter falschem Namen (und mit nur minimal abgeänderten Geburtsdaten) in Bolivien eingereist war, feierte seinen „neuen“ Geburtstag am 25.10.1915. Was bleibt, ist die Frage, ob der BND bei seiner Entscheidung, Klaus Altmann alias Klaus Barbie bewusst über die verfügbaren Anhaltspunkte wegsah, oder die Beziehungen, die Altmann zu bieten hatte, dessen braune Vergangenheit schlichtweg vergessen ließen.

Die Informationen, die Barbie dem BND im Zeitraum zwischen Mai und Dezember 1966 sind, sind noch nicht abschließend aufgearbeitet: Die wenigen vorhandenen Berichte aus Bolivien deuten jedoch daraufhin, dass Barbie den BND präzise über die politischen Entwicklungen in Bolivien und anderen südamerikanischen Staaten unterrichtete.

Erst als Altmann im Dezember 1966 die Reise nach Deutschland (zu Schulungszwecken) verweigerte, wurde der BND stutzig: Altmann gab zu erkennen, dass seit Kriegsende in Ludwigsburg entsprechende Ermittlungen gegen seine Person laufen würden und er aus diesem Grund nicht in die BRD einreisen könne. Aufgrund dieser „erheblichen Sicherheitsgefährdung für den BND“ beschloss die damalige Führungsstelle des BND, seinen Informanten noch im selben Monat abzuschalten – als endgültige Abfindung erhielt Barbie alias Altmann 1000 DM in bar. Die Notbremse war in letzter Sekunde gezogen worden. Für die Amerikaner kam diese „Notbremse“ Jahrzehnte zu spät.

Hier geht es weiter zum Download des gesamten Interviews..
Hier frühere Berichte zu diesem Thema. Hier ein weiterer Blogeintrag.
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Anthroposophische Fallgruben und Wege hinaus

Unter dem oben genannten Titel erscheint hier ein kleiner Band von mir als PDF- Download.
Es sind darin im Blog verstreute Besprechungen und Betrachtungen zum Thema Gegenwärtigkeit und meditative Erfahrung gesammelt. So etwas liest sich doch anders im Zusammenhang als in den portionierten Kurztexten im laufenden Blogbetrieb.
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Verstandensein



Einstweilen verborgen hinter den Plagen der Existenz, die buddhistische Denker wie Thich Nhat Hanh so häufig ausmalen und die Christen manchmal als Sünden apostrophierten, spannt sich die Größte aller Begehrlichkeiten - verschwistert mit der Angst vor dem Tod -, die Sehnsucht, verstanden zu werden. Natur, Glauben, Erfolg können nichts daran ändern, dass das Verlangen danach, wirklich angeschaut zu sein, meist unerfüllt bleibt. Vielleicht dehnt sich die Liebe manchmal bis zu diesem Horizont aus, wenn wir Glück haben. Was wir meistens erreichen, sind, selbst im grössten Triumph, unzureichende und wenig nachhaltige Surrogate.

Unzureichend schon deshalb, weil es gar nicht gelingen kann. Denn sichtbar, erkennbar werden wir nur in geronnenen Abbildern unserer selbst. Die Aufmerksamkeit, in der wir ganz bei uns sind, verliert sich in den Inhalten des Gedachten und Erlebten, in dem stets schon Vergangenen, auch in dem zu Erwartenden. Wie kann jemand verstanden werden, der sich nur in Medien - indirekt- ausdrückt? Der im Moment nicht wahrnehmbar ist?

Zugleich bleibt unbemerkt, dass alle unsere Wünsche bereits erfüllt sind. Wir verstehen nämlich die Intentionen des Anderen sehr wohl- im Augenblick des Verstehens ist es kein Anderer mehr, denn wir erfühlen Person nur mit Person. Das Verstehen von Intentionen Anderer ist ein situatives Verschmelzen, eine geistige Symbiose. Bemerkt wird aber nicht das, sondern nachrangig aufwallende Emotionen zwischen Sympathie und Antipathie und der Abgleich mit unserem persönlichen Erfahrungskontext.

Wer diese Symbiose nicht beherrscht, gleitet orientierungslos durchs Leben. Unsere Mitmenschen zu verstehen und ihre Intentionen einzuschätzen und darauf zu reagieren, ist eine Grundkompetenz. Wer in dieser Hinsicht begabt ist, kann heiter und gelassen durchs Leben gehen. Vor allem wird der, der sich auf das Verstehen versteht, keinen Mangel an Verstandensein empfinden.
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Der Brunnen des lebendigen Wassers

In der meditativen Praxis sieht man zahlreiche individuelle Bemühungen, sofern man mit Praktizierenden darüber in ein Gespräch und in einen tatsächlichen Austausch gelangen kann. Letzteres ist schon deshalb nur selten der Fall, weil tatsächlich praktisch Tätige selten darüber sprechen- oft in der irrigen Annahme, durch das Sprechen darüber ginge etwas verloren. Hauptproblem bleibt aber, dass Kompetenz im meditativen Leben noch keine Fähigkeiten zum sprachlichen Ausdruck mit sich bringt- das Wortlose zur Sprache zu bringen, kann nur im Nachhinein gelingen und wirkt sehr leicht formelhaft und blutleer, da man ansonsten sprachschöpferisch tätig werden müsste. Lehnt man sich an die Wortgebilde Anderer an, gerät man leicht in ein Dozieren aus der Systematik eines Anderen und verfehlt das eigene Erleben. Ein Austausch ist dann kaum möglich.

Ein weiteres Problem entsteht dadurch, dass viele Praktizierende so in Anspruch genommen werden von den Inhalten des Erlebten – etwa schwer ausdrückbare Empfindungen oder eine Bilderflut-, dass sie kaum in der Lage sind, ihre eigenen methodischen Schritte zu reflektieren. Im Sinne der Übung wäre es sicherlich produktiv, auch den eigenen, mühsam gefundenen Zugang in seiner Methodik zu betrachten. Häufig wird dieser Zugang aber nicht infrage gestellt, sondern verabsolutiert- es ist ein sakrosankter Bereich, der zum Intimsten des eigenen Inneren gezählt wird. So etwas diskutiert man nicht.

Oder eben doch. Denn im 21. Jahrhundert schießen spirituelle Strömungen an allen möglichen Orten aus dem Boden. Es ist schon günstig, auch darauf ein gewisses Maß von Aufmerksamkeit richten zu können, um einen gewissen Grad von Beurteilungsbefähigung zu entwickeln. Häufig sieht man durchaus Parallelen und entwickelt Verständnis für eine Methodik oder auch für eine gewisse manipulative Technik. Man kann nur einschätzen, was man aus eigener Anschauung und Praxis kennt. Häufig bemerkt man dann ernüchtert, dass die mit Emphase vorgebrachte neue Erkenntnismethodik lediglich einen ausgebauten Nebenweg darstellt- im Grunde ein irrelevanter Trampelpfad, der lediglich mit Irrlichtern beleuchtet zum Königsweg erklärt wurde. In der Öffentlichkeit stark beachtete und beworbene Erleuchtungspfade führen nicht selten in sumpfiges Gelände, in ein Niemandsland.
Seriöse Praxis – so weit lässt sich eine Richtschnur formulieren- ist sich ihrer eigenen Methoden bewusst, kann sie abwägen und reflektieren. Die „Wissenschaftlichkeit“ von Anthroposophie besteht vor allem in genau dieser Haltung. Die moderne geistige Entwicklung verlangt nach Transparenz und Nachvollziehbarkeit, sonst ist es keine. Wir werden nun einmal von und an unserem Zeitgeist gemessen.

Worum es nun geht? In einem Mitgliederbrief 1925 formulierte Rudolf Steiner: „Der Mensch denkt in denselben Kräften, durch die er wächst und lebt. Nur müssen diese Kräfte, damit der Mensch zum Denker wird, ersterben.“ Das ist der natürliche Weg. Es werden leibgebundene Kräfte frei, um geistige Fähigkeit werden zu können- in der Kindheit und auch – wenn auch nicht immer bemerkt- im fortschreitenden Alter. Wolf-Ulrich Klünker („Anthroposophie als Ich- Berührung“, S. 83) akzentuiert diese Aussage anders: „Der Mensch wächst und lebt in denselben Kräften, durch die er denkt. Nur müssen diese Kräfte aus dem toten Denken wieder erstehen- damit eine gesunde leibliche und seelische Existenz möglich wird.“

Ich möchte diese Aussage noch fortführen: In den frei gewordenen, ehemals leibgebundenen Lebenskräften richten wir uns meditativ ein. Unser Denken ersteht neu als reine Gegenwärtigkeit- als lebendige Kraft. Wir wissen, dass die Tatsache, dass wir voll und ganz als Mensch in diesen Kräften bewusst sein können, darauf beruht, dass diese lebendigen Kräfte durchlichtet sind- denn in ihnen lebt die Auferstehungskraft, die in diesem Sinne heute universell und individuell zugleich auftritt. In früheren Kulturen konnte man diese Kraft bewusstseinmäßig noch nicht fassen und ertragen und fiel in eine Art geistige Ohnmacht. Heute ist diese, vom Logos durchlichtete Lebensenergie Allgemeingut.

Dieser meditativen Erfahrung gehen bestimmte Lernphasen voran- eine Zeit der Sammlung und Fokussierung, aber auch eine Phase der Gestaltung. Erstere hat Übungscharakter, letztere ist eine Art Vertiefung und Ausgestaltung. Um im Bild zu sprechen, weben wir eine Art Kleid, eine mystische Leiblichkeit. Es ist dies das biblische *Hochzeitskleid*. Anthroposophisch gesprochen arbeiten wir – oder besser es arbeitet an uns- die Wesensglieder um, befrieden und sortieren uns, bis Augenblicke vollkommener Hingabe und tiefer Versenkung möglich sind. Dazu bedarf es eines Einklangs aller inneren Impulse.

Wenn es gelingt, erleben wir das Denken im status nascendi- als reine Anfänglichkeit, als bewegliche, wache Energie, als sonnenhafte, aus dem tiefsten Inneren entspringende Quelle.
Die Quelle, die aus sich selbst gespeist wird, die reiner Anfang ist, die nicht versiegt: Das ist der Beginn moderner Einweihung. Es gibt dafür keine Voraussetzungen, keine Tradition, keine Hierarchie. Siehe, ich mache alles neu: „Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will den Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21)

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Archiv in Dornach geht das Geld aus

Der Aufruf des Archivs (nach 500 Menschen, die je 500 Franken spenden) klang ja schon beinahe verzweifelt:

"Um die aktuellen Forschungsarbeiten weiterführen und die vor der Veröffentlichung stehenden nächsten Bände der Gesamtausgabe in der vorgesehenen Zeit und auf bewährt hohem Niveau publizieren zu können, muss das Rudolf Steiner Archiv bis Ende dieses Jahres CHF 250.000.– aufbringen. Die finanzielle Situation ist so angespannt, dass zusätzlich zu den bereits eingeleiteten Sparmassnahmen auch Stellen abgebaut werden müssten. Das wäre aber ein substanzieller Eingriff in die Tätigkeit des Archivs, denn damit würde das Know-how von spezialisierten und mit dem Werk Rudolf Steiners bestens vertrauten Fachkräften verloren gehen. Was einer Grundsatzentscheidung gleichkäme, in wieweit die in der Zukunft noch anstehenden anspruchvollen Aufgaben bei der Herausgabe des Werks Rudolf Steiners überhaupt erfüllt werden können."

Wie inzwischen von Mitarbeitern zu hören ist, hat auch dieser Aufruf keine geeignete finanzielle Basis ergeben, um das derzeitige Defizit abzuwenden. Es soll Anfang 2011 auch Personal abgebaut werden. Wenn in Kernbereichen der Archivarbeit, der Bibliothek und der Herausgabe der Werke Rudolf Steiners die bisherigen Aufgaben nicht mehr erfüllt werden können, stellen sich nun endlich wirklich existentielle Fragen an den Betrieb des Goetheanum. Hier wird ja nun die Arbeit geleistet, hier werden die Grundlagen für die Freie Hochschule geschaffen. Der Scherbenhaufen deutet sich schon lange an- nicht zuletzt bei der Diskussion um Beteiligungsverkäufe in Bezug auf Weleda. Auch in der "Christengemeinschaft" ist die Finanzierung der Gehälter und Pensionen ihrer Pfarrer nicht hinreichend gesichert.

Nimmt man noch das Ausbluten der anthroposophischen Zeitschriften und früher vielfältigen Verlage hinzu, sieht man eine Krise, die keinesfalls nur ein Produkt aktueller Finanz- und Wirtschaftskrisen ist, sondern ein langjähriger Niedergang, der auch Bereiche wie z.B. die Goetheanumsbühne ergriffen hat. Ein strukturelles Problem, das eine grundlegende Neuaufstellung erfordern müsste. Aber es ist nicht einmal eine offene Diskussion darüber zu sehen und zu hören. Statt eine generelle und zentrale Diskussion anzustoßen, werden die defizitären Tochter- Institutionen offenbar mit ihren Problemen allein gelassen.

Noch eine Verdeutlichung: Das Archiv am Goetheanum mit der Bibliothek am Goetheanum beherbergt das Gesellschaftsarchiv und nicht den Nachlass von Steiner (mit Ausnahme einiger weniger Dokumente).
Es gibt zwar in der Nachlassveraltung auch eine Bibliothek, diejenige, die Steiner persönlich gehörte. Finanziell ist das Steiner Archiv unabhängig vom Goetheanum-Betrieb. Die Nachlassverwaltung ist sozusagen eine eigene "Strömung". Marie Steiner hat sich ja bekannterweise aus der Gesellschaft in den 40iger-Jahren mitsamt Steiners Nachlass herausgezogen und dies hat sich bis heute nicht geändert. (Danke für den Hinweis)

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