Himmelfahrt | Die Egoisten
Elsbeth Weymann: Himmelfahrt

Apg. 1, 4-12


Und während sie miteinander das Mahl hielten, gebot er ihnen,
nicht von Jerusalem zu weichen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters:
"von der ihr durch mich gehört habt;

denn Johannes taufte mit Wasser,
ihr aber werdet in den Heiligen Geist hinein getauft werden
nicht lange nach diesen Tagen."

Die nun zusammen gekommen waren, fragten ihn und sprachen:
"Kyrie, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Königreich für Israel?"

Er aber antwortete ihnen:
"Nicht an euch ist es, Zeiten oder Augenblicke zu kennen,
die der Vater in seine eigene Exousia gestellt hat,

aber ihr werdet empfangen eine Kraft,
wenn herabkommt der Heilige Geist auf euch,
und ihr werdet meine Verkünder sein in Jerusalem
und ganz Judäa und Samaria, bis ans Ende der Erde".

Da Er dies sprach, waren sie schauend,
dass Er emporgehoben ward,
und eine Wolke nahm ihn auf, hinweg von ihren Augen.

Und während sie unverwandt in den Himmel schauten, wandelte Er,
und siehe,
zwei Männer traten zu ihnen, in Gewändern, glänzend-lichtvoll,

und sagten: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr, in den Himmel schauend?
Dieser Jesus, der empor-empfangen wurde,
fort von euch in den Himmel,
wird kommen in gleicher Weise, wie ihr ihn geschaut habt,
in den Himmel wandelnd!"

Da wandten sie sich nach Jerusalem,
zurück von dem Berge, der da heißt Ölberg.


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Wir sind gewohnt, von der Himmel- „Fahrt“ Christo zu sprechen, aber der griechische Text sagt etwas Anderes und Erhellendes. Die Bewegung Christi in die Dimension des "Himmels" hinein wird wörtlich als „wandeln, wandern“, aber nicht als "fahren" bezeichnet. Dies gibt dem ganzen Geschehen einen anderen Charakter. lm Deutschen sind zudem mit dem Wort "wandeln" ganz direkt Begriffe verwandt wie „verwandeln“ und auch "Wandlung".

Diese Ver-Wandlung des "in den Himmel" wandelnden Christus, die die Apostel direkt erleben und in einer Sphäre und einem Bewusstsein außerhalb von Raum und Zeit schauen, wird ihnen durch die Worte derEngel noch zu vertiefendem Begreifen gebracht. Denn die Gottesboten vertrösten nicht auf eine „Wiederkunft" Christi in ferner Zeit, sondern fassen in Worte, dass die Menschen Christus schauen werden: sich verwandelnd und damit die Sphären Himmel und Erde verbindend, - "in gleicher Weise" wie das eben von den Aposteln Erfahrene.

Vielleicht ließe sich statt von Himmel-"Fahrt", dieses gewaltige Geschehen ahnend, von "Himmels- Verwandlung" sprechen? lm Sinne dessen, was im Sakrament als "Wandlung" von Brot und Wein in Bezug auf Christus erfahren werden kann. Oder wie es im Credo der Christengemeinschaft, die Sphären Himmel und Erde in Bewegung und im Jetzt verbindend, heißt: „Herr der Himmelskräfte auf Erden.“