Michaeli | Die Egoisten
Elsbeth Weymann: Michaeli und die Waffenrüstung Christi

Epheserbriet 6, 10-18


Für das auf euch Zukommende
macht euch stark in dem Kyrios
und in der Kraft seiner Stärke.

Zieht an die Ganzrüstung des Gottes,
damit ihr in euch stehen könnt gegen die Anschläge des Widersachers.

Denn nicht ist uns aufgegeben der Kampf gegen Blut und Fleisch,
sondern gegen die Archai,
gegen die Exousiai,
gegen die Allherrscher dieser Finsternis,
gegen die Geister des Bösen unter den Himmeln.

Deshalb verbindet euch hinauf mit der Ganzrüstung Gottes,
damit ihr widerstehen konnt an dem Tag des Bösen
und als solche, die alles überwunden haben,
stehen könnt.

Seid nun standhaft:
umgürtet eure Hüften mit Wahrheit,
umkleidet eure Mitte mit Gerechtigkeit,

und bindet unter eure Füße die Bereitschaft für das Evangelium
des Friedens.

In allem aber nehmt auf den Schild des Glaubens,
mit dem ihr könnt löschen alle Pfeile des Bösen, -
alle feurig gemachten.

Und den Helm des Heils nehmt an
und das Schwert des Geistes:
das ist das Wort Gottes.

In all dem seid Betende, in Gebet und Bitten,
in jedem Augenblick im Geist;
dafür seid wachend
in ganzer ausdauernder Treue.



Mit großer Klarheit ist in diesem Brief des Paulus das Böse in seiner jeden Menschen betreffenden Realität angesprochen. Es erscheint nicht als Abstraktum, sondern als geistige Großmacht, mit den gleichen Namen "Archai, Exousiai", wie sie aus den Engelreichen bekannt sind. Gegen diese "Allherrscher der Finsternis", allgegenwärtig in der Welt und in jedem Menscheninnern, gilt es, "Christus anzuziehen", wie eine Rüstung.
Dringt man über die scheinbar martialische Beschreibung der Rüstung eines römischen Soldaten vor zu ihrem Gehalt, so zeigt sich das Bild eines zu erringenden strömenden, geistigen Licht-Schutz-Gewandes. Dies wird aber nicht einfach gnadevoll verliehen, sondern der ganze Text ist durchzogen von Imperativen, Aufforderungen an jeden Menschen, der sich ansprechen lasst, zur Tätigkeit:
macht euch stark, ..ziehet an, ..verbindet euch hinauf, ..umgürtet euch, ..umkleidet euch, ..seid Betende, ..seid wachsam", usw.

Wenn man die Wege zu den jeweils angesprochenen Körperregionen verfolgt, ergibt sich ein höchst dynamisches Bild einer göttlichen Kräftewirkung, die den ganzen Menschen wie ein Lichtgewand umfassen und um- und durchleuchten soll.

Es beginnt mit dem Schutz-Gewand als Ganzem (Ganzrüstung),
geht herunter zu den Hüften (Hüften - Wahrheit),
von dort hinauf in die Mitte, in den Brustraum (Thorax - Gerechtigkeit),
herunter zu den Füßen (Füße- Frieden),
hinauf zur linken Hand (Schild des Glaubens),
weiter empor zum Kopf (Helm des Heils = Christus),
und hinunter zur rechten Hand (Schwert des Geistes = Wort Gottes).

Beschlossen wird dies Bild eines „Lichtrüstung-Streiters" noch durch drei Aufrufe: Den Augenblick, den Kairos, zu ergreifen im aktiven Beten, in sich wachend zu sein, wie ein Hirte bei seiner Herde, in ausdauernder Treue gegenüber der geistigen Welt zu leben.

Die Darstellung dieser „Waffenrüstung Christi" mündet in das Bild eines „Helm des Heils" für den Kopf und das „Schwert des Geistes, das Wort Gottes" für die rechte Hand. Sprechend ist, dass vor allem der Kopf und mit ihm das Denken des besonderen Schutzes bedürfen. „Feurige Pfeile" gilt es in ihrer Qualität zu unterscheiden: - sind sie gut oder böse? Feuer und Licht - oder Feuer und Verführung - oder Feuer und Vernichtung tragend? Für diese immer aktuellen Fragen gibt das "Schwert des Geistes, das das Wort Gottes ist" im Zusammenklang mit allem bisher Angesprochenen eine Grundrichtung.

Machaira, das Wort für Schwert, meint nicht nur den Gegenstand, sondern bedeutet ebenso: „Unterscheidungskraft". Dieses Richtmaß der „Unterscheidungskraft, die das Wort Gottes ist", kann vom hierfür erwachenden Menschen aufgenommen werden. Wie es im Epheserbrief an anderer Stelle heißt:

"Wach auf du Schläfer
und steh auf von den Toten
und Christus wird dein Licht sein
" (Eph. 5,4)

So kann diese Textstelle des Kämpfers, der erwachend, gnadevoll empfangend und auch selber tätig ist, ein Bild für unsere heutige Michaelszeit sein.
Denn gegen die „Allherrscher der Finsternis", die allgegenwärtig im Umkreis des Menschen und ebenso in seinem Innern leben und Macht haben, muss in jedem Augenblick diese Licht- Rüstung neu errungen werden.