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Feb 2011

Gaddafis letzte unfrisierten Gedanken vor dem Abgang

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Die TAZ über Hammerschmidt, den BND, Barbie und (ein wenig) die EGOISTEN

In einem umfangreichen Artikel geht die TAZ der Geschichte von Peter Hammerschmidt nach: "Weil er nicht lockerlässt, erreicht Peter Hammerschmidt als erster Historiker überhaupt beim BND Akteneinsicht - im Fall des Exgestapochefs Klaus Barbie. Und stößt auf Unglaubliches. Jetzt müssen sich Parlament und Kanzleramt mit dem Fall beschäftigen."

Die Geschichte von Peter Hammerschmidts Recherchen wurde früh bei den Egoisten dokumentiert. Auch die erste Publikation der Ergebnisse der Arbeit erschien hier. Dies wird auch im Artikel gewürdigt: "Was Hammerschmidt sieht, raubt ihm fast den Atem. "Tut mir leid", sagt er zu seinen Aufpassern nach einem ersten Blick in die Akten, "ich muss erst mal eine rauchen gehen." Die Akten beweisen, dass der deutsche Steuerzahler Barbie über den BND ein gutes halbes Jahr lang monatlich 500 Mark für seine Spitzeldienste zahlte, Leistungsprämien und ein Abschlussbonus von 1.000 Mark kamen noch dazu. Barbie wurde erst abgeschaltet, als dem BND offenbar klar wurde, dass dessen wahre Identität bald auffliegen würde. Hammerschmidt glaubt keine Sekunde, dass die BND-Leute damals nicht genau wussten, wen sie vor sich hatten - Barbie gab sich in La Paz kaum Mühe, seine wahre Identität zu verbergen.
Nach Hammerschmidts Recherche in Pullach gibt der BND seine Barbie-Akten an das Koblenzer Bundesarchiv weiter - es ist klar, dass es nun nur noch eine Frage der Zeit ist, ehe auch andere Historiker auf den heißen Stoff stoßen. Als der junge Student Wind davon bekommt, dass auch der Spiegel an der Geschichte dran ist, veröffentlicht er seine Erkenntnisse Anfang Januar auf zwei kaum bekannten Internet-Seiten (etwa: www.egoisten.de/files/barbie_2011.html).
Er tut das, um deutlich zu machen: Ich habe das zuerst herausgefunden! Das ist wichtig auch für seine Examensarbeit und eine geplante Dissertation über Barbie. Mitte Januar kommt der Spiegel dann mit seiner Geschichte heraus. Das Nachrichtenmagazin profitierte von der Pionierarbeit Hammerschmidts beim BND.
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"Kaum bekannt" ist natürlich eher geschmeichelt, vor allem im Vergleich mit den großen Magazinen, die Hammerschmidts Geschichte und Arbeit in der Folge aufgriffen. Aber erstens liegt mir das Thema selbst am Herzen, und zweitens haben auch kleine Blogs, wie man sieht, schon eine Funktion und Aufgabe auf den Märkten der Nachrichten.
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Reinigung

"Das muss der erste Schritt der Einweihung sein: den Menschen während des Tageslebens etwas tun zu lassen, in seiner Seele sich etwas abspielen zu lassen, was fortwirkt, wenn der astralische Leib in der Nacht herausgezogen wird aus dem physischen Leib und Ätherleib.

Also denken Sie sich, bildlich gesprochen, es würde, während der Mensch bei vollem Bewusstsein ist, ihm etwas gegeben, was er zu tun hätte, was er abspielen lassen sollte und was so gewählt wäre, so gegliedert, dass es nicht aufhörte zu wirken, wenn der Tag vorüber ist. Denken Sie sich diese Wirkung als einen Ton, der fort klingt, wenn der Astralleib heraus ist; dieses Fortklingen wären dann die Kräfte, die nun an dem astralischen Leib so wirkten, so plastisch arbeiteten, wie einstmals die äußeren Kräfte am physischen Körper gearbeitet haben.

Alles das, was man genannt hat Meditation, Konzentration und die sonstigen Übungen, die der Mensch vorgenommen hat während seines Tageslebens, sie sind nichts anderes als Verrichtungen der Seele, die nicht in ihren Wirkungen ersterben, wenn der Astralleib herausgeht, sondern die nachklingen und in der Nacht zu bildenden Kräften werden im astralischen Leib. Das nennt man die Reinigung des Astralleibes, die Reinigung von dem, was dem Astralleib nicht angemessen ist.

Das war der erste Schritt, der auch die Katharsis (bei den Griechen) genannt wurde, die Reinigung. Sie war noch keine Arbeit in übersinnlichen Welten. Sie bestand in Übungen der Seele, die der Mensch tagsüber machte, wie eine Trainierung der Seele. Sie bestand in der Aneignung gewisser Lebensformen, gewisser Lebensgesinnungen, einer gewissen Art, das Leben zu behandeln, so dass es nachklingen konnte, und das arbeitete am astralischen Leib, bis er sich umgewandelt hatte, bis sich Organe in ihm entwickelt hatten."

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Rudolf Steiner, GA 104, Seite 46f
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Natur als Konstrukt und Macht

In seinen „Anthroposophischen Leitsätzen“ schreibt Rudolf Steiner: „Und in demselben Maße, in dem die Menschenseele das Mit- Erleben mit den göttlich- geistigen Wesenheiten verliert, taucht um sie herum das auf, was man heute „Natur“ nennt.“ (S. 157)

Natur ist demnach ein zeitgenössisches Konstrukt, das sich in dem Maß bildete, in dem eine ursprüngliche symbiotische Beziehung zum Natürlichen, Elementaren verloren ging. Erst der Zeitgenosse erlebt Natur „um sich herum“. Das Wahrnehmen der Natur ist ein modernes Bewusstseinsphänomen. Erst in der jüngeren Kunstgeschichte ist ja auch die reine Landschaftsmalerei entstanden - in Reinkultur vielleicht erst durch William Turner. Davor war der porträtierte Mensch stets in die natürliche Umgebung, die häufig in der Gestaltung allegorische Züge annahm, eingebettet; er war ein Teil von ihr und sie war ein Ausdruck von ihm.

In der Landschaftspflege kam in derselben Zeit, in der die Landschaftsmalerei entstand, die Anlage des Parks und Gartens auf. Heute steht die Renaturierung im Mittelpunkt der Interessen. Landschaft soll „natürlich“ wirken. Die ursprüngliche Flora und Fauna soll wieder hergestellt werden. Empfindliche Monokulturen sollen schon aus pragmatischen Gründen zurück gebaut werden. Dennoch soll die renaturierte Natur pflegeleicht und beherrschbar bleiben.

Dies allerdings bleibt ein frommer Wunsch. Die Natur greift ständig schmerzhaft in die menschlichen Belange ein- vor allem in Form von Erdbeben, Überschwemmungen, Hitzephasen, Erdrutschen und den viel diskutierten Folgen des „Klimawandels“. In dieselbe Schublade gehören auch Befürchtungen vor weltweiten Pandemien wie Schweine- oder Hühnergrippe.

So scheint es legitim, Rudolf Steiners Ansatz weiter zu denken: Nach einer symbiotisch empfundenen, ursprünglichen Kultur, in der in der Einigkeit mit dem Natürlichen auch das Göttliche wahrgenommen wurde, emanzipierte sich das menschliche Bewusstsein zunehmend aus dem als Natur Wahrgenommenen. Die kultivierte, aber auch extrem materiell ausgebeutete Natur wird heute zwar einerseits in eine gewisse Ursprünglichkeit zurück versetzt, zugleich aber auch als nicht beherrschbare, bedrohliche Gefahr wahrgenommen. Die atavistische Gefahr, die frühe animistische Kulturen in der Natur auch empfanden, kehrt so im modernen Gewand wieder zurück: Die Natur entzieht sich zwar nicht der Nutzung, bleibt aber auch unbeherrschbar. Ihre Macht ist wieder zurück gekehrt. Das Konstrukt Natur entzieht sich den Grenzen, die ihm der Mensch zuweisen wollte. Auch wenn die Götter verschwunden sind, die Macht ist es nicht.
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Die Macht und der Zweifel

„Selbstbewusstseinsseele“ nannte Georg Kühlewind den dominanten Aspekt menschlicher Binnenkultur- eine janusköpfige innere Struktur. Der Zwiespalt entsteht dadurch, dass der bewusste Zeitgenosse ohne weiteres auf sich selbst- auf das „Gewordene“ in ihm- seine Gestimmtheiten, seine Determinationen, seine seelischen Strukturen schauen kann. Psychologie, Soziologie, Hirnforschung und Medizin tragen dazu bei, dass der Blick schärfer und unbestechlicher wird. Was aber nicht immer bemerkt wird, ist, dass sich dabei eine unabhängige Instanz, der „innere Zeuge“ heraus bildet - eben der, der der Schauende ist. Die objektive Instanz in uns besteht nur in der Gegenwärtigkeit, im Akt des Schauens. Es ist ein nicht greifbares Ich, das nur in Tätigkeit, in Aktivität, in innerer Souveränität präsent ist- man kann es nicht umreissen, nicht beschreiben, nicht definieren. Genau diese Gegenwärtigkeit, die Zeugenschaft, ist das Tor zum spirituellen Erleben. Der Zeuge ist das sich selbst vergegenwärtigende Geistige im Menschen.

Gleichzeitig bestehen archaische seelische Strukturen im Menschen fort. Die von Rudolf Steiner so genannte Empfindungsseele ist noch gänzlich ungebrochen. Hier erlebt sich der Mensch noch in einer Naivität des Nicht- Hinterfragbaren. Der Despot, der in seinen Augen das natürliche Recht darauf hat, sich auszuleben und keinen Widerspruch duldet, ist so ein Typus. Er sieht sich als Mittelpunkt der Welt- zumindest als der Mittelpunkt seiner eigenen kleinen Umwelt. Ob er nun lediglich Familien oder ganze Landstriche terrorisiert, bleibt sekundär. Sein Recht auf die Rolle wird nicht hinterfragt und schon gar nicht in Zweifel gezogen. Dieser Despot wird eher seine kleine Welt in den Abgrund reissen als zulassen, dass seine Rolle unterminiert wird.

Die Verstandesseele ist eine weitere archaische Positionierung. Diese Struktur macht sich aus Vernunftgründen das untertan, was ihr zur Verfügung steht. Sie wird getrieben vom Machbaren. Andererseits braucht diese Struktur den Erfolg, den Fortschritt, die Überwindung als Lebenselixier. Sie lebt nicht fraglos aus sich selbst heraus, sondern lehnt sich stets an etwas an. Dass dabei ganze Lebensräume zerstört werden, interessiert die Anhänger des Machbaren nicht. Natürlich entspringen dieser seelischen Struktur auch andere Aspekte; sie fühlt sich auch in kulturellen Erzeugnissen, sie geht im Sprachklang auf und kann sich an der eigenen Intelligenz delektieren. Sie braucht etwas, an das sie anstösst; sie erlebt sich daran. Die von ihr verfolgte Struktur hat daher eine existentielle Dimension; sie ist getrieben von der Selbstverwirklichung. Unter diesen Maximen lauert ein unbestimmtes Grauen, ein Nichts, das nicht hinnehmbar ist.

Die Selbstbewusstseinsseele dagegen hat, nach all den Zweifeln, der Selbsthinterfragung, der Fragmentierung, der existentialistischen Krise, der Hinterfragung der sozialen, gesellschaftlichen und geschlechtlichen Rollen, das Zeug dazu, ohne an etwas anzulehnen, ohne Zweckdienlichkeit und Despotie, aus sich heraus zu bestehen. Denn der „Zeuge“ ist der Beginn geistiger Autonomie- eine Chance und Möglichkeit. Er kann aus der Rolle des Betrachters heraus treten und lebendig, flexibel und ohne Ängste vor Neuem, frei von Rollen und Definitionen sozial und gesellschaftlich gestalten. Er tut dies in Gelassenheit und mit Umsicht. Er kann die Intentionen Anderer wahrnehmen und berücksichtigen, denn sein Lebenselixier ist die empathische Grundhaltung. Daher ist die Zeit der Selbstbewusstseinsseele eine Zeit des Umbruchs. Alte Werte verdämmern und verschwinden- aber zugleich beginnt die Möglichkeit der Gestaltung aus innerer Verantwortung heraus.

Alle genannten Strukturen existieren nebeneinander im zeitgenössischen Individuum, in der globalisierten und medienorientierten Weltkultur zunehmend unabhängig von Status, Geschlecht und nationaler Zugehörigkeit. Zugleich entstehen dabei Ängste und Gegenbewegungen, die völlig archaische Strukturen wieder an die Oberfläche spülen. Die Despoten greifen weltweit wieder nach den Rudern- aber auch in uns selbst. Autonomie ist nichts Gegebenes, weder im individuellen noch im gesellschaftlichen Rahmen.
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Sichtbarkeit vor dem Engel

Im Hintergrund singen „The Killers“ schmachtend von der Frage, ob wir eigentlich menschlich sind („Human“):


Are we human, or are we dancer
My sign is vital, my hands are cold
And I'm on my knees, looking for the answer
Are we human, or are we dancer


Ich glaube, dass wir diese Frage immer und unter allen Umständen bejahen würden, jedenfalls was uns selbst betrifft. Bei Anderen dagegen sind wir nicht immer so sicher. Allerdings folgen wir, wenn wir ehrlich sind, allerlei simplen Reflexen- nicht nur, wenn wir einfach gierig und unverschämt werden, sondern gerade dann, wenn wir uns als selbstlos empfinden. In vieler Hinsicht unterliegen wir einem Rechtfertigungs- Reflex. Was wir uns aneignen, darauf haben wir in unseren Augen ein Recht. Wenn uns aber etwas genommen oder verweigert wird, fühlen wir uns ungerecht behandelt. Sind diese ritualisierten emotionalen Reflexmuster (und viele andere ließen sich aufzählen), alles, wohin wir es gebracht haben? Sind sie in ihrer Summe das „Individuelle“, das „eigentlich“ Menschliche?

Ja und nein. Auf der Ebene der emotionalen Selbstbezüglichkeit, der individualisierten Reflexe, sind diese Muster – ebenso wie die beschönigenden Erklärungen – absolut allzu- menschlich. Die Freiheitsmomente beginnen dort, wo wir uns davon frei machen können. Es wäre niederschmetternd, wenn es zu dieser inneren Unabhängigkeit gar nicht mehr kommen könnte. Wer sich nur auf der Ebene seelischer Reflexe bewegt, kann auch Andere auch nur auf dieser absehbaren Ebene erkennen. Vielleicht spürt man noch Intentionen Anderer, aber nur im Rahmen des zu Erwartenden und stets nur in Bezug auf sich selbst: Was habe ich davon, was bringt mir das, wozu kann das nützlich sein. Mit der Reduzierung auf das Nützliche für mich wird der Andere in einen Rahmen gespannt, in dem er nicht mehr als Mensch sichtbar ist, wenn man unter „menschlich“ die Autonomie und innere Freiheit verstehen möchte.

„Menschlich“ im modernen spirituellen Sinne hieße die Intentionen des Anderen zu respektieren, anzunehmen, im Idealfall zu fördern. Wir wissen sehr gut, dass wir immer jemanden brauchen, der nicht unser So- Sein, nicht das Gewordene, sondern unser Potential sieht. Wer an uns glaubt, bringt das Beste in uns hervor – vielleicht sogar etwas in uns, an das wir nicht einmal selbst mehr geglaubt haben.

Nun geht es Leuten, die üben und praktizieren, nicht anders. Auch sie stecken tief in der Glocke ihrer Selbstbezüglichkeit. Sie wollen vielleicht ihre Reinheit, ihren Edelmut, ihre Kultiviertheit zelebrieren und beschäftigen sich mit Meditation. Sie erleben eine Steigerung ihrer Einmaligkeit, ihrer Selbstlosigkeit, ihrer Nähe zum Geist. Der Geist sollte ihnen das, finden sie, mit gleicher Münze zurück zahlen- etwa in Form imaginativer Bilder, Erleuchtungserlebnisse und Visionen. Schließlich investiert man Zeit und Mühe. Manchen gelingt es, eine Art Projektion ihrer Selbstgefühle zu erreichen; sie werden dann von genau der Erleuchtung geadelt, die sie erwartet haben. Strukturell- in der inneren Gefühligkeit, in der Fesselung an die emotionalen Reflexe- hat sich bei ihnen nichts verändert, außer dass das Problem nun potenziert erscheint.

Der „Geist“ hat bei ihnen gar keine Chance. Solange sie in ihrem Kokon verharren – egal wie aufgeblasen, edelmütig und "okkult" dieser erscheinen mag- sind solche Menschen vollständig unsichtbar. Es kommt nicht darauf an, was man sieht- es kommt darauf an, überhaupt sichtbar zu werden. Bis dahin schwebt der Engel einsam an ihnen vorbei- ihm sind die Augen verbunden.
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