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Apr 2013

Rob Steinbuch: Stigmata im Lichte der Anthroposophie

Aus dem Aufsatz:

„Rudolf Steiner hat in verschiedenen Vorträgen über den christlichen Schulungsweg gesprochen, welcher letztlich zu Stigmatisation und Aufnahme des Auferstehungsleibes (oder des Phantoms) führen kann. Er sprach darüber immer mit tiefstem Respekt.
Er ist meines Wissens der erste Forscher, der dabei die Aufnahme des Auferstehungsleibes erwähnt. Obwohl er keine Mitteilungen macht über die damit zusammenhängenden Erscheinungen, würde das vielleicht einige schon erwähnte Ereignisse besser verständlich machen, wie das nur Vertragen können von Trinkwasser, die medizinisch unerklärlichen Heilungen und die körperliche Unversehrtheit nach dem Tode.
Rudolf Steiner spricht über diesen christlichen Schulungsweg immer im Zusammenhang mit dem Schulungsweg, den er andeutet als „Rosenkreuzer-Schulungsweg“. In diesen Aufzeichnungen wird später darauf eingegangen.
Rudolf Steiner bildete seine Erkenntnisse über Mysterienfragen Schritt für Schritt. Während seiner Vorträge – wovon er ungefähr 6000 gehalten hat – erstattete er zwischenzeitlich „Berichte“ über seine Forschungsergebnisse. Dadurch konnte es geschehen, dass er über ähnliche Themen in aufeinander folgenden Vorträgen immer wieder neue Erkenntnisse hereinbrachte. Im letzten Vortrag findet man den letzten Stand seiner Forschungsergebnisse. Das gilt auch für seine Erkenntnisse die die Stigmatisationsfrage betrifft.
Rudolf Steiner ist gelegentlich auf dieses Thema eingegangen. Ich habe die folgenden drei Vorträge ausgewählt für eine nähere Betrachtung.“

Zum ganzen, umfangreichen Text von Rob Steinbuch..
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Die "öffentliche Meinung"

Rudolf Steiner hat sich 1913 - also im propagandistischen Vorfeld eines Weltkrieges - keineswegs überraschend gegen eine "öffentliche Meinung" schlechthin gewandt und sie als Hindernis auf dem Weg zu jeglicher Individuation bezeichnet- es sei "das Uniformierende" der öffentlichen Meinung, was das eigentliche Problem darstelle. Er sagt z.B. "Daher muss die Entwickelung immer mehr und mehr in das Innere eingreifen; so dass der Mensch in der Zukunft viel mehr einer öffentlichen Meinung gegenüberstehen wird, aber sein Inneres wird stärker geworden sein." (GA 141, u.a. s.S. 131)

Was ist aber "das Innere" im hier gemeinten Sinn? Es ist die Instanz in uns, die sich allen Meinungen und Impulse entziehen, quasi über ihnen wie ein Raubvogel kreisend schweben kann, und dann gerade aus den Gegensätzen heraus, aus Widersprüchen und widrigen inneren Antrieben und äußeren Hemmnissen intuitiv entscheidet. Wir sind so korrupt, so schnell zu faszinieren, dass "das Innere" und damit jede Freiheit des Denkens erst heraus zu bilden ist. Natürlich gibt es einen sozialen Druck, der von vielen Peergroups ausgeht, denen man angehört. Es bildet sich ein Ton, eine bestimmte Art von Vokabular z.B. je nach Beruf, Status und sozialer Herkunft aus, selbstverständlich. Wenn sie so nah an uns heran rückt - und sei es durch die eigenen Kinder, die Medienkompetenz und soziale Bindungen in ganz neuen Formen ausbilden wollen- ist es schwer, der "öffentlichen Meinung" zu widerstehen.

Nun waren und sind die Medien -Bücher, Zeitschriften, Fernsehen und das, was man mal als Radio kannte, geschweige denn vom Wissens- und Kommunikationsmedium Internet - Steiner nur zum Teil bekannt gewesen. Die mediale Welt kennt neuerdings ständig neue Erscheinungsformen- sie erfinden sich praktisch ständig neu. Medienkompetenz- d.h. der kritische Umgang mit Informationen - ist in der Fülle der Meldungen jeder Art längst zur schulischen Kernkompetenz geworden.

Die Medienlandschaft wird einerseits - wie etwa durch die US- Administration zur Begründung des Irak- Krieges- durch gezielte Lügen und Gerüchte ständig manipuliert, andererseits ist das freie Internet nicht nur für Diktatoren, korrupte Politiker und scheinbar allmächtige Weltkonzerne zum Schrecken geworden. Durch die zugleich globalere und individuellere Informationsverbreitung wird der einen "öffentlichen Meinung" das Genick gebrochen- unvermittelt schlägt aus der individualisierten Öffentlichkeit ein Echo zurück, das schwer kalkulierbar ist.

Aber in der Vielfalt der Meinungen, in dem vielstimmigen Chor, zu dem die "öffentliche Meinung" geworden ist, gilt es, sich zu integrieren, eine Form der Online- Identität zu finden. In der Zukunft wird sich die Teilhabe an der vollen Vielfalt des Individuums zum globalen Grundrecht entwickeln. Schon heute gehört es in Deutschland -als DSL- Anschluss - zum Standard der sozialen Grundleistungen wie Strom und Wasser. Wir können uns eine Nische suchen und uns davor verstecken- oder aber Mitgestalten, in welcher Form auch immer, an dieser virtuellen sozialen Plastik.

So weit man der Vielfalt der Meinungen folgen mag, braucht es auch Phasen weniger der Erholung als des ruhigen Überschauens. Es gibt einen Punkt, an dem das Subjekt sich im Strom des Verstehens selbst ergreift als das Verstehen selbst. Hier, im Inneren, das durch die Stille in einen Strom von Kraft mündet, im kristallenen, unkörperlichen Licht, erfrischen sich die Bildner, Ordner und Entscheider. Hier, in der klaren Höhe des ruhigen Vogelflugs, kommen die Meinungen wieder auf uns zu, wie Orte, die man betreten, anschauen und wieder verlassen kann; auch die eigenen Meinungen. Von hier aus kehrt man, innerlich gerüstet, in den Kanon der Meinungen zurück. Man überblickt sie wie eine Landschaft. Man ahnt, wie man sich einen Weg bahnen könnte. "Das Innere" ist "stärker geworden."
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Piero Cammerinesi: Vorurteil und Freies Denken Überlegungen zu Judith von Halle

Vor kurzem hat Michael auf einen längeren Artikel Piero Cammerinesis aufmerksam gemacht.
Ich habe diesen langen englischen Aufsatz mit großem Interesse gelesen. Obwohl er nicht mehr ganz neu ist (er stammt vom 21. Juni 2011), scheint er mir aktueller denn je zu sein.
Ich bin nicht sicher, ob ich in allen Dingen zu demselben Ergebnis kommen würde wie der Autor, aber sowohl seine Gedanken als auch die auszugsweise wiedergegebene Rede Judith von Halles, mit der er seinen Artikel beschließt, sind es meiner Ansicht nach wert, von unvoreingenommenen (und erst recht von voreingenommenen ;-)) Menschen gelesen zu werden.
Um diese Gedankengänge auch solchen deutschsprachigen Lesern zugänglich zu machen, denen es schwerfällt, längere englische Aufsätze zu lesen, habe ich mir die Mühe gemacht, den Artikel zu übersetzen. Während mir die Steiner-Zitate im deutschen Originalwortlaut zur Verfügung standen, mußte ich die zitierten Stellen aus Judith von Halles Vortrag aus dem Englischen rück-übersetzen – ich bitte also, zu berücksichtigen, daß es sich dabei nicht mehr um wörtliche Originalzitate handelt.

Ingrid Haselberger

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Ich hatte gerade mit einer Dissertation über Friedrich Nietzsche und Rudolf Steiner meinen Abschluß in Philosophie gemacht und ein Forschungsstipendium an der Universität in Freiburg/Breisgau, Deutschland, erhalten.
Professor S., mit dem ich zusammenarbeiten sollte, ein sehr bedeutender Professor, empfing mich mit großer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in seinem Büro. Während unseres Gespräches aber sagte er mir, daß er meine Arbeit zwar sehr schätze, aber nicht begreifen könne, warum ich über einen solchen mystischen – das war das Wort, das er gebrauchte – Autor wie Rudolf Steiner arbeiten wollte. Ich fragte ihn, was er von Steiner gelesen hatte, um zu einer solchen Ansicht zu kommen. Er antwortete sehr ausweichend, konnte sich nicht an die Titel erinnern und gab mir zu verstehen, daß er nicht sehr viele Bücher von Rudolf Steiner gelesen hatte; es war vollkommen klar, daß er nur die Ansichten anderer wiederholte. Ich war bestürzt über seine Antwort und empfahl ihm, die „Philosophie der Freiheit“ zu lesen, ein durch und durch philosophisches Buch, das ihm sofort gezeigt haben würde, wie weit sein Vorurteil von der Wahrheit entfernt war.
Einen noch größeren Eindruck machte es mir, als ich Jahre später erfuhr, daß dieser Lehrer, Professor S., inzwischen ein führendes Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft geworden war! Das Schicksal hatte neue Wege genommen und vorgefaßte Meinungen und Vorurteile mit der Gewalt eines Tsunami hinweggefegt.
Nun – das genau ist es, was ich meine, wenn ich von vorgefaßter Meinung („pre-conception“) spreche.

* * *

»Der Aufbau einer Gemeinschaft ist eine Michaelische Aufgabe, und wenn wir sie nicht ausführen können, dann ist es unsere Pflicht als Mitglieder der Esoterischen Schule, in uns selbst zu blicken und uns zu fragen, warum es uns nicht gelingt.
Die jetzige Erdenrückkehr der verschiedenen Persönlichkeiten, die als Repräsentanten unterschiedlicher Strömungen damals gemeinsam mit Rudolf Steiner die Begründung der Anthroposophischen Bewegung erlebt haben, sollte nicht länger zu Konflikten führen, sondern zur Erfüllung.
Das ist nicht mehr das Zeitalter des Kampfes zwischen Platonikern und Aristotelikern, sondern in der heutigen Zeit sollte der tiefe Gehalt ans Licht kommen, der diese Strömungen durchdringt: Anthroposophie, das Christusereignis.
«
[...]
Es sei daher wichtig, daß die Menschen Rudolf Steiners Forderung sehr ernst nehmen – wenigstens jetzt, wenn es schon damals nicht gelungen sei - , auf die wichtigen Beziehungen innerhalb der Gesellschaft zu blicken und anfangen, sich zu fragen, weshalb die anderen eine andere Ansicht haben. Warum geschieht das? »Nun, weil wir Menschen sind, weil mein Nachbar das linke Bein ist und ich das rechte. Nun begreife ich. Er ist nicht von irgendetwas besessen („compelled by anything“), er sieht nur alles in anderer Weise, aber es ist dieselbe Sache. Das ist der Impuls, auf den ich mich beziehe, davon rede ich
[...]
»Wir müssen uns fragen, welche Kräfte sich zeigen in den Initiativen der Gesellschaft. Arbeiten sie im Sinne der Dreigliederung, also für Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben? Wenn das der Fall ist, sprechen wir von christlichen Initiativen. Wenn nicht, dann sicherlich nicht. Wir haben die Mittel, das zu unterschieden, wenn es auch sicherlich schwierig ist
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K20, Düsseldorf

Das Palazzo Regale ist, wie man an dem überdimensionalen Plakat sieht, das neben dem Eingang des Museums K20 in Düsseldorf steht, eines der Highlights der Landeshauptstadt. Es ist die letzte Arbeit von Joseph Beuys vor seinem Tod, und es handelt sich dabei, was sofort bemerkbar wird, wenn an ihn betritt, um einen sakralen Raum.
k20

In der Mitte, vor dem Betrachter, liegen in einer großen, gläsernen Vitrine Überreste, die mit Kopf und Fell und anderen Gegenständen nicht nur zu einer Figur werden. Sie haben auch alle autobiografische Bezüge:

"In der vorderen Vitrine ist ein Eisenguss des Kopfes aus der Arbeit Straßenbahnhaltestelle in Venedig aus dem Jahr 1976 zu finden, sowie ein Luchsmantel, gefüttert mit blauer Seide, den Beuys bei seiner Performance Titus Andronicus / Iphigenie (1969) im Rahmen der „experimenta 3“ in Frankfurt am Main trug; des Weiteren finden sich in dieser Vitrine zwei Konzertbecken sowie das Gehäuse eines Tritonshorns (s. a. Triton), das auch als Blasinstrument verwendet werden kann. Beuys benutzte die Schnecke als Signalhorn im Oktober 1971, um, nach einer Besetzung des Sekretariats der Düsseldorfer Kunstakademie, den Erfolg seines Kampfes gegen den Numerus clausus zu feiern." Wiki

Das Sakrale des Raums wird nicht zuletzt erzeugt durch die sieben Goldstaub- bedeckten Tafeln, die auf eigentümliche Weise angeordnet sind. Durch die "autobiografische" Vitrine schaut man auf die fünfte Tafel, vier liegen rechts, zwei links. Die fünfte bekommt durch diesen autobiografischen Blickwinkel etwas von einer Zeitangabe, einer bestimmten Stunde im Weltgeschehen, inszeniert wie die Mittsommerwende in Stonehenge („Die Verehrung der Sonne und des wiederkehrenden Lichtes geht auf Traditionen in prähistorischer Zeit zurück.[1] Die Sonne hatte essentielle Bedeutung für das irdische Überleben. Die Sommersonnenwende trug einen Aspekt des Todes und der Vergänglichkeit in sich. Dem gegenüber standen die längerwerdenden Tage nach der Wintersonnenwende, die Leben und Auferstehung verkörperten. Diese Wendepunkte schlugen sich entsprechend in Ritus und Mythologie nieder.Bemerkenswert ist, dass die Sonne im abendländischen Kulturkreis immer dem männlichen Prinzip zugeordnet ist, jedoch hier eine Ausnahme im germanischen Sprachraum besteht, welcher in der Sonne die Mutter sieht. Schon steinzeitliche Kultstätten wie Stonehenge erfassten diesen Zeitpunkt mittels der relativ leicht feststellbaren Auf- und Untergangspunkte der Sonne, die zu Winterbeginn etwa im Südosten bzw. Südwesten liegen. Auch die Himmelsscheibe von Nebra als wichtiger bronzezeitlicher Fund dokumentiert die Sonnenwende. Quelle)
Ich denke, Beuys verweist hier als Zeitangabe auf die fünfte nachatlantischen Zeitepoche nach Rudolf Steiner, die eben die Gegenwart markiert. Beuys beschreibt sich damit als jemand, der seine Zeit tatsächlich repräsentiert hat.

Aber er selbst ist, wie er mit der zweiten Vitrine andeutet, schon auf der großen Zeitenuhr weiter gewandert - eine Uhr übrigens, die gegenläufig zur ganz irdischen Orientierung gerichtet ist. Die zweite Vitrine beinhaltet "einen graugrünen Rucksack mit einem Filzkeil in der Seitentasche, drei elektrische Klammern mit Kupferdrähten, zwei große Nadeln, sowie zwei Spazierstöcke aus Kupfer, drei vertrocknete Scheiben Schinken und ein großes Stück Speck Quelle.“
Das ist alles Wegzehrung, die man gut gebrauchen kann auf diesem langen Weg von einer Zeit in eine andere. Natürlich verdichten und erweitern wir uns als geistiges Wesen unterschiedlich, abhängig vom "Milieu", in dem wir uns befinden. Momentan ist es eine leibliche Selbsterfahrung, in Geschlechter getrennt, was ständig Reibereien gibt. Wir verschmelzen zeitweilig tatsächlich in unserem Körper, der doch nur ein einziger Ausdruck unseres Wesens ist, und ziemlich ungenau geraten, was noch hinzu kommt, und auch nur vorübergehend intakt. Gut, wenn man, wie in der zweiten Vitrine, mit Kupferstab und Drähten gerüstet ist für eine non- sensuelle und nicht-leibliche Kommunikation. Und Filz, damit wir warm bleiben in einer nicht- räumlichen Existenz, denn die Wärme ist es, die uns trägt, die uns ausmacht. Alles andere liegt nur darüber.

Die scheinbare Asymmetrie der Vitrine - sie stellt aber auch das Gleichgewicht gegenüber der Last der vier golden- bronzenen Tafeln wieder her- deutet hin auf etwas wie eine Bewegung- auf etwas hin, was außerhalb der zeitlichen Achse liegt.

Mit einem Besuch würden Sie das Museum und sich selbst erfreuen.
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Wolfgang Stadler: „Zeitreisen – Ein Gegenbild anthroposophischer Geistesforschung“, Sergej Prokofieff Eine Rezension

Sich für diese Dinge zu interessieren heißt noch lange nicht: die Ergebnisse einer Forschung vorwegnehmen. Interesse ist eine Art Voraussetzung für eine sinnvolle anthroposophische Erkenntnis.
Man kann sogar noch weitergehen und sagen: Ein Anthroposoph, der mit diesen Aussagen R.Steiners vertraut ist, wird besonders stark das Bedürfnis entwickeln, einen Menschen, der hellsichtig ist, stigmatisiert ist und nahrungslos lebt, kennenzulernen. Besonders wenn es sich um eine Person handelt, die einem „gegenständlich“ bzw. „geistig lebendig“ die Ereignisse von Golgatha schildern kann.
Und zunächst einmal könnte man als Anthroposoph auch auf den Gedanken kommen: wenn jemand meint, so eine Person gäbe es nicht - oder: so eine Person kann und darf es nicht geben – oder: so jemand ist „von bösen Mächten“ beeinflußt oder gar „schwarzmagisch manipuliert“ – dann kann es sich bei so einem Menschen nur um einen Gegner R.Steiners, der Anthroposophie – oder des Mysteriums von Golgatha handeln.
Und man könnte auch meinen: ein Vorstand einer anthroposophischen Gesellschaft will sicherlich als allererstes so einen Menschen kennenlernen – und wird ihn sicherlich schleunigst zu sich einladen, um sich ein Bild von der Glaubwürdigkeit eines solchen Menschen zu machen…
Aber: weit gefehlt! Sergej Prokofieff erklärt uns nachdrücklich, daß ihn – als Geisteswissenschaftler – das persönliche nicht interessiert. Stigmatisationen und Nahrungslosigkeit sowieso nicht.“

Zum ganzen Artikel
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Rob Steinbuch: Stigmata zur Diskussion - mit besonderer Berücksichtigung des Falls Judith von Halle

Am Samstag 13. Oktober 2012 wurde in Zeist (Holland) ein öffentliches Gesprächstreffen über „Stigmata“ gehalten.
Die folgenden Themen werden dabei besprochen:
- Die Bilanz nach acht Jahren; die Arbeit von Judith von Halle.
- Stigmata im Lichte der Religionswissenschaften.
- Stigmata im Lichte der Anthroposophie.
- Die Zukunftsperspektive.
Der Anlass zu diesem Treffen war das Bedürfnis über das Thema „Stigmata“ mit einander zu sprechen. Seit den Ereignissen während der Passionszeit 2004 in Berlin hat dieses Thema auch innerhalb der anthroposophischen Gemeinschaft mehr Interesse bekommen. Rund um dieses Thema sind einige Fragen entstanden:
- Wie stehen wir von der Anthroposophie aus gesehen gegenüber das Stigmata Ereignis?
- Wie verhalten wir uns gegenüber die Arbeit von Judith von Halle?
- Welche Bedeutung hat diese Arbeit für die Anthroposophie?
- Und andere Fragen die Teilnehmer diesbezüglich weiter stellen möchten...
Diese Aufzeichnung enthält Dokumentation zur Vorbereitung dieses Treffens und anschließend einen Bericht vom Gespräch selbst.

Judith von Halle wurde 1972 in Berlin geboren. Sie studierte Architektur und hat als Architektin gearbeitet. Bereits als Kind fühlte sie sich besonders mit Christus verbunden. Sie lernte die Anthroposophie im Jahre 1997 kennen und trat in Dienst der Deutschen Anthroposophischen Gesellschaft. Dort war sie bis 2005 teilzeitbeschäftigt. Von 2001 bis 2003 hielt sie im Rudolf Steiner Haus in Berlin Vorträge über das esoterische Judentum und die Apokalypse von Johannes.
In der Passionszeit von 2004 traten bei ihr die Wundmale Christi auf. Seit diesem Ereignis kann sie nur Trinkwasser zu sich nehmen. Sie hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihre Bücher sind erwähnt im Anhang dieser Aufzeichnung.

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Zum ganzen, umfangreichen Text von Rob Steinbuch
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Bildekräfte

Bildekräfte sind strukturelle Grundprozesse der Natur wie Aufnahme, Adaption, Zerlegung, Zerstörung, Neuorganisation, Wachstum, Ausscheidung, Fortpflanzung.

Es sind die Grundkräfte des Lebens, die in Organismen je nach deren Komplexität dementsprechend vielfältig und in sich und untereinander systemisch vernetzt sind ("Ätherleib").

Wir finden sie als beendeter Prozess (Gesteine, Minerale), in relativ schlicht organisierten Naturformen (Pflanzen), als Lebensgrundlage für fühlende (Tiere) und denkende (Menschen) Wesen. Eine Besonderheit beim Menschen ist, dass die strukturellen Grundprozesse nicht nur Grundlage seiner natürlichen Ressourcen sind, sondern sich von früh an und lebenslänglich in einer individuellen Prägung emanzipieren, und damit Lernen ermöglichen. Die Bildekräfte liegen beim Menschen somit an das Körperliche gebunden, aber auch als geistige Potentialität vor.

Der Mensch kann sich daher nicht nur seiner selbst bewusst werden, sondern ständig neue Adaptionsprozesse im Sinne lebenslangen Lernens vornehmen. Die doppelseitigen Lebenskräfte in ihm, die ihn als Wesen erhalten, aber geistig auch ständig neu wandeln lassen, erlauben es auch, dass er die Erfahrung der Überwindung des Dualismus zwischen Gewordenem (Natur) und Werdendem (Ich) machen kann, da die Natur seines Denkens als frei gewordene natürliche Kräfte von ihm ergriffen werden und die Verbindung zu dem Gewordenen, der gebundenen Natur, geschaffen und erfahren werden kann. Es gibt in dieser Hinsicht dann keine Trennung zwischen Natur und Bewusstsein.

Das Denken kann sich aufmachen, den immanenten Quell- und Werdeprozess in sich so zu realisieren, dass dieser dem Menschen bewusst wird, ohne dass er das Bewusstsein verlöre. Damit begibt sich der Mensch auf den Weg, selbst Schaffender und Gestaltender zu werden und wieder Frieden zu finden zwischen den gestaltenden Kräften von Natur und Erde und sich selbst.
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