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Andrew Cohen & EnlightenNext- ein amerikanischer Guru

Bildschirmfoto 2012-04-29 um 19.01.43aus Cohen Website

Yes, ich lese gerade per Kindle- Lesegerät "American Guru: A Story of Love, Betrayal and Healing- former students of Andrew Cohen speak out" von William Yenner, der über weit über ein Jahrzehnt eine Art Manager für die EnlightenNext- Bewegung (so der heutige Name der Zeitschrift) war. Yenner ist auch nicht gerade freiwillig aus dem Bannkreis des auch in anthroposophischen Kreisen bekannten Gurus Cohen geworden. Er fiel vielmehr den regelmäßig stattfindenden Säuberungsaktionen innerhalb der Organisation zum Opfer, den immanenten und permanenten Ausgrenzungsmechanismen eines strikt autoritären Systems, an deren Spitze mit Cohen ein geld- und machtversessener, aber offensichtlich charismatischer Führer steht.

Die Methoden, deren sich Cohen in den internen Kreisen bedient, ist ein umfassender Spitzelapparat, dem sich Hunderte von aktiven Anhängern bereitwillig unterwerfen, um dann - angeblich um ihr "Ego" zu brechen- zunehmend gedemütigt, teilweise geschlagen und ihrer sämtlichen Ersparnisse (oder mehr) beraubt zu werden. "Beraubt" ist vielleicht der falsche Ausdruck- sie überschreiben das Geld, nehmen Kredite auf, um ihren auf sie scheinbar wütenden Guru zu besänftigen, der sich mit Kleingeld nicht zufrieden gibt, auch nicht mit buchstäblichen Unterwerfungen, Bädern in eiskaltem Wasser, stundenlangem Beten vor seinem Abbild. Die "Schuld", um die es sich handelt, ist meist sexueller Natur. Cohen kontrolliert alle (sexuellen) Beziehungen der ihm Hörigen und ahndet einen nicht von ihm genehmigten Kontakt (oder auch nur einen Akt der Masturbation)- eben alles, was die Spitzel ihm bereitwillig zutragen- so lange, bis es sie selbst erwischt. Es ist ein totalitäres System, das mit blumigen Implikationen und einem weltoffenen Erscheinungsbild verschleiert wird.

Das System funktioniert - nicht nur nach der Darstellung Yenners- aber stets so, dass nach Übertragung der teils erheblichen Geldbeträge (teils Millionen) die ausgegrenzte und gedemütigte Person durch anhaltende Isolation, Schläge oder anderes Brechen der Persönlichkeit zum Austritt veranlasst wird. Cohen hält seine Organisation dadurch lebendig, braucht aber auch ständig neue Märkte- eine quasi anhaltende Expansion, um immer wieder neue Geldquellen zu akquirieren.

Yenner liefert nicht nur einen Insiderbericht von der Spitze her (er hat das System selbst maßgeblich aufgebaut und organisiert), sondern reflektiert auch die totalitären Strukturen recht gründlich. Yenner hat alles für Cohen aufgegeben, selbst seine Ehe. Er trauert, wie man dem Buch anmerkt, bis heute um diese Beziehung zum verehrten Guru amerikanischen Zuschnitts, der allerdings nicht nur zynische, sondern auch unberechenbare, ja sadistische Züge zeigt und völlig korrumpiert zu sein scheint von der ihm zugewachsenen totalen Macht über Andere.

Das Grundprinzip von Cohens Apparat ist folgendes: "As strange as it sounds, my former teacher takes pride in (among other things) his ability to lie to and manipulate others. His community consists of concentric circles, each knowing only so much and not privy to what goes on in the ones above."

Yenner grübelt nach wie vor, was Cohen im Kern antreiben mag: Ist es "pleasure in deceit or lust for domination in himself? Is this the pathological template underlying Cohen’s pervasive demonization and abuse of those students who dare to disobey, contradict or leave him?"

Im Endeffekt sieht er in Cohen einen charismatischen Manipulator: "It is the shock of coming face to face with a monster that destroys because it can, that derives an experience of euphoria, arousal or pleasure from the recognition of what it can get away with, believing that no one will stand in its way."
Aber dämonisieren sollte man ihn nach Yenners Meinung nicht- Cohen selbst in seinem Machtwahn innerhalb seines Erleuchtungs- Zirkus zeigt eigentlich im Grunde infantile Züge: "..less as diabolical than as childish and at times even infantile."

"Karmische Schuld" bei kleinen Vergehen abzutragen, hat in Cohens System einen festen Wert, nämlich mindestens 20000 Dollar: "You actually even said to me and a few others at one time that when a ‘committed’ or a ‘senior’ student “blows it,” it’ll cost them $20,000 in karmic retribution." Nun gut. Eine möglicherweise teure Erfahrung, die einige Jahre des Lebens kosten mag und einen desillusioniert und mit Sicherheit ohne die versprochene Erleuchtung zurück lässt. Manche Aussteiger - vor allem die, die nicht gezahlt haben- werden in Cohens Auftrag auch verfolgt, um sie zu "überreden", zurück zu kehren. Wer diesen Preis für leere Versprechungen zu zahlen bereit ist, mag ja bei EnlightenNext eine Art esoterisches Abenteuer finden. Es ist natürlich ein abgenagter Knochen, den man eigentlich schon bei Osho ausreichend kennen lernen durfte. Aber offenbar braucht jede Generation ihre eigenen surrealen Gurus, egal wie soziopathisch sie daher kommen mögen. Anfänger - auch in anthroposophischen Kreisen- preisen die Härte und „Konsequenz“ in Cohens System. Das Ganze hat natürlich mit den freilassenden und menschenfreundlichen, ewig diskutierenden und streitenden Anthro- Kreisen gar nichts zu tun. Aber die Möhre, die in diesem Fall „Erleuchtung“ heißt, baumelt den Newbies vor der Nase und wirkt bezaubernd, egal wie hart sie Cohen oder seine Leute herannehmen, kritisieren und demütigen sollten. Dass die totale Kontrolle in den inneren Zirkeln letztlich überall hin führt, nur nicht zur Erleuchtung, wird aber meist erst nach dem kruden Erwachen bei systematischer Ausgrenzung und Ausbeutung deutlich.

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