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Rudolf Steiners letzte Inkarnation

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Rudolf Steiner hat sich zwar selbst nicht expressis verbis zu eigenen früheren Inkarnationen geäußert, aber doch Wilhelm Raths Untersuchung* über das Verhältnis von Steiner und Thomas von Aquin kurz vor seinem Tod gelesen und mit den etwas galligen Worten gelobt „Wenn mehr solches in unserer Gesellschaft geschrieben würde, brauchte ich nicht krank zu sein.“* Die Bemerkung war zuerst gegenüber Ita Wegman gefallen und ist Rath dann sofort hinterbracht worden. Dass Rudolf Steiner damit auch zum Ausdruck brachte, dass er das anthroposophische Gesellschaftsexperiment als krank machend - und damit als nicht tragfähig - erachtete, kommt mit dieser Bemerkung ebenso zum Ausdruck wie der von Rath nahe gelegte karmische Zusammenhang zwischen Thomas von Aquin und Steiner.

Rath hatte alle Bemerkungen Rudolf Steiners - vor allem in Rahmen von dessen karmischen Betrachtungen - gesammelt und im Kontext untersucht. Steiner hatte z.B. intensiv über die scholastischen Denker in der Auseinandersetzung mit Averroes - den Vertreter eines „arabischen“ Aristotelismus gesprochen - intensiv auch im Ausdruck: „Ja, so konnte man sitzen in der damaligen Zeit und die Lehre von der individuellen Unsterblichkeit mit allen scharf einschneidenden Gedanken verteidigen, polemisch werden gegen Averroes (..) Da saß man und versuchte, den Individualismus zu begründen..“ Averroes hatte fünfzig Jahre vor von Aquin die Lehre von der universellen, einen Intelligenz für alle Menschen formuliert - eine Intelligenz, in die der Mensch nach dem Tod aufging, und die somit keinen persönlichen Charakter hatte. Die sehr lebendige Auseinandersetzung des 13. Jahrhunderts wurde von Rudolf Steiner wieder aufgenommen- so dass man insbesondere in der ausformulierten Reinkarnationslehre eine Fortsetzung des Thomismus sehen kann. Dass Steiner so viel über diese Zeit - über das Wirken der Zisterzienser und Dominikaner im Besonderen - berichtet hat, führt er auf eine Begegnung mit einem Zisterzienser- Ordenspriester zurück - Pater Wilhelm Neumann, Professor an der Theologischen Fakultät der Wiener Universität, mit dem er sich in den 1880er Jahren traf, und der Steiner ins Gesicht gesagt habe: Die Keime zu diesem Vortrage, den Sie heute uns gehalten haben, die liegen schon bei Thomas von Aquino!“ (Rath, S. 35) Diese Bemerkung muss Steiner so tief berührt haben, dass er 40 Jahre später berichtete, er hätte (ohne den Namen Neumanns zu erwähnen) damals etwas gesagt bekommen, „in dem gelegen war seine Erinnerung an ein Zusammensein von ihm mit mir in einem früheren Erdenleben“ (Rath. S. 41). Dies ist die einzige konkrete Situation, in der sich Rudolf Steiner öffentlich über sein persönliches Karma geäußert haben soll.

Betrachtet man die Fülle von Äußerungen Rudolf Steiners über Thomas, darf man sie doch - mit aller Vorsicht- wohl auch als Selbstbeschreibungen betrachten. So beschreibt Steiner von Aquins sicheres "Urteil und Überzeugung“, was daran gelegen habe, dass Thomas in seinem eigenen Astralleib „denjenigen des Christus einverwoben bekommen hatte“ - mithin dauerhaft inspiriert gewesen sei. (GA 109,71). Thomas habe auch noch von den Ursprüngen des Schicksals gewusst- das „gelenkt (sei) von den Sternenintelligenzen“ (GA 199, 244). Thomas habe „frei von Irrtum..göttliche Gedanken“ wahrnehmen können, nicht als Mystiker, sondern als denkender Scholastiker: „Auf diese Weise finden wir in Thomas aufs neue gedacht die vorschöpflichen göttlichen Gedanken, frei von Irrtum und Täuschung, wie sie nur gedacht werden konnten in einer Klosterzelle, weit entfernt von dem Lärm der Welt. Der Mensch der Welt beeilt sich zu verstehen, sich schnell eine Auffassung zu eigen zu machen und alles zu vereinfachen. Aber die Gottheit ist nicht so einfach! Mit Thomas von Aquino erhebt sich der menschliche Gedanke. Er ist nicht weniger Mystiker als Scholastiker. Er konnte nämlich solche Beschreibungen geben, weil er die geistigen Hierarchien sah, so wie sie der Seher Dionysius der Areopagite uns gegeben hat, und in seinen langen nächtlichen Meditationen vor dem Altar konnte er die schwersten Probleme lösen. So finden sich in ihm vereinigt der Mystiker und ein Denker so hell wie ein Diamant und nicht von den Sinnen beeinträchtigt.“ (GA 109, 71f)

Die unmittelbare Inspiration - im Denken, fern von jeglicher Mystik - Thomas von Aquins führt Rudolf Steiner auch noch in anderen Worten aus: „Man kann zum Beispiel bei Thomas von Aquino im 13. Jahrhundert nicht sagen, was in seinen Büchern steht, sei auf eine solche Art gewonnen, wie heute Begriffe und Vorstellungen gewonnen werden. Das wäre falsch vorgestellt. Sondern was in seinen Büchern steht, müssen Sie sich so vorstellen, dass ihn fortwährend ein Geist aus der Hierarchie der Angeloi dazu inspiriert, und dass er dasjenige niederschreibt, was aus dem Bewußtsein eines höheren Geistes kommt. Nur auf diese Weise kann man alles Entstehende, alles Werdende begreifen. Nur auf die Weise, dass man zuhört, geistig, wie das einen inspiriert oder Imaginationen spendet, kann man über Werden, über Entstehen reden.“ (GA 176, S. 319)

Steiner sieht Thomas klar in der Reihe der Denker der spirituellen Intelligenz („Man sieht in dem, was Thomas von Aquino und seine Schüler, was andere Scholastiker geltend machen, die irdische Ausprägung dessen, was dazumal Michael- Strömung war: Verwaltung der lichtvollen, der spirituellen Intelligenz“.GA 237, 114), und zwar als den Bedeutendsten dieser Denker: „Erst die Auffassung Thomas’ von Aquino, des bedeutendsten christlichen Denkers, sucht die aristotelischen Gedanken in einer tief gehenden Art in die christliche Ideenentwickelung so weit einzuweben, als es in der Zeit dieses Denkers möglich war.“ ( GA 6.34f)

Da Rudolf Steiner, wie oben ausgeführt, nach der Begegnung mit dem „besonders ausgezeichneten Menschen“ (Rath, 41) Pater Wilhelm Neumann nach eigenem Bekunden früh klar war, dass „er sich als ein Fortsetzer des Thomas von Aquino in der Gegenwart fühlen durfte“ (Rath, S. 35), mögen die Äußerungen Steiners über Thomas als Selbstbeschreibungen betrachtet werden dürfen, aber andererseits als Erklärung dafür dienen, dass er selbst auf Wilhelm Raths direkte Frage danach nie eindeutig geantwortet hat.

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*Quelle Wilhelm Rath, Rudolf Steiner und Thomas von Aquino, Basel 2010/ 2
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