Johanni | Die Egoisten
Elsbeth Weymann: Johanni


Mark. 1,1-12

1 Uranfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes!

2 So wie geschrieben steht bei Jesaja, dem Propheten:
"Siehe,
ich sende meinen Engel vor dein Angesicht,
der wird bereiten dir den Weg.

3 Stimme eines Rufers in der Wüste:
bereitet, jetzt, den Weg des Ich-Bin,
macht gerade seine Pfade."

4 Es trat auf Johannes, der Täufer, in der Einode,
und er verkündete die Taufe zur Sinnes-Umwendung,
die von der Sünde befreit.

5 Und es kam heraus zu ihm das ganze Land Judäa,
und es kamen die Menschen von Jerusalem alle
und ließen sich taufen von ihm im Jordanfluss,
und sie sprachen aus all ihr Getrenntsein.

6 Bekleidet war Johannes mit einem Gewand aus Haaren des Kamels,
und er trug einen Gürtel, einen ledernen, um seine Hüften,
und er aß Heuschrecken und den Honig der Wildbiene.

7 Er verkündete und sprach:
"Er kommt, Er, der starker ist als ich, nach mir,
dessen bin ich nicht wert, zu neigen mich
und zu lösen die Riemen seiner Sandalen.

8 Ich, ich taufe euch mit Wasser,
Er aber, Er wird taufen euch in dem Heiligen Geist."

9 Und es geschah in jenen Tagen:
Jesus kam von Nazareth in Galiläa,
und Er wurde getauft von Johannes im Jordanfluss.

10 Und sogleich, heraus steigend aus dem Wasser,
sah Johannes sich öffnen die Himmel
und den Geist wie eine Taube hinabsteigen in Ihn,

11 und eine Stimme erscholl aus den Himmeln:
"Du,
du bist mein Sohn, mein geliebter,
in Dir habe ich mich offenbart,"


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Johannes der Täufer

Liest man den ersten Satz des Markusevangeliums laut, so klingt er wie eine weithin tönende Fanfare, die mit Kraft und rhythmischem Klang zu dem Wort des Propheten Jesaja überleitet. Man kann sich fragen: Was geschah zur Zeit des Markus, wenn im Bedeutungsgewebe eines Textes Altes, durch Jahrhunderte in Tempel und Synagoge Gehörtes und Gelesenes wieder auftauchte? Die sachliche Bezeichnung ist "Zitat". Für den Hörer der Zeit des Urchristentums wird aber etwas Tiefergehendes, etwas wie eine Wieder-Begegnung stattgefunden haben, die prophetisch Verkündetes mit seiner eigenen Gegenwart und Zukunft verband. Die durch das Zitat bei Markus wieder aufklingenden Worte des Propheten Jesaja klangen nun zusammen mit der neuen Frohbotschaft von Jesus Christus und seinem Vorverkünder Johannes.
Jedem frommen Juden zur Zeit Christi war der folgende Jesaja- Text (40,1-5) bekannt, dessen Worte aus V. 3 im Text des Markus verwoben sind:

Tröstet, tröstet mein Volk,
spricht euer Gott-Elohim (... )
Eine Stimme ruft: in der Wüste bahnt einen Weg für den Ich-Bin,
ebnet im Verdorrten eine Straße
unserem Gott-Elohim!


Das 2.500 Jahre alte, in historischer Situation gesprochene Trostwort des Propheten Jesaja und der Aufruf zur Wegbereitung für den Christus in der eigenen Seele (MkV3) klingen wie in eigenstandiger Zweistimmigkeit zusammen. Durch diese Ver-Webung von Evangelium und Jesajatext entsteht etwas Neues, etwas Überzeitliches, etwas vom Hörer und Leser frei im Jetzt zu Greifendes.