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Aug 2010

Steiner heute

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Wie man einen Krieg verliert

Visualisation of Activity in Afghanistan using the Wikileaks data from Mike Dewar on Vimeo.



Das Video von Mike Dewar basiert auf den strategischen Daten, die bei Wikileaks publiziert worden sind und zeigt die kriegerischen Aktivitäten in Afghanistan. Man ahnt auch, warum Wikileaks derartig angefeindet wird. Durch die Visualisierung von Daten, die über Jahre hinweg reichen, wird deutlich, dass dieser Krieg verloren ist:
„The intensity of the heatmap represents the number of events logged. The colour range is from 0 to 60+ events over a one month window. We cap the colour range at 60 events so that low intensity activity involving just a handful of events can be seen - in lots of cases there are many more than 60 events in one particular region. The heatmap is constructed for every day in the period from 2004-2009, and the movie runs at 10 days per second. The orange lines represent the major roads in Afghanistan, and the black outlines are the individual administrative regions.“ (Quelle)
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Die ungedeckten Worte

Die wunderbare schöne neue Welt kommt heute im Reiseblatt der FAZ (Nr 191, Seite R1) daher als ein Bericht über Abu Dhabi. Auch hier werden virtuelle, aber dennoch real zu bereisende Urlaubsfantasien wahr, und zwar in einem riesigen Freizeitpark von 200000 Quadratmetern- alles unter einer roten Zeltplane und klimatisiert. Momentan wird gerade gebaut: „Wir besehen uns die Menschen, die über, unter, links und rechts von uns an der Arbeit sind. Sie bilden lange Ketten und reichen sich Materialien an. Sie entstauben und streichen. Sie sitzen auf künstlichen Ahornbäumen und montieren Zweige.“

Aber montierte Ahornzweige gibt es natürlich nicht nur in Golfstaaten mit bizarrem Reichtum, nicht nur in Hollywood- Blockbustern und Spielhallen. So etwas bringen in übertragenem Sinne auch Anthroposophen zustande, die sich pseudo- okkultistisch mit ungedeckten Worten umgeben. So formulierte Georg Kühlewind jedenfalls in seinem kaum verklausulierten Zorn:

Über die Erfahrungen eines Geistesforschers zu sprechen, wenn man sie nicht selbst vollziehen kann, ist nur in dem Sinne berechtigt, dass man sie als den Bericht eines Geistesforschers auffasst, nicht aber sich so auf sie beruft, als wären sie für mich Wirklichkeit. Die ungedeckten Worte, das Reden über Nicht- Erfahrenes, die Verstandeskombinationen von Erfahrungselementen, die keine eigenen Erfahrungen sind, all dies bildet eine isolierende Schicht von unrichtigen Vorstellungen, denen die Wahrnehmungsseite fehlt, die durch Vorstellungselemente aus der Sinnes- oder Vergangenheitswelt ersetzt wird, eine isolierende Schicht, die den so Sprechenden und meistens seine Zuhörer immer mehr von der Realität trennt: von der Realität der Gegenwärtigkeit, des Geistes, von der äußeren und inneren Realität.
Der Missbrauch des Wortes führt zu einem Illusionismus, der das hervorstechende Merkmal hat, das, was nur als Illusion gegeben ist, zu behaupten, wodurch wiederum die Illusion verdeckt und ihre Verwirklichung verhindert wird. Das gilt für die Beteuerung des „esoterischen“ Charakters, der „Wichtigkeit“, der „Weltbedeutung“ usw. Gäbe es das alles, würde man es nicht beteuern müssen. Die Beteuerung ist gerade das Zeichen für die Irrealität der Behauptung
.“ (Kühlewind, Die Diener des Logos, 1981, S. 92)

Derlei Illusionismus begegnet einem in der Szene auch heute noch auf Schritt und Tritt- in den Sonntagsansprachen der diversen Breviere, aber auch in Büchern anerkannter Repräsentanten. Die neuen Medien tragen ihren Anteil dazu bei, dass die frohe Kunde des ungedeckten Worts sich quer durchs Internet verbreitet und durchaus wesentlich mehr Anhänger findet als nüchterne Recherchen. So schart eine Enddreissigerin bei Facebook 360 Anhänger um sich, die an ihren Lippen hängen, weil oder obwohl sie behauptet, die Reinkarnation Rudolf Steiners zu sein. Von den blutenden Wundmalen einer Judith von Halle und ihren visionären Eingebungen ganz zu schweigen. Wir sind heute -technologisch, medial, aber auch spirituell - noch einen Schritt tiefer gesunken als zu Kühlewinds Zeiten vor vielleicht dreissig Jahren. Heute werden vielfach nicht nur Bände mit geraunten „Geheimnissen“, Verschwörungen und geheimen Logen gefüllt, heute bekommt die Ungedecktheit eine eigene Dynamik und nimmt visionären Charakter an. Dort wo das auftritt, taumelt stets eine Gemeinschaft von Gläubigen hinterher. Offensichtlich folgt der illusionären Ungedecktheit eine Art Gärung, der immer fantastischere Erfahrungen und Behauptungen entspringen.
Abu Dhabi ist überall.
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Kreuz net hat wieder Schaum vor dem Mund



Die ziemlich fundamentalistische Katholiken- Website kreuz.net erregt sich unter dem Titel „Sie hassen die Familie“ wieder einmal über Schwule, die in diesem Bericht offenbar gefährlich mittels „Regenschirmen und Luftballons“ gegen eine Veranstaltung demonstriert hatten:
Die Zusammenkunft war Teil der Kampagne „Summer for Marriage Tour“ – Sommerrundfahrt für die Ehe. Sie fand beim Capitol-Gebäude im Zentrum der Stadt Albany statt. Während einer Ansprache marschierten plötzlich mehrere militante Homo-Aktivisten mit farbigen Regenschirmen und Luftballons zum Rednerpult.

Sie wiesen sich als Apologeten des unmoralischen Homo-Konkubinats aus. Die Polizei wies sie darauf hin, daß die Veranstaltung eine reguläre Erlaubnis besaß. Doch die Homo-Fanatiker weigerten sich, das Feld zu räumen. Zugleich versuchten sie, die Anwesenden mit ihren Homo-Symbolen zu provozieren.“

Furchtbar!
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"Rudolf Steiner und die Anfänge der Theosophie"

Robin Schmidts neues Buch „Rudolf Steiner und die Anfänge der Theosophie“ setzt sich mit dem personellen, geistigen und organisatorischen Umfeld der Theosophie des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts auseinander, aus dem sich Rudolf Steiners Anthroposophie entwickelt hat. Auch die Ursprünge der theosophischen Bewegungen - die in Abgrenzung zu in der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreiteten spiritistischen Bewegungen entstanden sind- werden detailliert betrachtet. Obwohl man zu diesem Thema einiges gelesen hat und eine Reihe von Fakten bekannt sind, ist die sachliche und gradlinige Darstellung Schmidts erhellend. Anthroposophen blicken gern mit einer gewissen Herablassung auf die theosophische Phase herab. Schmidt dagegen unterlässt solche Bewertungen. Schließlich stellt Anthroposophie ihrerseits zwar eine Abgrenzung von den theosophischen Quellen dar, andererseits waren die persönlichen Bezüge Rudolf Steiners zu einigen Theosophen tief greifend:
„Man darf die Kontakte und den Austausch in diesem Kreis in ihrer Auswirkung für Rudolf Steiner daher nicht zu gering einschätzen; er spricht von einem „freundschaftlichen und intimen Verkehr“, der für ihn biografische und spirituelle Relevanz hatte. Möglicherweise waren das für ihn überhaupt die ersten freundschaftlichen und herzlichen Beziehungen mit Gleichaltrigen, bei denen er sich heimisch und verstanden fühlen konnte“. (S. 101)
Zu diesem interessanten, warmherzigen Kreis gehörte sein Freund Eckstein, aber auch die Frauenrechtlerin Rosa Mayreder und deren Freundin Marie Lang. Die Begegnungen mit dem umtriebigen, geistig beweglichen und höchst aktiven Friedrich Eckstein gehörte nach Steiners Worten zu den „allerwichtigsten meines Daseins“. Er schrieb Eckstein später, „dass ich Ihnen unbegrenzt zu danken habe“. Ähnlich warmherzig schrieb er an Marie Lang, in deren Haus Steiner viele Beziehungen knüpfen konnte. Zu dieser Zeit- 1890- war Steiners Haltung zur Theosophie noch überaus kritisch. Mayreder schrieb, er habe sie ihr gegenüber als „Schwachgeistigkeit“ bezeichnet, die sogar „Gefahren für die geistige Entwicklung“ mit sich bringen könne. Damit waren wohl bestimmte mystische Strömungen um Franz Hartmann gemeint, die nach Steiners Worten „meiner Geistesrichtung völlig entgegengesetzt“ waren.
Dieser ganze Freundeskreis von Architekten, Schriftstellern und Komponisten war offensichtlich wohltuend für Steiner. Er hatte auch nichts dagegen, ab und zu in Kreise „unterzutauchen“ (eine Formulierung in einem Brief von 1891), in denen „recht flott über Yogi, Fakire und indische Philosophie gesprochen“ wurde. Er hatte eben ein verständliches Faible für eine offene Boheme, auch wenn er selbst schon innerlich beschäftigt war - „zwar nicht in mystischer, wohl aber in logisch- ideeller Weise“- mit seinen Arbeiten zur „Philosophie der Freiheit“. Auch 1894 bezeichnet er sich in einem Brief an Eduard von Hartmann als „Feind aller Mystik“.
Dass er wenig später nun ausgerechnet Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft wurde, erscheint vor diesem Hintergrund einigermaßen rätselhaft. Die Schritte dorthin stellt Schmidt dar. Das Spannungsfeld, in das Steiner damit eintrat- voller Intrigen, ständiger Streitigkeiten, Abspaltungen und obskurer Behauptungen- hatte von Anfang an innerhalb der Theosophischen Gesellschaft bestanden. Auch die Auseinandersetzungen zwischen eher „christlichen“ und eher „buddhistischen“ Richtungen bestanden sehr früh.
Schmidt arbeitet das „kulturgeschichtliche Umfeld“ (Buchumschlag) der theosophischen Bewegung heraus, und zwar auf spannende Art und Weise. Es ist einfach auch ein sehr gut geschriebenes Buch, das man ungern weglegt.
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Pfarrer Konrad Möckel und der radikal nationalsozialistische Benesch

Leider ist das „Kirchenlexikon“ (www.kirchenlexikon.de) nicht mehr online, so dass die Textstellen nur noch im Cache des Internets nachgeschlagen werden können. Zu Benesch findet man z.B. den Bezug zu einem der Widerständler innerhalb der evangelischen Kirche, die die Usurpation ihrer Kirche durch die Nazi- Cliquen nicht hinnehmen wollten:
Konrad Möckel thematisierte alle diese Probleme der Volkskirche in mehreren Aufsätzen, die ihn in Siebenbürgen und darüber hinaus bekannt machten. Heinrich Rendtorff und Erich Stange nahmen seine Schrift "Volkstum und Glaube" (1930) in die Reihe "Kirche und Gegenwart - Praktisch-theologische Untersuchungen" auf. In einer teilweise kontrovers, teilweise gleichsinnig geführten Diskussion mit dem Philosophen Erwin Reisner, später Mitglied der Bekennenden Kirche und nach 1945 Professor an der Kirchlichen Hochschule Berlin, fragte Konrad Möckel, was evangelischer Glaube in der konkreten Situation der ev. Kirche in Siebenbürgen angesichts der weit verbreiteten Überschätzung von "Volkstum" und "Rasse" hieß.

Der siebenbürgische Wandervogel lud Konrad Möckel 1930 zur Mitarbeit bei den Treffen älterer Mitglieder ein. Als Südostdeutscher Wandervogel hatte er sich 1927 neu und straff konstituiert. Er bestand lange Zeit nur aus städtischen Gruppen, in denen sich "aus dem Reich" importierte Anschauungen geltend machten, wie beispielsweise die von Professor Dr.
Hans Hahne, Altertumsforscher und Museumsdirektor in Halle a. d. Saale, der heidnisch-germanische Bräuche neu belebte. Konrad Möckel schätzte den guten Willen der Mitglieder im Wandervogel und entschloß sich zur Mitarbeit, wohl auch um die Selbstfindung der Jugendlichen nicht den ambivalenten Auswirkungen völkisch-nationaler und pseudoreligiöser Ideen zu überlassen. Die vagen Erneuerungsbestrebungen konnten die Jugend begeistern und ältere Strukturen der Volkskirche beleben, sie konnten jedoch die Jugend ebenso gut der volkskirchlichen Tradition abspenstig machen.

Die seit dem Jahre 1922 in Siebenbürgen bestehende, vom Nationalsozialismus inspirierte und in der Weltwirtschaftskrise erstarkte Selbsthilfebewegung des Sparkassenangestellten und Rittmeisters a. D.
Fritz Fabritius bekannte sich 1932 offen zum Nationalsozialismus (Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung in Rumänien); die Leitung des Südostdeutschen Wandervogels näherte sich der Selbsthilfe mehr und mehr an. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahre 1933 politisierte sie noch mehr. Die Nationalsozialisten, unter diesem Namen vom rumänischen Staat verboten, nannten sich in Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien um (NEDR). Sie war die einzige, modern organisierte Partei innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung in Rumänien und stellte mehr und mehr in allen politischen und kirchlichen Gremien zahlenmäßig starke Fraktionen, in vielen die Mehrheit. Im Jahre 1933 wählte die Kronstädter Kirchengemeinde Konrad Möckel zum Stadtpfarrer.

Das Verhältnis Konrad Möckels zu den Freunden aus dem Wandervogel und aus der Selbsthilfebewegung kühlte sich ab. Mitglied der Selbsthilfebewegung war er selbst nie, stand ihr jedoch bis 1932 nahe. Sie spaltete sich 1935: Die größere, gemäßigte NEDR war im Rahmen der seit dem Ersten Weltkrieg in Rumänien bestehenden Volksorganisation zur Zusammenarbeit auch mit der evangelischen Kirche (in Siebenbürgen) und mit der katholischen Kirche (im Banat) bereit; die kleinere, radikale und kirchenfeindliche Deutsche Volkspartei Rumäniens (DVR) dagegen nicht. Sie bekämpfte vielmehr die traditionell beachtliche Stellung der Kirche innerhalb der Volksorganisation. Die NS-Bewegung der Deutschen in Rumänien spaltete sich nicht zuletzt an der Frage, ob diese volkskirchliche Tradition anerkannt oder abgelehnt werden sollte.

Konrad Möckel gründete mit anderen, jüngeren Pfarrern aus der Jugendbewegung den Frecker Kreis, der sich die geistliche Erneuerung der Volkskirche zum Ziel setzte. Er prangerte die kirchen- und christenfeindliche Tendenz des radikalen Flügels öffentlich an und
wurde daraufhin von dessen Protagonisten scharf angegriffen, besonders von Pfarrer Friedrich Benesch. Weitere Angriffe folgten, als er 1937 auf der Weltkirchenkonferenz in Oxford die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien offiziell vertrat und sich von einer Solidaritätserklärung der Konferenz für die vom NS-Staat bedrängten Kirchen in Deutschland nicht distanzierte. Im gleichen Jahr lernte er in Neuendettelsau die Evangelische Michaelsbruderschaft kennen und trat ihr bei. In den siebenbürgisch-sächsischen Auseinandersetzungen um die Volkskirche erhielt er Unterstützung vom Leiter des Franz-Rendtorff-Hauses in Leipzig, Dr. Herbert Krimm, und von Hans Bernd von Haeften, Legationssekretär an der deutschen Gesandtschaft in Bukarest von 1937-1941. Die Angriffe gegen die Kirche glichen dem Kirchenkampf in Deutschland und spiegelten ihn zugleich in merkwürdiger Umkehrung; denn in Siebenbürgen spaltete sich nicht die evangelische Kirche, sondern die nationalsozialistische Partei der Deutschen in Rumänien, unter anderem wegen der Frage der „Volkskirche“.“

Quelle:
d. XXIX BBKL Nordhausen 2008 ISBN 978-3-88309-452-6
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Klaus Barbie taucht unter

Peter Hammerschmidt stellt uns hiermit ein Dokument zur Verfügung, aus dem ersichtlich wird, dass Barbie 1947 in die Obhut amerikanischer Geheimdienste geschlüpft ist- nicht ohne geschickt mit einer eventuellen Kooperation mit den Briten zu kokettieren. Er galt den Amerikanern als beschlagener Mann mit enormen Beziehungen, aber man legte Wert auf eine Erklärung von ihm, sich wirklich von den Resten der SS fern zu halten. Man wird gewusst haben, warum.


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Klaus Barbie, neue historische Forschungen

Über den furchtbaren nationalsozialistischen Sadisten Klaus Barbie haben wir bereits berichtet und haben unser Erstaunen darüber zum Ausdruck gebracht, wie wenig - trotz eines damals sensationellen Prozesses in Frankreich- für die Öffentlichkeit über ihn bekannt wurde und wird. Es ist bekannt, dass er nach 45 von Geheimdiensten nach Südamerika ausgeschleust wurde und dass er dort verschiedenen Geheimdiensten und Diktatoren als Folterknecht gedient hat.
Nun arbeitet Peter Hammerschmidt in seiner Examensarbeit am Thema „„Der Schlächter von Lyon“ im Sold der USA – Über die Beziehungen zwischen Klaus Barbie und dem amerikanischen Geheimdienst“ und schreibt in einem Expose:

„Klaus Barbie, der sich ab November 1942 in seiner Rolle als Gestapo-Chef im besetzten Frankreich und als Leiter der IV. Sektion der Sicherheitspolizei und des SD einen Namen als „Schlächter von Lyon“ machte, wurde nach Kriegsende, 1952, von der französischen Regierung in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Bereits 5 Jahre zuvor, als der „Eiserne Vorhang“ über Europa niederging, war Barbie zum Agenten des US-amerikanischen Geheimdienst (CIC) geworden. Im Sold der USA und unter dem Schutzmantel des CIC gelang es Barbie schließlich, ausgestattet mit gefälschten Papieren des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes, 1951 nach Bolivien zu emigrieren, ehe er zu Beginn der 1970er Jahre von den Eheleuten Klarsfeld aufgespürt, am 11.Mai 1987 angeklagt und schließlich am 4. Juli 1987 wegen der ihm angelasteten Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. 1991 starb Barbie im Alter von 77 Jahren in Haft.“

Hammerschmidt bemüht sich in seiner Arbeit darum, „eine Antwort auf die Frage zu liefern, welche Motive den amerikanischen Geheimdienst dazu trieben, den ab 1945 auf der Central Registry of War Crimes and Security Suspects (CROWCASS) stehenden Kriegsverbrecher in den Sold der USA zu nehmen und diesen in seiner Rolle als Agent vor der Auslieferung an die französischen Behörden zu schützen. In einem weiteren Schritt sollen schließlich die Mechanismen dargestellt werden, die der CIC bemühte, um den Agenten Barbie 1951, mit einer falschen Identität ausgestattet, unerkannt auf der so genannten „Rattenlinie“ nach Südamerika zu schleusen.
Die Forschungslage zu diesem komplexen Thema ist dabei sehr überschaulisch. Abgesehen von einer 1984 erschienen Barbie-Biographie von Tom Bower1 und dem von der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebenen und 1983 veröffentlichten sog. „Ryan-Report“2, der die Beziehungen zwischen Barbie und den USA erstmals zu analysieren versuchte, ist keine wissenschaftliche Aufarbeitung verfügbar. Die geplante Examensarbeit erhebt demnach den Anspruch, einen ersten umfassenden Forschungsbeitrag zum „Fall Barbie“ zu leisten.“

Zurzeit ist Hammerschmidt dabei, „die entsprechenden CIC-,CIA-, DOJ- und FBI-Akten zu sichten. Die seit 2000 zugänglichen Bestände können im National Archive Washington eingesehen werden.

Ich hoffe, dass wir zu gegebener Zeit von den Ergebnissen dieser Arbeit weiter berichten können.



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Galerie der verlorenen Träume



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Neues aus Birk

Über Pfarrer Benesch, der als glühender Nationalsozialist, evangelischer Pfarrer und Dorfherrscher mit angeschlossenen Schlägertrupps bekannt wurde, nach dem Krieg seine Schäflein in den Westen brachte und in der Christengemeinschaft untertauchte, um auf distanzlose Art und Weise zahllosen Menschen persönliche spirituelle Anleitungen zu geben, aber sich auch gern frommen anthroposophischen Studentinnen per direktem Körperkontakt näherte, ist in diesem Blog viel geschrieben worden. Das eigentliche Problem war nicht einmal die Karriere dieser manipulativen Person, nicht nur das Wegducken vor dessen herrischem Auftreten, sondern das lang andauernde, beharrliche Leugnen der Wahrheit über die Vergangenheit Beneschs innerhalb der Christengemeinschaft. Hans-Jürgen Bracker macht nun noch einmal auf eine Blognotiz aufmerksam, die beschreibt, wie es in dem Dörfchen Birk nach dem Weggang Beneschs weiter ging. Nach Jahrzehnte währenden Verfalls scheint sich die Gemeinde nun wieder - mit Unterstützung der ehemaligen Bewohner- etwas zu organisieren und verkauft sogar bäuerliche Produkte. Zwar nicht die legendäre Hirnwurst wie zu Beneschs Zeiten, aber immerhin Kräutersalze:

Die Feier hat mit dem Gottesdienst in der überfüllten evangelischen Kirche begonnen. Das Thema war „Der Himmel steht über alle“ und wurde zweisprachig geführt. Geleitet wurde die Zeremonie in der Kirche von dem evangelischen Pfarrer Zoran der die besondere Ehre hatte das Ornat seines Vorgängers Friedrich Benesch anziehen zu dürfen. Musikalisch untermalt wurde die Feier von Familie Kaufmann aus Deutschland und Frau Gerte Vöge aus Spanien. Gudrun Kaufmann ist nämlich die Tochter des ehemaligen Pfarrers Benesch und ist wie auch ihre Kusine Gerte Vöge in Birk geboren. Benesch war zwischen 1934 und 1944 Pfarrer in Birk und ist gleich nach dem Krieg nach Deutschland gezogen.“
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