Prolog | Die Egoisten
Prolog

Übersetzung und Kommentar von Elsbeth Weymann
Joh. 1, 1-14



Im Innenraum der Urkräfte war und ist wirkend der Logos,
und der Logos ist in Bewegung auf den Gott hin,
und ein göttliches Wesen ist der Logos,

dieser ist in Bewegung auf den Gott hin.

Alles ist durch Ihn geworden
und ohne Ihn ist auch nicht Einzelnes geworden.

Was geworden ist, in Ihm war und ist es Leben,
und das Leben ist das Licht der Menschen,

und das Licht scheint im Inneren der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht überwältigt.

Ein Mensch ward, ausgesandt von der Gotteswelt,
mit Namen Johannes.

Dieser kam zum Zeugnis,
dass er zeuge von dem Licht, damit alle durch ihn glauben.

Nicht war dieser das Licht,
sondern dass er zeuge von dem Licht.

Es war und ist das Licht, das offenbare,
das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt gekommen.

In der Welt ist Er, und die Welt hat Ihn nicht erkannt.

In das Seine kam und kommt Er,
und die Seinen nahmen Ihn nicht auf.

Die Ihn aber aufnehmen,
denen gibt Er die Kraft aus Gott Geborene zu werden,
denen, die sich empor- entfalten, in Seinen Namen hinein,

die nicht aus dem Blut,
nicht dem Willen des Leibes
und nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.

Und der Logos ist Leib geworden
und hat in uns sein Zelt aufgeschlagen
und wir haben seine Offenbarungs- Herrlichkeit geschaut,
eine Offenbarung als die des ein- geborenen Sohnes vom Vater,
voller Gnade und Wahrheit.

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Spricht man den Prolog im Ganzen laut, so ist man getragen von seinem großen Atem, noch jenseits aller inhaltlichen, weltumspannenden Aussagen. Im Vers 14 kommt es dann wie zu einer sich herabsenkenden Ruhe, einer Art „Ankunft“, wenn es heißt: Und der Logos ist Leib geworden und hat in uns sein Zelt aufgeschlagen.

In wenigen erhabenen Worten ist die Menschwerdung des Gottes im ersten Teil des Satzes angesprochen - und dennoch als Mysterium belassen.

Mit dem zweiten Satzteil taucht das Wort „Zelt“ auf. Dieses Wort, das den Ort der Erscheinung des Göttlichen in der Welt meint, reicht in einem großen Bogen durch die ganze Bibel. Er führt vom Heiligen Zelt (Ex. 25 ff und Ex. 36ff) der sogenannten „Stiftshütte“ des Alten Testamentes, auch „Zelt der Offenbarung“ genannt, bis zur „großen Stimme“ der Apokalypse: „Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen“ (Apk. 21, 3)

Da in den meisten Übersetzungen dieses immer wieder auftauchende Wort „Zelt“ mal mit „Wohnung“, mal mit „Hütte“ übersetzt wurde, hat sich diese klar durchgehende, leuchtende Spur des in beiden Büchern der Bibel immer gleichen Wortes verwischt.

Wie eine gewaltige Metamorphose dieser Wohnorte des Göttlichen im Alten und Neuen Testament, dieser „Zelt“- Orte, kann einen nun der Satz aus dem Prolog anmuten. Denn es heißt über den sich inkarnierenden Christus- Logos: „und hat in uns sein Zelt aufgeschlagen“.

Die göttliche Welt hat im Innern des Menschen ihr „Zelt aufgeschlagen“. Das ist die in Vers 16 angesprochene „Fülle“, aus der „Gnade über Gnade“ empfangen werden kann.
Der Prolog des Johannes Evangeliums kann so in seiner erhabenen Gestalt wie mit einer Wort- Spur zum Wesen führen.