Das gereinigte adventliche Denken | EgoBlog | Die Egoisten

Das gereinigte adventliche Denken

Georg Kühlewind schreibt in "Die Belehrung der Sinne", Stuttgart 1990, S. 53:
"Rein wird das Denken durch dreifache Reinigung: Rein von Emotionen, rein von Wahrnehmungselementen und rein von Vergangenheitselementen."

Der erste Punkt, die Reinheit von Emotionen, bedeutet keinesfalls das Ausbleiben von Gefühlen. Aber das Selbstgefühl, das Gefühlige, das, was sich in eingebildeter Devotion badet, muss in einem meditativen Setting insofern ruhen, als sich der Praktizierende daraus befreit. Der innere Abschied von rastloser Alltagsbezogenheit in einer inneren Freiheitserklärung gelingt nur allmählich und ist als Reinigungsphase zu verstehen. Kühlewind nennt das auch explizit so.

Die "Reinheit von Wahrnehmungselementen" meint nicht nur das willentliche Ausschalten äußerer Eindrücke, sondern auch den Wust der neuronalen Rückmeldungen durch das körpereigene Kommunikationssystem, in das wir mit erheblichem energetischen Aufwand verstrickt sind.
Schweigen der inneren und äußeren Wahrnehmung ermöglicht das Erwachen der damit gebundenen Kräfte, die nun frei sind und dem fokussierten Denken wie kräftige Flügelschläge in die Kühle Luft des Geistes heben. In Bezug auf meditative Methoden wie Wortmantren wird in dieser Phase die inhaltliche Bindung der Gedanken zugunsten einer rein dynamischen überschritten ("wobei mehr der Gedankengang als der informative Inhalt verfolgt wird", Kühlewind).

Der dritte Schritt der Reinigung ist gegenüber all dem bislang Erreichten fundamental grundsätzlicher. Denn nun wird die schon ausgebaute selbständige geistige Potentialität tatsächlich realisiert- tatsächlich gelebt, mit - was vielleicht abgedroschen klingt- mit jeder lebendigen Faser. Denn das Reine Denken entdeckt sich selbst - Alchemist seiner eigenen Identität-, indem es "frei wird von Vergangenheitselementen" (Kühlewind). Das Gedachte ist immer schon das, was gedacht ist. Man hat es schon gedacht. Was aber, wenn ich mich orientiere an dem, was keine Orthaftigkeit mehr kennt, was unter dem winterlichen Auge des Himmelsherrschers Jupiter steht, aber in steter Bewegung? Was selbst Bewegung ist, bewegt auch in sich entfaltender, entfachender Empfindung?

In der Weite der weißen Landschaft verschwimmen alle Konturen des Das-da, aber auch meine eigenen. Leere allein ist kein Wert an sich, solange sie sich nicht füllt mit der essentiellen, alles überstehenden Wärme meines eigenen Seins, das die Nacht erfüllt.

blog comments powered by Disqus